Die Geschichte eines Bernsteins. 20 Jahre nach seinem Landgang, erstrahlt er nun in seiner schönsten Vielfalt.

Die Geschichte eines Bernsteins

1999 - Urlaub in Dänemark

Ich war damals am Ringköbingfjord, am Skavenstrand, in einem Ferienhaus. Der Skavenstrand war damals ein noch eher natürlicher schmaler Strand. Zwei Tage stürmte es und dann glitzerte der Strand im Sonnenlicht. Ich hatte noch nie Bernstein gesehen bzw. gefunden. Doch ich wusste sofort, dass konnte nur Bernstein sein. Ein alter lieber Däne zeigte uns ganz stolz seine Funde, die wir neidisch bestaunten. Einen ganzen Tag lang suchten wir den Strand ab. Wir waren stolz auf jeden, noch so kleinen Bernstein. Wir fanden sehr viele kleine, ein paar etwas größere und ich fand einen, für mich, großen Bernstein. Ich war im Glück. 

 

Ein alter lieber Däne erklärte uns was Bernstein ist

Dank des alten Dänen wussten wir genau, wie wir die Steine unterscheiden konnten, denn es gibt eine Vielzahl von Steinen, die nass, Bernstein ähnlich sehen. Aber Bernstein ist anders! Bernstein ist leicht. Bernstein kann man fühlen, fühlt sich warm und weich an. Wenn man drauf beißt klirrt nichts zwischen den Zähnen und es ist ähnlich wie auf Holz beißen. Darüber hinaus, kann man im Sonnenlicht durch den Stein hindurch sehen.

Als ich meinen besonderen Bernstein fand, konnte ich es gar nicht glauben. Immer wieder hielt ich ihn in die Sonne und biss darauf. Als der alte Mann wieder vorbei kam, fragte ich ihn. Ja, du hast gut gefunden! Meine Freude war riesig. Fast 20 Jahre hütete ich diesen Stein, immer in dem Gedanken, ihn irgendwann einmal schleifen zu lassen und als Schmuckstück zu tragen. Nun ist dieser Wunsch in Erfüllung gegangen.

Mit der Suche nach Delphin-Bernstein-Ohrringen fing alles an

Auf meiner Suche nach Delphin-Bernstein-Ohrringen, für unsere Enkeltochter, erinnerte ich mich an die Heimatgalerie Prerows und die nette Unterhaltung mit Andreas Moldenhauer. Als ich auf der Homepage der Heimatgalerie nicht fündig wurde, schrieb ich eine Email-Anfrage, die fast sofort beantwortet wurde.

 

"... Wir haben die wenigsten Artikel in unserer Online-Liste, weil wir eigentlich gar nicht so professionell sind und dies auch nicht werden wollen. Dennoch haben wir natürlich des öfteren Anfragen, die wir gerne beantworten.

Ohrringe als Delphine haben wir leider nicht. Ich glaube aber, ich habe allerdings noch kleine geschnitzte Delphine aus gelbem Bernstein in meiner Werkstatt,ca. 1,5 - 2 cm groß, aus denen ich Hänger fertigen könnte mit einem großen Haken zum Einhängen... Ich suche mal in meiner Werkstatt..."

"Viele Grüße aus dem regnerischen (Bindfäden) Prerow, Andreas Moldenhauer"

 

Nach ein paar Whatsapp-Fotos und eine Woche später, waren die Ohrringe da, verbunden mit sonnigen Grüßen aus Prerow.

Meine Begeisterung machte mich mutig

Ich war so begeistert, so .... ich weiß nicht wie, dass ich mutig wurde und per Email von meinen besonderen Bernstein erzählte und fragte ober er diesen bearbeiten könnte. Er sollte eine bearbeitete und eine ursprüngliche Seite haben. Die Antwort kam prompt.

 

"... Bringen Sie den Stein einfach das nächste Mal mit, dann gucken wir uns den mal an. Man muss so etwas in der Hand halten, bevor man beurteilen kann, wie und ob man ihn verarbeitet, ob er sehr spröde ist usw... Sie können ihn aber auch gerne schicken..."

