Traumatherapie - Wie ist der Ablauf - Was muss ich beachten - Welches Risiko besteht?

Traumatherapie

Die Traumatherapie hilft Personen, die durch ein erlebtes Trauma belastet sind. In manchen Fällen können sich die Betroffenen jedoch nicht mehr an das Trauma erinnern. Möglicherweise war die Person zu dem Zeitpunkt noch ein kleines Kind oder sie hat das Erlebnis stark verdrängt. Ein Psychotherapeut oder Psychiater kann in diesen Fällen weiterhelfen.

 

Der Psychotherapeut oder Psychiater wird zunächst eine Diagnose stellen und kann dann entscheiden, welche Therapie für den Patienten geeignet ist. Liegen mehrere psychische Störungen gleichzeitig vor, müssen diese, in manchen Fällen, vor der Traumatherapie behandelt werden. Bei Suchterkrankungen etwa wird der Patient zunächst an eine Suchtklinik oder eine Suchtambulanz weitergeleitet. Wenn er an schweren Depressionen leidet, behandelt der Therapeut diese vorrangig.

 

Wichtig: Patienten, die unter starken Dissoziationen leiden, Suizidgedanken haben oder bei Misshandlungen noch Kontakt zum Täter haben, sollten nicht mit dem Trauma konfrontiert werden.

 

Neben den seelischen Problemen können auch körperliche Erkrankungen auf ein unverarbeitetes Trauma hinweisen. Die Posttraumatische Belastungsstörung erhöht unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sowie Asthma oder Arthritis.


Was macht man bei einer Traumatherapie?

Therapeuten passen die Behandlung an die Schwere des Traumas an. Sie unterscheiden zwischen den

  • Typ-I-Traumata, die einmalig passiert sind, wie zum Beispiel ein schwerer Unfall und den
  • Typ-II-Traumata, die wiederholt auftreten, zum Beispiel Misshandlungen.

Der grundsätzliche Ablauf der Traumatherapie besteht jedoch in der Regel aus den folgenden Phasen:

 

 

1. Stabilisation

Zu Beginn der Traumatherapie geht es darum, den Patienten zu entlasten und ihn emotional zu stabilisieren. Die Voraussetzung dafür ist eine gute Beziehung zwischen Patient und Therapeut. Der Patient muss sich bei dem Therapeuten wohlfühlen und ihm vertrauen. Um seinem Patienten nicht zu schaden, muss sich der Therapeut langsam an das Erlebnis herantasten. Ein zu schnelles Vorgehen würde den Patienten überfordern.  

Bei Patienten, die einem Typ-II-Trauma ausgesetzt waren, nimmt die Stabilisierungsphase längere Zeit in Anspruch. Eine Auseinandersetzung mit dem Trauma macht nur dann Sinn, wenn der Patient in der Lage ist, seine Gefühle zu regulieren und auftretende Anspannungen abzubauen. Menschen, die über lange Zeit traumatischen Erlebnissen ausgesetzt waren, müssen diese Fähigkeit erst wieder erlangen. Ist der Betroffene so stark beeinträchtigt, dass er sich das Leben nehmen will, muss er in einer psychiatrischen Klinik behandelt werden.

  

Zur Stabilisation werden in der Traumatherapie verschiedene Techniken eingesetzt. Der Patient soll sich zum Beispiel in Gedanken an einen sicheren Ort begeben. Es soll ein Ort sein, an dem er sich wohl und vor Gefahren beschützt fühlt. An diesem Ort kann der Patient dann noch innere Helfer in die Vorstellung einbauen. Diese stehen ihm zur Seite und beschützen verletzliche Anteile. Diese Hilfsmittel werden in der Traumatherapie erarbeitet, damit der Patient sie später auch allein anwenden kann, wenn Ängste auftreten.

 

2. Traumabearbeitung

Zur Behandlung des Traumas empfehlen Experten die kognitive Verhaltenstherapie. Um das Trauma zu bewältigen, muss sich der Patient in der kognitiven Verhaltenstherapie aktiv mit dem Erlebnis auseinandersetzen. Der Therapeut konfrontiert den Betroffenen mit seinen Ängsten. Wenn die Person beispielsweise einen Autounfall erlebt hat, ermutigt sie der Therapeut, wieder mit dem Auto zu fahren. Denn eine Vermeidung der angstbesetzten Situationen verstärkt die Angst.

 

Durch die Konfrontation lernt der Patient, dass seine Befürchtungen nicht eintreten. Mit jedem Mal Autofahren wird die Angst geringer. Der Therapeut vermittelt zudem Techniken, mit denen Betroffene ihre Angst kontrollieren können. Dazu gehören Atemtechniken oder auch Gedankenstopps.

 

Im Zusammenhang mit Traumata beschreiben die Patienten oft Schuldgefühle. Zum Beispiel fühlen sich Vergewaltigungsopfer häufig verantwortlich für das, was ihnen widerfahren ist. Ein wichtiger Bestandteil der Traumatherapie ist es, diese destruktiven Gedanken zu verändern und die Schuldgefühle abzulegen.

