Therapie - Da sind sie wieder meine Probleme - meine eigenen Ansprüche, eigene Überforderung und das nicht beachten meiner Grenzen.

Ich selbst verursache meinen Stress

Odyssee zur Therapiestunde

Wie immer, hatte ich heute wieder Therapie. Diese fängt schon damit an, dass ich bis dorthin komme. Völlig genervt vom Krach der Rasenmäher und anderer Säuberungsgeräte auf der Wiese unter meinem Balkon, machte ich mich auf den Weg. In der 1. Straßenbahn war es noch recht einfach, nur zwei Stationen, die ich gut überstand, obwohl die Bahn sehr voll war. Dann hieß es warten auf den Bus. Ständig fahren Busse und Straßenbahnen ab oder kommen an. Ein Bus hatte eine Verpuffung und es knallte laut. Alle Leute haben sich erschrocken, so wie ich. Aber ich schrie aus voller Brust. Zum Glück reagierten die Umstehenden recht gelassen und fragten nur nach, ob es mir wieder gut ginge.

 

Dann saß ich rum und wartete weiter auf den Bus. Mein Skillball drehte sich in meiner Hand und meine Beine wackelten ohne Halt. Dann kam ein hübsches älteres Ehepaar daher. Sie hielten unmittelbar vor mir an, schauten mich an und ... "Können wir ihnen helfen, junge Frau". Bums, ich war erschrocken und überrascht. "Nein, danke es ist alles gut", kam mir über die Lippen und ich konnte sie dabei sogar anlächeln. So etwas ist mir ja wirklich noch nie passiert. Ich dachte solche Menschen gibt es gar nicht mehr. Doch, es gibt sie. Hin und wieder trifft man auf sie.

Endlich kam der Bus und ich stieg ein, musste aber an einen furchtbaren Typen mit Hund vorbei. Der Typ lag breit über 3 Sitze und trank Bier und sein Hund lag breit im Gang. Was blieb mir? Ich musste vorbei, das heißt ich musste über den großen Hund steigen, um in den Bus zu gelangen. Grrr, ich hätte dem Typen am liebsten... Es fällt mir auf Grund meiner Erlebnisse schwer, solche Menschen auszuhalten. Aber ich habe es geschafft.

Ich war froh, nach endlos erscheinenden Haltestellen am Waldschlösschen angekommen zu sein. Bloß raus aus dem Bus.

Ich hatte noch Zeit, so ging ich in Richtung des Aussichtspavillon. Mein Blick viel auf die Wiesen, die bis zum Elbufer reichen. Hier oberhalb, waren sie von weißen Blüten überseht. Wunderschön blüht ihr die Kamille oder vielleicht weiße Magaritten? Genau weiß ich es nicht, aber ich denke es war Kamille. Ist ja auch egal, die weißen Blüten auf der Wiese beeindruckten mich. So verbummelte ich die Zeit, mit fotografieren.

Wunderbare Blütenwelt und es sind keine Gänseblümchen

Konzentration und Denken ist mein Skill

Etwas ruhiger begann dann die Therapiestunde. Wie geht es ihnen? Wie geht es mir? Ich fühle mich gestresst und überfordert von dieser Welt. Welt? Welt - all die Geräusche, all die Menschen, der horrende Autoverkehr, das Gewusel und Gewimmel. Ich bin Dänemark-verwöhnt und noch nicht wieder im Alltag angekommen. Das Gespräch pendelt hin und her. Ich erzähle von meiner letzten Woche, den vielen Terminen und wie es mir in der Ergotherapie ergangen ist, von dem überfordert sein, von der Geräuschempfindlichkeit und den Dissoziationen. Ich erzähle auch, dass ich den Eindruck habe, dass mein Kopf denkt und denkt und denkt ... Ich einfach nicht mehr, nur mal ganz für mich sein kann - ohne Gedanken. Wir sprechen darüber was ich denke und wann.

