Im Stadtteil Striesen unterwegs

Zwischen Altenberger und Schandauer Straße unterwegs

Heute war ich im Stadtteil Striesen unterwegs, zwischen Altenberger Straße und Schandauer Straße. Hier stehen noch viele alte Villen, mit ihre wundervollen Holzbalkonen. Überrascht war ich von der alten Zigarettenfabrik, die noch immer produziert und dem alten Pentaconwerk, in dem heute die Technischen Sammlungen der Stadt Dresden untergebracht sind. Es gab viel zu entdecken, seht selbst.

Frühling im Stadtteil

Diese Holzbalkone faszinieren mich

In den kleinen Vorgärten grünt und blüht es

Die Schandauer Straße entlang

Die f6-Cigarettenfabrik Dresden

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Dresden zu einer Hochburg der deutschen Zigarettenindustrie. Vor allem jüdische Fabrikanten, unter ihnen viele aus Rußland geflüchtete Pogromopfer, hatten die Technologie mit nach Sachsen gebracht und versuchten sich hier als Hersteller der in Mode gekommenen Tabakwaren.

Um die Jahrhundertwende war Dresden zum Hauptumschlagplatz für Tabak und zum Zentrum der Zigarettenherstellung in Deutschland geworden. Fast 25 % der Bevölkerung verdienten ihren Lebensunterhalt in einer der 60 Tabakfabriken der Stadt bzw. waren im Handel oder der Zuliefererindustrie.

 

Während der Nazizeit befand sich im Produktionsgebäude Schandauer Straße 68, ein Ende 1944 eingerichtetes, KZ-Außenlager. Die Gefangenen mussten in den zuvor für die Zigarettenproduktion genutzten Räumen Geschosskerne für das Rüstungsunternehmen Bernsdorf & Co. anfertigen. Insgesamt waren ca. 500 Personen im "Metallwerk Striesen" beschäftigt, von denen bis zum Kriegsende über 80 starben. Seit 2002 erinnert eine Gedenktafel an dieses Lager.

 

Das nach 1945 enteignete und verstaatlichte Unternehmen gehörte ab 1959 als Werk I zum VEB Vereinigte Dresdner Zigarettenfabriken. Im früheren Hauptgebäude der Firma Jasmatzi entstand der Sitz dieses Unternehmens. Heute werden die Gebäude von der f6 Cigarettenfabrik Dresden GmbH, einer Tochterfirma des Philip Morris Konzerns, genutzt (Foto).

 

Quelle: http://www.dresdner-stadtteile.de

Das alte Ernemann-Kamerawerk

Die Ernemann-Kamerawerke gehen auf den Unternehmer Heinrich Ernemann zurück. 

Ernemanns Unternehmen stieg schon bald zum bedeutendsten Betrieb der Branche auf. So konnte die Firma 1903 die erste Amateur-Schmalfilmkamera (“Ernemann-Kino”) der Welt vorstellen, später auch die erste Spiegelreflexkamera. Neben Fotoapparaten wurden auch Kinomaschinen (“Imperator”) hergestellt, die schnell zum Exportschlager wurden. Auch der bis heute verwendete Begriff  “Kino” geht auf  Heinrich Ernemann zurück. Durch ständige Weiterentwicklung der Geräte erwarben Ernemanns Mitarbeiter zahlreiche Patente. Erfolgreichstes Modell war in den Dreißiger Jahren die neu entwickelte Kleinbildkamera “Contax”.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Produktion auf die Bedürfnisse der Rüstung umgestellt und fertigte nun Bombenzielgeräte und ähnliche optische Einrichtungen an. Dabei kamen zahlreiche Zwangsarbeiter zum Einsatz, die oft unter unmenschlichen Bedingungen leben und arbeiten mussten.

Während die Aktionäre der Zeiss Ikon AG den Firmensitz nach Stuttgart verlegten, kam das Dresdner Werk 1948 in Volkseigentum. 

Bis 1989 blieb Pentacon einer der größten Kamerahersteller und produzierte hauptsächlich Spiegelreflex-Kameras. Nach 1990 waren die hier hergestellten Kameras trotz ihrer hohen Qualität auf dem Weltmarkt nicht mehr konkurrenzfähig, woraufhin das Unternehmen 1991 von der Treuhandanstalt liquidiert wurde.

Das frühere Stammhaus mit dem Ernemann-Turm wurde 1994-1997 umfassend saniert und umgebaut. Heute haben hier die Technischen Sammlungen Dresden ihr Domizil. In der Ausstellung sind auch viele frühere Spitzenprodukte der Dresdner Kameraindustrie zu sehen. 

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