 

Traumatherapie: EMDR

Für die Traumakonfrontation gibt es verschiedene Techniken. Ein häufig eingesetztes und anerkanntes Verfahren ist EMDR („Eye Movement Desensitization and Reprocessing“). In der EMDR-Traumatherapie geht es darum, dass der Patient mithilfe der Augenbewegung desensibilisiert wird und das traumatische Erlebnis verarbeitet: Der Patient begibt sich emotional in das traumatische Erlebnis. Währenddessen bewegt der Therapeut seine Hand abwechselnd nach links und nach rechts. Der Patient soll mit seinem Blick der Hand des Therapeuten folgen. Dieses Vorgehen wird solange wiederholt, bis die Angst nachlässt.

Die Augenbewegung ähnelt der im REM-Schlaf. In dieser Schlafphase haben Menschen sehr lebendige Träume und verarbeiten erlebte Situationen. Die Augenbewegung soll dem Patienten erleichtern, Erinnerungen abzurufen und zu verarbeiten. EMDR wird sowohl in der Verhaltenstherapie, als auch in psychoanalytischen Therapieformen zur Traumabewältigung angewandt.

 

Traumatherapie: Medikamente

Medikamente können begleitend zur Therapie eingesetzt werden. Zum Einsatz kommen beispielsweise Antidepressiva (z.B. Fluoxetin) oder Antipsychotika (z.B. Olanzepin). Sie sollten jedoch nicht langfristig eingenommen werden und bieten auch keinen Ersatz für die Psychotherapie. In den meisten Fällen zeigt die Traumatherapie eine bessere Wirkung als die Medikamente. Daher werden Medikamente nur empfohlen, wenn der Patient in seinem Zustand nicht in der Lage ist,  sich aktiv an der Psychotherapie zu beteiligen.

 

3. Integration

Traumatisierte Menschen leiden immer wieder an plötzlich auftretenden, unangenehmen Erinnerungen. Die Betroffenen fühlen sich diesen Gedanken und Gefühlen oft hilflos ausgeliefert. Das Ziel der Traumatherapie ist, dass der Patient immer mehr die Kontrolle über seine Gefühle, Gedanken und Handlungen zurück gewinnt.

 

In der Therapie soll der Patient seine belastenden Erinnerungen bewusst hervorrufen und damit die Kontrolle wiedererlangen. Die traumatischen Erlebnisse werden dann solange bearbeitet, bis sie zu einem Teil der Lebensgeschichte werden. Durch die Integration des Traumas in die Biografie wird es von einer ständigen Bedrohung zu einem Erlebnis aus der Vergangenheit. Erst wenn der Patient bereit ist das Trauma hinter sich zu lassen, ist er in der Lage, seine Gegenwart und seine Zukunft aktiv zu gestalten.

 

Welche Risiken birgt eine Traumatherapie?

Die Auseinandersetzung mit dem Trauma birgt das Risiko einer Retraumatisierung. Der Patient erlebt erneut stark belastende Gefühle. Im Unterschied zur gezielten Konfrontation mit dem Trauma fühlt sich der Patient hilflos und wird handlungsunfähig. Die erinnerten Erlebnisse können so stark werden, dass sie sich für den Patienten anfühlen, als würden sie sich erneut zutragen.

 

Eine Retraumatisierung verfestigt ungünstige Denkweisen und schadet dem therapeutischen Prozess enorm. Daher ist es wichtig, dass die Behandlung von Traumata durch einen ausgebildeten Therapeuten durchgeführt wird. Dieser kann dem Patienten helfen, mit speziellen Techniken die Erlebnisse zu verarbeiten, ohne dass er die Kontrolle verliert.

 

Eine Retraumatisierung kann jedoch auch außerhalb der Traumatherapie durch bestimmte Reize auftreten. Die Wahrnehmung von Geräuschen oder auch Gerüchen, die den Betroffenen an das Trauma erinnern, können starke Ängste auslösen.

 

Was muss ich nach einer Traumatherapie beachten?

In der Traumatherapie erwachen oft Gefühle und Erinnerungen, die möglicherweise tief im Unbewussten vergraben waren. Zu Beginn der Traumatherapie kann sich der Zustand des Patienten daher kurzfristig verschlechtern. Die oft schmerzhafte Auseinandersetzung ist jedoch notwendig, um eine langfristige Verbesserung zu erreichen.

 

Auch nach der Therapiesitzung werden Gefühle und Gedanken im Inneren weiterarbeiten. Als Patient sollten Sie sich daher nach der Sitzung erst einmal Zeit nehmen und Ihre Gefühle sortieren.

Die emotionale Verarbeitung geht auch im Schlaf weiter. Albträume sind nach der Konfrontation des Traumas nicht ungewöhnlich. Auch wenn diese beängstigend sind, ist die gedankliche Auseinandersetzung eine positive Entwicklung. Sie sollten auftretende Albträume und den Umgang damit mit Ihrem Therapeuten besprechen.

 

Wenn Ihre Symptome nach dem Ende der Traumatherapie weiterhin vorhanden sind, muss die Therapie möglicherweise verlängert werden. In manchen Fällen ist auch ein Wechsel des Therapeuten sinnvoll - zum Beispiel, wenn die Chemie nicht stimmt oder die notwendige Vertrauensbasis nicht (mehr) vorhanden ist.

Haben Sie bisher eine ambulante Therapie in Anspruch genommen, sollten Sie eine stationäre Traumatherapie in Betracht ziehen, wenn Ihre Symptome sehr belastend sind oder lange andauern.