Depression – Trauma oder Trauma – Depression – Wo beginnt es? Meine Erkenntnisse. Meine Fragen. Meine Therapiewege.

Depression-Trauma ...

Ich lebe mit Depressionen. Wo beginnt Trauma? Welchen Einfluss hat es auf die Depression?Meine Erkenntnisse. Meine Fragen. Meine Therapiewege. Auf dem Weg zum Ziel.

Auf der Suche nach Antworten

Gerade bin ich auf der Suche nach Informationen über einen Beitrag von Gabriele Rudolph („Wo überforderst du dich? - Trauma und Grenzüberschreitung“) gestolpert. Dieser erklärt auf einfache Weise wie ein Trauma funktioniert, wie der Mensch damit lebt, und zeigt welche Therapieinhalte notwendig werden, um wieder in das Leben zu finden.

 

Er erklärt mir zum 2. Mal, dass meine Posttraumatische Belastungsstörung der Auslöser und Grund für meine Depression ist. Das 1. Mal hörte ich davon, zu Beginn diesen Jahres, in meiner jetzt beginnenden ambulanten Traumatherapie. Ich haderte damals sehr, mit dieser Aussage. Warum? Weil diese Aussage für sich allein stand und keine Erklärung erfolgte. Meine Therapiestunde war zu Ende und ich fragte nicht weiter nach, durchforschte aber das Internet nach Informationen dazu. Erst dieser Beitrag erklärte es, für mich, plausibel. Nun erst ist mir einiges sonnenklar.

Seit Mai 2011 bin ich mit der Diagnose schwere Depression (Panikattacken, Dissoziation, nicht benannte Persönlichkeitsstörung) unterwegs. Klinikaufenthalt, Tagesklinik, Reha und im Anschluss 120 Stunden Verhaltenstherapie, war mein Weg bis Ende 2016.

 

Ich wollte raus aus der Depression, daher nahm ich jede Hilfe an, die ich bekommen konnte. Zur ambulanten Verhaltenstherapie war der Zugang am leichtesten, was nicht heißt, dass er einfach war. Ich hatte großes Glück, jedes Mal einen Psychiater gehabt zu haben, der mir mit einem Tipp weiterhelfen konnte.

 

Waren die vielen Verhaltenstherapeutischen Stunden wirklich richtig und wirkungsvoll? Haben sie mein Grundproblem bearbeitet und verbessert?

Verhaltenstherapie, weil es der kürzeste Weg zur Hilfe war

Die Verhaltenstherapie war ganz sicher, zu dem Zeitpunkt meiner Wahl, richtig. Eine Verhaltenstherapie setzt mit bei der aktuellen Situation des Patienten an. Dabei werden, als ungünstig erlernte Verhaltensweisen im Bezug auf Handeln, Denken, Fühlen und körperliche Empfindungen, als Grund für die Depression aufgefasst. Ziel der Verhaltenstherapie ist, diese problemverursachenden Verhaltensweisen durch andere Verhaltensweisen zu ersetzen. Dadurch sollen dem Patienten befriedigende persönliche Ziele und eine höhere Lebensqualität ermöglicht werden.

 

Ich lernte immer im Bezug auf meine aktuellen Alltag. Ich habe gelernt auf mich selbst zu achten. Lernte und übte alltägliche Dinge, wie einkaufen, wieder zu erledigen. Lernte Entscheidungen zu treffen, die für mich gut waren, meinen Bedürfnissen entsprachen und vor allem lernte ich NEIN sagen. Lernte meine vielen Grenzen kennen und akzeptieren. Lernte meine Anforderungen an mich selbst herunter zu fahren. Lernte mich nicht ständig selbst zu verurteilen. Lerne mich selbst zu respektieren, zu achten und anzunehmen (ich übe es immer noch).

 

Es hat mir gut getan und so manche Dinge ganz sicher geklärt und verbessert.

Es war eine wichtige Zeit. Doch so wirklich besser ging es mir nicht.

Anzeichen für ein Trauma ignoriert?

War wirklich so viel Zeit mit der Verhaltenstherapie notwendig?

Sie hat nicht meine Grundprobleme – meine Traumata - ergründet und bearbeitet, obwohl diese an die Oberfläche kamen und es hinreichende Zeichen dafür gab.

