Sichtweisen verändern. Positives Denken und Dankbarkeit

Positives denken, braucht Dankbarkeit

Ich habe lange überlegt, welches Foto ich zu meinem Thema verwende. Ich habe mich für die Pusteblume entschieden. Warum?

Der Löwenzahn ist im Frühjahr unter den ersten Wiesenblumen. Er leuchtet mit seiner tief gelben Blüte in den Frühling hinein. Wenn er verblüht verwandelt er sich in eine neue Schönheit, die Pusteblume. Auch wenn sie sehr vergänglich ist, weil ich nur pusten muss, um ihre feinen Schirmchen zum fliegen zu motivieren, wird sie doch von vielen Menschen geliebt. Sie gibt uns ihre fliegenden Schirmchen, die fröhlich durch die Lüfte segeln. Von Kindesbeinen an, haben wir mit ihr unsere Freude. Es ist ihr Tod und auch ihr Leben! Jedes Schirmchen trägt ein Samenkorn. Es fliegt durch die Lüfte, an die verschiedensten Orte, um dann von neuem zu wachsen und mit gelber Blüte wieder zu leuchten, um dann wieder zu verblühen, gepustet zu werden ...  Der Löwenzahn gibt nicht auf.  Er ist dankbar für jeden kleinen Hauch oder den Wind, der seine Schirmchen in die Welt trägt.

Sichtweisen - Ansichten, Einsichten, Aussichten...

Positives Denken, immer und immer wieder lese ich es. Ich glaube, ich weiß inzwischen wie wichtig es ist, doch die Umsetzung ist ein sehr steiniger Weg. Es ist einfach schwierig, in meiner Welt, positive Dinge wahrzunehmen und zu verinnerlichen. Ich übe es schon sehr lange, mal mehr und mal weniger, aber immer wieder. Angefangen habe ich mit einem „Glückszettelglas“, das nur ein Viertel voll wurde. Dann habe ich es mit einer Facebookseite „Glücksmomente“ und mit „meinem Seelenvogel“ probiert. Seit ich aus der Traumaklinik bin, schreibe ich in einen hübschen „Tagebuchkalender“. Bis auf den Kalender, habe ich alles aufgegeben. Auch er kostet mich Überwindung, an so vielen Tagen.

Ehrlich? Ich bin frustriert, dass ich nicht jeden Tag etwas Positives finde, dass sich einige Dinge immer wiederholen. Es sind mir sehr wichtige Dinge und doch scheinen sie mir nicht gut genug, um sie aufzuschreiben, immer das Selbe aufzuschreiben. Genauso ergeht es mir auch mit dem täglichen Protokoll, zu dem was ich an diesem Tag geschafft habe. So bleibt es meistens bei ein paar wenigen Einträgen.

Tief in mir drin sitzen die Glaubenssätze meiner eigenen Ansprüche und meine abwertenden Gedanken, die all meine vielen kleinen Schritte nicht sehen, nicht fühlen wollen. Ich kann mir noch nicht selbst eine Freundin sein. Mir selbst gelingt es noch nicht, meine positiven Worte, anzunehmen.

 

Genau darin liegt aber mein Weg. Ich werde weiter üben, immer und immer wieder. Mein Glas ist halb voll. Ich habe schon so viel erreicht, ich habe so viel gelernt. Es braucht seine Zeit bis ich wirklich lerne positiv zu denken. Ich habe viel zu lange in meinen negativen Gedankenmustern gelebt. Da kann ich keine Wunder erwarten. Ich habe Geduld. Ich werde es lernen Stück für Stück. Dann braucht es keine Wunder, aber ich werde ganz bestimmt viel positiver denken.

