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Angehörige von depressiv erkrankten Menschen

Ich selbst weiß, wie es ist als Angehörige von einem depressiven Mann zu leben. Ich habe es zwei mal erlebt. Eine 15jährige Ehe ist daran zerbrochen. Mein Mann hat wohl keinen anderen Weg gesehen, als eine Trennung, um wieder gesund zu werden. Ich weiß es nicht genau, da er von einem Tag auf den anderen einfach verschwand.

 

Heute lebe ich in einer glücklichen Beziehung/Ehe. In den ersten Jahren unserer Beziehung, stand bei ihm die Diagnose Burnout. Ich stellte ihn vor die Wahl, entweder er nimmt Hilfe an oder ich gehe. Er nahm Hilfe an, ging in eine Tagesklinik und im Anschluss in deine Reha-Klinik. Er als Mann wollte und konnte es nur allein durchstehen. Er lies mich mit allen Sorgen und Gedanken allein. Er konnte über seine Therapie und seine Befindlichkeiten nicht mit mir sprechen. Er hat es geschafft. Heute steht er mit beiden Beinen im Leben. Seit 2010 sind wir verheiratet.

 

Ich habe immer gekämpft, mich gesorgt, alle Alltagsaufgaben übernommen, bin ganztags arbeiten gegangen und war mit meiner Angst allein. Als mein Mann gesund war, war es für mich zu spät. Ich hatte nie gelernt auf mich auf zu passen, auf mich selbst zu achten.

 

Seit 2011 lebe ich mit der Diagnose mittelgradige Depression und 2016 kam die Diagnose Posttraumatische Belastungsstörung hinzu. Seit 2013 bin ich EU-Renterin. Ich habe das Glück, das mein Mann vieles, von dem was ich fühle, versteht. Er ist immer für mich da und hört stets interessiert zu. Er fragt nach, will wissen wie es z.B. in der Therapie war oder wie mein Tag war. Er ist sehr froh darüber, dass ich ihn nicht allein lasse, dass ich ihm meine Gedanken mitteile.

 

Er schaut mich an und weiß in etwas wie es mir geht. Ob er mich motivieren kann, Spazieren zu gehen oder ob er nur für sich selbst eine Aktivität suchen muss. Bei einer gemeinsamen Aktivität bestimme ich das Tempo, die Pausen und die Menge. Wir tauschen uns aus und planen gemeinsam Alltagsaufgaben. Wenn ich etwas nicht erledigt habe, fragt er nach, ob er es tun soll oder ich es am nächsten Tag erledige.

 

Er hat es nicht leicht, da ich keine Gefühle zeigen kann, ich habe keine Emotionen. Meine Psyche hat sie weg gesperrt. Ich kann ihm nur sagen, welche Gefühle mein Kopf denkt. Doch wir sagen uns, dass wir uns lieben, sind dankbar, umarmen uns und tauschen Zärtlichkeit aus. Wir sind sehr vertraut.

 

Er gibt mir Halt und die Sicherheit die ich brauche. Ich fühle mich nie allein gelassen, abgewertet, bevormundet oder ignoriert. Das ist für mich eine sehr großes Glück und ich bin sehr dankbar dafür.

 

Ich hoffe, ich kann mit meinen Ausführungen, Angehörige unterstützen und ihnen Mut geben, für sich selbst zu sorgen, um damit, für ihren depressiven Angehörigen da sein zu können, wenn er sie braucht.

Eine Depression ist eine ernsthafte Erkrankung, unter der nicht nur die Betroffenen leiden.

 

Auch für Angehörige und Freunde ist dies eine schwierige und anstrengende Zeit; häufig wissen sie nicht, wie sie sich dem Depressiven gegenüber am besten verhalten sollen.  

 

Wenn Menschen ihre Ängste nicht mehr im Griff haben, wenn eine Depression ihre Persönlichkeit drastisch verändert, kann auch ein noch so hingebungsvoller Einsatz von Angehörigen das Leiden nicht besiegen.  

Sie sollten mit dem Betroffenen sprechen. Sagen Sie, dass Sie Veränderungen an seiner Person bemerkt haben. Ehrlich aussprechen, was sie fühlen und denken. Fragen Sie, ob Sie helfen können. Schlagen Sie beispielsweise einen Arztbesuch vor. 

 

Wie bei anderen schweren Erkrankungen ist die Hilfe eines Profis nötig. Ermutigen Sie den Betroffenen, einen Arzt oder Psychotherapeuten aufzusuchen, unterstützen Sie ihn dabei, einen ersten Termin zu machen. Ist dieser Schritt getan, haben Sie schon eine Menge erreicht.

Die Nähe zum Partner macht die Situation oft schwierig. Sie bekommen alle Höhen und Tiefen der Depression mit und müssen sie aushalten. Arbeiten Sie stets darauf hin, dass der Betroffene sich professionelle Hilfe sucht. 

