Symptomatik der Posttraumatische Belastungsstörung und ihre Auswirkungen auf meinen Lebensalltag.

Symptomatik der Posttraumatische Belastungsstörung und ihre Auswirkungen auf meinen Lebensalltag.

 

Grundlage diese Blogs sind die Ausführungen von Dr. med. Julia Schwarz (kursiv) und meine Erfahrungen mit der Symptomatik.

 

Der Beitrag hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Er bezieht sich auf MEINE Sichtweisen.

 

In erste Linie geht es um die Hauptsymptome der PTBS und wie diese sich bei mir zeigen.

1. Das unwillkürliche Erinnern und Wiedererleben des Traumas - Intrusionen und Flashbacks.

"Die Betroffenen werden spontan von aufkommenden Erinnerungen an das traumatische Erlebnis überwältigt und können dies nicht willkürlich kontrollieren oder unterdrücken. Bei manchen kommen nur Bruchteile der Erinnerung hoch, während andere unter sogenannten Flashbacks leiden. Flashbacks beschreiben das halluzinationsartige Zurückversetzen in das Geschehen. Die Betroffenen haben das Gefühl, die Situation gedanklich noch einmal zu durchleben. Auslöser sind oftmals sogenannte Schlüsselreize (Trigger). Auch das Wiederkehren der traumatischen Erinnerungen in Form von Albträumen ist typisch für die Posttraumatische Belastungsstörung. Symptome auf körperlicher Ebene wie Atemnot, Zittern, Schwindel, Herzrasen und Schweißausbrüche können sich dann einstellen."

Trauma-Sternenkind

  • Für den Geburts- und Todestag meines 1. Kindes braucht es keinen Kalender. Diese Tage kündigen sich mit „realen“ Träumen an, die die Todesnacht wie im Farbfilm zeigen. Schon Tage vorher ergreifen mich immer wieder, diese schrecklichen Stunden. Ich kann diese Stunden hören, sehen und fühlen. Der letzte Atemzug meines Kindes hat sich in meine Seele eingebrannt. Gefühle der Hilflosigkeit und Schuldgefühle drehen sich im Kreis.
  • Beerdigung – Ich bin nicht wirklich anwesend. Ich bin in meinem eigenen fürchterlichen Farbfilm, mit Bild und Ton. Ich kann mein Kind, in meinen Armen sterben fühlen.
  • Erinnerungen an meinen Suizidversuch.

Trauma-Alkohol und Gewalt in der 1. Ehe

  • In meiner ersten Ehe erlebte ich 3 Jahre lang körperliche und psychische Gewalt, die besonders gefährlich wurde, wenn noch Alkohol im Spiel war. (Prügel, Sex nach Prügel als Wiedergutmachung, einsperren, an die Wand drücken, Schimpfwortkanonaden, Entwertung)
  • In der Öffentlichkeit oder bei Feiern laute und alkoholisierte Männer, lösen sofortige Fluchtgedanken, Angst, Wut, Aggression und oft auch das rasende Gesicht meines Schlägers (Exmann) aus.
  • Alkoholisierte Männer, die mir sehr nah kommen (Bus, Einkaufsschlange, Feiern) lösen Magenbeschwerden und Ekel aus. Ich kann sie körperlich fühlen, obwohl sie mich noch nicht berühren. Ich kann die Nähe kaum aushalten, mein ganzer Körper rast und meine Nerven sind völlig überreizt. Wollen diese mich anfassen, lösen sie sofort eine heftige unkontrollierte Abwehrreaktion aus.
  • Platzangst und Höhenangst (ich mag keine geschlossenen Türen/Räume)
  • Aggressive Männer kann ich nicht aushalten

Woher diese Reaktionen kamen, war mir bewusst, doch den Bezug zum Thema Trauma stellte ich nicht her. Es waren meine Erfahrungen, die mich geprägt hatten. Mit der Depression wurden diese Erlebnisse noch wesentlich verstärkt.

 

Daneben gab es Reaktionen und Handlungsweisen, die ich nie zugeordnet habe. Sie waren einfach da, waren meine Glaubenssätze und ich lebte damit. Erst in meinen Therapien und besonders in der Trauma-Klinik wurde mir bewusst, dass es noch andere traumatische Erfahrungen in meinem Leben gibt. Mir wurde schmerzhaft bewusst, wer da immer in meinem Focus agierte. Was meinen Lebensweg geprägt hatte. Nur langsam konnte ich den Gedanken annehmen, dass meine Kindheit mich traumatisiert hat, dass ich misshandelt wurde, psychisch und körperlich.