 

Ich konnte nicht bis März warten. Ich wollte es wissen und so schickte ich Freitag, meinen Bernstein auf die Reise nach Prerow. Dienstag darauf, hatte ich schon Post aus Prerow. Ich war und bin völlig geplättet. Ich konnte nicht glauben, dass es so etwas, dass es solche Menschen, noch gibt. Aber ich habe es erlebt. Es gibt sie noch! Vielen Dank Andreas Moldenhauer - Heimatgalerie Prerow!

Mein besonderer Bernstein - Glücksbringer

Als ich meinen besonderen Bernstein in der Hand hielt, konnte ich nicht glauben, was ich sah. Ein unscheinbarer, brauner Bernstein, brachte so eine Farb- und Formintensität hervor, dass es mir die Sprache verschlug. Natürlich können jetzt viele anderer Meinung sein als ich und sie hätten diesen Stein sicherlich vollständig bearbeiten lassen. Aber für mich hat gerade diese unvollständige seine Macht.

 

"Ich muss ihn in den Händen halten um ..." Für mich übersetzt: in den Händen halten, ihn fühlen, schauen was der Bernstein möchte, fühlen ob er bereit zur Verarbeitung ist und behutsam sein wunderschönes Inneres hervor holen.

Liebevoller Umgang bringt innere Schönheit

Dieser Stein hat Jahrhunderte im Meer verbracht, ist durch die See geformt und gezeichnet worden. Dann wurde er unfreiwillig, aber weil es sein Schicksal so bestimmte, an einen Strand gespült. Dort fand ich ihn und er machte mich glücklich. Er musste noch viele Jahre warten, ehe er seine wahre Schönheit, seine innere Schönheit zeigen konnte. Es brauchte einen Menschen, der diese vermutete, behutsam hervor holte und ihn dabei nicht sein ICH nahm. Er durfte seine Form und auch einen Teil seines Schutzmantels behalten. Genau darin, liegt für mich, die Besonderheit, seine Besonderheit.

Ich habe 50 Jahre gelebt bis ich unfreiwillig, aber weil es das Schicksal so wollte, an den Strand gespült wurde.

Die Depression holte mich, zu meinem Glück, aus dem tosenden Meer. Mich haben Kliniken und Therapeuten, sowie meine Familie, aufgefangen. Schritt für Schritt haben sie mich fühlen lassen, erkennen lassen, Hilfe annehmen lassen und mich so vorbereitet, meinen dicken schweren Mantel zu öffnen und irgendwann einmal abzulegen.

 

Schritt für Schritt schaue ich in mich selbst, erkenne mein wirkliches ICH, erkenne wer ich bin und was ich möchte. Schritt für Schritt lasse ich mein Innerstes nach Außen, im Schutze meines Mantels. Ich erkenne die vielen Farben in mir, die vielen verborgenen Wunden, die vielen guten Denkweisen, die vielen guten Handlungsweisen und lerne sie selbst anzuerkennen, anzunehmen, endlich danach zu handeln und meine Grenzen einzuhalten. Stetig schleife ich, vorsichtig, an meinem inneren ICH und habe Menschen um mich herum, die mir dabei helfen, die für mich da sind, die mich nehmen wie ich bin.

 

Vielleicht kann ich meinen Schutzmantel irgendwann einmal ablegen und wegwerfen. Das ist meine Sehnsucht. Doch auch wenn mir dies nicht vollständig gelingt, werde ich es schaffen, die wundervollen Seiten meines ICH zu zeigen und leuchten zu lassen. Immer mehr und immer mehr.

 

Vielleicht kommt der Tag, an dem ich der Meinung bin, ich bin an meinem Ziel. Dann kann es durchaus sein, dass ich meinen Bernstein, wieder auf den Weg nach Prerow schicke. Mein Bernstein dann, seine vollständige innere Schönheit zeigen wird, so wie ich selbst. Vielleicht.

 

Im Moment bin ich glücklich mit meinem Bernstein, so wie er ist.

Ich selbst kann es noch nicht fühlen, aber mein Kopf weiß ganz bestimmt: ICH BIN WIE ICH BIN UND DAS IST GUT SO!

Danke Andreas Moldenhauer. Danke "Heimatgalerie Prerow". Wir sehen uns im März 2018.

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