Gedanken zu meiner Therapiestunde

21.02.2017 - Gedanken zur Therapiestunde

Heute war Therapie, endlich. Nach drei Wochen ist natürlich viel zu erzählen. Zuerst sind meine Dissoziationen Thema. Sie werden hinterfragt und dann, dann bin ich erwischt. Ich habe mein Gelerntes nicht angewendet, um sie zu vermeiden und mein Kopfkino zu beherrschen. Kein Stressball, kein Kühlakku, kein Duft und kein Kopfflickflack. Ich habe es schlicht vergessen. Das hat der Therapeutin überhaupt nicht gefallen. Ich habe Besserung versprochen.

Heute habe ich viel über meine Kindheit und das Verhältnis zu meinen Eltern gesprochen. Auch welchen Schlag mir die Nachlassunterlagen versetzt haben. Ich habe erzählt, dass es mir nicht gefällt, was ich derzeit im Kopf habe und das es so viele Dinge auf einmal sind, die auch Bilder erzeugen. Ja, es ist wohl so wie die Therapeutin sagt. Es ist der Tod meiner Mutter. Es ist normal. Es hat etwas mit Trauer zu tun. Mit Trauer über den Tod, darüber mein Leben verschwendet zu haben und darüber, die Entscheidung einer Trennung, von den Eltern, erst im vergangenen Jahr getroffen zu haben. Die Erkenntnis, dass mein Vater, über Jahrzehnte, so viel Einfluss auf mein Leben hatte. Ich nie geschafft habe meinen Eltern entgegen zu stehen und zu leben wie es mir gefällt. Die Erleichterung darüber, dass es vorbei ist, ist wie weg geblasen. Ich hoffe ich kann das alles bald hinter mir lassen.

 

Dann haben wir noch über die Depression gesprochen. Ich soll aufpassen, nicht alles was für Depressive gut ist, ist auch gut für mich. ??? Ich dachte immer meine Depression wäre über mich herein gebrochen und irgendwann wären die Traumata an die Oberfläche gekommen. Mir war ja lange Zeit gar nicht bewusst, dass ich Traumata habe. Auf die Gedanken, dass mein Leben, mit den Traumata die Depression erzeugt hat, bin ich nicht gekommen. Meine Traumata haben mich wohl immer begleitet, nicht offen und für mich bemerkbar, aber sie haben immer mein Leben beeinflusst. Sie waren immer da. Meine Therapeutin ist der Meinung, dass meine Traumata – die Posttraumatische Belastungsstörung für die Depression verantwortlich ist. Sie sind es auch, die meine Gefühle einsperren. Ich habe die Traumata nur überlebt, weil ich meine Gefühle verstecken lernte, verleugnen lernte und nicht mehr zuließ. Irgendwann habe ich diese Gefühlssperre immer weiter ausgebaut, weil ich sonst verrückt geworden wäre.

 

Das macht für mich Sinn. Im Umkehrschluss heißt es aber für mich, so lange ich meine Traumata nicht annehme, aufarbeite, hineingehe mit allem was ich habe und dann loslasse, werden sich meine Gefühle verstecken.

 

Traurig ist für mich, dass die Posttraumatische Belastungsstörung erst so spät, durch meine Ärztin, diagnostiziert wurde und in 120 Therapiestunden nicht festgestellt wurde. So habe ich auch Zeit vergeben, für eine richtige Therapie. Der Weg in eine Traumaklinik hätte viel eher erfolgen können. Aber es war eben nicht so. Gut, dass ich im Sommer 2016 selbst die Entscheidung für die Traumaklinik herbei geführt habe. Die Traumabearbeitung wird mein Weg sein müssen. Falsch! Es kann mein Weg sein, wenn ich ihn gehen möchte. Und genau das, weiß ich im Moment gerade nicht. Aber hab ich eine Wahl, wenn ich wieder leben möchte? Nein!