Schweigen. Das Schweigen schreit in mir. Schweigen macht krank. Schweigen tötet.

 Schweigen verhindert Wissen.

Schweigen verhindert Seelenheil.

Schweigen tötet.

 

Meine Opa, aufgewachsen im 1. Weltkrieg.

Soldat im Hitlerkrieg, verwundet in Breslau.

Meine Oma, im Krieg allein auf einem Gutshof.

Nach dem Krieg, als Erster im Dorf in der LPG.

Fünf Kinder aufziehen in den Kriegs- und Nachkriegsjahren.

Meine Oma, allein geflohen mit 3 Kindern aus Stettin.

Mein Opa, gefallen im Krieg.

Leben als Flüchtlinge im katholischen Eichsfeld.

Vater und Mutter aufgewachsen in der Nachkriegszeit.

Mutter, älteste und früh verantwortlich für die Geschwister.

 

Schweigen.

Schweigen über das Leben als Soldat.

Schweigen über das Leben im Kriegslazeret.

Schweigen über das Leben im Krieg.

Schweigen über die Verletzung und den Tod im Krieg.

Schweigen über die Flucht, das Leben als Vertriebene.

Schweigen über das Leben, allein auf einem riesigen Guthof,

mit russischen Kriegsgefangenen.

Schweigen über die Häme im katholischen Dorf. 

Menschen, die mit dem Finger auf euch zeigten,

weil ihr in die LPG gegangen seit, weil ihr Flüchtlinge wart,

weil die Kirche nicht das wichtigste war. Schweigen.

Kindheit meiner Großeltern und Eltern versunken im Schweigen.

 

 

Schweigen, aus der Vergangenheit

Meine Großeltern sterben. Schweigen. Immer noch.

Meine Ausbrüche auf den Beerdigungen. Schweigen.

Vaters letzter Wunsch, nach seinen Mädels, Schweigen.

Vaters Tod, Schweigen, er war einfach nicht mehr da.

Mutters Tod, ein Erb-Brief sagt mir, die Beerdigung ist vorbei. Schweigen.

Ein Erb-Brief erzählt vom Tod meines „glücklichen“ Bruders.

Das Telefon sagt: Er hat sich erschossen.

 

Schweigen.

Schweigen tötet.

 

Ausgrenzung im Dorf, weil ich nicht in die Kirche ging. Schweigen.

Kinder, die nicht mit mir spielen durften. Schweigen.

Selbstmordversuch meiner ersten großen Liebe. Schweigen.

Ausgrenzung und politischer Normdrill im Studium. Schweigen.

Mein Kind stirbt, Schweigen. Es ist einfach nicht mehr da.

Gewalt in meiner ersten Ehe, Schweigen.

„Genossen schlagen nicht“ - Schweigen auf Anordnung und Drohung.

Mein Leben in der Ferne, Schweigen. Die da in der Ferne.

15 Jahre Ehe. Er verschwindet einfach. Ohne ein Wort. Schweigen.

Neues Glück, neue Probleme, neue Kämpfe. Schweigen. Allein.

Mein Mann im Burnout. Ich bin allein gelassen. Schweigen.

Meine Tochter bricht den Kontakt ab. Schweigen. Niemand hilft.

Mein Leben mit der Depression. Schweigen in meiner Herkunftsfamile.

Meine Enkelkinder mit Verhaltensauffälligkeiten, in psychischer Not. Schweigen.

 

Schweigen.  

 

 Das Schweigen schreit in meiner Seele.

Meine Seele sucht nach Antworten.

Antworten,

- auf alle meine Fragen.

- auf meine Neugier, wie das Leben früher war.

- auf Erlebnisse im Früher und im Heute.

- auf der Suche nach Verständnis, Zuwendung und Halt.

- die Erklärung und Lösungswege aufzeigen.

- die Schlimmeres verhindern, die mir meine Angst nehmen.

 

Schweigen macht seelisch krank!

Schweigen tötet!

 

Ich suche nach Frieden in mir.

Ich suche nach Ruhe in mir.

Ich möchte nicht mehr Reden, weil zu viel in mir tobt.

Ich finde manch eine Antwort nie mehr, Vergangenheit – gestorben.

 

Ich will nicht mehr schweigen!

  

Ich schreie es hinaus. Ob du es hören magst oder nicht!

Ich breche mein Schweigen, damit es alle hören!

Ich breche mein Schweigen, damit Hilfe angenommen wird, wo Hilfe nötig ist.

Ich bitte dich! Reden hilft! Nimm Hilfe an!

Schweige nicht länger.

 

Schweigen macht psychisch krank!

Schweigen tötet!  

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