Der Aufenthalt in der Trauma-Klinik war die beste Entscheidung für mich

Traumaklinik - Meine beste Entscheidung

Ich habe den Antrag für einen 2. Aufenthalt in der der Trauma-Klinik (Waldschlösschenklinik in Dresden) gestellt. Nach einem Jahr bin ich stabil genug, für einen weiteren Aufenthalt, sagt meine Therapeutin und ich glaube ihr. Es ist Zeit für mich zurück zu schauen.

 

Ich habe den Antrag für einen 2. Aufenthalt in der der Trauma-Klinik (Waldschlösschenklinik in Dresden) gestellt. Nach einem Jahr bin ich stabil genug, für einen weiteren Aufenthalt, sagt meine Therapeutin und ich glaube ihr. Es ist Zeit für mich zurück zu schauen.

 

Von der Verhaltenstherapie zur Traumatherapie

 

Ich habe von 2012 – 2016 ca. 140 Stunden Verhaltenstherapie bewältigt. Sie hat mir erste Kenntnisse, Erkenntnisse und Wege aufgezeigt, besser mit der Depression zu leben. Zu Beginn meines Weges, war diese Therapie sehr hilfreich, um überhaupt wieder ein Stück in mein Leben zu kommen. Doch immer mehr bemerkte ich, dass diese Therapie, mir nicht wirklich hilft.

 

Alle meine Symptome – ständiges Anspannungswackeln der Beine, selbst-verletzendes Verhalten im Gespräch, Panikattacken, Angstzustände, Dissoziationen, hohe Geräuschempfindlichkeit, Schreckschreie und meine traumatischen Erlebnisse – wurden nicht ergründet bzw. bearbeitet. Jedes Gespräch, dass in die Nähe meiner Traumas kam, wurde ausgebremst.

 

Gearbeitet wurde an dem, was im Hier und Jetzt passierte. Zunehmend stellte sich bei mir Unzufriedenheit ein. Ich fühlte, dass ich so nicht weiter komme und meine bohrenden Fragen unbeantwortet blieben. Vor allem aber, änderte sich nicht viel an meinem Befinden. Als in den letzten Stunden meiner Verhaltenstherapie dann die Aussage kam, eine Trauma-Therapie würde hilfreicher für mich sein, war das mein letzter Anstoß.

 

Ich sprach mit meiner Psychiaterin, die sofort mit mir den Antrag für die Trauma-Klinik ausstellte. Ende Oktober 2016 war es so weit. Es folgten 10 Wochen stationäre Trauma-Therapie, in der Klinik am Waldschlösschen. 10 Wochen sehr harter Kampf, tägliche harte Auseinandersetzung und Überwindung. Ich habe nicht alle Therapieangebote, insbesondere Gruppentherapien, nicht gemeistert. Doch gab mir der Aufenthalt sehr viel Mut, diesen Weg weiter zu gehen. Ich hatte großes Glück, dass meine dortige Trauma-Therapeutin noch einen Therapieplatz frei hatte und mir diesen anbot. Dankbar nahm ich das Angebot der ambulanten Trauma-Therapie an. Sie hat mich für meinen 2. Aufenthalt stabilisiert und mir sehr viele meiner Fragen beantwortet. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Ergebnisse meines Aufenthaltes in der Trauma-Klinik

