Plötzlich stehst du am Straßenrand und dein Kopf fordert dich auf ... Suizid-Gedanken kommen oft plötzlich. Gut, dass ich genug Lebenswillen habe.

Plötzlich stehst du am Straßenrand und dein Kopf fordert dich auf ...

Heute hatte ich ambulante Traumatherapie. Zwei Wochen sind inzwischen vergangen. Zwei Wochen in denen ich großes geschafft habe, die mich stolz machen. Ich freute mich auf die Therapie. Ich wollte von meinen vielen Treppen erzählen, voller Stolz.

 

Doch erst einmal war der Weg (Straßenbahn und Bus) zur Therapie zu bewältigen. Der Tag hatte gut begonnen und so machte ich mir keine Sorgen darüber. Ja, ich würde wieder "rumzappeln" und am liebsten nach 3 Stationen am Ziel sein, aber das kenne ich ja. Frohen Mutes machte ich mich auf den Weg.

 

Mein Weg führt mich eine kurze Strecke, direkt an einer Hauptverkehrstraße entlang, die ich, an einer Ampel dann überquere. Dort angekommen, war heute, mit einem Mal, alles anders.

 

 

Suizid-Gedanken am Straßenrand

"Siehst du den Lkw, wenn du jetzt einen Schritt machst, ist es ganz schnell vorbei! Los, es tut nur einmal weh!" 

Instinktiv, machte ich einen Schritt zurück!!! (Bilde ich mir ein) Ich konnte gerade nicht glauben, was da in meinem Kopf vorging. Noch einen Schritt zurück und meinen Kopf innerlich anschreien: "NEIN! GANZ BESTIMMT NICHT! ICH WILL LEBEN!" Doch mein Kopf widersprach ganz deutlich. "Da ein LKW, in voller Fahrt, los es geht ganz schnell. Dann ist alles vorbei. Los, der ist schnell. Dann hast du deine Ruhe!" Ich stand da und kämpfte mit meinen eigenen Gedanken. Ein Glück, ist mein Lebenswille sehr stark.

 

 

Ich blieb abseits stehen, bis ich sicher war, die Straße gut überqueren zu können und ging auch erst bei grün wieder an den Straßenrand. Super, es hatte funktioniert. Ohne weiter nachzudenken, ging ich an den Fahrkartenautomaten und zog meine Fahrkarten. Ich dreht mich um und in dem Moment fuhr die Straßenbahn heran und mein Kopf kommandierte:"Los, einen  Schritt und es ist vorbei". Ich klebte förmlich am Fahrkartenautomaten. Nein, ich will nicht sterben. Ich bin dieses Jahr so weit gekommen. Gerade habe ich so viel Tolles erlebt und geschafft. Gerade komme ich ein wenig dort an wo ich früher mal war. Ich kann wieder wandern, lange durchs Städtchen bummeln und Berge besteigen.

Warum also sollte ich jetzt sterben. Ich verstand die Welt nicht mehr.

Sicher gelangte ich dann in die Straßenbahn. Nach 3 Stationen musste ich umsteigen, an einer Haltestelle wo viel Verkehr ist und mehrere Straßenbahnen/Busse abfahren. Ich stieg aus und setzte mich ins Wartehäuschen. Mehrere Straßenbahnen und ein Bus fuhren vorbei, ohne das meine Gedanken wieder abtrifteten. Froh stieg ich in meinen Bus ein. Nach der üblichen Beeinträchtigung, während der Fahrt, stieg ich am Ziel angekommen aus. Ich wählte sehr bewusst die 2. Bustür, von der ich wusste, dass sie genau vor dem Wartehäuschen hielt. So war ich sicher, das ich nicht unmittelbar auf den Radweg trat und Zeit hatte, mich auf die neue Situation einzustellen. Aber alles gut, mein Kopf war wieder vollkommen klar. Vorsichtig, ich ging nicht so nah an die Straßenkante, überquerte ich problemlos zwei Straßen und kam sicher in der Klinik an.

