Menschenkette in Dresden - 13.02.2018 - Erinnerung an die Opfer von Nationalsozialismus und Krieg, Hass und Zerstörung.

13.02.2018 - Menschenkette um die Altstadt

Rund 11.500 Dresdner versammeln sich in der Innenstadt und bilden eine Menschenkette.

 

"... lebendige Erinnerung und Impulse für eine Kultur des Friedens“. „Aus dem 13. Februar erwachse eine Verantwortung, „nicht für die Vergangenheit, aber sehr wohl für das, was heute, morgen und übermorgen geschieht“.

Dirk Hilbert - Oberbürgermeister Dresden

 

An diesem Tag sollten wir wieder mehr den Zeitzeugen und ihren Geschichten zuhören, statt den Tag lautstark für politische Zwecke zu instrumentalisieren.

Matthias Rößler – Landtagspräsident Sachsen

 

Text-Quelle: https://www.sz-online.de/

Ein Foto, dass mich bewegt

Danke Corinna von piXelanimo, für dein Composing, dass zusammengesetzt wurde, aus einer deiner Münzgassenaufnahmen und einer historischen Nachkriegsaufnahme. (AK Fotokopie der Kunstanstalt Stengel & Co. GmbH Dresden)
Danke Corinna von piXelanimo, für dein Composing, dass zusammengesetzt wurde, aus einer deiner Münzgassenaufnahmen und einer historischen Nachkriegsaufnahme. (AK Fotokopie der Kunstanstalt Stengel & Co. GmbH Dresden)

Dieses Bild-Composing hat mich tief beeindruckt. Für mich ist es die wundervolle Verknüpfung von Vergangenheit, Gegenwart und hoffentlich auch Zukunft.

 

Meine Lieblingsgasse (Münzgasse) mit Blick auf die Frauenkirche. Ein Blick über die Trümmer eines furchtbaren Krieges, der Blick über die Trümmer aus Wut und Hass, der Blick über die Trümmer unendlichen Leids so vieler Menschen in der ganzen Welt - auf die wiederaufgebaute, in neuem Glanz erstrahlende, Frauenkirche - unsere Dicke - liebevoll genannt.

 

Wer einmal auf dem Neumarkt stand und zu ihr herauf geschaut hat, sich umgeschaut hat und auch in sie hinein geschaut hat, der ist von ihrer Schönheit begeistert. Sie ist ein Sinnbild für den Frieden.

 

Lange Zeit mahnte sie mit ihren Trümmern. Doch dann wurden alle ihre Trümmer mühsam gesichtet, sortiert und gesichert. Sie wurde wieder aufgebaut und ist heute das Herz der Stadt. Heute ist sie wieder umgeben von Häusern, nach historischem Vorbild. Heute pulsiert in ihr und um sie herum, wieder das pure kunterbunte Leben. Und das ist gut so.

 

Heute, sind wir in die Altstadt gekommen. Wir möchten ein Teil der Menschenkette für Gedenken und Demokratie sein. Es ist unser Dankeschön an diese wundervolle Stadt, in der wir seit 5 Jahren leben dürfen.

 

Dresden wir sind sehr gern hier zu Hause.

17:15 - 18:00 Uhr - die Altstadt zeigt ihr schönstes Gesicht und auch der Himmel über ihr ist begeistert.

Friedfertigkeit - Gemeinsamer Aufruf zum 13. Februar 2018

Aus Anlass der Bombardierung unserer Stadt im Februar 1945 erinnern wir an die Opfer von Nationalsozialismus und Krieg, Hass und Zerstörung. In unserem demokratischen Gemeinwesen leben Menschen verschiedener Herkunft, Weltanschauung und Lebensentwürfe. Sie alle eint das Ziel, in einer friedvollen Zukunft leben zu wollen, diese zu gestalten und gemeinsam aufzubauen. Dies gelingt nur, wenn wir offen und friedfertig aufeinander zugehen. Wir wenden uns gegen jede Anwendung von Gewalt und fordern zur Versöhnung auf. Wir strecken allen Demokraten die Hand aus, um mit uns gemeinsam in der Menschenkette zu stehen.

 

Die Aktion „Weiße Rose" wurde im Jahr 2005 anlässlich des 60. Jahrestages der Zerstörung Dresdens erstmals initiiert. Die Weiße Rose tragen Dresdnerinnen und Dresdner als Zeichen für die Überwindung von Krieg, Rassismus und Gewalt und wehren sich damit dagegen, dass die Erinnerung an den 13. Februar 1945 benutzt wird, um für demokratiefeindliche und menschenverachtende Ideologien, Haltungen und Aktionen zu werben.

