Selbstbewusst - selbstBewusst

Selbstbewusst oder selbstBewusst

Ein Morgenimpuls zum Thema Selbstbewusst, von Anke Vogler, hat mich zu intensiven nachdenken veranlasst, um meine Sichtweise dazu heraus zu finden.

 

Selbstbewusstsein, was bedeutet das? Für mich sind es Menschen, die für sich selbst Sicherheit, Vertrauen und Gewissheit in ihren Handlungs- und Denkweisen spüren. Sie haben ganz sicher ein hohes Selbstwertgefühl und sind überzeugt von ihren Fähigkeiten. Ihr Auftreten ist von hoher Selbstsicherheit geprägt.

 

Selbstbewusstsein entsteht durch Beobachtung und Reflexion seiner selbst oder anders ausgedrückt: des eigenen Ich, der eigenen Persönlichkeit. (nach E. Kant) Das Selbstbewusstsein als Ergebnis der Anerkennung durch den Anderen sich herausbildet, und sich in Abhängigkeit eines Gegenüberstehenden formt bzw. verwandelt. (nach Hegel) 

 

Zwei Sätze die mir sagen, ich konnte in meiner Kindheit kein Selbstbewusstsein erlernen, habe es später manchmal gespürt und in den letzten 10 Arbeits- und Lebensjahren ist es völlig zerstört worden. Mein Leben lang habe ich mich an anderen orientiert, habe nach Anerkennung von Außen gesucht, habe ich immer wieder für mich selbst reflektiert: ich bin nicht gut genug, ich kann nichts richtig machen. Wie sollte sich da Selbstbewusstsein oder Selbstsicherheit entwickeln? In mich selbst hinein zu schauen, meine Gefühle wahrzunehmen und zu achten, es mir selbst wert zu sein, waren Dinge die ich nie gelernt hatte. Natürlich hatte ich auch sehr positive Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse, von vielen wertvollen Menschen. Sie konnten meinen Absturz, am Ende, aber nicht verhindern.

Jetzt könnte ich einem alten Sprichwort glauben - Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr – aber ich weiß, dass dieses Sprichwort nicht stimmt. Ich glaube daran, dass Selbstbewusstsein positiv veränderbar ist, je mehr ich selbstBewusst werde.

In den 6 Jahren meiner Depression lernte und lerne ich nun mein eigenes Ich zu stärken, zu festigen und zu achten. Ich gehe einen langen Weg, selbstBewusst zu werden. Ich lerne mich selbst genau zu hinterfragen. Fragen an mich selbst - was will ich, wie geht es mir, kann ich mir selbst vertrauen, was kann ich und will ich, ist es wirklich meine Entscheidung … - sind jetzt in meinem Leben wichtig. Ich bin mir wichtig und nicht mehr was andere von mir denken.

So bin ich, eben wie ich bin.

Es ist wie mit einem Boot auf dem Meer (deshalb auch dieser Name meiner Facebook-Selbsthilfegruppe). Ein Boot wird gebaut, um für Menschen zu arbeiten, da zu sein. Es schippert auf dem Meer, in allen Wellenlagen. Es liegt mal schief im Sturm und ein anderes mal braucht es einen Motor, um voran zu kommen. Es hat keine Angst vor dem Meer und vertraut auf seine Kräfte. Es ist stets für andere da, schafft schöne Erlebnisse und braucht andere um zu überleben. Mit der Zeit bekommt es Risse, die Farbe blättert ab, Maschinenteile verschleißen und bekommt auch Narben. Wenn es nicht gepflegt, regelmäßig gewartet und GENUTZT wird, wird es zerstört.

Hier habe ich bewusst auf das Wort BENUTZT verzichtet. Für mich ist dieses Wort, in diesem Kontext, negativ besetzt. GENUTZT heißt: nutzen, pflegen, wertschätzen, achten. BENUTZT heißt: benutzen bis es auseinander fällt.

Ja, ein Boot ist ein Gegenstand, ein Arbeitsmittel, ein Erholungsort und kann nicht für sich selber sorgen. Hierin liegt der Unterschied zum Menschen, denn dieser kann und muss für sich selbst sorgen. Und doch ist es wie mit den Menschen.  

Ich habe mich mein Leben lang an anderen Menschen orientiert, habe mich benutzen lassen, habe anderen Menschen geglaubt, nicht an mich selbst und für mich selbst nicht gesorgt. Als ich vor 6 Jahren meinen Absturz hatte, habe ich mir geschworen: DAMIT IST NUN SCHLUSS!

 

Ich habe Hilfe angenommen und nutze sie noch. Ich bin mir selbst bewusst geworden, das ich ein wertvoller und wertschätzender Mensch bin, das ich nicht alles falsch gemacht habe, dass ich vieles kann und was mir in meinem Leben wichtig ist. Mir ist sehr bewusst, dass ich auch Fehler gemacht habe, sehr viele. Ich lerne damit umzugehen, um mich nicht mehr selbst zu verurteilen. Ich lasse mich dafür von keinem anderen Menschen abwerten, demütigen oder verurteilen, denn sie waren nicht auf meinem Lebensweg. Sie wissen nicht, was ich weiß. In diesem Punkt bin ich sehr selbstBewusst.

