Dänemark 2017 - Heute Nr. Lyngby und Rubjerg Knude. Die Gewalt der Natur sehen und hautnah spüren. Wir sehen krasse Küstenveränderungen.

24.08.2017 - Aus meinem Dänemarktagebuch

Heute fahren wir erst am Mittag los. Der Himmel ist bedeckt und Klara schläft wohl heute auch lange. Unsere Ziele sind heute Nr. Lyngby und Rubjerg Knude – Leuchtturm. In Nr. Lyngby parken wir beim Kobmand – Strandparkplatz. Wir besuchen erst einmal unsere Bank. Schon dort sind wir sehr überrascht wie sich die Küste verändert hat. Wir laufen am Strand entlang, staunen über die Steilküstenveränderungen, sehen Häuser sehr dicht an der Kante, andere Häuser gibt es nicht mehr. Das Ausmaß der Veränderungen ist erschreckend. 

Nach ca. 1 Stunde am Strand nehmen wir eine der Holztreppen hinauf, auf die Kuppe der Steilküste. 105 Stufen hinauf, immer an der Seite entlang, wo das Holzgeländer halt gibt und immer den Blick auf die Füße. Meine Höheangst steigt stetig und die letzten 25 Stufen, die etwas Luft zum Hang haben, lassen mich sehr laut die Stufen zählen und auf allen Vieren krabbeln, um oben anzukommen. Über die Kante muss Michael helfen, allein kann ich nicht die Kante nicht übersteigen und mich aufrichten. Zum Glück ist oben ein Sitzbalken, der meine weichen Knie entlastet und ich zur Ruhe kommen kann. 

Weiter geht es nun zu unserem Ferienhaus 2015. An unserer Treppe angekommen, sehen wir auch hier drastische Veränderungen. Rechtsseitig ist aus einem riesigen Hügel, ein riesiges Loch geworden. Unsere Bank steht nun seitlich am Weg und auch der Baumstamm auf dem wir oft saßen, ist ein ganzes Stück nach hinten gewandert. Der Weg an der Treppe entlang ist ca. halbiert. Weiter geht es, immer an der Kante entlang, immer mit dem Blick auf die neuen Abbrüche. Auch der ehemalige Friedhof hat wieder ein großes Stück seiner Fläche verloren. Das kleine gelbe Haus am Hang, ist wohl das nächste, das geräumt werden muss, seine Terrasse ist schon teilweise den Hang hinab gerutscht. Nr. Lyngby, der Ort an der Jammerbucht, der sehr krass die Kraft der Natur wieder spiegelt. Hier wird die Gewalt von Meer und Wind sehr deutlich.

Nach einer Picknickpause auf unserer Bank, fahren wir weiter zu Rubjerg Knude. Wir sind schon sehr gespannt darauf, wie sich dort wieder die Küste verändert hat. Rubjerg Knude Ausblicke sind immer wieder neu und auch der Weg zu ihm hinauf gestaltet sich immer wieder neu. Der Flugsand treibt hier sein Unwesen. Heute haben wir den Eindruck die Dünen sind nicht mehr so hoch, dafür aber gibt es viel viel mehr Sand. Der Anblick von Knud ist immer wieder wunderbar und er gibt tausende von Fotomotiven, auch den Überresten der längst vergangen Wirtschaftsgebäuden geschuldet. Michael steigt die 120 Leuchtturmtreppen hinauf, die leider aus Gittern bestehen, so dass man hindurch sehen kann. So sind sie für mich nicht möglich. Derweil baue ich, wie viele andere vor mir, aus den überall herum liegenden Steinen, einen kleinen Turm. Dann halte ich Ausschau nach zwei kleinen Steinen und auch Sand nehme ich mit. Die Zeit für Rubjerg Knude läuft ab, das zeigen auch hier, die gewaltigen Abbrüche der Küstenhänge. Beeindruckend schön, leider vergänglich.

Wissenswertes zur Geschichte des Leuchtturms (Quelle: Wikipedia)

Am 27. Dezember 1900 wurde an der Küste von Rubjerg hinter einer damals nur zwei bis drei Meter hohen Düne das Fyr, der 23 m hohe Leuchtturm, zusammen mit vier Nebengebäuden (den Wärterhäuschen) eingeweiht. 

 

 

Ab den 1910er Jahren blies der Wind große Mengen Sand von der Steilküste herauf, und die eigentliche Düne bildete sich auf dem schmalen Streifen zwischen dem Leuchtturm und dem Meer. Rubjerg Knude wanderte vom Wind getrieben weiter und erreichte schließlich eine Höhe von etwa 50 m. Damit war der Leuchtturm vom Meer aus nicht mehr zu sehen. Der Betrieb wurde am 1. August 1968 eingestellt.

 

Nachdem alle Versuche, der Wanderdüne Einhalt zu gebieten, gescheitert waren, beschloss die dänische Regierung Anfang der 1990er Jahre das gesamte Gebiet unter Naturschutz zu stellen und den Sand frei wandern zu lassen.

 

1994, 1996 und 2003 wurden die Dächer der Gebäude entfernt, weil die Gefahr bestand, dass diese unter dem Gewicht des Sandes einstürzen könnten.

Dabei war der Leuchtturm selbst weniger tief im Sand versunken. Durch Abwinde an den Turmfassaden bildete sich um den Sockel eine zunächst kleine Kuhle, welche sich mit den Jahren zu einer bis zu zehn Meter tiefen Mulde entwickelt hat. 2004 kam das erste Nebengebäude wieder zum Vorschein, auf Grund der Sandlast weitgehend zerstört.

 

Die Düne wandert Richtung Nordost und flacht sich dabei mit den Jahren ab. Den Leuchtturm hat sie mittlerweile vollständig passiert. Von den Nebengebäuden sind nur noch lose Ziegelsteine vorhanden; eine kleine Betonmauer wurde zur Stabilisierung der Abbruchkante errichtet. Der Turm selbst wird vermutlich innerhalb der nächsten acht bis zehn Jahre die Steilküste hinabstürzen, da sich der Küstenabbruch in den letzten Jahren verdoppelt hat und derzeit rund fünf Meter jährlich beträgt.

 

Im Mai 2015 gaben die dänische Naturbehörde und die gemeinnützige Stiftung Realdania bekannt, dass der Leuchtturm in seiner letzten Lebensphase noch einmal für Besucher geöffnet werden soll.

Dafür wurde der Besucherparkplatz ausgebessert, der Turm erhielt eine neue Wendeltreppe, und ein mannshohes Kaleidoskop beleuchtet das Turminnere. Das Projekt kostete rund 4,4 Millionen Kronen (600.000 Euro). Die Bauarbeiten begannen im Sommer 2015, im Oktober wurde das Laternenhaus entfernt. 2017 wurde das Laternenhaus wieder aufgesetzt, und der Leuchtturm ist über eine innenliegende Treppe frei besteigbar.

Leuchtturm-Ansichten 2010 - 2012 - 2017