 

Weitere Informationen zur Menschenkette:

https://13februar.dresden.de/de/geschichte-und-geschichtssymbol.php

Ja, ich hatte Angst

2 gelbe Punkte markieren unseren Standort
2 gelbe Punkte markieren unseren Standort

Zugegeben, ich hatte Angst. Angst es, auf Grund meiner Krankheit nicht zu bewältigen und Angst es könnte Ausschreitungen, in unsere unmittelbaren Nähe geben. Mein Google-Ergebnisse zu vergangenen Menschenketten beruhigten mich und so stand unserer Teilnahme nicht mehr im Weg.

 

Als wir um 17:15 Uhr ankamen, war es noch sehr still und kaum Menschen zu sehen. Dir Ordner sammelten sich gerade zur letzten Absprache. Ich wählte unseren Standort auf der Carolabrücke (immer noch im Kopf, ich müsste schnell weg). Wir hatten Zeit die wunderbare Altstadt-Kulisse zu genießen.

Nach 17:30 Uhr begannen sich langsam die Menschen, entlang der Route, einzufinden. Dann war die Gedenk-Kundgebung vor dem Rathaus beendet und die Politprominenz zog an uns vorbei. Dann dauerte es ca. 15 Minuten und die Menschenkette stand. Die Menschen standen dicht an dicht. Wir brauchten, zum Anfassen, die Arme nicht auszustrecken. Kind, Teenager, junge und alte Menschen gaben sich die Hand. Sie schlossen die Menschenkette pünktlich zum ersten Glockenschlag um 18:00 Uhr. Nun wurde es still, nur die Glocken (naja und der Auto/Straßenbahnverkehr) waren zu hören. 10 Minuten Schweigen der Menschen Hand in Hand.

Es ist ein festes Ritual für die Dresdner, die jeweils am 13. Februar der Bombenangriffe vom 13. Februar 1945 gedenken, aber es ist auch ein schwieriges Ritual, weil es Kontroversen um die richtige Form des Gedenkens gibt, aber auch weil gerade rechte Gruppen immer wieder versucht haben, die Gedenken für die eigenen Ziele zu instrumentalisieren.

Mit Kerzen, stillen Gebeten und einer Menschenkette haben die Dresdner der Zerstörung ihrer Stadt vor 73 Jahren gedacht. Etwa 11.500 Menschen kamen nach Angaben der Stadt am Dienstagabend zusammen, um eine rund vier Kilometer lange Menschenkette um die Altstadt zu bilden. Damit sollte nach Angaben der Stadt an die Unmenschlichkeit des Kriegs erinnert und gleichzeitig "ein Zeichen des Miteinanders für eine weltoffene, tolerante Stadt" gesetzt werden.

 

Quelle: http://www.tagesspiegel.de/  

Unser Blick von der Carolabrücke hinüber zum Königsufer. Die Menschenkette ist geschlossen.

Wir waren tief beeindruckt

Wir waren tief beeindruckt. Ja, wir waren dabei und haben der Vergangenheit dieser Stadt gedacht und dieser Stadt Dank und Anerkennung gegeben. Diese Menschenkette hat uns gezeigt, dass Dresden so viele wunderbare Menschen hat. Nein, in dieser Stadt herrschen nicht Pegida, AfD oder der braune Mob. Nein, es gibt viele Menschen die an eine friedliche Zukunft dieser Stadt glauben und sich dafür die Hand reichen.

 

Auf unserem Weg zur Frauenkirche, bemerkten wir, dass ein sehr hoher Anteil junger Menschen in der Menschenkette waren. Das freute uns besonders. Auch bei den Helfern der Organisatoren waren vom Teenager bis zum Senior alles Altersgruppen dabei. Richtig geil.

 

An der Frauenkirche haben wir, wie viele andere, die Gelegenheit genutzt, eine Kerze für den Frieden und die Versöhnung aufzustellen. Geschmückte Laternen und Gedenkzettel mit Kerzen erinnerten und mahnten. 

 

Wie still diese Stadt sein kann, trotz so vieler Menschen, die heute unterwegs sind, dachte ich so bei mir. Es schien uns, als wäre dieser Tag, eine stiller Tag des Gedenkens der Dresdner. Das Gewimmel der Touristen fehlte völlig. Auch die Gaststätten waren fast alle leer. Danke Dresden für diese stille Zeit des Gedenkens, der Mahnung und der Zuversicht. 

Brief eines Holocaust-Überlebenden

Unter der sarkastischen Überschrift „Ihr seid wieder wer!“ schrieb der Holocaust-Überlebende Jean Améryim Jahr 1969 einen Brief an einen anonymen Bürger der Bundesrepublik Deutschland. Er fordert ihn darin auf, „die Geschichte, das so und nicht anders Geschehene“, schlicht zur Kenntnis zu nehmen.