 

SelbstBewusst werden, ist ein sehr langer Weg. Es gibt so viele Dinge, große und kleine, die mir jetzt bewusst werden. An sich selbst zu arbeiten, sich selbst bewusst werden, bedeutet für mich: Erfolg, Angst, Freude, Leid, Geduld, Ungeduld, Freude und Hass. Vor allem bedeutet es loslassen. Loslassen von alten Glaubenssätzen, von alten eiternden Wunden, von der Vergangenheit und von Menschen die mir die Kraft rauben. Anschauen, aufarbeiten, loslassen, neue Glaubenssätze initiieren und viel Geduld mit mir selbst haben.

 

Ich habe meine bösen Geister (alte Glaubenssätze) immer bei mir, dessen bin ich mir selbst bewusst. Ich lerne mir selbst zu vertrauen, auf mich selbst zu hören, mich selbst zu lieben. Ich habe so viele positive Erfahrungen in meinem Leben gemacht und mache sie noch, dass ich allen Grund habe, an mich zu glauben.

Es sind die alten Glaubenssätze, die mich immer wieder straucheln lassen, aber nur, um danach weiter zu gehen. Das was mir im Herzen wichtig ist, meine Empathie und meine Werte sind für mich und andere Menschen wertvolle Eigenschaften und Handlungsweisen. Noch ist es ein langer Weg, dessen bin ich mir sehr bewusst. Das machen mir meine Gedanken immer wieder deutlich. Zum Beispiel wenn ich „Nora Fielings“ oder „Herrn Bocks“ Texte lese und ich sofort denke: das kannst du nicht so gut. Ich schreibe auch, habe meinen eigenen Stil und meine eigenen Sichtweisen. Es geht doch überhaupt nicht darum, ob ich so gut bin wie "Nora" oder "Herr Bock"! Ich schreibe, weil es mir selbst hilft meine Gedanken zu ordnen, mich mit einem Thema auseinander zu setzen. Das diese Texte als gut und hilfreich bewertet werden und ich damit auch anderen Menschen helfen kann, sind sehr wertvolle Nebeneffekte und Motivation für mich.

 

Ich bin mir selbst bewusst, dass ich keine Versagerin bin, dass ich gut genug bin, dass ich einzigartig wertvoll bin, dass ich Fehler machen darf, dass ich nicht perfekt sein muss und dass ich NEIN sagen darf. Ich kann und muss nicht alles tun, was andere möchten. Ich muss es nur noch selbst wirklich glauben, wirklich verinnerlichen, denn in mir sagt stets jemand das Gegenteil. Ich kann die positiven Eigenschaften noch immer nicht wirklich annehmen. Ich glaube, dass ist nicht schlimm, da ich nicht aufgeben werde, es zu lernen. Je mehr ich lerne mir selbst zu vertrauen, meine eigenen Fähigkeiten anzuerkennen, meine eigenen Werte zu leben, mich nicht mehr zu verbiegen, meine Entscheidungen zu treffen, um so besser werde ich wieder Menschen gegenübertreten können, ohne sofort unsicher zu werden. Dem entsprechend, mir selbst bewusst sein und zu mir selbst stehen. Daraus folgend werde ich meine Lebensfreude und Lebensaktivität wieder finden.

 

Dabei hilft mir in erster Linie meine, für mich notwendige und auf mich abgestimmte, Psychotherapie. Darüber hinaus helfen viele Beiträge von guten Facebook-Seiten zum Thema Depression/Psyche und eben auch die Morgenimpulse von Anke. Sie haben für mich den einzigen Sinn, über mich selbst nach zu denken, Sichtweisen zu verändern und Neues zu lernen. Facebook-Seiten von Betroffenen und meine Facebook-Selbsthilfegruppe helfen mir dabei, mich nicht allein zu fühlen, meine Sichtweisen mitzuteilen, meine Kenntnisse und Erfahrungen auszutauschen, anzuwenden und damit zu festigen, sowie anderen Menschen das Gefühl von Verständnis, Mitgefühl und Hilfe zu geben.

 

Nachsatz, der mir auf der Suche nach einem schönen Foto bewusst geworden ist.

Es ist wie mit dem Gänseblümchen. Es ist so klein, so zart, so unscheinbar. Es hat einen Stiel, einen Blütenkopf und keine Blätter. Es ist sich selbst so bewusst, dass es überall wächst. Es wird so oft abgemäht. Doch kehrt es immer wieder zurück und zeigt seine volle Schönheit. Immer und immer wieder, schenkt es mit seiner kleinen Blüte den Menschen Freude. Wer die große Pracht liebt, wird es kaum bemerken. Doch wird es von vielen Menschen geliebt, weil es genau so ist, wie es ist.

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