Ich habe meine Grenzen. Glaube mir, ich tue mein Möglichstes. Hürden und Herausforderungen im Alltag. Grenzen wahrnehmen und einhalten. Veränderungen.

Ich habe meine Grenzen. Glaube mir, ich tue mein Möglichstes!

Das Leben in seiner Alltäglichkeit und Selbstverständlichkeit

Im Leben eines gesunden Menschen, geschehen täglich ganz viele, ganz normale große und kleine Dinge. Ein buntes Durcheinander von Freizeit, Arbeit, Familienalltag, Haushalt, Anforderungen, Entscheidungen, Freude und Ärger, guten und schlechten Kompromissen, Lachen und weinen, von Stille und Aktivität, von Ruhe und lautem Gewimmel, Alleinsein und Gemeinschaft, von guten und schlechten Tagen. So ist das Leben und es wird selbstverständlich gemeistert. Über ganz viele Dinge, im Alltag, wird nicht nachgedacht, weil es schon immer so wahr, weil die Handlungen sich automatisiert haben, weil sie in Fleisch und Blut übergegangen sind, weil sie eben normal sind.

In meinem Leben ist nichts mehr selbstverständlich

Der ganz alltägliche Alltag, ist für mich schon eine riesige Hürde und bedeutet enorme Überwindung und Kraftanstrenung. Nichts ist in meinem Alltag noch selbstverständlich und leicht. Nichts tue ich, ohne darüber nachzudenken, mich selbst anzutreiben, mich selbst zu motivieren. Andere Dinge tue ich weil meine eigene Leistungserwartung, oder die anderer, es fordert. Alles was „normal“ und selbstverständlich im Leben ist, bedeutet für mich eine Herausforderung. Sie zu bewältigen fällt mir mal schwerer und mal leichter, wie mich die Depression gerade beeinträchtigt.

Riesige Hürden und Herausforderungen in meinem Alltag 

  • Eine Tagesstruktur einzuhalten ist für mich schwer, selbst essen und trinken muss ich von mir selbst fordern.

  • Am Morgen aufstehen, duschen, Zähne putzen, Haar waschen, anziehen, sind Herausforderungen, die ich nicht jeden Tag meistere. Manche Tage verbringe ich im Bett oder im Schlafanzug.

  • Ich brauche am Morgen sehr viel Zeit (2-4 Stunden) und Ruhe für mich selbst, um in den Tag zu kommen. Oft ist es eine Runde Facebookspiel, die mein Gehirn, endlich in Gang bringt.

  • Ich mache dir Frühstück, jeden Morgen, weil ich es so möchte.

  • Ich übernehme jetzt wieder Haushaltsaufgaben, mal mehr und mal weniger.

  • Ich gehe auch mal allein einkaufen, kleine Dinge die noch fehlen. Doch ich brauche einen langen Anlauf und viel Überwindungskraft, um es zu tun. Selbst Brot beim Bäcker kaufen ist schwer, weil ich Mühe habe zu sagen, was ich möchte.

  • Der Wochenendeinkauf ist für mich immer Horror – die Menschen, das Gewimmel, die Musik und die Lautsprecherdurchsagen, sagen was ich am Wurststand möchte, anstehen an der Kasse, Wagen einpacken und bezahlen –. Ich schaffe es manchmal mit dir gemeinsam. An anderen Tagen schaffe ich es nicht.

  • Ich kann nicht einfach mal so, vor dem Wochenendeinkauf, noch einen anderen Einkauf erledigen oder gar in die Altstadt fahren, denn diese ist eine weitere Herausforderung für mich. Beides zusammen ist schlicht unmöglich.

  • Ich muss alle Sinne und Kraft zusammen nehmen, um mit Bahn und Bus, zur Therapiestunde zu fahren und wieder zurück. Nach der Therapiestunde brauche ich eine Pause, um für mich selbst zu sorgen, bevor ich den Rückweg antrete. An solch einem Tag, geht nichts weiter.

  • Selbst der kurze Weg zur Ergotherapie, ist manchmal schon zu weit. Die Straße ist eine Gefahr für mich und überfordert mich mit ihrem Verkehr und der Lautstärke. Dann die Stunde selbst, gemeinsam mit vier anderen Personen, für eine Stunde kreativ sein, diese und jene Unterhaltung, lächeln … Ja, es wird besser, doch noch immer ist es eine Überwindung und braucht Kraft.

  • Alle Frauen gehen gern zum Friseur. Ich gehe nun auch wieder regelmäßig. Ein Glück habe ich eine „besondere“ Friseurin, sonst wäre es noch anstrengender und ich würde es sicher nicht regelmäßig schaffen.

  • Alle Frauen gehen gern shoppen. Ich nicht. Wenn ich zwei Teile anprobiert habe, bin ich am Limit. Dann will ich nur noch raus und weg.

  • Auch Musik und Fernsehen sind für mich anstrengend. Mich belastet Musik, sie nervt mich. Filmen kann ich oft nicht folgen, weil der Inhalt mich triggert. Nachrichten aller Art würde ich am liebsten gar nicht mehr sehen. Die Welt ist verrückt. Und doch sitze ich mit dir vor der Kiste, auch wenn ich den Laptop vor mir nutze, um mich abzulenken.