  • Ich habe 10 Wochen intensive Therapie bestanden. Sie haben mich immer wieder an meine Grenzen gebracht und doch habe ich nicht aufgegeben.
  • Ich lernte den Notfallkoffer kennen, fand meine eigenen Skills, lernte Regulationsübungen – Gehirnflickflack - um Dissoziationen zu vermeiden und Gedankenkarrussells zu minimieren.
  • Zum ersten Mal hörte ich von Skills, Imagination, von Selbstfürsorge, vom „Inneren Kind“, vom „inneren Kritiker“ und Auswirkungen eines Traumas.
  • Ich lernte mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, sie auszuhalten und auch zu vertrauen. Ich kann mich wieder mit Menschen unterhalten, wieder lachen und habe Freundschaften geschlossen. Ich begriff, dass ich wertvoll bin, gute Gedanken habe und ich anderen gut getan habe, dass sie gern mit mir zusammen waren.
  • Meine Erkenntnis, ich bin ein emotionaler Mensch, dessen Gefühle in einer Schatztruhe sind, die sich langsam wieder öffnet, gab mir viel Hoffnung auf positive Veränderung meiner Gefühlsleere. Die Worte meiner Therapeutin: DIE LIEBEVOLLE HEIKE VON DAMALS IST NOCH DA! MANCHMAL TRAUT SIE SICH HERVOR, gaben mir Selbstvertrauen zu sein wie ich bin.
  • Die Erkenntnis, dass mir mein Schneckenhaus lange Zeit Schutz gegeben hat zu überleben. Es nun aber an der Zeit war es zu verlassen, um neue positive Erfahrungen mit Menschen und für mich selbst zusammeln.
  • Die Erkenntnis, das Tagesstruktur und kleine tägliche Aufgaben, wichtige Grundlage sind für eine positive Veränderung in meinem Leben.Die Erkenntnis, wenn ich nicht an meinen traumatischen Erfahrungen arbeite, geht die Depression nicht.

Diese Liste ist ganz sicher nicht vollständig. Es sind für mich die wichtigsten Dinge, die meinen weiteren Weg bestimmten und noch bestimmen. Ganz klar muss ich an dieser Stelle sagen, dass ich ohne die weitere ambulante Therapie, viele dieser Dinge nicht weiter verfolgt hätte und mich ganz sicher wieder in mein Schneckenhaus zurück gezogen hätte.

Es ist ein langer und harter Weg, all das beständig zu üben, um damit eine Veränderung zu erreichen, die ein besseres Leben gewähren. Ich war ganz oft nahe daran aufzugeben. Doch aufgeben ist keine Option, nicht für mich.

In der ambulanten Traumatherapie

Ein Jahr gehe ich nun in die ambulante Traumatherapie. Sie gibt mir die Möglichkeit

  • Dinge aus dem Hier und Jetzt zu besprechen,
  • mich mit traumatische Erlebnissen auseinander zu setzen, Ursache, Herkunft von Gedankenmustern/Glaubenssätze zu erkennen, anzunehmen und zu verändern, los zu lassen,
  • Selbstfürsorge und Selbstachtung zu üben,
  • Möglichkeiten auszuprobieren mit traumatischen Erlebnissen neu umzugehen,
  • immer wieder zu erforschen, woher meine Gefühle kommen, warum ich denke wie ich denke und Handlungsmöglichkeiten zu erkennen,
  • Imagination zu lernen und anzunehmen,
  • die Anwendung meiner Skills und Regulationsübungen zu festigen,
  • fordert die Tagesstruktur zu beachten und einzuhalten,
  • bestärkt mich selbst wieder Alltagsaufgaben zu übernehmen,
  • motiviert mich, mich mit „unangenehmen“ schwierigen Aufgaben (Bahnfahren, Ergogruppentherapie) auseinander zu setzen,
  • fordert mich in meinen Selbsterkenntnissen und Selbstbewertungen,
  • ermutigt mich mein Schneckenhaus zu verlassen,
  • fordert mich meine Gefühle anzuerkennen und zuzulassen, …

2017 mein Jahr der Veränderungen

Das Jahr 2017 hat endlich eine positive Veränderung meines Seins gebracht. Ich hätte diese positive Veränderung, vor meinem Klinikaufenthalt, kaum für möglich gehalten. „Was haben sie getan, was haben sie verändert, um diese Verbesserung ihres Lebens zu erreichen“, fragte meine Therapeutin.  

Was habe ich getan?