Ich habe irgendwo gelesen „sieh im Alltäglichen, das Wunderbare“. Das ist so. Es gibt so viele ganz kleine schöne Momente, die so oft im Alltag untergehen, die wir nicht mehr wahrnehmen, die uns so selbstverständlich sind. Meine Arbeit mit den Glücksmomenten hat mir das schon sehr deutlich gezeigt. Ein Gänseblümchen am Wegesrand, die Sonne im Gesicht, Blumen auf dem Balkon, das Meer, den Wind um die Nase, die kleine Muschel im Sand, die Freude der Enkelkinder, der Austausch mit Facebookfreunden, fotografieren, eine Postkarte... Es gibt so viele wunderbare Kleinigkeiten, so viele wunderbare Dinge in meinem Leben, so viele positive Rückmeldungen von anderen Menschen in meinem Jetzt. Mein Verstand weiß das schon und meine Glaubenssätze werden es lernen. Auch wenn ich manchmal zu müde bin, ständig in mich hinein zu horchen, meine Wünsche genau zu orten, mich selbst zu hinterfragen, die Alltäglichkeiten zu meistern, ich werde weiter gehen. Ich werde wieder lernen grundsätzlich Vertrauen zu haben, in meine eigenen Fähigkeiten, in meine eigenen Werte und in mein eigenes ICH. Dann kann ich gestärkt und widerstandsfähiger den Herausforderungen meines Lebens begegnen und auch positiver denken.

„Der größte Faktor, um seinen Fokus und sein Denken auf ein positiveres und glücklicheres

Leben zu bringen, ist die Dankbarkeit! Dankbarkeit ist ein unglaublich starkes Instrument. Es bringt uns ein so wunderbares Gefühl der Zufriedenheit und Freude, wie es nichts anderes kann. Und wir haben so viel, wofür wir jeden Tag dankbar sein können.“ (Anke Vogler-Happy Coaching)

 

Mein täglicher „Seelenvogel“ war der Beginn für meine Dankbarkeitsübungen. Ja, die Luft ist raus. Aber ich denke jeden Abend, im Bett, darüber nach, für was ich dankbar bin. Mit diesen Gedanken versuche ich einzuschlafen. Mit diesen Gedanken einschlafen funktioniert nicht, Gedankenkreisel finden meistens ihren Weg. Ich glaube aber, dass sie für meine Dankbarkeitsgedanken unerheblich sind, weil sie von Herzen kommen. 

Um meine Aufmerksamkeit auf die Dankbarkeit, auf die positiven Dinge in meinem Leben, noch zu verstärken, schreibe ich auf, wofür ich dankbar bin. Ich glaube diese Liste wird nicht vollständig sein, auch die Reihenfolge der Benennung soll keine Wertung sein. Sie wird mir an dunklen Tagen ein Licht in meine Gedanken bringen, mich erinnern und ich kann sie stets ergänzen.

 

ICH BIN DANKBAR,

  • für jeden Tag den ich erleben darf
  • für die Momente oder Tage an denen meine Gefühle leise anklopfen, ich das wirkliche Leben wieder spüre
  • dass ich „nur“ unter der Depression und der Postraumatischen Belastungsstörung leide und nicht noch andere Beeinträchtigungen/Krankheiten habe

ICH BIN DANKBAR, dass

  • meine Rente bewilligt ist, ich nicht mehr den Arbeitsalltag bestreiten muss
  • meine Rente mir ermöglicht, mich ganz auf mich selbst zu konzentrieren, um wieder ins wirkliche Leben zu finden
  • meine Rente mir ermöglicht, mich nur noch mit Menschen auseinander zu setzen, die mir gut tun
  • meine Rente mir ermöglicht, ohne Leistungs- und Termindruck zu leben, ohne Mobbing und Bossing, ohne den alltäglichen Menschenkrieg im Arbeitsleben, ohne die alltäglichen Widersprüche die soziale Arbeit mit Menschen mit sich bringt
  • meine Rente mir ermöglicht hat, alle Verbindungen in mein altes (Arbeits)Leben abzubrechen, auch wenn ich damit sicherlich guten Menschen weh getan habe
  • meine Rente uns die Entscheidung erleichtert hat, nach Dresden umzuziehen