  • Laute und agressive Männer lösen sofort heftige Angst aus, gefolgt von sofortigem Verlassen der Situation, Hilflosigkeit und Bildern aus der Vergangenheit (Gesicht meines Vaters)
  • Das Gesicht meines Vaters, seine sarkastischen Abwertungen und Bewertungen sind sehr oft bei mir, besonders dann, wenn ich etwas nicht schaffe, Fehler mache oder anderen Menschen nicht genüge (Arbeit)
  • Glaubenssätze und damit Handlungs- und Denkweisen sind in meiner Kindheit entstanden.
  • Hilflosigkeit und verminderte Handlungsfähigkeit gegenüber Alpha-Menschen (Menschen die überaus Selbstsicher und präsent sind)

Welche traumatischen Erlebnisse noch in mir schlummern, ist noch unklar. Mit der Depression und der PTBS sind sehr viele Dinge über mir zusammen geschlagen. Einige Begebenheiten kommen jetzt erst an das Tageslicht, weil sie auf ähnliche Situationen in meinem JETZT treffen und ausgelöst werden.

  • Trigger Lkw – Todesangst bei einer Autobahnfahrt vor 20 Jahren & Angst bei einer Autobahnfahrt in den Urlaub 2017.
  • Trigger – tosendes Meer – noch keinen Auslöser gefunden.
  • Trigger Ignoranz – Ignoranz in meiner Kindheit & Ignoranz in meiner Familie heute.

2. Vermeidung, Verdrängung und Vergessen des Geschehens

„Zum eigenen Schutz vermeiden viele Opfer jene Gedanken, Situationen und Aktivitäten, welche die Erinnerung an das Geschehen wecken könnten. Diese Vermeidung ist auf lange Sicht kontraproduktiv für eine Genesung. Sie verstärkt die Angst und die Posttraumatische Belastungsstörung-Symptome.“

  • Ich war noch nie auf dem Friedhof, am Grab meines Kindes. Ich habe Beerdigungen nur besucht, wenn sie „unvermeidlich“ (meine Großeltern) waren. Geforderte Teilname an Beerdigungen in meinem Arbeitsleben (bewusstes Bossing), haben Panikattacken ausgelöst. Nur dadurch konnte ich sie ablehnen.
  • Ich kann nur sehr selten über die Todesnacht meines Sternenkindes reden. Den gesamten Ablauf kennt noch niemand. Ich bin nicht in der Lage dazu. Allmählich lerne ich jetzt, darüber zu sprechen oder zu schreiben.
  • Ich erzähle nur sehr ungern von Begebenheiten aus meiner ersten Ehe. Es holt zu viel hoch und löst sofort auch Gedanken der Selbstzerstörung aus. Ich habe die Arbeit in einem Frauenhaus abgelehnt, weil ich genau wusste, das ich die Reaktionen der Frauen (Rückkehr), wie auch die auftretenden Situationen nicht bewältigen kann.
  • Ich habe nur minimale Erinnerungen an meine Kindheit und meine erste Ehe. Was blieb sind die Glaubenssätze und Gefühle wie Hilflosigkeit, innere Leere, nicht gut genug zu sein, alles falsch zu machen und daran selbst Schuld zu sein.
  • Wesentlich für meine Agieren ist, dass ich mich selbst ignoriere. Ich will nur perfekt sein, für die Anforderungen, die an mich gestellt werden. Ich bin immer auf der Suche nach Anerkennung, Wertschätzung und Empathie.
  • Ich meide Menschen, weil ich nicht mehr verletzt werden möchte.
  • Ich meide Menschengewimmel, Familienfeiern, große Höhen und geschlossene Räume.

3. Nervosität, Angst und Reizbarkeit

  • Mein Nervensystem ist schnell überfordert und ich habe das Gefühl meine Nerven surren durch den ganzen Körper, ähnlich eingeschlafener Füße und einem überspanntem Gummi.
  • Angst ist mein ständiger Begleiter – Angst einen Fehler zu machen, Angst zu versagen, Angst nicht gut genug zu sein...
  • Ich gehe Verletzungen aus dem Weg, in dem ich fremde Menschen meide bzw. aus Situationen heraus gehe.
  • Gruppentherapien sind daher für mich reiner Horror. Insbesondere dann, wenn es in der Gruppe Unstimmigkeiten und Spannungen gibt. Diese kann ich körperlich wahrnehmen und sie lösen Fluchtgedanken oder Dissoziationen aus.

