Wie ich meinen Aufenthalt in der Traumaklinik erfolgreich gestaltete.

Traumaklinik - Hab keine Angst

Abschiedsbild - Kunsttherapie - "Bin auf meinem Weg".
Abschiedsbild - Kunsttherapie - "Bin auf meinem Weg".

Ich habe 10 Wochen stationäre Traumatherapie, in der Klinik am Waldschlößchen, absolviert. Ich möchte euch sagen, was ich getan habe, um für mich das Beste zu erreichen. Jeder Mensch ist anders, jeder Mensch hat seine Baustellen und jeder Mensch geht, während seines Aufenthaltes, seinen eigenen Weg. Es liegt in der Verantwortung für uns selbst! Es ist ein harter, anstrengender Weg, der mir sehr viel abverlangt hat. Alle meine Anstrengungen haben sich gelohnt. Ich habe nicht alles geschafft, aber ich bin ein gutes und großes Stück, auf meinem Weg, voran gekommen. Dafür bin ich sehr dankbar.

 

Ich möchte euch sagen, wie ich es gemacht habe, was ich gebraucht habe. Damit möchte ich euch Mut machen diesen Weg zu gehen und euch ein wenig die Angst nehmen, vor so einem Schritt.

 

Wie ich, für mich selbst, den Klinikalltag gemeistert habe.

  • In der Klinik am Waldschlößchen, Dresden, gibt es überwiegend Einzelzimmer. Ich konnte mir Ruhe und Rückzug gönnen, wie ich es brauchte.
  • Ich habe mir „Wegbegleiter“ mit genommen: dänischen Hoptimist, dänischen Nisser, meine kleine bunte Glücksschnecke und den lustigen Vogel mit Brille (Geschenk meiner besten Freundin).
  • Eine Thermoskanne, einen Thermosbecher, eigenen Tassen gehörten auch zu meiner Ausstattung. So konnte ich, wann ich wollte, Kaffee kochen (in der Patientenküche).
  • Da rauchen nur auf dem Hof gestattet ist, war mein Thermosbecher mit Kaffee, früh am Morgen, vor dem Frühstück, mein wichtiger Begleiter. In der Lobby gab es erst nach dem Frühstück, vom Kaffeeautomaten, sehr guten und frisch gemalenen Kaffee (1,00 Euro). In der Regel begannen die Therapien schon zu diesem Zeitpunkt.
  • In der kalten Jahreszeit, ist es in den Räumen warm, so dass ich luftige Kleidung an hatte und darüber eine sehr dicke Jacke. für den Weg zu den Therapieräumen, die sich in unterschiedlichen Häusern befanden. Warme Pullover brauchte ich nur in der Freizeit, für längere Aufenthalte im Freien.
  • Wichtig sind auch leichte Schuhe, mit fester Sohle. Da ich immer zwischen den einzelnen Gebäuden hin und her musste, waren Hausschuhe nicht der Bringer. Winterschuhe den ganzen Tag aber auch nicht. Ein paar Turnschuhe waren meine gute Wahl, an wärmeren Tagen auch gefütterte Plastlatschen.
  • Jeder Patient bekommt zu Beginn einen Paten. Dieser hat mir gezeigt wo sich die Therapieräume, die Patientenküche, der Gruppenraum, der Essenraum, die Pflegestation und die Waschmöglichkeit befanden. Darüber hinaus erzählte sie mir schon von Gepflogenheiten und Regeln. Ich bin an meinem ersten Tag mit ihr mit gelaufen, aber so wirklich wusste ich danach nicht wo was war. So erging es aber den meisten Patienten. Es klärt sich dann alles, in den ersten Tagen, mit dem einleben in das Klinikleben.
  • Wenn ich etwas nicht wusste, habe ich mir Hilfe gesucht. Ich habe meine Patin, das Personal an der Rezeption oder in der Pflegestation gefragt, je nach Thema.
  • Ich habe mich an die Klinikregeln stets gehalten. Mir war sehr bewusst, dass ich in einer Klinik bin, nicht in einem Hotel oder einer Erholungseinrichtung. Die Regeln sind nicht da, um mich einzuengen. Sie sind gemacht, um den Klinikalltag und bestmögliche Therapien abzusichern. Ich muss nicht alle Regeln verstehen, aber einhalten.
  • Von Beginn an, habe ich mich nicht abgesondert (ist mir sehr schwer gefallen), habe mich zu anderen dazu gesetzt oder gestellt. In der Regel ist Kontakt schnell hergestellt, so wie man es aushalten kann oder möchte.
  • Ich habe die Menschen angenommen, wie sie waren. Ich konnte viele Menschen kennen lernen. Andere habe ich in den 10 Wochen nicht wirklich kennen gelernt. Das war auch bei den Menschen in meiner Gruppe so. Jeder hat seine Baustellen und jeder geht anders damit um.
  • Ich habe Menschen nur umarmt, wenn ich ganz sicher war, dass sie es mochten bzw. es aushalten konnten. Wenn ich unsicher war, habe ich gefragt ob er/sie umarmt werden möchte. Einmal habe ich es nicht getan, weil ich mich so freute. Da habe ich erlebt wie drastisch ein Mensch darauf reagieren kann, ich hatte sie getriggert.
  • Ich bin Menschen begegnet bzw. habe mit ihnen gesprochen, wie ich selbst gern mit mir umgehen würde oder wie ich mit meiner Freundin sprechen oder umgehen würde. Ich habe andere Menschen wertschätzend und achtsam behandelt.
  • Ich war immer ehrlich und immer ICH selbst. Ich habe mich zu bestimmten Dingen ruhig und sachlich geäußert, denn nur wenn ich etwas sage, kann ich etwas ändern.
  • In der Therapie war ich ehrlich und offen, mit meinem Wissen, nur was der Therapeut weiß, kann er therapieren. Wenn ich etwas nicht verstanden habe, habe ich nachgefragt. Das STOP sagen ist mir sehr schwer gefallen, aber auch das ist manchmal nötig.
  • STOP sagen ist immer erlaubt und erwünscht. Wenn mir etwas zu weit ging, mich getriggert hat oder ich überfordert war, habe ich STOP gesagt, bin für einige Zeit oder ganz aus dem Raum gegangen und habe mich in der Pflegestation gemeldet.
  • Ganz wichtig war für mich, achtsam mit mir selbst zu sein, meine Grenzen wahrzunehmen und zu beachten. Es bringt überhaupt nichts, wenn ich alles will, alles mitmache, jede Therapie durchziehe, durchhalte, Dissoziationen bekomme und dann nicht mehr weiß wie lange ich das aushalte, mir das Leben zu viel wird und ich am Wochenende völlig weg breche. Ich hatte meine Grenzen und habe bitter gelernt sie einzuhalten.
  • Ich habe stets vermieden mich in negative Gespräche/Situationen hinein zu begeben. Einerseits weil ich Probleme/Stimmungen nicht aushalten konnte, andererseits weil es nicht mir passiert ist oder nicht meine Jacke war. Ich habe mich, auf mich selbst konzentriert, denn mir erging es gut. Ganz vermeiden konnte ich es aber nicht. Wenn ich Gedanken dazu hatte, sie nicht kontrollieren konnte oder sie mich selbst sehr beeinträchtigt haben, habe ich meine Therapiezeit geopfert, um darüber zu sprechen, damit es mir selbst wieder gut gehen konnte.
  • Ich habe auch Patienten getroffen, wo mir nicht klar war, warum sie in die Klinik gekommen sind, anderen den Therapieplatz genommen haben. Sie haben an allem etwas auszusetzen, regen sich ständig über diese oder jenes auf, unterhalten sich laut und negativ über Therapeuten, Therapie und andere Patienten … Ich bin ihnen aus dem Weg gegangen und habe es meiner Therapeutin erzählt, so dass schnell Abhilfe geleistet werden konnte. So etwas geht überhaupt nicht!

