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Glücksmomente - du musst nur achtsam durch das Leben gehen

Glücksmomente

Vorwort:

In meinem stationären Aufenthalt in der Klinik Weißer Hirsch, war malen mein absoluter Skill, um meine schweren, traurigen, tot-müden Gedanken zu verbannen. Mein Mann konnte gar nicht so schnell Holz verarbeiten, wie ich es bemalte. In einer Durststrecke, nahm ich das was da war - Marmeladengläser.

Ich bemalte den Deckel und das Glas und machte daraus Glücksmomente-Gläser. Diese stellte ich auf den Küchenwagen, zum mitnehmen für andere Patienten und legte meinen Text dazu. Es dauerte nicht lange da waren alle Gläser verschwunden. Ich hatte also ganz einfach anderen eine Freude gemacht. Das wiederum erfreute mich.

Kennst du mich, den kleinen Glücksmoment?

Ich bin das kleine helle Licht am Tag.

Ich bin das kleine Lächeln, welches dich viel schöner macht.

Ich bin es dein Glücksmoment.

 

Beachte mich, achte mich, suche mich.

Ich bin da! Ganz nah bei dir!

Auch dann, wenn deine Welt gerade grau und leer ist.

Auch dann, wenn deine Tränen fließen.

 

Alles darf sein!

 

Ich bin dein kleiner Glücksmoment.

Ich verstecke mich im Gänseblümchen auf der Wiese,

im Gewand eines Vogels, im Sonnenstrahl der gerade deine Nase küsst.

Sei ein klein wenig achtsam mit dir selbst, dann findest du mich.

 

Ich bin dein kleiner Glücksmoment.

Nimm dir ein bunt bemaltes Glas!

Schreib auf wo, wann und wie du mich gefunden hast.

Gib mir einen Namen oder ein Gesicht :).

Füll das Glas mit all den Zetteln,

all deinen kleinen Glücksmomenten.

 

Wenn du dann sehr traurig bist, nimm das Glas.

Hole die Zettel heraus und erinnere dich.

Erinnere dich an mich, deinen kleinen Glücksmoment.

 

Herzlichst dein kleiner Glücksmoment.

Heute bekam ich einen Brief von meiner Kirchengemeinde. Ein Dankeschön-Brief mit kleinem grünen Kleeblatt und einer schönen Geschichte. Diese passt genau zu meinem Text und ist herrlich wunderschön und toll, so dass ich sie hier aufschreibe. Danke Pfarrer Arnold (Kirchgemeinde Gruna/Seidnitz

 

Der Suchende

(Auszugsweise aus Jorge Bucay: Geschichten zum Nachdenken" 

Eines Tages ging der Suchende nach Kammir. ... Nach zwei Tagesmörschen über staubige Wege sah er es in der Ferne liegen. Kurz vor dem Dorfeingang fiel ihm am rechten Wegesrand ein Hügel auf. Er war von einem wunderschönen Grün überzogen, und Bäume, Vögel und zauberhafte Blumen gab es dort in unendlicher Zahl. Rings um den Hügel zog sich ein niedriger polierter Holzzaun. Ein Bronzetor lud ihn zum Eintreten ein. 

 

Sofort war das Dorf vergessen, und er gab der Versuchung nach, sich einen Moment an diesem Ort auszuruhen.

Der Suchende durchschritt das Tor und begann langsam, zwischen den weißen Steinen herum zu spazieren. ... Er ließ seine Augen wie Schmetterlinge auf jedem Detail dieses farbenprächtigen Paradises ruhen. ... vielleicht erkannte er deshalb auf einem Stein jene Inschrift: Abdul Tareg, lebte 8 Jahre, 6 Monate, 2 Wochen und 3 Tage. Er erschrak ein wenig, als er merkte, dass der Stein nicht einfach nur ein Stein, sondern ein Grabstein war. Es schmerzte ihn, zu erfahren, dass ein so junges Menschenkind an diesem Ort begraben lag. Als er sich weiter umschaute, bemerkte der Mann, dass auch der nächste Stein eine Inschrift trug. Er trat an ihn heran und las: Yamir Kalib, lebte 5 Jahre, 8 Monate und 3 Wochen.

 

Der Suchende zeigte sich zu tiefst erschüttert. Dieser hübsche Ort war ein Friedhof, und jeder Stein war ein Grab. Nach und nach begann er die  einzelnen Grabsteine zu entziffern. Alle hatten sie ähnliche Inschriften... Was ihn aber ... in Schrecken versetzte, war die Tatsache, dass der Älteste von ihnen kaum länger als 11 Jahre gelebt hatte. Von unendlichem Schmerz überwältigt, setzte er sich und weinte.

 

Der Friedhofswärter kam des Weges und fragte ihn dann, ob er um einen Familienangehörigen trauerte. "Nein, kein Angehöriger"; sagte der Suchende. "Aber was ist nur in diesem Dorf geschehen? Von welchem Schrecken wird dieser Ort heimgesucht? Warum liegen hier so viele Kinder begraben? Was für ein böser Fluch lastet auf diesen Menschen, dass sie einen Kinderfriedhof haben errichten müssen?" 

 

Der Alte lächelte und sagte: "Beruhigen sie sich. Es gibt keinen Fluch. Wir haben hier einen alten Brauch. Ich werde ihnen davon erzählen: Wenn ein Jugendlicher 15 Jahre alt wird, schenken ihm seine Eltern ein kleines Heftchen, so wie dieses, das ich hier trage, und das hängt er sich um den Hals. Unser Brauch ist es, dass von diesem Moment an jeder Augenblick, in dem einem etwas sehr Schönes widerfährt, in diesem Büchlein festgehalten wird. Links wird aufgeschrieben, was uns so glücklich gemacht hat. Und rechts, wie lange das Glück gedauert hat. ... Und so halten wir jeden freudvollen Augenblick in diesem Büchlein fest. Jeden einzelnen. Und wenn jemand stirbt, so ist es unser Brauch, sein Büchlein aufzuschlagen und die Glücksmomente zusammen zu rechnen, um das Ergebnis auf seinen Grabstein zu schreiben. Denn für uns ist einzig und allein dies die wirklich gelebte Zeit!"