Ich habe mich selbst ignoriert. Ein schönes Wochenende. Zu welchem Preis. In alten Verhaltensweisen gefangen.

Ich habe mich selbst ignoriert

Ich habe mir Besuch eingeladen.

Freude und Angst begleiten mich schon Tage vorher.

Freude auf das Wiedersehen.

Angst, baut sich auf. Werde ich bestehen?

Werde ich eine gute Gastgeberin sein?

Werde ich gute Tage haben?

Tage vorher fange ich an zu funktionieren.

Ich erledige dies und das, in der Wohnung.

Ich koche schon vor, damit wir viel Zeit miteinander haben.

Ich suche Aktionsziele heraus.

Ich habe Angst. Ich fühle mich gefordert. Ich fühle mich gestresst.

Die Zeit rennt schneller als ich denken kann.

Aber ich will ein schönes Wochenende verbringen.

Ein voller Aktionsplan wird umgesetzt.

Einkaufsbummel, Stadtbummel, Burgbesichtigung....

Ich bin dabei. Mir geht es gut.

Ich höre zu, ich erzähle, ich achte auf meinen Besuch, ich kann Freude schenken,

ich kann Freude sehen, ich falle am Abend tot in mein Bett.

Der nächste Tag beginnt und ich bin wieder dabei.

Gemeinsames Frühstück, wie schön. Schloss Pillnitz – Spaziergang im Park.

Wir wandern gemeinsam, erzählen, lachen, hören uns zu.

Ich fotografiere, mit schönen Ergebnissen.

Ich freue mich, dass die Beiden da sind.

Ich bin froh, als der Abschied kommt.

Ich bin am Ende meiner Kräfte.

Noch habe ich keine Zeit zum ausruhen.

Bis zur Therapie muss ich noch durchhalten.

Mit letzter Kraft meistere ich auch das.

Dann kommt, was kommen muss, nichts geht mehr.

Nein, es musste nicht so kommen!

Ich habe es selbst provoziert.

Ich hatte ein schönes Wochenende! Ja!

Ich kann stolz auf mich sein? Nein!

Ich habe mir selbst wieder im Weg gestanden.

Ich habe mich selbst überfordert.

Ich habe nicht für mich selbst gesorgt!

 

Ich habe mich ignoriert!

Ich habe es geschafft! Ein schönes Wochenende, mit vielen schönen Momenten. Ja!

Wirklich? Zu welchem Preis?

 

Ja, ich bemerkte, dass es mich alles Anstrengung kostet.

Ja, es ist etwas anderes mit 4 Menschen zu leben, mit vier Menschen zu bummeln und zu wandern.

Ja, es ist für mich sehr anstrengend Gespräche zu führen, sie auszuhalten, zuzuhören und zu antworten.

Ja, ich bemerkte, dass ich sehr belastet war.  

Meine Nerven surrten im Gehirn und zerrten an mir.

Mein Rucksack, voll Blei, wurde immer schwerer. Er drückte und rieb.

Ich hatte immer mehr Mühe zu gehen, aufrecht zu stehen.

Ich hatte Sehnsucht nach Ruhe, nach allein sein.

Ja, ich weiß, warum die Dissoziation sich wieder meldete.

Nein, ich habe nicht für mich gesorgt.

Nein, ich habe mir keine Pausen gegönnt.

Nein, ich habe keine Programmänderung vorgenommen.

Nein, ich habe keine Reduzierung zugelassen.

 

Ich habe alle körperlichen und psychischen Anzeichen missachtet.

Ich wollte mit aller Macht perfekt sein.

Ich habe funktioniert, mich selbst ignoriert, wie früher.

Jetzt stehe ich total neben mir.

Ich bin müde und kraftlos, antriebslos.

Mein Kopf verweigert sich. In meinem Gehirn summseln die Nerven.

Laute Geräusche surren nervend durch die Blutbahn.

In meinen Träumen schlägt mein Leben über mir zusammen.

Jedes Wort, jeder Schritt, jedes Tun ist eine Überwindung, ein Kraftakt.

Ich möchte nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

Ich habe keine Freude und bin leer.

Ich möchte nur allein sein und meine Ruhe.

 

So geht das nicht, sagt meine Therapeutin.

Wollen sie mit Macht, alles bisher erreichte, zerstören?

Am Wochenende sind sie zu 100% in ihre alten Verhaltensmuster zurück gefallen.

Auch wenn es ihnen derzeit besser geht, müssen sie auf sich achten.

Es wäre auch ein schönes Wochenende geworden, mit der Hälfte an Aktivität.

 

Ja, sie hat Recht. So geht es nicht!

 

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