  • Ausflüge in die Umgebung oder Urlaubsreisen, fordern mich, sie sind anstrengend, auch wenn sie mir gut tun. Ich brauche eine Ankündigung, ich brauche Zeit bevor es los geht, damit ich mich darauf einstellen kann.

  • Autofahren ist, ansich, schon eine Hürde. So gern ich früher selbst gefahren bin, bin ich heute kaum auszuhalten, erschrecke zu oft bei Kleinigkeiten. Enge Straßen und rückwärts fahren ist der planke Horror für mich.

Zwischenmenschliche Herausforderungen 

  • Ich kann Probleme nicht mehr stehen lassen. Sie machen mich verrückt, lösen ein Gedankenkarussell aus, das einer Achterbahn gleicht und ich fühle mich ausgegrenzt und wertlos.

  • Es fällt mir schwer, mich mit einem Problemthema auseinander zu setzen, weil mich alte Glaubenssätze jagen, weil ich keine Kraft dafür habe, weil sich alles in mir dagegen wehrt. Ich will keine Probleme mehr, ich will nicht mehr kämpfen, du verlierst doch sowieso, du machst es immer falsch, schreit mich mein Kopf an.

  • Ich kann mich noch immer selbst zerstören, selbst niedermachen, selbst abwerten, dazu brauche ich keine anderen Menschen. Ich will nicht mehr das Leben führen, das andere für richtig halten.

  • Ich versuche es anderen Recht zu machen, beachte meine Bedürfnisse nicht und stelle meine Erfahrungen und Erkenntnisse hinten an.

  • Ich funktioniere zu oft und sage zu schnell JA. Meine Reaktion ist einfach so normal, dass es mir nicht einmal selbst sofort bewusst ist.

  • Ich kann damit nicht umgehen, wenn andere, über meinen Kopf hinweg, Entscheidungen treffen, die auch mich betreffen.

  • Ich bin überfordert, wenn ich kurzfristig (innerhalb von Stunden) auf Situationen oder Aufgaben reagieren soll.

  • Ich erkenne und beachte, im Alltag, meine Grenzen nicht. Ich selbst und andere können sie daher leicht verletzen.

  • Ich folge meinen Glaubenssätzen, die mich behindern und nicht gut für mich sind. Ich fordere von mir selbst zu viel und andererseits ist immer das Gefühl zu versagen in mir.

  • Ich verstecke mich hinter eine Maske, ich lächle, damit niemand sieht wie anstrengend oder belastend die Aufgabe oder Situation für mich ist.

Ich-Definition – Ich bin wie ich bin und das ist gut so

Ich bin ein empfindsamer, verletzbarer, ehrlicher, respektvoller und emphatischer Mensch, der vom Leben gezeichnet ist. Ich geben nicht auf und habe mein Ziel klar vor Augen. Ich pflege einen Umgang mit Menschen im selbstverständlichen geben und nehmen. Ich achte und wertschätze Menschen. Ich möchte leben, mit all meinen Emotionen und Gefühlen - lachen und weinen, flüstern und schreien, leise und laut sein, glücklich und traurig sein, liebevoll und sauer, wütend sein- . Ich verbiege mich nicht und halte meine Grenzen ein. Ich möchte sein wie ich bin, denn ich bin gut, wie ich bin.

Um diese Definition irgendwann wirklich zu leben, muss ich mich verändern. Ich möchte mich verändern, das heißt:

  • Ich möchte weiter lernen zu mir selbst zu stehen, ohne schlechtes Gewissen.

  • Ich kann und möchte nicht mehr mit Menschen zusammen sein, denen ich egal bin, die mich ignorieren und gedankenlos mit mir umgehen.

  • Ich möchte, dass Probleme nicht ausgessen werden, sondern eine Lösung finden.

  • Ich schaffe es jetzt wieder zu sagen, was ich denke, wie es mir gerade geht.

  • Ich möchte gefragt werden, in eine Situation/Thema einbezogen werden.

  • Ich achte wieder darauf, erst innzuhalten, darüber nachzudenken, eine Entscheidung für mich zu treffen und dann erst zu reagieren.

  • Ich schaue achtsamer in mich hinein, höre auf mich selbst. Ich möchte meine Grenzen erkennen und einhalten.

  • Ich sage zu mir selbst und anderen STOP – du überschreitest meine Grenze!

  • Nein-Sagen gehört dazu, auch wenn mir das noch immer schwer fällt.

  • Ich spreche über meine Therapie, meine Sichtweisen und Erkenntnisse, um sie für mich zu festigen, zu verinnerlichen und meinem Kopf zu zeigen, dass wir es gemeinsam können.

Es ist in meiner Verantwortung, wie weit und wohin ich gehe. Diesen Weg kann niemand für mich gehen. Ich bin schon weit gegangen und ich werde weiter gehen. Ich sehe das Licht der Hoffnung. Meiner Hoffnung irgendwann wieder „normal“ zu leben, mit all meinen Gefühlen und Emotionen.

Ich werde mich weiter verändern, auf mich selbst achten. Wenn ich mich verändere, können auch in meinem Umfeld Veränderungen erfolgen. Damit verändert sich mein Leben positiv.

 

Nur wenn ich mich verändere, zu mir selbst finde, kann ich den Weg aus der Depression finden.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0