Trauer · 2022/02/24
Es war der letzte Tag im Jahr. Zum ersten Mal nach der Seebestattung meiner Tochter war ich wieder in Warnemünde. Dort wo das Meer ihre Urne umhüllt. Es war der Tag, der mir das Leben wieder leichter machte. Da war ich nun. Am Ende der Mole gab der Leuchtturm seine Lichtzeichen. Der Weg auf der Mole schien lang. Der Himmel hatte seine Schleusen geöffnet. Regentropfen rannen Tränen-gleich über mein Gesicht. Der Wind schob mich vorwärts und zerrte an meiner Kleidung. In meiner Hand hielt...

Trauer · 2022/02/24
Es ist ein Tag wieder jeder andere. Es ist Februar. Es ist kalt. Es ist kein Tag wieder jeder andere. Es ist der Tag, an dem mein Kind starb. Es ist so lange her, fast 40 Jahre. Die Erinnerungen an diesen Tag sind geblieben. Sie werden nie verblassen. Sie haben sich in meine Seele eingebrannt. Doch heute kann ich besser damit leben. Eine IRRT-Therapie hast das möglich gemacht. Auch wenn ich alle Bilder noch sehe, die Hilflosigkeit, das Entsetzen, die Grausamkeit noch spüre, nimmt es mir nicht...

Trauer · 2022/01/26
Zwei Wochen am Meer, zum Jahreswechsel 2021/2022. Dafür hatte mich impfen lassen. Zwei Wochen um endlich wieder zurück ins Leben zu kommen, der Trauer die schwere Last zu nehmen und meiner Seele wieder Luft zu verschaffen. So war der Plan. Mein Plan. Es hat funktioniert. Da stand ich nun, am Meer. Nicht bei Sinnen und doch bei Sinnen. Lebend, aber nicht im Leben. Glücklich und doch so voller Trauer. Am Meer, dort wo die Wellen die Asche meiner Tochter trugen. Er hat Bauchweh.

Depression · 2021/12/15
Seit dem Wochenende geht es mir besser. Ich kann wieder Licht sehen, am Ende des Tunnels. Für mich steht nun die Frage nach dem Warum. Was hat sich verändert, was habe ich verändert, dass es mir jetzt endlich, nach Wochen besser geht? Die Antwort ist: Ich habe für mich Entscheidungen getroffen. Im Rückblick kann ich nun erkennen, dass ich mich sehr lange Zeit selbst ignoriert habe. Ich habe Entscheidungen getroffen, damit es anderen gut geht, weil wir es so geplant haben oder aus dem...

Trauer · 2021/12/11
Nun sitze ich wieder hier und sortiere meine Gedanken. Mir ging es die Woche überhaupt nicht gut. Mein Keuchhusten hatte aufgegeben, dafür machte mein Magen nun Theater. Mir war bis gestern nicht klar warum. Ich weiß aber, dass meine Seele sich stets über den Magen meldet. Im wahrsten Sinne des Wortes brennt die Seele (der Magen). Ich war total müde, verschlief die Tage, konnte nichts essen, noch etwas im Magen behalten. Ich war so platt, meine Beine bleischwer und mein Rücken schmerzte...

Depression · 2021/12/08
Für meine Freundin R. Der Tag beginnt. Der Wecker klingelt. Du bist noch müde. Du bist noch kraftlos. Mühsam quälst du aus deinem Bett. Den Tag beginnen, irgendwie. Dein Kopf will nicht denken. Müde, du bist so müde. Jeder Schritt strengt an. Warum sind deine Beine nur so unheimlich schwer? Du kannst kaum gerade stehen. Dann stehst du da und schaust in den Spiegel. Du erkennst dich nicht. Du bist so unheimlich müde. Müde schon am frühen Morgen. Die Zahnbürste kreist über deine...

Trauer · 2021/12/07
Advent. Wie jedes Jahr. Ein Zeit voller Lichter, Glanz und Vorfreude. Vorfreude auf eine schöne Zeit in der Familie, der Tannenbaum geschmückt im Lichterglanz. Geschenke bringen Glanz in die Augen. Familienzeit zur Weihnachtszeit. Doch ich will nicht sehen, diese Lichter, diesen Glanz. Ich kann nicht fühlen, kann mich nicht freuen, auf diese schönen Tage. Advent. Mein Kind ist tot. Meine Welt ist grau und trist. Ich habe keine Kraft sie zu erhellen. Ich bin so müde vom Leben.

Trauer · 2021/12/05
Adventszeit schöne Zeit. Kerzenlichter überall. Frohsinn zieht um die Häuser. Heimlichkeiten weit und breit. Advent, Advent die Seele brennt. Ich seh das Kerzenlicht und möchte weinen. Ich kann es nicht. Nur dieser Schmerz ist da. Ich erinnere mich an dich. Ich vermisse dich so sehr.

Suizid · 2021/12/05
Liebe Jenny, neulich, in Erinnerungen kramend, auf der Suche nach dem Warum, fand ich ein paar wundervolle Fotos. Sie zeigten dich jung und frech, so herrlich fröhlich an meiner Seite. Fotos aus längst vergangenen Zeiten. Da war unsere Welt noch in Ordnung, glaube ich heute. Erst später irgendwann gingst du deine Wege ohne mich. All die Jahre glaubte ich fest an dich und daran, dass wir wieder zusammen finden würden. Weil du älter, erfahrener geworden warst, besser verstehen würdest und...

Depression · 2021/10/01
Wie war dein Urlaub? Gut. Wie war dein Urlaub wirklich? Ich weiß es nicht. Er war irgendwie anders. Ich glaube ich bin nie wirklich angekommen. Ich hatte Urlaub. Einen Traumurlaub auf einer kleinen Insel im Südfünischen Meer. Wir waren eingeladen worden, von Anette. Einfach so. Hier ist es ruhig und das Meer, das du so liebst ist immer in der Nähe. Hier kannst du zur Ruhe kommen und Kraft tanken, sagte Anette.

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