 

Emotionen dürfen Sie zeigen. Vermeiden Sie jedoch Schuldzuweisungen. Sätze wie "Die Krankheit kostet auch mich viel Kraft" sind in Ordnung. Von Sprüchen wie: "Du hast Schuld an der Sache" ist abzuraten. Der Betroffene macht sich selbst genug Gedanken über seine Krankheit. Machen Sie ihm klar, dass es anstrengend ist und er professionelle Unterstützung braucht. Falls der Angehörige über einen längeren Zeitraum uneinsichtig ist und sich der Zustand stetig verschlechtert, sollten Sie auf einen Arztbesuch bestehen.

 

Angehörige sind extrem wichtig. Sie können die Therapeuten in ihrer Arbeit spürbar unterstützen. Sie können es ihm aber durch falsches Verhalten auch schwerer machen, im schlimmsten Fall sogar alles wieder zu nichte machen, was zuvor in der Therapie aufgebaut wurde

 

Machen Sie sich über das Krankheitsbild Ihres Angehörigen schlau. Wissen schützt vor falschen Erwartungen. Es hilft zu verstehen, dass Aggressionen und Zurückweisung Symptome einer Depression sind und nicht Ausdruck von Lieblosigkeit. Und es gibt Ihnen Sicherheit im Umgang mit dem Kranken, wenn Sie wissen, wie Sie ihn unterstützen können und mit welchen Verhaltensweisen Sie die Heilung erschweren. Nehmen Sie deshalb nach Möglichkeit auch Einladungen des Therapeuten zu gemeinsamen Gesprächen an.

 

Einem Depressiven können Sie helfen, indem Sie ihn dabei unterstützen, die Aufgaben des Alltags zu erledigen, wenn er selbst nicht mehr dazu fähig ist. Aber Sie tun ihm keinen Gefallen, wenn Sie ihm dauerhaft alles abnehmen. Denn Aktivierung ist Teil der Behandlung. Ermuntern Sie ihn deshalb behutsam zu kleinen Aktivitäten. Es nützt ihm, von depressiven Gedanken und Grübeleien abgelenkt zu werden.

 

Das richtige Maß zwischen Motivation und Überforderung zu finden, kann zur Gratwanderung werden. Erwarten Sie nichts, was der Kranke im Moment nicht leisten kann. So ersparen Sie sich und ihm Frustration. Verzichten Sie darauf, von einem depressiven Partner die Befriedigung Ihrer Bedürfnisse einzufordern, das gilt auch für Intimität.

 

Auch die Sexualität leidet. Bei depressiven Menschen erlischt oft das Interesse am Sex und sie weisen die sexuellen Bedürfnisse ihres Partners zurück. Das bedeutet nicht, dass ihr depressiver Partner Sie ablehnt, sondern ist Merkmal der Depression. Partnerschaft und Zuneigung werden in schweren depressiven Phasen sehr auf die Probe gestellt. Nicht selten enden Beziehungen in einer Trennung wegen Depression.

  

Streiten Sie nicht mit Ihrem depressiven Angehörigen darüber, ob seine negative Sichtweise der Situation "objektiv" gerechtfertigt ist oder nicht. Auch das hat keine Aussicht auf Erfolg. Werten Sie die intensiv erlebten körperlichen Missempfindungen des Depressiven und seine Ängste vor einer körperlichen Erkrankungen nicht als übertrieben oder "nur psychisch bedingt" ab. Denn depressive Menschen übertreiben ihr Erleben nicht.

 

Aus Unwissen oder Ungeduld geben Angehörige und Freunde seelisch Kranken oft gut gemeinte, aber nutzlose, verletzende und mitunter schädliche RatSchläge wie:

  • Kopf hoch, das ist doch alles gar nicht so schlimm.
  • Stell dich nicht so an.
  • Du brauchst eigentlich nur mal Urlaub.
  • Reiß dich mal zusammen.
  • So schlimm kann es gar nicht sein.
  • Lach doch mal.
  • Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
  • Wenn du wirklich willst, dann schaffst du es.

Hilfreich ist, dem Betroffenen wiederholt zu sagen, dass Depressionen und Angststörungen nichts mit Willensschwäche zu tun haben, sondern Krankheiten sind, die behandelbar sind. Dass Sie zu ihm stehen und ihn unterstützen werden, dass Sie ihn nicht verlassen werden. 

 

Eine seelische Erkrankung beeinträchtigt häufig den Kontakt und das Verhältnis zu Freunden und Familienmitgliedern. Der Erkrankte zieht sich zurück, Menschen aus seinem Umfeld reagieren mitunter verstört auf die Symptome des Leidens. Besprechen Sie mit dem Betroffenen, welche Personen Sie über die Diagnose informieren, um so deren Verständnis und Unterstützung zu gewinnen. Auch mit Ihren Kindern sollten Sie reden, sofern das Miteinander mit ihnen beeinträchtigt ist. Schon kleinen Kindern kann man vermitteln, dass ein Elternteil krank ist und sich deswegen anders verhält als gewohnt.

 

Auch, wenn Ihr Angehöriger nur kleine Fortschritte macht oder er sogar gelegentlich zurückfallen sollte: Bleiben Sie geduldig und bedenken, dass der Heilungsprozess bei Depression sehr langwierig sein kann.