  • Ich habe mein Schneckenhaus verlassen und verkauft.
  • Ich gehe regelmäßig zur Gruppen-Ergo-Therapie und kann die Gruppe inzwischen gut aushalten.
  • Ich gehe regelmäßig zur ambulanten Trauma-Therapie. Im Anschluss sorge ich für mich, mit einer Kaffeezeit, im kleinsten Kaffeehaus Dresden.
  • Ich setze mich, mit meinem Trauma und mit meinen Erlebnissen im JETZT, auseinander.
  • Ich halte eine Grund-Tages-Struktur ein. Ich stehe gemeinsam mit meinem Mann um 5.30 Uhr auf, mache ihm Frühstück, gehe noch einmal schlafen, stehe mit Wecker um 10.00 Uhr wieder auf, esse regelmäßig, trinke mehr, erledige eine Alltagsaufgabe, mache Abendbrot.
  • Ich bin regelmäßig spazieren gegangen für ein paar Monate und habe dabei meine Fotoapparat als Skill und Motivation genutzt. Ich bin mindestens am Wochenende unterwegs.
  • Ich habe mit Happy-Coaching meine Sichtweisen verändert und Erkenntnisse gesammelt.
  • Ich habe positives Denken bewusst geübt (habe Glücksmomente des Tages aufgeschrieben, täglich abends 3 Dinge aufgeschrieben für die ich dankbar bin, aufgeschrieben was ich am Tag geleistet habe). Ich habe bewusst auf die Kleinigkeiten des Alltags geachtet, die es wirklich gibt.
  • Ich habe bewusst auf meine „Gefühle“ geachtet, sie achtsam wahrgenommen (Gedanken sind auch Gefühle, hat mir meine Therapeutin gesagt. Wenn sie Gefühle denken, dann fühlen sie. Nur die emotionale Körperreaktion fehlt). 
  • Immer wieder habe ich mir selbst gesagt, laut und leise: ich freu mich, dass ist so wunderbar, ich liebe dich, es geht mir gut, das ist toll... Immer wieder setzte ich dazu mein schönstes Lächeln auf.
  • Ich gehe, regelmäßig in einer großen Kantine essen (Raumgröße und Menschen aushalten).
  • Ich habe Entscheidungen getroffen, die nur mir gut tun.
  • Ich habe NEIN gesagt, wenn ich nein gemeint habe. Ich habe losgelassen, wenn es notwendig war.
  • Immer wieder habe ich einkaufen geübt, in kleinen und großen Geschäften.
  • Dabei habe ich geübt, den Menschen mir gegenüber direkt ins Gesicht zu schauen und dann zu
  • Ich setze mir kleine machbare Ziele, die ich nach Belieben erweitern kann (Ich gehe mit wandern, ich weiß noch nicht wie weit, wenn ich nicht mehr kann, drehe ich um und warte auf der Bank auf dich/euch.).
  • Ich wende Skills an, zur Regulation von Angst, Anspannung oder Druckgefühl und zur Vermeidung von Dissoziationen und Selbstverletzung. (Igelball, Eiskissen, Handy-Spiel, Nussschale, Stein, Stufen zählen leise und laut, Motivsuche im Umfeld, Gehirnflickflackübungen, Fotografieren, Texte schreiben)
  • Ich bin achtsamer mit mir selbst. Achte auf meine Grenzen und halte diese ein. Auch wenn das heißt etwas abzubrechen oder abzusagen. 

Was hat sich verändert?

