Dissoziation - Meine Sicht auf meine Dissoziationsformen - Wie ich sie erlebe - Wie ich mir helfen kann - Auszug einer fachlichen Erklärung

Meine Sichtweise, auf meine Dissoziationen

So ungefähr ist meine Sicht der Umwelt, während der Dissoziation.
So ungefähr ist meine Sicht der Umwelt, während der Dissoziation.

Eine Dissoziation kommt immer dann, wenn ich einer Situation nicht gewachsen bin, meine Grenzen nicht erkenne und einhalte. Sie treten auch wieder auf, wenn meine Belastungsgrenze auf "Dauer" überschritten ist. Ich meistere in meinem Alltag viele Dinge, Alltagsstruktur, Alltagsaufgaben wie Haushalt oder einkaufen, Tagesausflüge ..., Traumatherapie und Ergotherapie. Diese sind für mich sehr anstrengend und je nach Tagesform mehr oder weniger belastend bzw. ausführbar. Kommen zu diesen Belastungen noch andere hinzu, wie bevorstehender Urlaub, Urlaubsvorbereitungen, Krankheit, Träume, Besuch, Trigger..., ist meine Belastungsgrenze überschritten. Eine Verschlechterung der Depression und das auftreten von Dissoziationen können und sind die Folge.

Meine „leichten“ Dissoziationen:

Ich erstarre, für Minuten. Mein Blick schaut starr ins Irgendwo. Ich höre alles, aus weiter Ferne und wie ein Echo bzw. wie aus einem anderen Raum. Ich sehe alles, wie durch einen milchige Glasscheibe. Ich kann aber nicht mehr reagieren oder antworten. Ich fühle mich wie in einem Glasbehälter, der direkt um mich herum ist und jede Bewegung behindert. In meinem Kopf sind keine Gedanken. Ich habe das Gefühl mein Gehirn wäre riesig und ein summselnder Klumpen. Summseln ist ein klein wenig wie das Gefühl, wenn ich eingeschlafene Füße bekomme und doch ist es anders. Leider kann ich es nicht besser beschreiben. 

Diese Dissoziationen passieren überall. Mitten in einer Handlung, in einem Gespräch, wenn ich in einem Restaurant sitze … Leider bemerke ich sie oft nicht einmal. Ich bemerke auch nicht wann sie kommen. Hinterher bemerke ich nur, dass mir irgendwie Zeit fehlt, ich nicht weiß was gerade passiert ist oder ich Orientierungsschwierigkeiten haben. In einem Gespräch merke ich es, weil ich das Gespräch dann wahrnehme, als wenn es in einem anderen Raum statt fände.

 

Werde ich deutlich angesprochen, komme ich wieder zu mir. Nicht anfassen, dann schreie ich los und mache eine Angstbewegung. Ich höre meinen Namen rufen und mein Körper schaltet sich wieder ein. Mein Gehirn funktioniert noch eine paar Minuten, wie eingeschlafen. Ich bin aber in der Regel, sofort wieder handlungsfähig, kann laufen, etwas tun und sprechen. Dieses „eingeschlafen-Gefühl“ legt sich dann auch sehr bald. Wenn niemand da ist, der mich anspricht, löst sich die Dissoziation von allein wieder. Wie lange diese gedauert hat, weiß ich natürlich nicht, weil ich nicht auf die Uhr schaue bzw. kein Zeitgefühl vorhanden ist.

Dissoziation mit unbemerkter Handlung

Diese Form der Dissoziation erlebte ich bisher nur zwei Mal. Ein Glück.

 

Ich muss mit der Straßenbahn zur Therapie fahren. Diese verpasse ich niemals! So machte ich mich auch an einem Tag auf den Weg, als es mir sehr schlecht ging. Beim umsteigen in eine andere Bahn ist es dann geschehen. Ich stand an der roten Ampel, einer zweispurigen, viel befahren Hauptstraße. Dann war ich auf der anderen Seite und um mich herum reagierten die Menschen sehr heftig, zeigten mir nen Vogel … Ich wunderte mich über sie und langsam begriff ich, das ich an der Ampel nicht stehen geblieben war, sondern einfach über die Straße gegangen war. Ich konnte mich nicht erinnern.

