Meine Trauer schreit in mir. Suizid - Es war deine Entscheidung! Es war dein Weg! Niemand konnte es verhindern. Du wolltest keine Hilfe. Keine!

Meine Trauer schreit in mir

 

Ich möchte so gern weinen.

 

Ich möchte so gern schreien,

so laut dass mir die Stimme versagt.

 

Ich möchte so gern in ein Kissen schlagen,

meine Wut und meine Ohnmacht herauslassen.

 

Ich kann es nicht.

 

Ich bin hier, noch immer fassungslos.

 

Ich bin hier, noch immer dröhnt „erschossen“ im Kopf.

 

Erschossen – Erschossen – Erschossen …

Mein Bruder, das beste Kind der Familie.

Von dir sprachen die Eltern immer voller Stolz.

Ein Polizist im gehobenen Dienst, erfolgreich.

Eine glückliche Ehe, mit Frau und Kind.

Ein Mann, dessen Wort etwas galt, in dieser kleinen Stadt.

Ein starker Mann, der immer wusste, was gut und böse war.

Du hast mich so oft belächelt.

Du hattest oft so kluge Worte, für mich.

Du konntest, andere, immer bewerten, abwerten.

Du hattest immer Recht.

Du hast immer auf mich herab geblickt.

Du hast psychische Krankheiten abgelehnt.

Therapeuten waren für dich Gehirnwäscher.

Ich höre noch deine Worte:

„bist du in deiner Kindheit auch misshandelt worden?“

 

Erschossen – Erschossen – Erschossen …

 

An welcher Stelle zerbrach deine Welt.

Hat dich der Polizeidienst zerrieben, zermürbt.

Die unhaltbaren Befehle, der innerdienstliche Machtkampf,

das Gerede und Getratsche, die unhaltbaren Zustände.

Dein Kampf, deine Erwartungen, deine Werte,

sinnlose Befehle, sinnlose Einsätze,

Vorgesetzte und Kollegen im Dienst-Hamsterrad.

….

Erschossen – Erschossen – Erschossen ….

 

Auch deine Ehe war nicht von Bestand.

Doch du konntest nicht wirklich gehen.

Du hast gewartet, gehofft und hörtest nur:

„Ich liebe Uwe nicht mehr und das weiß er auch“.

Deine Worte klingen in meinen Ohren:

„So lange ich die Wäsche gewaschen bekomme

und sie für mich kocht, ist alles gut!“

 

Erschossen – Erschossen – Erschossen ...

 

Nein, es war nicht alles gut, schon lange nicht mehr.

 

Du konntest deine Seelennot nicht mehr verbergen.

Deine Lebensmaske war gefallen.

Ich habe es gesehen. Ich habe es gefühlt.

Ich habe ungehört gewarnt.

Du hattest dich schon, so lange verbogen.

Du hattest dein ICH schon lange verloren.

 

Du hast dich im Dienst angepasst.

 

Du hast dich deinem Vater angepasst.

 

Du hast dich deiner Frau angepasst.

 

Immer mehr, mit Grotesken Zügen.

Du konntest nicht sein, wie deine Frau.

Nein, sie hatte sich nicht verändert.

Sie war schon immer so, nur du hast es nicht bemerkt.

Sie hat dich schon immer zum Trottel gemacht.

Ihr dummes Geplapper passte nicht zu dir.

„Den will ich nicht zu Hause.“

„Der soll arbeiten gehen und sich dort abreagieren“.

Die Worte klingen in meinen Ohren.

An ihrer Seite, hast du dich völlig verloren.

Du hast dich angepasst, an das was du Leben nanntest.

 

Erschossen – Erschossen – Erschossen

 

Angepasst.

Du hast im Dienst keinen Ausweg gefunden.

Vater starb.

Mutter starb.

Ehe zerstört.

Ein Kind, dass dich nicht verstand.

 

Was war noch da, von deiner Lebenswelt?

Es war niemand mehr da, der dich liebte.

 

Du hast, für dich, keinen Weg mehr gesehen.

Dein Leben war nichts mehr wert.

Du warst gefangen in deiner Dunkelheit.

Du hast jede Hilfe verweigert.

Du hast deine Entscheidung getroffen.

 

Am 28.10.2017 hat sich Uwe … erschossen.

 

Fassungslos.