Alle Fragebogen waren voll mit meinen Problemstellen. Alle 3 Therapeuten bemerkten mein Dissoziationen, meine enorme Anspannung im Körper, meine ständig wackelnden Beine, bemerkten meine Selbstverletzung (Fingerdrehen), wussten von meinen Panikattacken und Schreiattacken.

Kam ein Problemthema wirklich einmal zur Sprache, wurde meistens das Thema gewechselt. Es kamen sehr viele, mir unbekannte Dinge zum Vorschein und mehrfach äußerte ich meine Bedenken in der richtigen Therapie zu sein, wollte aufgeben. Selbst als, Ende 2016, meine jetzige Psychiaterin die Diagnose PTSB stellte, bestätigte die Therapeutin diese nicht.

Beginn meiner Traumatherapie

Als meine Verhaltenstherapie nicht mehr bewilligt wurde, suchte ich nach einer neuen Möglichkeit der Therapie. Ich selbst fragte meine Ärztin, was sie von einer stationären Traumatherapie hält. Sie stimmte sofort zu und wir beantragten diese. Sie wurde bewilligt und ich konnte von Oktober 2016 bis Januar 2017 in der Traumaklinik erste Schritte wagen.

 

Ich war den Gruppen- und Themenbelastungen, dem Klinikalltag in seiner Gesamtbelastung, nicht gewachsen. Konnte aber über Einzelpsychotherapie, Ergo-, Dramagruppen-, Dramaeinzel- undKunsteinzeltherapie erste Erfolge erleben. Ich lernte wieder mit Menschen in Kontakt zu treten und diesen auszuhalten. Ich lernte wesentlich tiefer in mich hinein zu sehen, als bisher.

Der Aufenthalt in der Traumaklinik hat die so sehr ersehnte Verbesserung in meinem Leben mit der Depression bewirkt. 

 

Ich hatte das große Glück, dass mir, im Anschluss an diesen Klinikaufenthalt eine ambulante Traumatherapie ermöglicht wurde. Jetzt bin ich auf dem richtigen Weg für mich. Jetzt weiß ich, warum ich bin wie ich bin, warum ich so handle und fühle. Jetzt kann ich lernen zu verarbeiten, nachschauen woher meine Gedanken und Gefühle kommen, sie akzeptieren und positiv verändern, wieder Vertrauen zu mir selbst finden.

Meine Fragen und Erkenntnisse

Mit dem Beitrag von Gabriele Rudolph und meinen Erfahrungen frage ich mich sehr ernst, wie viele von uns Depressiven seit Jahren herum kurven und doch nicht zum Auslöser ihrer Depression finden, um diese zu heilen oder wesentlich zu verbessern.

Wie viele von uns, wissen gar nicht, dass sie ein Trauma haben. Ich wusste es auch nicht, ich war immer nur anders. Wie viele fragen sich, so wie ich selbst, tagein und tagaus warum sie so sind wie sie sind, warum sie so reagieren, warum sie Angst haben, warum sie vermeiden, warum die kleinste Belastung sie aus dem Gleichgewicht bringt.

 

Natürlich gehören all diese Dinge in das Krankheitsbild der Depression.

 

Nach dem was ich nun weiß, würde ich, so bald es mir möglich ist, tief in mich hinein schauen, nachfühlen woher das Gefühl kommt, wann dieses Gefühl das erste Mal aufgetreten ist. Ob da vielleicht noch mehr ist. Erinnerungen und Dinge die aufsteigen, würde ich beachten und nicht entwerten, sondern offen mit meinem Arzt/Therapeuten besprechen und auch nachfragen, um herauszufinden welche Therapieform wirklich richtig für mich ist.

 

Ich bin sehr froh diesen Text gefunden zu haben. Ich habe Antworten gefunden und nun Klarheit, warum ich bin wie ich bin. Nun werde ich mich den Traumata stellen. Nun habe ich eine Chance aus der Depression heraus zu finden.

 

Mein Weg zur richtigen Therapieform war weit, aber ich bin ihn gegangen.

Ich werde weiter gehen. Ich werde weiter Antworten suchen und finden.

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