 

An einem anderen solch schlechten Tag, auf dem Rückweg von der Therapie, bin ich in eine Straßenbahn gestiegen. Irgendwann merkte ich, dass ich zu mir kam. Ich wusste ich hatte eine Dissoziation. Ich wusste nicht wie ich in die Bahn gekommen war. Nach zwei weiteren Haltestellen bemerkte ich dann, dass ich in einer falschen Bahn saß. Ich stieg aus und musste 7 Stationen zurück zur Ursprungshaltestelle fahren.

Meine extreme Dissoziation

Meine schwerste Dissoziation (bisher einmalig) erlebte ich vor 2 Wochen. Sie endete mit den Notarzt und einem Kurzaufenthalt in der Notaufnahme, weil ich bis dahin nicht wusste, dass so eine Dissoziation möglich ist.

 

Ich hatte den ganzen Tag, tief und fest, verschlafen. Am frühen Abend gelang es Michael mich zu wecken. Ich stand auch auf. Ich war „wach“ und konnte mir bekannte Weg (ins Bad, auf den Balkon) gehen. Mein Gang war unsicher und wie auf Pudding. Es war ähnlich wie im Halbschlaf zu reagieren. Ich saß da und verfiel ständig ins starren. Mein Kopf war ein riesiger summselnder Ballon. Ich hörte die Worte aus weiter Ferne, konnte verstehen, aber nicht reagieren. Ich konnte nicht bzw. nur in einzelnen Worte sprechen. Ich hatte vergessen wie man ein Wort mit dem Mund formt. Ich bekam die Worte einfach nicht aus mir heraus. Ich war, nicht wirklich, in dieser Welt.

 

Wieder fühlte ich mich, von einem milchigen Glas umgeben. Wieder hörte ich alles aus der Ferne und sah nur Schemenhaft. Immer wieder starrte ich vor mich hin (lt. Michael und Notarzt). Ich konnte keinen Blickkontakt halten. 20 Stunden Schlaf und das Einzige, was ich wahrnahm war, dass ich tot müde war. Ich war in mir selbst gefangen, völlig hilflos und dies über mehrere Stunden. Erst in der Klinik wurde es besser und sie schickten mich wieder nach Hause, zu meinem Glück.

Mein Umgang mit der Dissoziation

In der Traumaklinik lernte ich Skills zu verwenden, wenn ich bemerkte, dass ich eine Dissoziation bekomme. Wenn. Leider ist es noch immer so, dass ich sie selbst, in der Anfangsphase nicht wahrnehme. Ich bemerke sie erst, wenn in ihr stecke bzw. wieder zu mir komme.

 

Natürlich bemerke ich, dass es mir schlecht geht, etwas anstrengend ist oder immer anstrengender wird. Aber das ist so normal, dass ich mich mit Gedanken daran nicht aufhalte. Es kommt ja auch nicht immer zur Dissoziation. Ich kann mich nicht bei jedem Tun selbst beobachten, selbst wahrnehmen und in mich hinein hören. Aber genau damit, würde ich vielleicht eine Dissoziation verhindern. Ich weiß es nicht. Ich bin noch am Beginn meiner Traumatherapie. Ich werde noch viel lernen, um die Dissoziation zu erkennen und zu vermeiden.

 

Wenn ich bemerke, dass ich sehr unruhig werde und meine Belastungsgrenze erreiche, mache ich Pause oder beende mein Tun. Ich benutze einen picksenden Anti-Stress-Ball, um in Gesprächen Selbstverletzung zu verhindern (ich verbiege meine Finger, bis es weh tut).

Dazu habe ich immer ein Gummiband um das rechte Handgelenk, das ich dann schnipsen lasse.

Ein Eispack im Genick nutze ich, um aus meinem Gedankenkarussell heraus zu finden und mich zu beruhigen.

