Brief an meine Freundin. Du hast ein Recht auf DEIN LEBEN! Pass auf dich auf!

Du hast ein Recht auf DEIN LEBEN! Pass auf dich auf! Sorge für dich selbst!

Ein Gänseblümchen im Schnee. Schau es dir an. Das Gänseblümchen ist klein und ganz feiner Natur. Es ist nicht neidisch auf die vielen Blumen und Blüten, die sie in Größe, Blätter und Farbenpracht überbieten. Das Gänseblümchen ist zufrieden und dankbar für seine feine und kleine Blütenpracht. Es liebt sich selbst und sorgt für sich. So kann es seinen kleinen Stiel überall an die Oberfläche treiben, ob harter Sandboden, Pflastersteine, Wiese oder Schnee. Es zeigt wie stark ein kleines Gänseblümchen sein kann und erfreut die Menschen all überall. Es zeigt uns Menschen, dass es immer einen Weg gibt, wenn wir auf uns selbst achten und für uns selbst sorgen. Wir sind stark. Wir haben überlebt. Wir fangen an unser Leben zu reflektieren, lernen uns selbst kennen und unserer eigenen Kraft zu vertrauen. Damit sind wir stark und können sehr stolz auf uns sein.

Weihnachtszeit - Zeit der Tränen?

Es ist Weihnachten und das alte Jahr hat seine letzten Tage. Gerade diese Zeit bedeutet für mich und sehr viele Betroffene eine sehr schwere und anstengende Zeit. Zeit in der der unsere eigenen Erwartungen, unsere Anforderungen - die wir an uns selbst stellen - und unsere Gefühle, Amok laufen. Menschen um uns herum sind fröhlich gestimmt, freuen sich auf die wunderschöne Familienzeit und genießen diese Zeit. Wir, aber machen uns das Leben selbst schwer. Wir sind betroffen darüber, dass wir so viel nicht können und fühlen uns als Versager. Wir machen uns selbst nicht bewusst, was wir alles können. Wir konzentrieren uns nicht darauf, daraus das Beste zu machen

Wenn Worte triggern ...

Diesen Brief schreibe ich, weil mich der Beitrag meiner Freundin getriggert hat. Wie viele von uns Betroffenen, geht sie noch arbeiten. Sie leistet ihre Arbeit, erträgt die Zustände und Missstände der Arbeit und des Personals untereinander. Darüber hinaus möchte sie noch perfekt sein in der Betreuung ihrer Mutter und in der Bewältigung ihres eigenen Alltags. Sie grübelt und ärgert sich darüber, dass so manche Dinge in IHREM LEBEN liegen bleiben und aus ihrer eigenen Sicht unmöglich sind.

 

Es so schlimm für mich, meine eigenen Denkweisen, in ihren Worten zu erkennen. Zu erkennen, wie Lebensverachtend ich selbst gelebt habe. Wie falsch meine eigenen Werte und Anforderungen in meinem Leben waren. Ich habe in, nun fast 7 Jahren, sehr hart gelernt, dass dieses Denken und Handeln falsch war und mein eigenes Leben zerstört hat. Nun lese ich von ihrem und lese wie gefangen sie ist, auf dem Weg sich selbst völlig zu zerstören.

 

Ja, ich verstehe sie so gut. Auch ich habe meine Arbeit geliebt. Dafür habe ich Bossing und Mobbing ertragen, 15 Jahre lang. Es war so wunderschön, mit „meinen“ Ehrenamtlichen Senioren zu arbeiten. Aber ich habe 60 Stunden gearbeitet um all die Projekte und all die zusätzlichen Aufgaben zu bewältigen. Selbst am Abend klingelte noch mein Telefon. Ich habe nicht gelebt. Ich habe gearbeitet. Gerade die Weihnachtszeit war der Horror und heute weiß ich, dass diese Arbeitszeit mich heute noch triggert und mir die Weihnachtszeit madig machen möchte. Heute weiß ich, dass all der Druck in mir, all die Angst in mir, die Weihnachtszeit nicht zu überstehen, genau daher kommt. Neben meiner Arbeit, bin ich in dieser Zeit, jeden Tag zu einer oder gar zwei Weihnachtsfeiern „meiner“ Ehrenamtlichen gefahren. Es war für mich wichtig und es war meine Dankbarkeit für ihre Leistungen, mir diese Zeit für sie zu nehmen. Meiner Chefin war es ein Dorn im Auge, weil sie nie eingeladen wurde und so war es dann auch meine „Freizeit“, wenn ich die Einladungen annahm. Weihnachtszeit hieß also: 7 Stunden Arbeit, 3-4 Stunden Weihnachtsfeier, schlafen und das ganze von vorn, bis zum letzten Arbeitstag vor Weihnachten. Ja und irgendwie nebenbei auch noch alle Anforderungen der Familie erfüllen. Ich lebte immer auf 140% und war trotzdem noch in Schuldgefühlen (weil immer was liegen blieb) und Minderwertigkeitsgefühlen (weil ich nicht allen Anforderungen gerecht wurde) gefangen. Ein Teufelskreis.

