Glück und Pech gehören zusammen wie das Licht und der Schatten. Ich habe es erlebt und meine Gefühle flüsterten leise: das ist Glück.

Glück und Pech im Miteinander

Heute könnte ich sagen, mich hat das Pech verfolgt. Ich könnte aber auch sagen, mich hat das Glück verfolgt. Ja, ich habe es erlebt, wie nah Glück und Pech zusammenliegen.

 

Am Morgen hatte ich Glück. Ich hatte einen recht guten Start in den Tag. Ich hatte genug Motivation für meine Ergotherapie. Danach wollte / musste ich noch meinem Hausarzt einen Besuch abstatten. Danach wollte ich in die Kirche fahren. So war der Plan.

 

Pünktlich um 9.50 Uhr war ich in der Ergotherapie. Oh Wunder, es war niemand da. Das Wunder klärte sich sofort. Heute musste die Ergotherapie ausfallen, weil alle Ergotherapeuten krank sind. Man hatte schlicht vergessen, mich anzurufen. Gibt Schlimmeres. Ich konnte eben eher zum Hausarzt gehen. So kam ich denn beim Hausarzt an und auch da war gerade nicht viel los. Damit war es kein Problem, dass ich doch zum Arzt hinein musste, nur um ein Schreiben ausfüllen zu lassen. Geduldig setzte ich mich in das fast leere Wartezimmer. 10 Minuten später war es voll, alle Plätze besetzt. Trotzdem war ich nach weiteren 10 Minuten schon dran und noch 2 Minuten später war ich wieder draußen. Papier ausdrucken und ich konnte meines Weges gehen.

 

Ich hatte also Pech mit meiner Ergotherapie, die nicht stattfand. Hatte aber Glück beim Hausarzt, wo ich deshalb so früh war und schnell dran war.

 

Wie mein weiterer Tagesplan es vorsah, fuhr ich dann in die Altstadt. Es windelte und leichter Sprühregen begleiteten mich. Ich wollte in die katholische Hofkirche, eine Kerze für mein Sternenkind anzünden. Als ich dort ankam, sagte mir ein rotes Schild, dass die Kirche bis 13.00 Uhr geschlossen war. Mist. Was nun, eine Stunde Zeit, bei dem Wetter. Ich überlegte und entschloss mich, es mit einer Kaffeezeit in der Altstadt zu versuchen. Ich fand ein schönes Plätzchen, draußen, in der Münzgasse beim Spanier. Ich saß dort ganz allein. Ich bestellte einen Latte und spanisches Spritzgebäck mit warmer Schoki, auf Empfehlung der super netten Bedienung. Eine gute Wahl, es war ober ober lecker. So saß ich da und auf einmal konnte ich die Zeit genießen. Ich fühlte mich dort wohl. Ich glaube wirklich, dass ich es fühlte. Ich saß einfach da, schaute über die leeren Tische mit ihren Kerzen die Gasse hinunter, schaute nach den Leuten, die im Regen an mir vorüber zogen, freute mich darüber, dass auch die Sonne vorbei schaute und saß einfach so vor mich hin. Zwei mal schaute die Bedienung nach mir – ALLES GUT. Ich trank noch einen zweiten Latte, dann machte ich mich wieder auf zur Kirche.

 

Ich hatte Pech, dass die Kirche gerade geschlossen war. Glück hatte ich, weil ich mich zur Kaffeezeit in der Münzgasse entschloss und diese wirklich genießen konnte. Ich hätte es nicht erlebt, wäre die Kirche offen gewesen. Das ist Glück.

 

In der Hofkirche schaute ich mich heute nach Engeln um. Heute an dem Tag, als mein Kind über die Regenbogenbrücke ging und ein Engel wurde. Ich habe einen Engel im Himmel und als Stern leuchtet sie jede Nacht zu mir herunter. Heute wollte ich ihr ein Licht in den Himmel senden. Ein Licht meiner Liebe und Sehnsucht. Nach dem ich einige Engel fotografiert hatte, ging ich zur Maria mit dem Kind. Dort zündete ich meine Kerze an. Sie leuchtete ganz hell in den Raum. Ich setzte mich eine Weile dort auf die Bank und versank in Erinnerungen. Ich redete mit Daniele. Wahrscheinlich auch laut, denn ich wurde von einer Frau komisch angeschaut. Egal. Es tat gut, dort zu sein.

 

Auf dem Weg zur Straßenbahn ging ich heute in die kirchliche Buchhandlung, die auf dem Weg liegt. Ich weiß nicht, was es war, dass ich hinein ging. Ich schaute mich um. In einer Vitrine sah ich ganz viele Engel. Es ist nichts ungewöhnliches in so einem Geschäft. Zwei Engel, mit rosa und hellblauen Schuhen, „sprachen“ mit mir. Irgendetwas war da. Sie berührten mich. Ich stand wie gebannt vor dieser Vitrine. Ist ihnen nicht gut, fragte mich die Verkäuferin. Alles gut, ich möchte bitte den Engel mit den rosa Schuhen kaufen, antwortete ich. Einen Engel mit rosa Schuhen und buntem Ball zum spielen. Die Vorstellung, dass Engel rosa Schuhe tragen und mit bunten Bällen spielend ihre Zeit verbringen gefiel mir sehr. In mir kam eine Welle von Traurigkeit an, die ich mit nach Hause nahm.

 

Glück und Pech liegen nah beieinander. Ich habe es erlebt. Mein Pech hat mir Glück gebracht. Das Glück, seit langer Zeit, wieder einmal Zeit zu genießen. Wahrzunehmen, dass nicht nur meine Gedanken gerade etwas schön finden, sondern auch mein Herz. Das nicht nur meine Gedanken traurig sind, sondern auch mein Herz. Das ist Glück für mich.

 

 

Ich bin sehr dankbar für diesen Tag. Es ist ein schöner 24. Februar. Danke.