Weihnachten - Licht in die Welt meiner eigenen Gedanken bringen. Warum bin ich so überfordert? Wo kommt diese Angst her?

Weihnachtszeit

Das Jahr geht mit schnellen Schritten auf sein Ende zu. Weihnachten steht vor der Tür, mit seiner Adventszeit. Viele Menschen freuen sich auf diese Zeit, auf die besinnlichen Stunden, Kerzenschein, frohe Lieder, Gemeinsamkeit, Freunde und Familie.

 

Sie besuchen Weihnachtsmärkte, bummeln durch die lichter-frohen Straßen, wichteln miteinander und treffen sich mit Freunden und Familie. Sie schleckern hier und dort, kaufen Geschenke und leben die schönste Zeit des Jahres.

Die schönste Zeit des Jahres, auch in meiner Erinnerung. Kindheits-Erinnerungen an die weihnachtlich gestalteten Ladengeschäfte, bei Dunkelheit die Auslagen betrachtend und träumen, von diesem und jenen. Das Altpapier und Gläser sammeln, das Taschen tragen für ältere Menschen, um ein wenig Geld zu haben, für kleine Weihnachtsgeschenke. Erinnerung an das Adventssingen an den Sonntagen, wenn die Kerzen nach einander angezündet wurden, an den wunderbaren Geschmack der zugeteilten halben Apfelsine, an das Wunschzettel schreiben, an das heimliche stöbern nach den versteckten Geschenken...

Licht in meine Gedanken

Wenn du Licht in die Welt der eigenen Gedanken bringen willst, so bedeutet das, die Gedanken daraufhin zu überprüfen, auf was sie begründet sind. Die innere Wahrnehmung zu schärfen reicht nicht aus, was es braucht ist eine begriffliche Differenzierung, sprich: Das Benennen von Gefühlen und ihre Differenzierung. Zum Beispiel: Ist meine Beklommenheit Enttäuschung oder Wut. Ist mein Ärger wirklich Ärger oder in Wahrheit Angst? Ist meine Wut in Wahrheit Ohnmacht? In dem Maße, wie... das innere Drama transparent wird, wächst das Verstehen unserer selbst.

Angelika Wende

www.wende-praxis.de

Heute senden mir meine Gedanken Angst. Angst all die geplanten Dinge nicht zu meistern. Angst, all den Besuch nicht wirklich fröhlich zu erleben. Angst all das Gewimmel und die Musik nicht zu ertragen.Angst, die ich nicht wirklich zuordnen kann. Ich kann nicht wirklich in diese Zeit finden, mir fehlt der Bezug. Mir fehlt das Gefühl, wenigstens ein wenig, so ein kleines bisschen. Weihnachten und ich, ich weiß nicht was. Angelika Wende hat es mir heute wieder verdeutlicht. Ich muss schauen, woher meine Angst kommt. Was gibt mir, schon jetzt, das Gefühl der Überforderung?

Hast du vergessen wie es war?

Ich liebte die Weihnachtszeit immer, die Weihnachtsmusik, das Kerzenlicht, das aushorchen der Kinder nach ihren Wünschen und die strahlenden Augen, wenn sie in Erfüllung gingen. Ich liebte es über Weihnachtsmärkte zu bummeln, hier und dort zu schauen und das Flair zu atmen. Und da sind sie diese Gedanken. Sie funken mir einfach dazwischen.

Wie jetzt, Weihnachtszeit ist toll? Hast du vergessen,

  • wie es war, wenn du vom Weihnachtsbummel nicht pünktlich zu Hause warst, dein Vater dich anbrüllte und es eine Woche Stubenarrest gab?
  • wie du dich gefühlt hast, wenn alle Geschwister an Weihnachten spielten und du in der Küche den festlichen Abwasch erledigt hast?
  • wie enttäuscht du warst, wenn es auch in diesem Jahr, die schon lang ersehnte Puppe nicht gab?
  • wie es war, wenn du angeherrscht wurdest, wenn du zuviel Pudding genommen hast, oder den Festtagsbraten nicht essen wolltest?
  • ...
  • wie wenig Zeit für diese schönen Momente du hattest?
  • wie du durch die Tage gehetzt bist, immer mit der Sehnsucht nach dem Wochenende.
  • wie viele Aufgaben und Abrechnungen sich auf deinem Schreibtisch türmten?
  • wie viele Weihnachtsfeiern du, bis spät am Abend, besucht hast?
  • wie wenig Zeit und Muße du für die eigene Familie hattest?
  • wie sehr du dir die Weihnachtsfeiertage heran gewünscht hast, um endlich Ruhe zu finden?
  • ...

NEIN! Es ist Vergangenheit!

Nein, diese Gedanken möchte ich nicht. Sie sind aus der Vergangenheit und dort sollen sie bitte auch bleiben. Sie haben nichts, mit meinem Leben im Jetzt zu tun. Ja, es ist so gewesen. Nein, heute ist es nicht mehr so! Nein, liebe Angst, du musst mich nicht mehr beschützen. Ja, liebe Angst, ich habe gelernt auf mich zu achten und habe Menschen um mich herum, die auch mich achten und wertschätzen.

