... hat sich erschossen. Die Depression hatte ihn im Würgegriff. Das Leben hatte für ihn keinen Sinn mehr.

... hat sich erschossen!

 

Als ich in den Erbschaftsunterlagen von Mutter las - …. Uwe … nachverstorben am 18.10.2017, las ich es mehrfach und ohne zu begreifen.

Was stand da? Mein Bruder? Ja, da stand nachverstorben.

Pause. Ein paar Zigaretten. Pause.

Was stand da? Uwe … nachverstorben!!!

Endlich begriff ich. Mein jüngerer Bruder war tot! Das stand da, schwarz auf weiß. 

Wie konnte das sein?

Warum hatte mich niemand verständigt?

Warum war er tot?

Mein Herz sprach, Er hat sich umgebracht.

Nein, dass konnte nicht sein. Nicht er.

Mein Kopf sprach, Er hat sich umgebracht.

Nein, dass konnte nicht sein.

Mein Herz sprach ganz leise, Du weißt er war depressiv.

 

 

Nein, bitte das konnte nicht sein. Bitte nicht.

Auf der Suche nach einer Telefonnummer.

Ich wollte es wissen.

 

Das Telefon sprach, ... Uwe hat sich erschossen.

...

...

 ...

 ... 

 

Der Telefonhörer liegt auf dem Boden.

Ich bin am zerspringen.

Warum? Warum habt ihr nicht aufgepasst?

Ich habe es doch gesagt!

Ich habe euch gewarnt!

Schon vor zwei Jahren!

 

... hat sich erschossen.

 

Ich wusste es, ich hatte die Gefahr gesehen.

„Wie siehst du denn aus?“ hatte ich damals erschrocken gefragt.

Lächelnd hatte er gefragt: "warum".

„Du siehst so alt aus, wie du niemals wirst“, antwortete ich.

Sein Lachen schallte durch den Raum.

Ich wusste es. Ich sah und fühlte es. - Damals -

 

... hat sich erschossen.

Er trug eine Maske, die ich durchschaute.

Sein Lachen, war angestrengt und künstlich.

Er war so sehr bemüht, fröhlich zu wirken, dass ich betroffen war.

Er brauchte keinen Strick, kein Hochhaus, keine Brücke.

Er hatte seine Mordwaffe ja täglich bei sich.

Er war Polizist, Waffenträger.

 

Und dann kam der Tag.

Dieser Tag.

Wie lange er wohl schon darüber nach gedacht.

Wie viele Male schon, seine Pistole an den Kopf gesetzt?

Gezögert, gehofft …

Dann kam der Tag.

Dieser Tag, oder war es Nacht?

 

 

… hat sich erschossen.

Er trug eine Maske.

Nur er weiß, was da in ihm wühlte. Ihn zermürbte und jede Hoffnung nahm.

Vater 6 Jahre tot und Mutter vor ein paar Monaten gestorben.

Sein letzter Halt im Leben?

 

Da war niemand mehr, den es interessierte.

Den interessierte was ihm sein Leben zur Hölle machte.

Der ihn liebte und zu ihm stand.

Gefangen im Hamsterrad der Hölle Polizeidienst.

Gefangen in der Liebe zu seiner Frau, die ihn nicht mehr liebte.

Einer Frau, die jedem deutlich sagte, dass sie ihn nicht mehr liebte.

Gefangen in der Liebe zu seiner Tochter, die ihn nicht mehr verstand.

Mutter und Tochter lebten ihr Leben und er?

Er stand daneben, verlassen, einsam und allein, weil er nicht gehen konnte.

 

Nein, er braucht keine Hilfe und keinen Therapeuten.

Er wusste genau, Therapeuten erzählen nur Mist.

Kollegen, die in der Therapie waren, konnte man nicht mehr verstehen.

Diese Kollegen erzählten nur Blödsinn.

Nein, eine Therapie kam für ihn nicht in Frage.

Nein, er brauchte keine psychiatrische Hilfe, er doch nicht.

Er setzte seine Maske auf.

Niemand, in dieser kleinen Stadt, sollte sehen, dass er zerbrach.

Er trug seine Maske.

Die Maske des starken Mannes und hinter dieser starb sein ICH.

Er hat sich entschieden. Er traf SEINE Entscheidung.

 

 

… hat sich erschossen.

 

… erschossen, erschossen, erschossen.

 

 

… und meine Seele schreit in den Himmel!

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