4. Verflachung der Gefühle und Interessen

„Die Lebensfreude kann durch eine Posttraumatische Belastungsstörung nachhaltig beeinflusst werden. Oftmals verlieren die Betroffenen jegliche Interessen und ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück. Sie verlieren die Lust am Leben und planen ihre Zukunft nicht mehr. Manche sind auch nicht mehr in der Lage, etwas zu fühlen. Emotionen wie Freude, Liebe oder Traurigkeit können dann nicht mehr richtig erlebt werden. Es kommt zu einer Abstumpfung der Gefühle (Numbing = Taubheitsgefühl). Die Traumaopfer fühlen sich häufig entfremdet und haben das Gefühl, das Erlebte trennt sie von ihren Mitmenschen und Angehörigen. Diese Veränderung des Gefühlslebens endet dann häufig in einer Depression.“

  • Ich hatte jegliche Interessen verloren und mich total aus dem Leben zurück gezogen. Seit der Traumaklinik hat sich das positiv verändert. Langsam gehe ich wieder hinein in das Leben.
  • Ich habe keine Emotionen, ich kann Gefühle nur denken.
  • Ich bin in vielen Dingen des Alltags, Interessen- und Teilnahmslos.
  • Ich kann mein Enkelkind, aus Liebe, in den Arm nehmen, doch in mir bleibt es kalt. Ich kann mich über das Gänseblümchen freuen, doch in mir bleibt es kalt. Ich kann mich ärgern, aber diese Aufgeregtheit fehlt, es gibt nur eine Angespanntheit die unerträglich ist.

Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung: Symptome

"Bei einigen Traumaopfern zeigt sich zudem eine Persönlichkeitsveränderung als Folge der Posttraumatischen Belastungsstörung. Man spricht dann auch von einer komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung. Symptome betreffen hier eher das Verhalten und die Persönlichkeit: Veränderung der Emotionsregulation, Ärger, selbst-verletzendes Verhalten."

 

  • Meine innere Anspannung reguliert sich über ständiges Beine wackeln (ähnlich einem Kind, dass dringend zur Toilette muss).
  • Auf Überforderung reagiere ich mit Panikattacken (bis 2016) und mit Dissoziationen.
  • Ich bin hochgradig Schreckhaft. Es ist nicht nur ein einfacher Schreck, sondern ein heftiger Schreck, der den ganzen Körper in Anspruch nimmt, meine Nerven absolut überfordert und aus mir komische Töne/Worte heraus beamt oder (bis 2016) mich schreien lässt, wie ein verwundetes Tier. Die Schreckhaftigkeit ist unterschiedlich ausgeprägt und entsprechend meiner Tagesform. Es sind normale Begebenheiten, wie Hupen, Knallen vom Auspuff, Böller, stärkeres bremsen, rechts überholt werden in der Stadt, lautes Motorrad, Tür öffnen und unvermittelt vor mir stehen …
  • Andererseits bin ich mit den gesamten Einflüssen von Außen z. B. im Straßenverkehr schon hoch gefordert. Ich muss mich sehr konzentriert und bewusst bewegen. 
  • Autofahren überfordert mich völlig, die gesamten Reize sind für mich zu viel. Ich fahre selbst kein Auto mehr, ich bin nur noch Mitfahrer. Ich kann rückwärts fahren z. B. beim einparken, nur schwer aushalten. Kleinere „Gefahrensituationen“ bringen mich oft in Angst-Schreck-Reaktionen.
  • In anspruchsvollen Situationen/Therapiestunden verbiege ich meine Finger, bis zur Schmerzgrenze, ohne darauf zu achten, dass ich sie brechen könnte.
  • Mein Sexualleben ist nicht vorhanden. Ohne Gefühle und Emotionen ist auch dies unmöglich.
  • Ich kann mich sehr gut selbst ignorieren und halte dabei meine Grenzen nicht ein.