 

Erkenntnis, es ist für mich nicht wichtig ohne Gedanken zu sein, sondern welche Gedanken mir gut tun und negative Gedanken von mir fernhalten. Ich selbst kann es noch nicht spüren, aber es ist gut für mich, es ist meine Art der Entspannung. Stimmt. Wenn ich am Strand nach Muscheln und Steinen geschaut habe oder Fotomotive gesucht habe, ging es mir gut. Es gab keine negativen Gedankenwirbel. Auch wenn ich schreibe, Fotos anschaue und sortiere, Blogbeiträge bearbeite oder Facebook lese, bin ich so konzentriert, das ich nur die positiven Dinge im Sinn habe. Auch wenn ich Therapie-Themen bearbeite, geht es mir gut dabei, meine Anspannung lässt nach. Diese konzentrierten Gedanken sind also meine Skills gegen die negativen Gedanken. In dieser Zeit kann ich nicht an den Tod denken, mich selbst zerfleischen oder an mir zweifeln, ich komme in den Tag oder kann mich beruhigen.

 

Mit Fragen zur Erkenntnis

Dann kommen wir zurück zum Thema Ergotherapie. Ja, ich habe Schwierigkeiten mit der Geräuschkulisse und dem Menschengewusel, um mich herum. Ja, ich habe Probleme in den Alltag zu finden. Ja, ich war auf dem kleinen Stück Weg, bis zur Ergo, genervt von den gefühlten 1000 Autos auf der Straße. Ja, mich hat in der Wartezeit, eine Patientin an meine Grenzen gebracht. Ich habe alles sehr gut selbst bemerkt. Warum bin ich dann zur Therapie gegangen bzw. in der Therapie geblieben? Was hat es mir gebracht? Was war positiv? Warum habe ich den Rat der Ergotherapeutin, nach Hause zu gehen, nicht angenommen?

 

Fragen, Fragen die mir sofort bewusst werden lassen, dass ich selbst wieder einmal einfach zu viel wollte. Das ich es selbst war, die von mir forderte, unbedingt die Ergo zu bewältigen, Pflichtbewusst wie ich bin. Ich hatte in der Woche so viele Termine und Aufgaben. Warum konnte ich nicht auf meine inneren Warnungen hören und STOP sagen? Positiv war die Ergostunde überhaupt nicht. Sie hat, außer Dissoziationen nichts bewirkt. Sie hat mir auch nicht gut getan. "Das muss nicht sein!"- sagt eindringlich meine Therapeutin. "Sie haben gelernt wie sie Dissoziationen vermeiden, auf sich selbst zu achten und können das auch sehr gut. Sie erkennen ihre Grenzen sehr gut, also ...".

Ja, ich will wieder üben, auf mich zu hören und meine Grenzen wahrzunehmen und diese ganz bestimmt auch einhalten. 

 

Innehalten - Wiederholen - Stabilisieren

"Sie sind so weit gekommen,wissen dass es ein Auf und Ab ist und wenn sie jetzt gerade sehr sensibel sind und sich überfordert fühlen, dann halten sie inne. Das heißt nicht aufgeben, das heißt nicht Stillstand. Es heißt, üben was sie schon können, gelerntes wiederholen und anwenden, immer wieder, bis sie es im Schlaf können. Stabilisieren, stabilisieren." Ich habe derzeit so viel Angst in mir, ich könnte wieder zurückfallen, das mich diese Angst total ausbremst und überfordert. Ich bin so viele Schritte und Meilensteine gegangen, auch HEUTE auf der Herfahrt, auch im Urlaub, dass ich sehr zufrieden sein kann und ja auch bin. Ich selbst stelle trotzdem die Forderung auf: weiter, weiter weiter. Sie ist falsch und setzt mich unnötig unter Druck. Ich kann nur weiter gehen, wenn ich entsprechend stabil bin, in dem was ich schon kann und ich kann schon sehr viel. Ich will also innehalten.

Ja, ich will ...

Da sitzt ein riesiger Schweinehund, der ehrwürdigen Glaubenssätze, der mich immer wieder voran treibt, egal was es mich kostet. Er ist in guter Gesellschaft mit dem inneren Kritiker, dem inneren Kind und der schwarzen Dame.

 

Was solls, ich werde innehalten und ihnen irgendwann das Fürchten lehren.

 

 

Ja, ich übe mich in Geduld. Ja, alles braucht seine Zeit. Ja, innehalten ist auch harte Arbeit. Ja, innehalten ist auch voran gehen.

Belohnung nach der Therapie

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