Traumatherapie - Heute im Durcheinander der Themen - Auf der Suche nach dem Auslöser bis hin zum inneren Kritiker - Imagination und EMDR-Übungen ohne Erfolg

14.08.2017 - Traumatherapie

Zeit zur Entspannung vor der Therapie

Ich hatte es heute schwer, zur Traumatherapie. Mir geht es immer noch nicht wieder gut. Noch immer bin ich unendlich schlapp und kraftlos. Aber mein Kopf kann wieder denken und erfassen, so dass keine Gefahr für mich bestand. Doch die Busfahrt war heute nur schwer auszuhalten. Der Bus war sehr voll, ich hatte einen Sitzplatz und unmittelbar vor mir stand eine Frau. Natürlich wankte sie hin und her, gerade wie der Bus eben fuhr. Ich konnte es kaum aushalten und musste mich sehr stark darauf konzentrieren auf meine Rucksack zu schauen. Ich war froh, als ich endlich am Waldschlösschen aussteigen konnte.

Sofort ging mein Blick zu "meinem" Pavillon hin, dort wo ich vor jeder Therapiestunde sitze. Bloß nicht auch noch dort Menschen. Ich hatte Glück es war niemand dort und so konnte ich in Ruhe wieder etwas runter kommen und die wunderschöne Aussicht "genießen". Ich saß da, knabberte mein dänischen Kekse und trank meine Kaffee. Die Zigarette dampfte vor sich hin. Eine halbe Stunde später machte ich mich auf den kurzen Weg zur Klinik. Der Weg wurde zur Ewigkeit. Ich hatte schwere Füße, als wenn diese schon einen Marathon hinter sich hätten. 

Auf der Suche nach dem Auslöser

In der Therapie kam es, wie es kommen musste. Ich hatte keine Wahl, auch wenn ich das Thema gern vermieden hätte und mich dem eigentlich geplanten Thema gewidmet hätte. Ich musste erzählen wie mein Absturz abgelaufen ist und wie die Woche danach war. Ich erzählte auch von dem weiteren Absturz. Sie hinterfrage sehr genau meinen Zustand und stellte dann die "Diagnose", dass es wohl eine sehr schwere Dissoziation war. Ich hatte auch schon daran gedacht, weil diese kurzen Dissoziationen ähnlich sind. Aber ich hätte niemals daran geglaubt das eine Dissoziation so heftig und so lange anhaltend sein konnte.

 

 

Ja, und dann war sie wieder da, die Frage nach dem Auslöser. Das war mir klar. Denn meine Therapeutin ist der Meinung, dass die PTBS der Auslöser für die Depression ist und das jede depressive Verschlechterung einen direkten Auslöser hat. Ich hatte selbst schon intensiv darüber nachgedacht, welchen Auslöser es gegeben haben könnte und hatte keine Antwort gefunden. Auch heute fand ich, auch mit ihrer Unterstützung, keinen Auslöser. Ich konnte nur auf meine bisherigen Erfahrungen zurück greifen und sagen was ich dachte. Also sagte ich ihr, dass ich bisher bei jedem Therapeuten in der Anfangsphase Abstürze hatten. Jeder war bis dahin überzeugt einen guten Patienten zu haben, der schnell vorwärts kommt. Sie alle hatten dann die Therapieanforderungen gesenkt, um eine weitere Überbelastung zu vermeiden. Hinzu käme dann noch, das mein Kopf verrückt spielte weil mein Urlaub bevor stand. Ich erzählte ihr davon, dass ich kaum das Wort Urlaub in den Mund nehmen kann, das wir zu Hause nicht mehr über die Vorbereitungen sprechen, weil ich jedes Mal Panik bekomme und mir kotzübel wird.

Imagination - Auf der Suche nach Gefühlen

Dem Thema entsprechend wurde ich zunehmend unruhiger und ich hatte Mühe meine Mageninhalt bei mir zu behalten und konnte überhaupt keinen Augenkontakt halten. Das blieb natürlich nicht unentdeckt. Trotzdem fragte sie nach. Fragte was ich zur Stabilisierung gemacht habe. Mit der Beantwortung dieser Frage, wurde mein Zustand aber nicht besser. Ich erzählte auch davon, dass all die "schlummernden" Symptome wieder da waren, diese innere Leere, diese graue Welt, diese Gleichgültigkeit, die Schreckhaftigkeit und vor allem diese minimale Leistungsstärke. Ich sah ihr an, dass ihr das überhaupt nicht gefiel. Mir ja auch nicht. Und mein Ärger darüber verstärkt ja das ganze noch.

