Der Urlaub war wunderschön, mir ging es gut. Zu Hause ist alles wieder normal im Auf und Ab. Wo ist der Auslöser dafür? Gibt es einen Auslöser?

Im Urlaub ist alles gut? Auf der Suche nach einem Auslöser.

Ich hatte in meinem Urlaub sehr gute und gute Tage. Hier zu Hause hatte ich in der folgenden Woche gute und schlechte Tage. Ich habe mir darüber keine Gedanken gemacht, weil ich es ja jetzt schon 6 Jahre kenne. Also nichts Neues. Für mich nur ein Grund, die Erinnungen an den Urlaub wach zu halten und zu wissen, ja es gibt sie diese Tage wo ich wirklich leben kann.

 

Und doch war es anders, in diesem Jahr. Ich hatte 3 wirklich tolle Tage. Tage an denen ich wirklich leben konnte. Ich war zeitig wach, ohne Morgentief. Ich war den ganzen Tag, ohne Anstrengung, aktiv. Ich hatte so was wie Gefühle in mir, ich war nicht leer. Ich fühlte mich sehr wohl an diesen Tagen. Natürlich war ich am Abend sehr müde und bin sehr früh im Bett verschwunden. Aber das war überhaupt kein Problem. Ich hatte wirklich gute Tage.

 

Nach meinem Geburtstag, der wunderschön war, wurden die Tage anstrengender. Immer noch war ich aber sehr aktiv und erlebte eine schöne Zeit. Es war aber anders als die Tage zuvor. Es war anstrengender und ich hatte Mühe wirklich zu erleben, was ich sah. Ich musste mir wieder selbst sagen, dass es gerade schön war. Ich konnte es nicht mehr erleben, in mir war es wieder einerlei. Ja, auch Gedanken nach Hause zu wollen oder die Sehnsucht nach Ruhe waren da, aber ich konnte sie verdrängen. Trotzdem sage ich im Rückblick, ich hatte einen wunderbaren Urlaub. So schöne Tage hatte ich schon Jahre nicht mehr. Sie haben mir die Hoffnung gegeben, dass ich irgendwann wieder ganz normal leben (fühlen) kann. Sie geben mir die Kraft weiter zu kämpfen, weiter zu gehen, weiter auf die Therapie zu vertrauen.

 

Also was ist es im Urlaub, was so anders ist, als zu Hause?

Es ist Urlaub! Kein Alltag. Ich glaube, ich konnte mein Leben lang, im Urlaub aussteigen. Darauf gekommen, bin ich nicht allein. Mein Sohn sagte mal zu mir: „Im Urlaub warst du immer so ganz anders wie zu Hause, wenn der Alltag dich wieder gefressen hat“. Ich glaube es ist auch heute noch so, mehr oder weniger. Mein Kopf schaltet immer noch auf Urlaub und blendet alles vom Alltag aus. Er schaltet auf funktionieren und leben.

 

Urlaub am Meer, das ist so schön. Ich liebe es. Am Meer ist es am Schönsten. Die ruhigen weiten Strände, den Sand unter den Füßen und den Wind im Gesicht. Die Wellen wispern, plätschern oder grollen an den Strand und lassen die Kiesel lustig singen. Die schönste Musik der Welt. Die Möwen schreien hier und da und lassen sich im Wind treiben. Der Himmel strahlt mit der Sonne um die Wette. Es duftet himmlisch nach Meer. Auch wenn der Himmel grau ist und die Wolken ziehen, das Meer tobt und ein tief dunkles Blau zeigt, ist es einfach nur wunderbar an seinem Ufer entlang zu schlendern. Die Steilufer sind mein liebstes Domizil. Hier lebt die Natur und zeigt ihre schönsten Seiten. Steine, Muscheln und Strandholz suchen, ist meine schönste Beschäftigung. Danach noch durch die kleinen ruhigen Orte schlendern und die schönen Häuschen anschauen, die so ihren eigenen Charme haben. Den Abend ruhig ausklingen lassen, Fotos sortieren und früh müde ins Bett fallen. Kaum Fernsehen, keine Nachrichten, kein Facebook, keine Zeitvorgaben. Ich bin clean von all den Nachrichten und allem Alltagsdruck, aus dieser verrückten Welt. Das ist Urlaub. Da ist meine Seele frei. Frei von allen Sorgen, Nöten, Befindlichkeiten, Alltagsaufgaben und Alltäglichkeiten. Es ist etwas Besonderes.

 

Ja, irgendwann muss man dann auch wieder nach Hause. Natürlich möchte ich dort bleiben, aber Urlaub ist begrenzt. Das ist so. Die Freude auf das Wiederkommen ist doch etwas Wunderbares. So bleibt Urlaub auch immer etwas Besonderes und das ist gut so.

 

Ich komme gern nach Hause, jetzt wo ich in Dresden wohne. Schon wenn ich über die Bundeslandgrenze fahre, sagen ich: wir sind zu Hause. Dresden, die schönste Stadt der Welt und ich darf hier leben. Wir haben eine wundervolle Wohnung, die alles hat was wir brauchen. Unsere Wohnküche in der mich die Dänemarkfahne begrüßt, unser Wohnzimmer wo Leinwände mit Fotos vom Meer an der einen und Hühnergötter an Seilen, an der anderen Wand hängen. Unser Balkönchen, das so schön maritim gestaltet ist. Alles in unserer Wohnung zeigt die Liebe zum Meer und zu Dänemark. Wir haben es hyggelig. Wir sind sehr zufrieden, mit dem was wir haben. Ja!

 

Doch zu Hause, ist auch Alltag. Alltag mit all den Kleinigkeiten die das Leben bringt, mit all den alltäglichen Aufgaben, mit all den Kontakten zu den Kindern und Enkelkindern, zu Freunden. Mit all den kleinen und größeren Sorgen, mit all den Ansprüchen die das Leben stellt, mit all den Aufgaben die erledigt werden müssen, mit den Therapiestunden, den Spaziergängen, dem Einkaufen, alle dem was mir heute Kraft und sehr oft auch Überwindung kostet. Selten kann ich einfach mal so etwas tun, auch wenn es heute schon leichter ist. Auch wenn ich heute gute Tage habe, an denen ich einiges schaffe oder erledige. Ich glaube ich habe ein sehr gutes Leben.

 

Also wo ist der Auslöser dafür, dass es mir zu Hause wieder schlechter geht? Ich weiß es nicht.

Kann es sein, dass der Alltag anstrengender ist als Urlaub, dass der Kopf wieder in den Normalmodus umschaltet, dass der Körper sich vom Urlaub erholen muss, dass auch alle die Einflüsse von Außen mich anstrengen oder schon mein einfacher Alltag für mich zu schwer ist?

 

Ich weiß es nicht. Für mich gibt es solche und solche Tage, immer und immer wieder. Auf und ab, hoch und runter. Ich versuche die Tage zu nehmen wie sie sind und ihnen zu geben was ich kann.