Ich nehme Abschied. Meine Mutter ist über die Regenbogenbrücke gegangen.

Abschied vom Abschied


Du bist über die Regenbogenbrücke gegangen.

Der Regenbogen hat einen neuen Farbstern bekommen.

Du weißt jetzt, ob man sich wieder sieht, dort im Himmel.

 

Ich vertraue manchmal darauf, weil ich mein Kind wieder sehen möchte.

Ja, irgendwie sehen wir uns sicher wieder, denn wir haben eins gemeinsam, wir sind tot.

Tod, ein Wort, das mich triggert. Ich kann damit nicht wirklich umgehen.

Das erste Mal als der Tod zu mir kam, war ich zu jung dafür und mein Kind starb.

Es war niemand da, der mich hielt, der mir Kraft gab, der mich in den Arm nahm.

 

Auch du konntest es nicht.

 

Jetzt bist du gegangen, eingeschlafen, tot.

Ich habe mich schon vor geraumer Zeit von dir verabschiedet.

Doch jetzt ist alles anders.

Ich gönnte dir dein Leben, so wie es war.

Du solltest leben, froh sein und die Welt sehen.

Ich konnte es nicht aushalten in deinem Leben.

Ich konnte nicht leben, wie du es wolltest.

Ich konnte dir nie gerecht werden, habe nie deine Liebe gespürt.

Es war dein Leben, nicht mein Leben.

Du hast gegeben, was du konntest und für dich normal war.

Jetzt ist es anders.

Ich weiß nicht mehr, dass es dir gut geht.

Jetzt bist du nicht mehr im Leben.

Du bist tot.

Das ist endgültig.

Ein Endgültiger Abschied.

 

Wie nehme ich Abschied?

Abschied, von meiner Sehnsucht nach dir, deiner Liebe.

Wie nehme ich Abschied vom Abschied?

Ich weiß es nicht.

In mir wühlen die Gedanken.

Gedanken der Sehnsucht, der Erinnerung, der Vorwürfe, meiner Liebe zu dir.

Was ändert es? Nichts. Du bist tot.

Ich werde die Sehnsucht und die Erinnerung immer in mir tragen.

Ich werde sie verarbeiten und aufarbeiten, damit ich leben kann.

Was bleiben wird, ist meine Liebe zu dir, trotz alle dem.

Und das ist gut so.

 

Ich bin mir sicher, du wolltest nur das Beste für mich.

Du hast gegeben, wozu du selbst in der Lage warst.

Sicher hast du dich auch mal über mich gefreut.

Das ich meinen Weg gehe, war für dich selbstverständlich.

Doch all die „Gefühlsduselei“ war dir sehr unangenehm.

 

Aber genau so ein Mensch bin ich.

Gefühlsduselig – liebevoll, warmherzig, offen, mitfühlend und wertschätzend.

All das, was du mir nicht geben konntest, weil du es selbst nie bekommen hast.

Du wusstest nicht, wie schön die Welt der Gefühle ist.

Ich aber, weiß jetzt ganz genau, das ich viele Gefühle in mir habe.

Die Depression hat mir hart gezeigt, was falsch in meinem Leben läuft.

Sie hat mir gezeigt, dass da ein ganz anderer Mensch in mir wohnt.

Meine Gefühle werden wieder hervorkommen.

Ich werde sie leben und nie mehr verstecken.

Ich bin einzigartig, etwas Besonderes und das ist gut so!

 

Danke Mutti, dass du mich geboren hast.

Danke, für alles, was du mir geben konntest.

Ich liebe dich.

 

17.01.2017