 

Dann machten wir eine Imaginationsübung - ich stellte mir Rubjerg Knud am Meer vor und setzte mich dort auf die Düne. Das Bild sollte ich in mir behalten und ihr sagen was ich jetzt fühle. Und da waren sie wieder meine Probleme. Fühlen? Ich kann sagen, was ich fühle aber die dazu gehörigen Emotionen fehlen. Mehrfach machten wir so eine Versuch, doch es blieb dabei, ich konnte Gefühle nur denken.

 

EMDR - Auf der Suche nach Entspannung

Ich glaube, nun wollte sie es mit allen Mitteln. Sie besprach mit mir EMDR. Sie sagte, es gäbe verschiedene Möglichkeiten, die wir hier in der Therapiestunde ausprobieren könnten. Sofort willigte ich ein, ich hatte so viel gelesen darüber, dass ich wusste es ist sehr hilfreich in mir positive Energie zu wecken. 

Es ging darum, mir ein wundervolles Bild vom Meer in die Erinnerung zu holen und diese dort zu behalten. Das gelang mir auch. Doch jetzt kam hinzu, dass ich, mit meinen Augen der Hand meiner Therapeutin folgen sollte. Sofort zwitschten meine Gedanken weg. Noch einmal von vorn, Bild in die Erinnerung holen, halten und nun kam ein wechselndes Klopfen hinzu. Nicht lange und mein Kopf verlor das Bild und sagte: klopf link, klopf rechts ... Noch eine Versuch. Diesmal sollte ich mich selbst, mir über der Brust gekreuzten Armen, mit den Händen, abwechselnd an die Schulter klopfen. Das funktionierte auch nicht und dazu kam noch, dass ich anfing mich zu kneifen, statt zu klopfen. Klasse. Einmal durchgefallen, setzen. Nein, so ist es nicht. 

Erkenntnisse und Aussichten

 

 

 

Erkenntnis heute. Ich bin nicht in der Lage zu entspannen. In mir ist der innere Kritiker so stark, dass er die Entspannung verhindert. Das selbe macht er mit dem Urlaub. Er will nicht das ich in den Urlaub fahre und mich entspanne. Warum auch immer. Er ist es der mich sofort sperrt, der mich sofort aus dem Bild nimmt. Er ist es der dann Angst und Surren in den Nervenbahnen sendet, so dass ich aus der Situation heraus gehe.

 

Daraus folgt nun die Bearbeitung des inneren Kritikers und die gemeinsame Erstellung einer Imagination, die ich annehmen kann. Ich soll und möchte Entspannung lernen. Diese ständige Anspannung im Körper ist eine starke Belastung, da helfen auch die wackelnden Beine nicht. Ich habe keine Ahnung wie das werden wird, aber meine Therapeutin weiß ganz bestimmt, was sie tut.

 

Bis dahin halte ich mich an meine Hoffnung, dass es mir besser geht, wenn wir erst mal in den Urlaub starten. Ich hoffe sehr, ich kann den inneren Kritiker zu Hause lassen.

 

Zu meiner Entspannung, zum runterfahren, habe ich noch eine Kaffeepause, in dem hyggeligen Minicafé, gleich unterhalb der Klinik gemacht. Erst als ich sicher war, alle meine Gedanken wieder beisammen zu haben, um auf den Straßenverkehr zu achten, ging ich zum Bus.

 

Die Rückfahrt mit dem Bus verlangte dann alle meine letzten Kräfte. Der Bus war rappelvoll, ich konnte nicht umfallen und Körperkontakte waren unvermeidbar. Der blanke Horror, ich hatte große Mühe nicht laut los zu brüllen und meine Anspannung in Kontrolle zu halten. Zu Hause angekommen, musste diese Anspannung raus. Ich wäre fast erstickt daran. Ich habe meine ganze Angst, Beklemmung und den Druck in mir, im Schlafzimmer (der einzige Raum, der eine Tür zum zumachen hat) aus mir heraus gebrüllt. Laut und lange. Unsere Nachbarn denken jetzt bestimmt, ich bin völlig durchgeknallt. Es musste raus und danach ging es mir besser.

 

In vier Tagen starten wir nach Dänemark, mit einen Stop bei Karin. Mir wird es besser gehen. So wird es sein.