Einige Klinikregeln, die wohl in allen Kliniken ähnlich oder die selben sein dürften:

  • Dein Trauma wird nicht offen ausgesprochen. Es wird nur in deiner Einzeltherapie besprochen!
  • Du kannst am Abend bis 22.00 Uhr – Freitag und Samstag bis 23.00 Uhr die Klinik verlassen. Danach beginnt die Schließzeit. Das heißt du kommst zwar raus aber nicht wieder hinein.
  • Bei verlassen der Klinik trägst du dich in einem Meldebuch aus bzw. ein. Wenn du das wiedereintragen vergessen hast, vergewissert sich die Nachtschwester, per Telefon, gegen 22.00 Uhr, ob du wieder da bist.
  • Alle Mahlzeiten gehören zum Therapieplan. Du musst in den Essenraum gehen, teilnehmen und deine Teilnahme im Buch eintragen. Wenn du eine Mahlzeit auslassen möchtest, wird dies mit deiner Therapeutin abgesprochen, die dich dann abmeldet.
  • Du erhälst einen Wochentherapieplan. Alle Therapien, die er beinhaltet, musst du absolvieren. Geht es dir sehr schlecht und du möchtest eine Therapie auslassen, musst du dich in der Pflegestation abmelden. Möchtest du bestimmte Therapien (z. B. Drama, Kunst) wird das mit deiner Therapeutin besprochen, die dich dann anmeldet und es auf deinem Therapieplan vermerkt.
  • Alkohol oder Alkoholhaltige Süßigkeiten/Speisen sind verboten.
  • Rauchen ist nur auf dem Hof gestattet. Nach 22.00 Uhr / 23.00 Uhr ist es nicht mehr möglich.

Ich wünsche euch einen erfolgreichen Klinikaufenthalt und einen guten Weg. Traut euch.