  • Mein Leben hat wieder Farbe. Mein Schneckenhaus gibt es nicht mehr.
  • Ich bin nicht mehr in der Gefühlsleere gefangen. Immer wieder zeigen sich meine Emotionen und ich achte sie, ja manchmal beschreie ich sie. Ich kann mich freuen, ärgern, ich kann wütend sein, ich kann Liebe spüren, tief in meinem Herzen. Es ist noch nicht Normalität und auch nicht körperlich intensiv, aber meine Gefühle/Emotionen sind da und werden stärker. Meine Augen und meine Stimme verraten sie. Ich kann wieder von Herzen Lächeln und auch laut Lachen. Kein aufgesetztes Lächeln mehr.
  • Ich habe jetzt gute und andere Tage. Jeder Tag hat seine Grundstruktur. Die anderen Tage sind weniger geworden. Auch kommt es oft vor, dass ein Tag furchtbar beginnt und am Nachmittag doch noch seine schöne Seite zeigt. Ich hadere nicht mehr so oft mit mir oder dem Tag. Ich kann mich und den Tag annehmen, ohne mich selbst abzuwerten und klein zu hacken.
  • Innerhalb der Woche erledige ich kleine Alltagsaufgaben wieder selbst. Ich putze die Wohnung wieder selbst, koche wieder, wasche Wäsche ...
  • Ich bin regelmäßig, mindestens am Wochenende, in der Natur unterwegs. Ich schaffe es wieder längere Strecken zu wandern, ja sogar Berge zu besteigen.
  • Ich gehe einkaufen, ohne Panikattacken. Ja, ich kann sogar in mehrere Geschäfte gehen und auch Schlange-stehen bewältigen.
  • Ich sitze allein oder mit Familie im Restaurant, ohne Panik.
  • Ich kann mich wieder mit Familie und Freunden länger Zeit unterhalten, im Gespräch bleiben.
  • Ich fahre mit Straßenbahn und Bus, ohne mehrere Anläufe zum einsteigen oder zwischendurch aus zu steigen. Auch die volle Straßenbahn kann ich aushalten, um zur Therapie zu kommen.
  • Ich fotografiere wieder! Ich knipse nicht mehr. Ich habe Freude daran Motive zu suchen und zu finden.
  • Ich kann meine Angst bewältigen und Dissoziationen gut vermeiden. Meine Schreckschreie haben deutlich abgenommen.
  • Ich kann aus Situationen heraus gehen, die mich überfordern.
  • Ich kann klare Entscheidungen für mich selbst treffen, auch wenn diese nicht jedem gefallen.
  • Ich kann meine Grenzen erkennen, beachten und einhalten.
  • Ich kann NEIN sagen, wenn ich NEIN meine. Ich kann um Hilfe bitten und Hilfe annehmen.
  • Ich kann besser mit Konflikten und Notsituationen umgehen. Ich gehe nicht jeder Konfrontation aus dem Weg.
  • Ich kann Dinge aussprechen, die mich bewegen, die mir weh tun, die eine Lösung brauchen.

 

Ich vertraue mir selbst! Alles was ich brauche ist in mir!

Auf ein Wort noch.

Natürlich kann ich das alles, nicht jeden Tag, nicht jede Woche. Ich wiederhole alte Fehler, alte Glaubenssätze, möchte manchmal aufgeben, habe Tage ohne Struktur, stehe mir selbst im Weg, meine Erwartungshaltung ist manchmal zu hoch, Selbstzweifel jagen mich, ein anderes mal möchte ich zuviel auf einmal und dann wieder, verbringe Zeiten im Einerlei des Nichts.

Das ist so! Ich bin krank!

Doch ich habe in diesen Jahr ganz viele Schritte zurück in ein „normales“ buntes Leben gemacht.Ich bin sehr dankbar dafür und voller Hoffnung, dass es noch besser wird. Dafür lohnt sich jede Überwindung, jeder Kampf, jede Auseinandersetzung, jede Angst und jede Therapie.

MEIN Fazit

Verhaltenstherapie ist gut und notwendig, für einen Einstieg in die Welt der Therapie, erste Veränderungen und Erkenntnisse meines ICH, insbesondere für Menschen die erstmalig mit Depressionen konfrontiert sind, die unter leichten Depressionen oder einen Burnout leiden. Bei mittelgradiger und schwerer Depression ist sie, nach MEINEN Erfahrungen, nicht sehr hilfreich. Sie forscht nicht nach den Ursachen der Depression und traumatische Begebenheiten werden nicht bearbeitet. Traumatische Erlebnisse, die das Leben beeinflussen, sind ursächlich für Depressionen. Bearbeite ich mein Trauma, verbessert sich mein Leben mit der Depression.