 

Nicht hilfreich ist außerdem der Rat, einfach mal abzuschalten oder zu verreisen. Eine fremde Umgebung verstört den Patienten meist zusätzlich. Viel besser ist es, die Eigeninitiative des Betroffenen zu stärken.

 

Suchen Sie seine Nähe: Hören Sie Ihrem Angehörigen aufmerksam zu und trauen Sie sich nachzufragen, wie es ihm geht, wie sich die Depression anfühlt oder was er gerade braucht. So können Sie die Scham überwinden, die viele Betroffene aufgrund ihrer Erkrankung haben und zeigen, dass Sie wirklich Hilfe anbieten möchten.

 

 

Achten Sie allerdings darauf, wann und wie viel Ihr Angehöriger wirklich Unterstützung haben möchte – mischen Sie sich zu sehr ein oder bemuttern ihn geradezu, kann sich der Betroffene schnell als überflüssig empfinden. Geben Sie ihm nie das Gefühl, er könne allein nicht im Alltag bestehen.

 

Wen würde es kaltlassen, wenn ein Freund oder Angehöriger laut über Selbsttötung nachdenkt oder sie gar androht? Tatsächlich müssen solche Äußerungen ernst genommen werden, sie sind immer ein Zeichen dafür, dass der Betroffene große Schwierigkeiten hat. Gehen Sie darauf ein, hören Sie zu, überreden Sie ihn, seine Gedanken mit einem Arzt oder Therapeuten zu besprechen. In akuten Situationen kann es helfen, einen Vertrag zu schließen, in dem der Depressive sich verpflichtet, sich nichts anzutun, bevor er mit einem Therapeuten gesprochen hat. Ist der Depressive nicht dazu bereit, sich helfen zu lassen, dann schrecken Sie nicht davor zurück, zum Beispiel selbst beim Arzt oder Therapeuten anzurufen, notfalls auch bei der Polizei. Das gilt vor allem dann, wenn Sie ein auffälliges Verhalten beobachten wie etwa das Horten von Medikamenten. 

Achten Sie Ihre eigenen Grenzen

Wenn jemand, der Ihnen viel bedeutet, an Depressionen oder einer Angsterkrankung leidet, empfinden Sie möglicherweise Gefühle wie Traurigkeit, Wut, Verärgerung und Frustration. Um helfen zu können, ist es wichtig, zu verstehen und zu akzeptieren, dass Sie diese Gefühle haben. Geben Sie dem Kranken keine Schuld daran, dass Sie sich so fühlen. Und seien Sie nicht zu streng mit sich, wenn Sie unter dieser Belastung nicht immer perfekt reagieren. Teilen Sie Ihre Sorgen mit Freunden. Überlegen Sie, ob Ihnen eine Angehörigengruppe gut tut. Dort finden Sie Verständnis und bekommen praktische Tipps für den Alltag.

 

Niedergeschlagenheit eines Depressiven schwer auf die eigene Stimmung drücken. Und es dauert oft Monate oder Jahre, bis eine Depression geheilt ist. Das stehen Sie als Partner nur durch, wenn Sie die Grenzen Ihrer eigenen Belastbarkeit ernst nehmen. Organisieren Sie sich Hilfe durch Freunde oder Familienmitglieder, um sich Freiräume zu schaffen. Nutzen Sie, wenn Sie es sich leisten können, die Hilfe von Dienstleistern: Staut sich die Hausarbeit, dann stellen Sie eine Putzfrau ein. Schenken Sie sich Freizeit, damit Ihr Leben auch Momente enthält, die Spaß machen. Pflegen Sie Ihren Freundeskreis, sorgen Sie für Begegnungen mit fröhlichen, unbeschwerten Menschen. Droht die Belastung überhand zu nehmen, kann es Ihnen helfen, Kontakt mit dem Therapeuten Ihres Angehörigen aufzunehmen und ihn um Unterstützung zu bitten.  

Hilfreiche Links

Der Verband Pro Psychotherapie e.V. setzt sich seit 2004 für eine bessere Versorgung von Menschen mit psychischen Problemen und ihren Angehörigen ein. Hier finden Sie einen Link für die Therapeutensuche.

https://www.therapie.de/psychotherapie/-regionalsuche-/

 

Auch ein Orientierungs-Depressionen-Test ist dort eingefügt.

In diesem Depressionen-Test finden Sie 20 Feststellungen über Ihr Befinden. Beantworten Sie die Fragen hinsichtlich darauf, wie Sie sich während der letzten zwei Wochen gefühlt haben. Lesen Sie jede Feststellung sorgfältig durch und entscheiden Sie spontan, welche Aussage für Sie zutrifft: „selten oder nie“, „manchmal“, „oft“ oder „meistens oder immer“.

https://www.therapie.de/psyche/info/test/depressionen/depression-test/

 

Das Testergebnis wird sofort angezeigt. Es ist ein guter Hinweis, dafür ob ich Hilfe brauche oder nicht. Er ist keine fachliche Diagnose. Ich bin vor dem Ergebnis erschrocken und habe mich dazu entschlossen endlich Hilfe anzunehmen und habe meine Hausarzt / Psychiater aufgesucht.

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