 

Nein, liebe Angst, ich muss nicht mehr perfekt sein. Ich muss nicht alles allein bewältigen. Ich muss mich nicht verbiegen! Ich muss es nicht aushalten!

 

Ja, liebe Angst, ich darf sein wie ich bin. Ich darf meine Grenzen setzen. Ich darf mir und anderen Wünsche erfüllen. Ich habe Menschen um mich herum, die mir helfen und mich entlasten. Ja, liebe Angst, ich möchte eine schöne Weihnachtszeit! Ich möchte meine Wohnung herrlich schmücken. Ich möchte Kerzenlicht genießen. Ich möchte über Weihnachtsmärkte bummeln und bitte etwas von diesem schönen Weihnachtsgefühlen erleben. 

Ja, vielleicht möchte ich, in diesem Jahr noch zu viel. Ich weiß es nicht. 

 

Ja, ich werde ...

Ja, ich werde

  • mit meinem Sohn ein paar anstrengende Tage haben. Ja, ich werde für einen guten Reha-Start sorgen und ihm geben, was ich kann. Er hat es verdient, er ist es wert.
  • ein paar wundervolle Tage mit meiner Freundin aus München haben. Gemeinsam werden wir Weihnachtszeit haben und genießen zusammen zu sein.
  • einen ruhigen, besinnlichen Weihnachtsabend in der Altstadt, mit Michael haben. Wir werden NICHT zu Hause sitzen.
  • zwischen den Feiertagen und über Silvester unser Enkelkind hier haben. Ja, wir werden beide gemeinsam üben, miteinander eine wundervolle Zeit zu haben.
  • entscheiden, von Tag zu Tag, von Wochenende zu Wochenende, was wir darüber hinaus noch unternehmen, welchen Weihnachtsmarkt wir besuchen.

 

Die Hoffnung bleibt

Heute habe ich den Koffer ausgepackt. Den Koffer mit dem Adventsschmuck. In unsere Wohnung sind nun die Nisser eingezogen. Sie fühlen sich wohl und lächeln mich an. Angestrengt lächle ich zurück. So mancher Nisser erinnert mich an den Augenblick als er zum ersten Mal hier war und woher er gekommen ist. Dafür bin ich dankbar. Ich kämpfe mit mir, weil ich nicht empfinden kann, dass es schön ist. Ich habe keine Freude daran. Ständig sage ich meinem Kopf, dass es wunderbar ist, wie schön doch meine Nisser sind. Doch ich finde keinen innerlichen Bezug. 

 

Es geht schon wieder los. Es trudeln Päckchen ein, von lieben Facebookfreunden, die mir einen Lichtstrahl senden. Sie schreiben mir so liebe Zeilen, senden so herzliche Überraschungen, mit Liebe ausgesucht. Ich kann mich, im Kopf, darüber freuen. Auch mein Herz sendet mir ein Zeichen der Dankbarkeit. Doch da sind auch immer diese Gedanken, die alles kaputt machen - womit habe ich das verdient - wie soll ich es nur wieder gut machen - warum gerade ich - ich habe doch überhaupt nichts dafür getan ... Ich habe so ein schlechtes Gewissen, obwohl ich genau weiß, sie freuen sich sehr darüber, wenn sie mir eine Freude machen können. Ich kann es nicht wirklich annehmen und mich einfach nur darüber freuen. Es ist zum verrückt werden. 

Mein Magen dreht sich mehrfach nach außen und auch eine Kaffeepause lindert nicht mein Unwohlsein. Unwohlsein, dass mir mein Kopf sendet. Er schafft es mich schlecht zu fühlen, mich selbst in Frage zu stellen. In mir lebt diese gähnende Leere, dieses egal, dieses nichts. Es macht mich fertig. Ich möchte das nicht! Immer wieder diese Selbstzweifel - wirst du es schaffen - wirst du stark genug sein - lass es lieber sein - du wirst dich übernehmen .... Ich will das nicht. Ich will doch auch, einfach nur leben und eine schöne Weihnachtszeit haben.

 

Ja, ich werde Geduld haben und auf mich achten. Ich weiß genau, wenn ich es nicht tue, geht es mir noch schlechter. Wenn ich es nicht tue, habe ich es nicht probiert und weiß nicht wie es gewesen sein könnte. Ich nehme mir damit, die Möglichkeiten der Glücksmomente und der Gemeinschaftserlebnisse. Ich habe nur eine Wahl, ich probiere es aus, ich lasse die Gedanken der Vergangenheit nicht siegen, ich kämpfe für meine Glücksmomente so gut ich kann.

Die Hoffnung bleibt und Dankbarkeit!

Ja, ich werde es nehmen wie es ist, auch wenn das sehr schwer ist. Ja, ich werde vielleicht ein Stück voran kommen oder eben auch nicht. Weihnachten ist auch nächstes Jahr wieder. Ich werde für jeden schönen Moment, für jede schöne Stunde und für jede Familienstunde dankbar sein. Ich werde schöne Erinnerungen sammeln, eine nach der anderen. Die Hoffnung bleibt.

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