Du bist gegangen. Es war deine Entscheidung. Deine Seele hat nun Frieden. Meine Seele heilt, ich höre ihr zu.

Am Meer - Abschied nehmen

Ein wundervolles Foto. Danke Michael Schön.

 

Es ist ein Foto meiner Sehnsucht. Nach dem Ort der meine Seele streichelt. Dem Ort, an dem ich meine Gedanken, dem Wind übergeben kann.

 

Der Weg zum Meer, über die Stufen, durch den Sand.

Der Weg zurück ins Leben. Dessen Ende nicht klar erkennbar ist und doch weiß ich wo er hinführt.

  

Deutlich spüre ich, dieser Weg ist gut für mich.

Verschwommen ist noch mein Blick.

Verschwommen ist noch mein Ziel. 

Doch kann ich hören, wie das Meer mir zu ruft.

Mich freundlich begrüßt.

Der Wind streichelt meine Seele.

 

Heute bin ich hier, am Meer.

Ich nehme Abschied. Für immer.

Abschied von meinem Bruder.

Es wird sein.

 

Ich will meinen Weg weiter gehen.

Schritt für Schritt. 

 

Du bist gegangen. Es war deine Entscheidung

Du bist gegangen. Es war deine Entscheidung.

Ich bin noch hier. Ich will leben.

 

Mein Suizidversuch ist lange her.

Meine Todessehnsucht ist manchmal in mir.

Mein Lebenswille ist stärker.

Ein Suizidversuch, am Tiefpunkt meines Lebens.

Es war niemand da, der meine Trauer verstand.

Es war niemand da, der meine Schmerzen spürte.

Es war niemand da, der mich liebte.

Es war niemand da, der mir Halt gab.

Nur mein, noch ungeborener, Sohn war für mich da.

Er holte mich ins Leben zurück.

 

Mein Suizidversuch ist gescheitert. Es kam kein Zug.

Heute sage ich, zu meinem Glück.

Ich habe zwei Kindern das Leben geschenkt.

Meine Kinder, die ich liebe, so wie sie sind.

Ich habe nach vielen Umwegen, einen Mann getroffen,

der mich liebt und wertschätzt.

Ich habe jetzt eine Familie, ich werde Oma genannt.

Ich habe ein warmes zu Hause und alles was ich brauche.

Ich habe Menschen um mich herum,

die mich unterstützen auf meinem Weg zurück ins Leben.

Menschen, die für mich da sind, an meiner Seite stehen.

Menschen, die mich begleiten, auf meinem Weg zu meinem ICH.

Dieses Glück, mein Glück hätte ich nicht erlebt,

 

wenn mein Suizid erfolgreich gewesen wäre.

 

Ich habe, wie du, eine Maske getragen.

Ich war, immer auf der Suche nach Liebe von Mutter und Vater.

Ich habe mich immer angepasst, so wie ich es gelernt hatte.

Ich habe versucht, zu sein, wie meine Eltern mich wollten.

Ich habe es nicht geschafft.

Es war unmöglich. Für mich.

Ich habe mich verbogen, bis zur völligen Unkenntlichkeit.

Ich konnte es ihnen einfach nicht recht machen.

Sie konnten mir keine Liebe und Zuwendung geben.

Sie hatten es selbst nie erfahren.

Sie hatten auch nur überlebt.

 

Mein Bruder, du warst so anders.

Du warst erfolgreich im Job.

Glücklich verheiratet. So schien es lange.

Du konntest immer auf die Liebe und Zuwendung bauen,

von unseren Eltern.

Ja, du warst so ein toller Sohn, der alles richtig machte.

Doch das Leben holte uns ein.

 

Es holte dich ein und deine Lebenswelt zerbrach.

 

Zerbrach in tausend kleine Scherben.

Auch du hast unter einer Maske gelebt.

Auch du hast dich verbogen, bis zur Unkenntlichkeit.

Ich kann nur ahnen, wie es in dir ausgesehen hat.

Ich kann nur fühlen, fühlen deine Sehnsucht nach Liebe.

Ich kann deine Verzweiflung spüren, ich kann sie verstehen.

Ja, ich stand ja auch an dieser Schwelle.

 

Du hast auf niemanden gehört.

Du hast alle warnenden Worte in den Wind geschlagen.

Du hast jede Hilfe abgelehnt.

Du hast das Licht, am Ende des Tunnels nicht mehr gesehen.

Du bist gegangen, weil es nichts mehr gab, was dich im Leben hielt.

Es war deine Entscheidung.

Für dich, war sie gut und richtig. Nur für dich.

Deine Seele hat nun Ruhe. Ich wünsche es dir von Herzen.

 

Meine Seele fängt an zu heilen.

Meiner Seele höre ich achtsam zu.

Ich will leben.

 

Auch wenn ich das Ende meines Weges nicht klar erkennen kann.

Ich gehe ihn und bekämpfe die alten Geister, die da in mir leben.

Ich bin auf MEINEM Weg.

Dem Weg zu mir selbst.

Dem Weg zu MEINEM ICH.

Ich werde geliebt, respektiert, geachtet und gewertschätz.

So wie ich bin.

 

Ich bin einzigartig und das ist gut so.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0