Gedanken zum WARUM und zum URSPRUNG

Natürlich erzählte ich das Vorkommnis meiner Therapeutin. "Wer hat ihnen gesagt, sie sollen vor das Auto springen? Waren das wirklich sie selbst?" Ich hatte eine FrageAntwort: der innere Kritiker? Es war aber so hart, so nah und so deutlich in mir selbst. "Wer hat ihnen stets keinen Erfolg gegönnt?" Oha, da fielen mir so einige Menschen ein. Ja, ich konnte sie plötzlich alle hören ... Mein innerer Kritiker hatte versucht mich von der Therapie fern zu halten. Er wollte nicht, dass ich von meinen Erfolgen erzählte. Er will nicht, dass es mir gut geht. Doch hatte er nicht mit meinem Lebenswillen gerechnet (den ich zum Glück, auch in meinen schlimmsten Zeiten immer hatte).

Risperidon hat Suizid-Gedanken unterdrückt

Aber warum kommen diese Gedanken jetzt, heute ... Es geht mir endlich besser. Ja, seit ich das Medi Risperidon ausgeschlichen habe, kommen ab und zu diese Suizidgedanken. Mit der ersten kleinen Reduzierung begann es. Es war als lernte mein Kopf wieder denken. Leider auch zu denken, der Tod wäre besser für mich. Meine Ärztin hatte es mir erklärt. Es besteht die Möglichkeit, dass das Risperidon, diese Gedanken unterdrückt hat. Jetzt sind sie frei. Sie wollte das Medi damals wieder einsetzen. Das habe ich strikt abgelehnt.

 

 

Heute nun, sprach meine Therapeutin davon, es wieder einzusetzen. Ich lehnte ganz sicher und nachdrücklich ab, was sie sehr verwunderte. Ich habe es ihr erklärt. Nein ich will nie wieder in diesen Trance. Jetzt nehme ich wesentlich mehr war und kann klar denken. Diese Zombie-Leben möchte ich nicht noch einmal. Auch wenn das heißt, dass ich noch mehr auf mich achten muss. Bis jetzt konnte ich dem inneren Kritiker immer zum schweigen bringen. Er hat bei Suizidgedanken nie gewonnen. Ich will leben! Ja und meine Therapeutin glaubt es mir, sie nimmt es mir ab. Dafür bin ich dankbar.

Meine Handlungsmöglichkeiten

Natürlich hätte ich umdrehen können, mich sofort von der Straße entfernen können, nach Hause gehen können. Doch da war er wieder, mein Perfektionismus. Ich wollte zur Therapie! Das war mein Ziel. ABER!!! Das hätte auch gründlich schief gehen können. Ich hatte Glück!

 

Ja, ich hätte Michael, anrufen können. Ich hatte das Handy auch schon in der Hand und hätte es getan, wäre es noch schlimmer geworden. Den Notdienst oder meine Therapeutin anzurufen, kam mir nicht in den Sinn. Ich wollte, auf biegen und brechen, zur Therapie. Ja, da waren wieder diese alten Glaubensmuster, die mein Handeln bestimmten.

Getroffene Verabredungen

 

  • Wenn Suizidgedanken aufkommen, gehe ich sofort nach Hause.
  • Auf dem Weg zur Therapie, kann ich immer meine Therapeutin kontaktieren. Es ist auch möglich, in solchen Fällen wie heute, die Therapiestunde per Telefon durchzuführen.
  • Die Namen von Michael, meiner Therapeutin und die Krisennotrufnummer beginnen nun mit AA....., so dass ich diese Telefonnummern, in der Kontaktliste, sofort finde und auch nutze.
  • So weit wie möglich vom Straßenrand entfernt, den Gehweg benutzen.
  • 3 Schritte Abstand zum Straßenrand, bis die Ampel grün ist.
  • Gerade wenn es mir schwer fällt, los zu gehen, noch achtsamer in mich hinein hören. 
  • Ich spreche nächste Woche auch mit meiner Ärztin zu dem Thema.

 

Gut und sicher, bin ich wieder zu Hause angekommen.

Ich habe Glück gehabt.

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