Ich habe ein Recht zu leben...

Wir haben ein Recht darauf JETZT zu leben. Ja, dafür müssen wir uns verändern. Dafür müssen wir uns vielleicht einschränken. Dafür müssen wir vielleicht akzeptieren krank geschrieben zu sein oder EU-Rente zu beziehen. Deshalb sind wir nicht weniger Wert. NEIN, wir sorgen für uns selbst und genau dann, wenn es notwendig ist. Wir schmeißen unsere Lebenszeit nicht weg, weil wir unbedingt arbeiten müssen. Heute sage ich, wir (Betroffenen) müssen nicht arbeiten, wir wollen. Alles andere ist eine Ausrede. Ja, Ausrede! Wem nutzt es wenn wir umfallen? NIEMANDEN! Was machen unsere Angehörigen, wenn wir umfallen? SIE SIND ALLEIN! Was interessiert es unseren Arbeitgeber? GAR NICHT!

 

 

Wer hat uns dieses Denken beigebracht? Woher kommen unsere Glaubenssätze, dass wir genau so funktionieren müssen? Sie kommen aus unserem Leben und sind uns von frühester Kindheit an so vermittelt und vorgelebt worden. Die heutige Gesellschaft, ist schneller, härter und voller geworden, in all ihren Anforderungen an das Leben. Der Mensch ist auf die Ware-Geldwert reduziert. Menschlichkeit und Empathie sind Raritäten. Daher ist die Selbstfürsorge und die Selbstachtung unbedingt notwendig. Aber genau diese Werte haben viele von uns Betroffenen nie gelernt und missachten sie daher auch im Jetzt. 

Heute weiß ich, das ist kein Leben. Heute weiß ich, wir alle haben ein Recht darauf zu leben. Wenn wir leben wollen, ist es unausweichlich für uns selbst zu sorgen, uns selbst zu achten und damit uns zu verändern, weil wir unser Leben lieben und ein Recht auf Lebensfreude haben.

 

Das heißt aber nicht, das mein Leben auch arbeiten heißt. Ich muss akzeptieren, dass ich krank bin, dass ich beeinträchtigt bin und nicht alles leisten kann und MUSS! Ja, es ist sehr schwer, dass wirklich anzunehmen. Es ist für mich aber der einzige Weg. Ich (jeder Mensch) habe das Recht zu leben, wirklich zu leben.

 

Leben KANN heißen: arbeiten, Familie, Freizeit, ICH, wenn es im Gleichgewicht ist! Leben heißt NICHT: Ich muss noch 5 Jahre aushalten, dann habe ich 45 Arbeitsjahre voll und dann kann ich an mich denken. Das ist der Wahnsinn. Es ist verschenkte Lebenszeit und niemand kann mir sagen, ob ich diese 5 Jahre überstehe. Es kann mir niemand sagen, ob ich nicht tot umfalle, oder mit einem total Zusammenbruch aussteigen muss. Es kann mir niemand sagen, wie ich dann leben werde, krank oder lebensfroh mein Alter genießen kann. DAS IST ES NICHT WERT.

Meine Wünsche für dich...

Du bist krank, erkenne und akzeptiere es.

Sorge für dich.

Achte dich selbst.

Finde und setze deine Grenzen.

Verändere deine Lebensweise, such dir Entlastung.

Krank geschrieben sein, ist nicht tot sein.

Nicht arbeiten, heißt nicht: tot sein.

Krank sein, nicht arbeiten, verändert deinen Selbstwert nicht.

Du bist ein wichtiger Mensch.

Du bist es wert. Du bist es dir selbst wert!

Du bist krank, erkenne und akzeptiere es! Bitte!!!

 

Von Herzen Deine Heike