Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist keine Nebenwirkung von Antidepressiva

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist keine Nebenwirkung von Antidepressiva

„Quatsch, Posttraumatische Belastungsstörung, hast du nicht. Es waren so viele im Krieg, haben so Schlimmes erlebt und die haben das auch nicht. Es sind deine Tabletten ….“.

 

Worte die mich sehr verwirrten, mich trafen und die nun diese Aufarbeitung nach sich ziehen.

 

2016, nach 5 Jahren leben und kämpfen in der Depression, wurde bei mir die Posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert.

 

Erst ein Wechsel meines Psychiaters, genaues Hinterfragen meiner Symptome, führte zu dieser Diagnose und in die Traumatherapie.  

Es besteht eine hohe Überschneidung mit anderen psychischen Erkrankungen wie den dissoziativen Störungen, Depressionen, Angst- bzw. Panik-Störungen (alles Diagnosen die bei mir gestellt wurden) ... Oft werden deshalb zunächst andere Diagnosen gestellt. Dass ein Zusammenhang mit einer Traumatisierung besteht, wird nicht selten erst später erkannt.

Quelle: DeGPT (Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie)

 

Eine Posttraumatische Belastungsstörungen nach einem Trauma kann zeitlich verzögert auftreten. Es können sogar Jahrzehnte sein. Der negative Verlauf z. B. einer Depression bzw. das Entstehen dieser, wird durch eine Posttraumatische Belastungsstörung stark beeinflusst. 

Trauma-Eine Störung im Gehirn

Bei Trauma-Patienten ist die Speicherung des Erlebten in einem bestimmten Gehirnareal, dem Hippocampus, gestört. Wird das Erlebte dort nicht „abgelegt“, erinnern alle möglichen Erlebnisse den Betroffenen immer wieder an das traumatische Ereignis.

In der Psychologie versteht man unter einem Trauma das Erleben einer problematischen Situation oder einem bedrohlichen Ereignis, das mit Gefühlen von Angst und Hilflosigkeit und/oder schutzloser Preisgabe bzw. Ausgeliefertsein einhergeht, wobei der Betroffene subjektiv keine Möglichkeit der Bewältigung der Situation wahrnimmt.

 

Quelle: https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/

Es ist soooo lange her...

„Das ist so lange her..., das ist ewig her..., du musst auch mal vergessen können..., „ja es es passiert und nicht mehr wichtig...!“

Worte, die mich verletzen. Worte, die mir Gefühle wie Schuld, Versagen, Minderwertigkeit und Anderssein vermitteln. Ich habe mir so oft gewünscht, ich könnte vergessen, einfach so und fröhlich weiter leben. Das können so viele Menschen. Ich kann es nicht und ernte damit Unverständnis. Leider. Es tut mir weh.  

Die Posttraumatische Belastungsstörung hat, bei mir, die Depression hervorgerufen und verstärkt.

Erst heute ist mir bewusst, dass ich die Trauma-Auswirkungen mein Leben lang getragen habe. Ich konnte mir so manches Mal nicht erklären, warum ich so gehandelt habe und nicht anders, warum ich auf bestimmte Reize so extrem reagiere, warum ich bestimmte Dinge im menschlichen Miteinander nicht wegstecken kann und beständige innere Angst mein Leben bestimmt.

Natürlich kann ich bestimmte Handlungen und Emotionen auf spezifische Erlebnisse zurückführen, doch viele Erlebnisse überfallen mich aus dem Nichts. Der Bezug zum Trauma eröffnet sich mir jetzt erst, ganz langsam. Heute lässt mich die Trauma-Therapie viele traumatische Erfahrungen aufdecken und erkennen, wie sehr diese mein Leben bestimmen.

Eine Posttraumatische Belastungsstörung ist nicht auf die Einnahme von Antidepressiva zurück zu führen. Antidepressiva haben Nebenwirkungen, die bei jedem Menschen anders sind. Meine Nebenwirkungen sind sehr begrenzt und zeigen keine depressiven oder posttraumatischen Symptome. Sie haben diese auch nicht verstärkt. Sie haben mich ins Leben zurück geholt.

Leben mit PTBS ist kein Spaß

Charakteristisch für die PTBS ist ein verzögerter Beginn der Symptomatik. Der Betroffene leidet immer wieder unter Alpträumen, den so genannten Nachhall-Erinnerungen oder Flashbacks und versucht, alles, was ihn an das Trauma erinnert, zu umgehen. Oft verlieren die Patienten die Lebensfreude und das Interesse an der Umgebung und ziehen sich zurück.

 

Außenstehenden fallen die Reaktionen der Betroffenen vor allem durch ihre anscheinende Unangemessenheit auf: großes Erschrecken und Erstarren bei nichtigem Anlass (etwa das Knallen einer Tür), große Verletzlichkeit bei minimaler Kritik oder das grundlose Ausbrechen in Tränen.

 

Das Leben mit einer posttraumatischen Belastungsstörung ist kein Spaß. Es gibt viele Symptome, die sich unterschiedlich in meinem Alltag ausbreiten, mich einschränken bis hin zur völligen Handlungsunfähigkeit. Einige Symptome haben sich, nach der Trauma-Klinik abgeschwächt oder sind nicht mehr aufgetreten. Andere hingegen, beeinträchtigen meinen Lebensalltag beständig.

 

Wie sich die Symptomatik der Posttraumatischen Belastungsstörung sich zeigt und welche Auswirkungen sie bei mir hat, beschreibe ich in dem Blog „Symptomatik der PTBS und ihre Auswirkungen in meinem Lebensalltag“.