 

Veränderungen in der Aufmerksamkeit und dem Bewusstsein

"Eine komplexe Posttraumatische Belastungsstörung bringt zudem oftmals eine Veränderung der Aufmerksamkeit mit sich. Patienten geraten in einen sogenannten dissoziativen Zustand. Sie nehmen die Außenwelt dann vorübergehend nicht mehr richtig wahr, „stehen neben sich“ und es kommt ihnen alles unwirklich vor.“ 

  • Dissoziation – ich bin nicht Handlungsfähig, meine Augen werden starr, ich reagiere nicht und mein Körper ist wie Watte. Ich sehe alles, um mich herum, wie durch eine dicke Milchglasscheibe, höre Worte nur von ganz weit her, ähnlich einem Echo oder leisem Murmeln. Bin aber völlig Handlungsunfähig, stehe oder sitze einfach da. Durch rufen meines Namens schalte sich mein Kopf wieder ein und ich nehme selbst wahr, dass ich mich in einer Dissoziation befunden habe. Anfassen, in dieser Situation löst eine Panikreaktion aus.
  • In einer Dissoziation bin aber auch schon, ohne es selbst zu bemerken, über eine Straße gelaufen, in eine falsche Bahn eingestiegen, irgendwo ausgestiegen oder war eine Zeit Orientierungslos. Diese bemerke ich nur, weil ich überhaupt nicht weiß, wie ich dorthin gekommen bin.
  • Ich bin nur bedingt in der Lage Konfrontationen, Konflikte oder intensiven Gesprächen zu folgen, den Inhalt vollständig zu erfassen.
  • Bücher lesen ist unmöglich, da ich den Inhalt immer wieder vergesse.
  • Musik kann ich nicht fühlen, sie nervt mich und einige Töne schmerzen bis ins Gehirn.

Veränderte Selbstwahrnehmung

  • Ich habe ein total gestörtes Bild von mir selbst. (Ich lerne es positiv zu verändern)
  • Ich bin bestimmt durch meine Glaubenssätze, wie: ich bin nicht gut genug, ich muss alles perfekt lösen, ich mache nichts richtig, ich bin es nicht wert ….
  • Selbstwert und Selbstsicherheit sind nur mäßig vorhanden.
  • Ich bin Schuld, weil … sind häufig meine Gedanken, in vielen Lebensituationen.
  • Ich habe Schuldgefühle in Bezug auf meine Kinder.
  • Ich kann Anerkennung und Wertschätzung nicht wirklich annehmen.
  • Das wirkliche Leben ist zu schwer für mich.

Veränderungen in den Beziehungen zu anderen

„Die Beziehungswahrnehmung leidet ebenfalls unter der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung. Komplex Traumatisierte haben oftmals Schwierigkeiten, sich auf menschliche Nähe einzulassen. Durch die traumatisierende Erfahrung fällt das Vertrauen schwer und der Kontakt zu Mitmenschen wird nur schwer eingegangen. Häufig haben komplex Traumatisierte kein gutes Gespür für die eigenen Grenzen und überschreiten diese gelegentlich.“

  • Mein Vertrauen, zu Menschen außerhalb der Familie ist völlig zerstört. Ich glaube nicht mehr an das Gute im Menschen. Geld ist alles, Menschlichkeit stirbt aus. (Ich weiß es sind nicht alle Menschen so, aber es ist mein Grundgedanke).
  • Ich überschreite meine eigenen Grenzen sehr oft, da ich noch nicht konsequent auf mich selbst achte, Entscheidungen richtig hinterfrage, oft auch funktioniere wie erwartet wird.
  • Sogenannte Bagatellsituationen, im menschlichen Miteinander, sind für mich oft nervenaufreibend und schwer zu meistern. Alte Verletzungen sind sehr schnell wieder an der Oberfläche. Zum Beispiel: Sarkasmus oder Ignoranz mir gegenüber, ungelöste und unbesprochene Probleme o. ä. lösen bei mir Selbstzweifel, Hilflosigkeit und endlose Gedankenschleifen hervor. Ich kann sie nur schwer aushalten.
  • In mir ist immer Angst, verlassen zu werden, Alkoholgenuss könnte zur Sucht führen, benutzt oder ignoriert zu werden, NEIN zu sagen, die falsche Entscheidung zu treffen …

Veränderung der Lebenseinstellung - Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit, keine Freude am Leben.

Viele Jahre war es mir egal, ich lebte. Ja, ich lebte irgendwie. Irgendwie – was ist das, ich weiß es nicht. Ich lebe und bin doch innerlich oft so leer und teilnahmslos. Seit der Traumaklinik erlebe ich wieder, dass das Leben auch schön sein kann. Ich bin jetzt mehr im Leben und ich werde es weiter lernen, Schritt für Schritt. Ich will wieder leben, mit allen Emotionen und Farben.

Somatisierung - Schmerzen ohne körperliche Ursache

Diese Symptome treten bei mir nicht auf.