 

 

So ein Eispack werden wir, bei der nächsten extremen Dissoziation, ausprobieren. Meine Ärztin wies mich darauf hin, Michael meine Skills zu erklären. Ich hatte daran überhaupt nicht gedacht. Naja, mit so einer extremen Dissoziation hatte ich ja auch nicht gerechnet.  


Fachliche Erklärung von Dissoziation

Diese Ausführungen sind nicht vollständig. Sie sind nur ein Auszug, einer allumfassenden Erklärung von dem Ursprung über die Formen bis hin zu Behandlungsmöglichkeiten. Wer ausführliche Informationen möchte, kann auf den, unten eingefügten, Link-Button klicken und erreicht so die Ursprung-Homepage.

 

Auftreten einer Dissoziation

Dissoziationen treten oft nach traumatischen Erfahrungen oder starken psychischen Belastungen auf. Es wird angenommen, dass sie ein Schutzmechanismus sind, um die Psyche vor unerträglichen Belastungen zu schützen.

 

Fast jeder hat schon einmal dissoziative Symptome erlebt: Etwa das Gefühl, „weggetreten zu sein“ oder „neben sich zu stehen“. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn man etwas routinemäßig macht (zum Beispiel Autofahren) oder sich stark auf eine Sache konzentriert. Im normalen Leben empfinden Menschen ihre Gedanken, Gefühle, Sinneseindrücke, Erinnerungen und Handlungen als zusammengehörig und als Teil ihrer Person – doch bei einer Dissoziation sind diese wie „voneinander abgetrennt“.

 

 

Dissoziationen können sehr unterschiedliche Formen annehmen und in ihrer Intensität und Zeitdauer deutlich variieren.

Was versteht man unter einer dissoziativen Störung?

Von einer dissoziativen Störung spricht man erst, wenn die Symptome sehr häufig und/oder über eine längere Zeit auftreten und zu deutlichem Leiden und Beeinträchtigungen in wichtigen Lebensbereichen führen.

 

Bei einer dissoziativen Störung kommt es zu einem teilweisen oder vollständigen „Auseinanderfallen“ (Desintegration) von normalerweise zusammenhängenden psychischen Fähigkeiten. Das können die Sinneswahrnehmung, das Gedächtnis, das Bewusstsein, die eigene Identität oder die Kontrolle über die Körperbewegungen sein. Typische Symptome sind zum Beispiel, dass jemandem die Erinnerung an bestimmte Zeitabschnitte fehlt, dass Berührungen nicht mehr wahrgenommen werden, dass die Körperbewegungen gestört sind oder dass jemand eine Zeit lang seine Identität verliert.

  

Meist beginnt die Störung in Zusammenhang mit einem traumatischen oder stark belastenden Ereignis, einem unlösbaren Konflikt oder ausgeprägten zwischenmenschlichen Problemen.

 

Ein wesentliches Merkmal aller dissoziativen Störungen ist, dass sich keine organische Ursache für die Symptome nachweisen lässt. Stattdessen wird angenommen, dass die Symptome durch psychische

Faktoren – meist eine extreme psychische Belastung – zustande kommen.

 

Charakteristisch ist auch, dass die Symptome im Lauf der Zeit unterschiedlich stark sein können und sich unterschiedliche Symptome (zum Beispiel Gedächtnisverlust, Empfindungsstörungen) miteinander abwechseln können. Gleichzeitig werden die Symptome oft durch belastende Situationen verstärkt.

 

Bei dissoziativen Störungen ist eine Psychotherapie die Behandlung der ersten Wahl. Oft ist auch eine multimodale Behandlung sinnvoll, bei der Psychotherapie, medikamentöse Behandlung und eventuell weitere Verfahren wie Bewegungs-, Kunst- oder Musiktherapie miteinander kombiniert werden. Da man davon ausgeht, dass dissoziative Störungen meist durch traumatische Erfahrungen ausgelöst wurden, geht es in der Psychotherapie vor allem um die Bewältigung traumabezogener Symptome. Das Vorgehen ähnelt daher dem Vorgehen bei der Therapie der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).