Und dann schreibt Améry, was es zu jedem Versuch der Relativierung der deutschen Geschichte zu sagen gibt: „Sie, Ihr Herr Vater, Ihr Herr Großvater, haben zur Entfesselung zumindest eines Großkonflikts, nun sagen wir’s vorsichtig, nicht nein gesagt. Dieser Weltkonflikt ging machtpolitisch für Sie schlecht aus, wenn auch, was Menschenopfer betrifft, doch wohl nicht ganz so tragisch wie für beispielsweise die Russen oder die Polen, nicht zu reden von den Juden, die ihnen auf politisch-militärischer Ebene gar nicht entgegen traten, vielmehr nur ihre Macht zu spüren bekamen bis zum bitteren Ende. (…)

Muss ich Ihnen erst sagen, dass Sie und die Ihren bei der ganzen Veranstaltung am Ende – trotz Dresden und anderer Scheußlichkeiten, die Ihnen zustießen – noch vergleichsweise glimpflich wegkamen?

Text-Quelle:“http://www.tagesspiegel.de/

Gedenkkerzen an der Frauenkirche

Die Stadt, ist nach allen Regeln des Krieges, exekutiert worden ...

Um 21.39 Uhr wird in Dresden Fliegeralarm ausgelöst. Um 22.05 Uhr fallen über dem Fußballstadion auf dem Ostragelände die ersten Markierungsbomben. Acht Minuten später bricht das Inferno los: Um 22.13 Uhr schlagen die ersten Bomben ein. In

nur 24 Minuten gehen insgesamt 900 Tonnen Sprengstoff auf das historische Stadtzentrum nieder. Gezielte Treffer einzelner Gebäude sind in der Nacht unmöglich – und von den Strategen der Royal Air Force gar nicht geplant. Vielmehr soll auf einer kleinen Fläche in einem 45-Grad-Korridor ein dichter Bombenteppich gelegt werden, der einen Feuersturm entfachen soll.

 

Der Plan geht auf: Nach wenigen Minuten steht die gesamte Innenstadt in Flammen. Eine Feuerwalze frisst sich durch die zerbombten Straßen. Den 529 Lancaster-Piloten der zweiten und größten Angriffswelle muss das Ziel nachts um 1.23 Uhr nicht mehr markiert und ausgeleuchtet werden: Dresden brennt lichterloh und ist aus der Luft schon aus einer Entfernung von 100 Kilometern zu sehen. 31 Minuten lang klinken die Besatzungen von vier RAF-Bomberflotten systematisch über der Stadt ihre tödliche Fracht aus: 1500 Tonnen Sprengstoff. Ziel ist es, die Löscharbeiten am Boden zu verhindern.

 

Für den dritten Angriff zeichnen am Mittag des 14. Februar die United States Army Air Forces (USAAF) verantwortlich. 316 B-17-Bomber werfen 770 Tonnen Spreng- und Stabbrandbomben ab. Bei wolkenbedecktem Himmel müssen sich die Amerikaner allerdings nach ihrem Zielradar richten. Das Flächenbombardement richtet daher weniger Schäden an, wenngleich es ohnehin nicht mehr viel zu vernichten gibt. Die Stadt ist nach allen Regeln des Krieges exekutiert worden.

 

Das Zentrum der barocken Kunst- und Kulturstadt ist auf einer Fläche von rund 15 Quadratkilometern nahezu vollständig zerstört. Neben 25 000 Häusern und 90 000 Wohnungen liegen auch Semperoper, Schloss, Sophienkirche und Zwinger bereits an diesem Aschermittwoch in Schutt und Asche. Am Vormittag des folgenden Tages bricht das ausgeglühte Mauerwerk der Frauenkirche unter der Last der steinernen Kuppel zusammen. Der Einsturz der Kirche wird zur symbolischen Vollendung der Katastrophe: Der verbleibende Schuttberg markiert das Zentrum der Zerstörung.

 

Text-Quelle: https://www.focus.de/

Während wir heute die Tageszeitungen schließen und weg legen, den Fernseher aus machen oder von einer 'Menschenkette' heim kehren und zu Bett gehen, begann das Inferno vor 73 Jahren für die Menschen in Dresden erst richtig .........

Nachsatz:

Auf meinen Recherchen zur Bombardierung Dresdens bin ich auf sehr unterschiedliche Berichte und Zahlen über die Opfer gestoßen. Einiges widerspricht sich, daher gehe ich davon aus, dass die letzten Angaben von bis zu 25.000 Todesopfern, lt. Historiker - Erkenntnissen von 2008, nicht stimmen. Ich habe zu diesem Thema daher einen eigenen Blog geschrieben. Mir geht es nicht darum zu sagen, es wäre nicht so schlimm, oder es waren nur "wenig" Opfer. Es waren für mich genug Opfer, so oder so. Ich möchte einfach nur, die unterschiedlichen Positionen aufführen und dem Schrecken seinen Platz geben. Zur Erinnerung und im Gedenken.

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