Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Tropfen für Tropfen bis das Fass überläuft - Veränderung! Jetzt!

Tropfen für Tropfen bis das Fass überlief

In den ersten Stunden meiner Therapie stand das Thema „Ignorieren“ auf dem Programm. Das Thema ging aus meinem eigenen Erlebnis, in diesen Wochen, hervor. Ich habe mich intensiv mit dem Thema beschäftigt und mehrere Beiträge dazu geschrieben. Eine Erkenntnis, die mich sehr betroffen macht ist, dass ich mich selbst ignoriert habe. Ich habe es in meiner Kinderzeit gelernt und dies mein Leben lang weiter geführt. Ich tue es noch heute.  

 

Meine Lebenserfahrungen

Ich habe mich verbogen, mich selbst belogen. Ich bin aus dem inneren Gleichgewicht geraten und habe oft einfach nur reagiert. Ich habe nicht darauf geachtet was mir fehlt, was ich brauchte. Ich habe mich völlig verausgabt und mich selbst aufgegeben. Immer und immer wieder und das, obwohl ich immer wieder verlor. Ich glaubte stets an meine eigene Schuld. Ich konnte nie etwas richtig machen. Nach meiner Scheidung wollte ich alles anders und besser machen. Doch ich machte wieder meine Fehler und dazu kam mein Job der sich zur Hölle entwickelte. Ich lebte in einem Umfeld, das mich nur schwächte, mir meine Energie raubte und so manches Mal konnte ich nicht mehr klar denken, dachte ich werde verrückt. 

Mit immer und immer mehr Kraft, versuchte ich alle Alltagsaufgaben im Job und in der Beziehung zu meistern. Ich kämpfte im Job zu überleben, weil es keinen anderen Job gab und ich von irgendwas leben musste. Ich kämpfte für meine Beziehung, auf verlorenem Posten, um ein wenig Glück. Ich nahm so viele unglaubliche Verletzungen hin, von allen Seiten. Für alle war es selbstverständlich, dass ich handelte, wie sie es erwarteten, meine Aufgaben stets erfüllte und Probleme ungelöst stehen lies. Ich war allein mit meinen Sorgen, Ängsten, mit all den unbeantworteten Fragen und immer mit dem Gefühl, dass es an mir liegt, das ich nicht richtig ticke. Ich funktionierte, irgendwie und lebte für jede Stunde die mir Freude brachte. Irgendwann, wusste ich nicht mehr, was richtig oder falsch ist und fühlte mich immer mehr völlig überfordert, sah meine Welt nur noch negativ, konnte mich nicht mehr freuen. Egal was ich tat, es wurde immer schlimmer. Ich wurde immer verzweifelter und wusste nicht mehr weiter. Ich wurde immer müder und kraftloser. Erst als gar nichts mehr ging, nahm ich Hilfe an.

Verhaltensmuster aus der Kindheit

Mein Grundverhalten lernte ich schon in der Kindheit. Ich hatte zu gehorchen und zu tun was meine Eltern mir sagten. Schon sehr früh, träumte ich von einer anderen Familie, von einer Familie die mich gern hatte. Mein Vater machte mich vor anderen lächerlich, urteilte über mich, beschimpfte mich, schlug mich und sein Sarkasmus war fürchterlich. Ich war nie gut genug. Ich wurde nie gelobt, für erledigte Arbeiten oder Hilfe. Nein, es gab immer etwas, was ich falsch gemacht hatte. Meine Mutter stand stets wortlos daneben. Es war kalt in meiner Kindheit. Gefühlsäußerungen, wie in den Arm genommen werden, ein Kuss oder Anteilnahme für eine Verletzung gab es nicht. Gefühlsduselei, nannte es meine Mutter. 

 

Dieses Verhalten meiner Eltern setzte sich, bis zu ihrem Tod, fort. Ich konnte nie den richtigen Mann finden, aus meinen Kindern konnte natürlich nichts vernünftiges werden, wenn mein Mann mich schlug war ich selbst Schuld und als ich meinen jetzigen Mann kennen lernte, demütigten mich Worte wie z.B. pass auf das er dir nicht weg läuft …, wenn du den Mann nicht halten kannst … Sie gaben mir immer wieder das Bewusstsein, nicht gut genug zu sein, es nicht wert zu sein so einen Mann an meiner Seite zu haben. Ich war für sie immer Schuld, egal was und wie es geschah.

Tropfen für Tropfen

Meine Eltern haben mich geprägt und ich habe mein Leben lang, vergeblich, versucht ihren Erwartungen gerecht zu werden, von ihnen Wertschätzung und Achtung zu erhalten. Es ist gerade sehr hart für mich, diese Erkenntnisse wahrzunehmen. Wahrzunehmen, dass ich mich selbst ignoriert habe, um mich anzupassen, anderen gerecht zu werden. Mir bewusst zu werden, dass all meine Ängste, meine Unsicherheit und oft auch meine Wehrlosigkeit so nachhaltig geprägt wurden. Zu erkennen, das ich selbst es zugelassen habe. Ich habe vielen anderen Menschen gegeben, was ich nicht hatte, was ich mir wünschte, sie angenommen wie sie waren, ihnen geholfen, sie unterstützt, ihnen Halt gegeben. Nur für mich selbst hatte ich keine Selbstfürsorge.

 

Ich sammelte 50 Jahre Tropfen für Tropfen. Es kam wie es kommen musste. Ein letzter Tropfen brachte mein Fass zum überlaufen.

Jetzt ist es an der Zeit

Jetzt ist es an der Zeit meine Verhaltensmuster zu verändern. Es ist an der Zeit mich selbst zu finden. Mich selbst nicht mehr zu ignorieren. Es macht mir Angst. Ich weiß nicht, was ich in mir alles finde, wen ich dort finde und welche Entscheidungen ich für mich treffe, wie ich mich verändere und wie andere damit umgehen. Ich werde lernen mich selbst genau anzuschauen, wahrzunehmen und zu beachten. Ich werde lernen für mich selbst zu sorgen. Ich werde lernen zu mir selbst zu stehen. Ich lerne achtsam mit mir umzugehen und die vielen positiven Momente dankbar zu anzunehmen.

 

Auf meinem Weg begleiten mich meine Therapeutin und mein Mann. Sie werden mir helfen und mich unterstützen. Mein Mann gibt mir Liebe, Halt und Verständnis. Gemeinsam mit ihnen, werde ich voran gehen, Schritt für Schritt. Für meine Zukunft in einem bunten und glücklichen Leben.

 

Heute habe ich eine Bitte an mich selbst. 

 

Liebe Heike, ich bitte dich, ignoriere mich nicht!

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