ICH BIN DANKBAR, dass

  • ich sein darf wie ich bin, einfach so
  • ich meinen Kopf – meine Gedanken noch habe – ich das Denken nicht verlernt habe
  • ich über das Schreiben meine Gedanken sortieren, Dinge erkennen und begreifen und wegschreiben kann, was mich bewegt
  • mein Kopf, Gefühle noch denken – wahrnehmen – sich erinnern kann
  • ich immer wieder die Kraft finde, meinen Weg aus der Depression weiter zu gehen
  • ich immer wieder Gegenargumente finde, wenn ich aufgeben möchte
  • ich Neues lernen kann, um mich selbst zu finden
  • ich Hilfe annehmen kann, wenn ich sie brauche
  • ich selbst Entscheidungen treffen kann, die mir gut tun und auch NEIN sagen kann
  • ich jetzt meine Tagesstruktur einhalte und auch Alltagsaufgabe erledige
  • ich wieder Freude am fotografieren habe
  • ich über Facebook und Homepage auch anderen Menschen eine Freude machen oder helfen kann, diese meine Fotos oder Texte mögen
  • ich meine Termine immer pünktlich einhalte, egal wie es mir geht
  • in meiner Welt wieder mehr Farbe und Licht ist
  • mich andere Menschen als wertvoll empfinden

ICH BIN DANKBAR, dass

  • ich den besten Ehemann der Welt, an meiner Seite, habe
  • ich jeden Abend neben meinem geliebten Mann einschlafen kann
  • ich Michael jeden Tag Frühstück bereiten kann, weil ich es so möchte
  • mich Michael so nimmt wie ich bin und weil ich so bin
  • meine Liebe zu Michael noch immer so stark und tief ist
  • ich mit Michael viele schöne Momente und Erlebnisse teilen kann
  • ich für Michael etwas Besonderes und ich für ihn ein wertvoller Mensch bin
  • Michael jetzt einen Job hat, in dem er sich sehr wohl fühlt, geachtet und gewertschätzt wird
  • es meine Kinder und die Kinder/Enkelkinder von Michael gibt
  • meine Liebe zu meinem Sohn gewachsen ist, sich stark gemacht hat
  • ich meinen Sohn annehmen kann, wie er ist, denn er ist gut, wie er ist
  • ich mit meinem Sohn gemeinsam lachen kann
  • mein Sohn wieder Spaß machen kann
  • mein Sohn – ich liebe dich – zu mir sagt und mich in den Arm nehmen kann
  • meine Tochter ihr Leben meistert, auch wenn sie jeden Kontakt zu mir ablehnt
  • ich mit allen Kindern und Enkelkinder wunderschöne Familienzeiten verbringen kann
  • ich Oma gerufen und immer freudig erwartet werde
  • unsere Familie so gut miteinander leben kann
  • es Yvonne und Conny in meinem Leben gibt, meine Freundinnen mit großem Herz
  • es meine Facebookfreunde gibt, denn sie sind einfach Klasse
  • ich nach Dänemark oder ans Meer fahren kann
  • ich eine hyggelige Wohnung habe, in einer schönen Stadt, die ich sehr mag
  • ich zufrieden bin, mit dem was ich habe

ICH BIN DANKBAR, für

  • jeden stationären oder teilstationären Klinikaufenthalt den ich bewältigt habe
  • jede Therapiestunde die mich stärkt und weiter voran auf meinem Weg bringt
  • jeden Gedankenimpuls, Gedankenanstoss der mich zum nachdenken anregt

ICH BIN DANKBAR für all die lieben „Kleinigkeiten“ in meinem Leben. Das Gänseblümchen auf der Wiese unter meinem Balkon oder am Wegesrand, die Sonne, den Regenbogen, die dicken weißen Plusterwolken, das Lachen eines Kindes, das Morgenzwitschern der Vögel, eine Postkarte, einen lieben Facebookgruß, das Lachen der Kinder und Enkelkinder, jedes Lächeln in Michaels Gesicht und vieles mehr.

 

DANKE, schön dass es mich gibt.

DANKE ihr alle, die ihr an meiner Seite seit. Schön, dass es euch gibt.