Wieder in Gedankenwirbeln und Dunkelheit gefangen. Auf der Suche nach meinem Weg. Auf der Suche nach Antworten. Auf der Suche nach dem Wohin.

Wohin des Weges? Ich weiß es gerade nicht.

 

Ich habe gerade so viele Fragen im Kopf, so viele Gedanken, so viele Erinnerungen.

Ich weiß gerade nicht wohin ich gehöre, wohin ich gehe – so nur für mich.

 

Meine jetzige Therapie stellt, für mich, so vieles in Frage. Habe ich die ganzen Jahre, nicht genug an mir gearbeitet? War vieles von dem, was ich dort annahm, falsch?

 

Wie geht es Ihnen, eine Frage die ich ehrlich beantworte. Ich hatte gute Tage und andere Tage. Tage an denen ich meine Tagesstruktur eingehalten und auch Alltagsaufgaben erledigt habe. Tage an denen ich mich mit aller Kraft überwinden kann, doch wenigstens etwas zu tun. Tage an denen es am Nachmittag besser wird. Ja, und ich habe Tage an denen ich zu nichts im Stande war, viel geschlafen habe und müde sowie antriebslos und kraftlos vor dem Laptop saß. Tage an denen ich Energie habe und so was wie Freude fühle und Tage an denen alles an mir vorbei geht, ich teilnahmslos, leer und völlig in der dunklen Stimmung gefangen bin.

Bisher habe ich immer geglaubt, dass es so ist. Ich habe versucht die Tagen zu nehmen wie sie sind, in dem Wissen es kommen auch wieder bessere Tage. So ist es ja auch. Meine guten Tage haben sich in ihrer Anzahl und Intensität stark vermehrt. Ich bin sehr froh darüber. Es zeigt mir, ich bin wieder ein Stück voran gekommen.

 

Aber warum werden jetzt meine schlechten Tage in Frage gestellt? Warum kann es jetzt keine Tage geben, an denen ich zu nichts fähig bin? Warum heißt es jetzt, sie müssen etwas dagegen tun und die Tagesstruktur trotzdem einhalten. Sie können mal weniger tun, aber sie müssen dran bleiben. Sie haben es in der Traumaklinik doch auch geschafft, warum funktioniert es dann jetzt nicht? Was ist der Auslöser für ihre schlechten Tage? Was haben sie erlebt, was ist passiert, dass es ihnen schlecht geht? Sie habe schon immer das Problem, nicht durch zu halten, zeigt auch ihr Therapiebericht aus der Verhaltenstherapie. Sie wissen, das Aktivität ihnen gut tut. Sie haben die Freude am fotografieren wieder gefunden. Sie haben gemerkt, wenn sie aktiv waren, das es ihnen danach besser ging. Warum können sie dann nicht dranbleiben? Warum geht es ihnen im Urlaub gut und hier zu Hause nicht? Was ist anders? Was ist der Auslöser?

 

So viele Fragen, auf die ich keine Antworten weiß. So viele Fragen, die mich belasten, die Druck erzeugen, die Zweifel fördern, meine Selbstachtung sinken lassen und mich wieder als Versager fühlen lassen. Kann ich denn nichts richtig machen? Bin ich zu schwach für das Leben? Bin ich selbst Schuld daran, an dieser Stelle zu stehen, noch krank zu sein?

 

Ich ackere und ackere und sehe die kleinen Schritte. Ich übe mich seit Jahren in Geduld. Ich habe gelernt, bevor ich etwas tue, genau zu überlegen für wen ich es tue und ob es mir gut tut. Ich habe gelernt, die Tage anzunehmen, wie sie sind. Ich habe gelernt, dass für mich oft alltägliche Dinge, anstrengend sind und meinen gesamten Willen benötigen, es manches Mal aber trotzdem nicht geht. Ich habe gelernt, dass ich nicht mehr alles leisten kann bzw. nicht mehr so viel kann und mich darin geübt es zu akzeptieren. Ich übe mich darin, ich selbst zu sein, mich selbst anzunehmen wie ich bin und zu sagen was ich denke. Immer und immer wieder. Immer und immer wieder, Tage, Woche, Monate, Jahre im Kampf mit mir selbst, im ständigen Kampf mit der Dunkelheit, im ständigen Kampf mit der Selbstachtung. Im ständigen auf und ab der Depression. Achte auf deine Gedanken, achte auf deine Gefühle (die nicht da sind), achte darauf was du tust, sei achtsam in dem was du tust, tue es bewusst und lobe dich dafür, sei gut zu dir selbst, tue dir was gutes …

 

Und dazu jetzt: halte dich an die Tagesstruktur, egal wie es dir geht? Erledige kleine Alltagsaufgaben, auch wenn du denkst, nichts geht? Sei aktiv, auch wenn es dir schlecht geht? Das Leben ist zu schwer für mich. Es gibt Tage, da ist schon der Weg vom Bett aufs Sofa schwer und der Kopf streikt total, ich einfach keine Kraft zum leben habe. Und schon kommt mir wieder dieser Satz in den Kopf: in der Tagesklinik hat es ja auch geklappt. Ja, und zum Glück haben meine schlechten Tage immer bis zum Wochenende gewartet. Ja, und ich habe mich gequält und trotzdem wichtige Therapien nicht geschafft. Ja, und ich hatte oft den Eindruck ich drehe durch und war froh als ich 10 Wochen durchgestanden hatte. Ich sehnte mich so sehr nach Ruhe und Alleinsein. Ja und es hat sich gelohnt, ich würde es wieder tun. Doch ich kann mich nicht jeden Tag quälen, ich möchte auch einfach mal nur sein, auch wenn das nicht viel ist.

 

Ich habe gerade den Sinn für das Alles verloren. Aber habe ich eine Wahl? Nein! Wenn ich jemals wieder erfahren will, was Leben ist, was ein schöner Alltag ist, was Freude ist, dann muss ich weiter machen.

Irgendwie.

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