Meine Pusteblume der Emotionen!

Meine Pusteblume der Emotionen

Gestern bekam ich ein wundervolles Foto geschenkt. Es zeigt, ganz groß, ein kleines Schirmchen mit Samen der Pusteblume. Es ist so fein, so zierlich, so zerbrechlich und doch trägt es die Zukunft des Löwenzahns mit sich. Der Löwenzahn, er wächst fast überall. In Gärten nicht gern gesehen und als Unkraut schnell entfernt. Er ist wichtige Nahrung für Tiere, wird für homöopathische  Arzneien verwendet und auch als Honig oder im Salat gegessen. Aber insbesondere die Pusteblume bringt Menschen, auf ihre eigene Art, Freude. Genau dann, wenn die Blüte verblüht, also stirbt, ist der Löwenzahn für Menschen eine Freude und für sich selbst überlebenswichtig. Der Löwenzahn braucht den Wind, damit die Schirmchen der Pusteblume, seine Samen in die weite Welt tragen.

 

Der Löwenzahn hat in seiner Jugend eine wundervolle gelbe Blüte und im Alter die Schönheit der Pusteblume. Sie erreicht ihre ganze Vollkommenheit, durch den Zusammenschluss einer Vielzahl hauchfeiner Schirmchen, an denen die kleine Samen hängen. Kinder wie Erwachsene, so auch ich, erfreuen sich daran, die Schirmchen auf ihren Weg zu pusten. Es ist so wundervoll wie sie durch die Lüfte fliegen. So fein, so leicht und ihre Samen finden den Weg in die Erde, um dann von neuem zu einer Blüte zu wachsen.

Die Pusteblumen - Schirmchen meiner Gefühle

Ich denke genau so wie die Pusteblume ist es mit meinen Emotionen. Sie sind ja ebenfalls ein Zusammenschluss von unzähligen kleinen Nervenzellen im Gehirn. Diese Verbindung ist in meinem Fall abgeschaltet. Ich kann also nur mit meinen Gedanken-Gefühlen dafür sorgen, dass immer wieder kleine Gefühlsschirmchen in meinen Kopf gepustet werden. Damit irgendwo in dem Gedränge der Nervenzellen ein Emotionssamen wieder stark wird und wächst. Diese kleinen Schirmchen können nur fliegen, wenn ich meinen Gedanken und damit meinen Gefühlen vertraue. Ich kann nur immer wieder Gefühle denken und diese als positiv wahrnehmen. Meinen Frust, dass ich sie emotional nicht wahrnehmen kann, muss ich loslassen.

Wo Licht ist, ist auch Schatten

Ich weiß, dass es dabei auch darum gehen wird, alle Gefühle anzunehmen. Ich glaube genau darin liegt mein größter Widerstand. Ich bin noch nicht so weit, alle Gefühle wieder zu erleben. Zu oft, zu eindringlich, zu beständig und zu hart waren die Verletzungen, die ich erlebt und überlebt habe. Als ich zusammenbrach, habe ich mir geschworen, nie wieder solchen Dingen ausgesetzt zu sein, nie wieder mit solchen Menschen Kontakt pflegen oder mit ihnen arbeiten zu müssen.

 

Seit her gehe ich jeder Konfrontation mit Menschen aus dem Weg. Ich habe alle Kontakte aus meinem Arbeitsleben und zu meiner Herkunftsfamilie abgebrochen.

 

Erst in der Traumaklinik lernte ich wieder in einer Gruppe zu agieren und Menschen um mich herum auszuhalten. Das war für mich auch die größte Herausforderung, die ich nur ansatzweise meistern konnte. Genau diese Menschen waren es, die mich triggerten, weil die Gruppe leider nicht funktionierte. Ich konnte die Spannungen der Gruppe spüren, sie zerrissen mich. Ich konnte und wollte es nicht aushalten. Genau diese Menschen waren es, mit denen ich auch Schönes erlebte. Genau diese Menschen waren es, die mich am Ende meines Therapieaufenthaltes, hoch wertschätzten.

 

Das ist das wirkliche Leben. Alles im Leben hat seine zwei Seiten.  

Die Pusteblumen - Schirmchen im Wirbelflug

Der römische Philosoph Seneca hat vor 2000 Jahren festgestellt:„Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern was wir über die Dinge denken“.

 

Nach allem was ich jetzt gelesen habe und selbst mit mir erlebt habe, in den Jahren der Therapie, ist es genau so! Es ist für mich noch ein weiter Weg. Noch gehen meine Gedanken ganz oft ihre eigenen Wege. Noch weiß ich gar nicht genau, wo der Ursprung meiner Glaubenssätze zu finden ist.

Noch bin ich geprägt, von dem was ich vor meinem Zusammenbruch erlebt habe. Noch habe ich viel zu wenig Selbstvertrauen und Glauben an mich selbst. Noch ist zu viel Angst in mir, zu viel Angst vor dem wirklichen Leben. Noch lenken mich, denke ich, meine Traumatas.

 

Meine Belastungsgrenze ist noch nicht stark genug für all die Alltäglichkeiten. Demnach vermeide ich aber auch das Erleben und damit Gefühle bzw. Emotionen. Ich will also meine emotionale Wahrnehmung wieder und doch grenze ich sie aus. Der Gedankengang erschreckt mich gerade, aber ich denke genau so ist es. Die Emotionsschirmchen sind also im Wirbelflug und können nicht landen.

Die Pusteblumen - Schirmchen üben den Landeflug

Meine Gedanken sind meine Gefühle. Da ich das nun weiß, weiß ich auch um die Wichtigkeit, sie zu denken und auszusprechen. Ich denke durch das darüber sprechen, verinnerliche ich besser diese Gefühle. Für mich ist es ein Anfang, erst einmal die positiven Dinge und Erlebnisse in Gefühlen zu denken.

 

Es ist also völlig normal, wenn ich denke und sage: ich freue mich über das Gänseblümchen, über die schöne Frühlingswiese, über die wundervollen Häuser … ich liebe meinen Mann, unsere Kinder und Enkel, meine Freundinnen... ich habe Spaß am fotografieren, am schreiben, an meiner Homepage …. Das sind meine Gefühle!

 

Das muss ich annehmen. Dann kann ich die Schirmchen vielleicht zum landen motivieren. Anderes, die schwierigeren Dinge, werde ich in meiner ambulanten Traumatherapie ansehen, verarbeiten, annehmen und lernen.

 

Ich werde geduldig mit mir selbst sein, ich habe alle Zeit der Welt. Ich möchte, dass meine Schirmchen der Emotionspusteblume wieder fliegen und landen lernen. Dann erhält mein Leben seine Farbe wieder.

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