Traumatherapie - Mein Weg



In der "Klinik am Waldschlößchen", Dresden

Ich habe mich für die "Klinik am Waldschlößchen" in Dresden entschieden, auf Grund von Empfehlungen, meiner Internetrecherche und weil sie direkt in Dresden ist. Warum sollte ich dann in die Ferne gehen.

Alles was ich hier schreibe, bezieht sich auf meine Therapie, die verbunden ist, mit meinem Erleben und meiner Wahrnehmung.

Jeder Mensch ist anders, kommt aus einer anderen Situation, ist anders betroffen, ist unterschiedlich stabil und hat mehr oder weniger Kraft bzw. Lebensenergie, die Therapie und den Klinikalltag zu meistern.

Ich möchte hier einfach nur schreiben, wie es mir ergeht, was ich lerne und erkenne, womit ich kämpfe, was ich meistere. Ich möchte damit anderen Menschen Mut machen, ebenfalls diesen Weg zu gehen.

 

Es ist ein harter Weg, der alle Kraft kostet, aber auch viele schöne Momente hat.

Ich bin der festen Überzeugung, es lohnt sich. Trau Dich.

 

Klinik am Waldschlößchen

Fachklinik für Psychosomatische Medizin

Zentrum für Psychotraumatherapie

 

Traumaambulanz Klinik am Waldschlößchen

Kontakt, Anfragen, Terminvereinbarung:

Frau Tittel

(0351) 658777-21

(0351) 658777-20

traumaambulanz@klinik-waldschloesschen.de


Meine Therapien 

 

Meine Therapien / Ärzte und Therapeuten:

Visite: Dr. med. Kornelia Sturz - Klinikleitung

Visite: Martina Rudolph, Fachärztin - Oberärztin Stat.1/2 

Psychotherapie - Einzel: Kirstina Böttcher, Diplom - Psychotherapeutin

Ergotherapie - Gruppe: Kristin Brete, Ergotherapeutin

Körpertherapie - Gruppe: Susan Klose, Körpertherapeutin

Dramatherapie - Gruppe: Kerstin Rothe, Dramatherapeutin

Dramatherapie - Einzel: Kerstin Rothe, Dramatherapeutin

Kunsttherapie - Einzel: Birgit Flache, Kreativtherapeutin

Wochenausklang - Gruppe: Dr. med. Michelle Walter, Franka Mehnert, Psychologische Psychotherapeutin

Qigong - Gruppe: Birgit Flache, Kreativetherapeutin und Barbara Schmidt Körpertherapeutin

Frauensport: Team der Physiotherapie - PRZ Letow / Präventiv- und Rehabilitationszentrum 

  

 

Natürlich gibt es noch weitere Angebote und Therapien. Auf Grund meiner Konstitution habe ich diese aber nicht in Anspruch genommen. Ich habe eine erste Stabilisierungsphase absolviert. In dieser waren, für mich, alle verbalen Gruppentherapien und eine Traumakonfrontation ausgeschlossen.

 

Weitere Therapien/Sportangebote:

Fertigkeitentraining

Psychoedukation

Themenzentrierte Gruppe

Imagination Gruppe / Einzel

Progressive Muskelrelaxation

Yoga, Tai-Chi, Boxen, Bogenschießen

 

Weitere Psychotraumatherapien, mit folgenden Behandlungsformen:

IRRT (Imagery Rescripting and Reprocessing Therapy) nach M.Smucker

EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing Therapy) nach F.Shapiro

Screen-Technik nach L. Besser

Stabilisierungstechniken nach L. Reddemann.

TRIMB (Trauma Rekapitulation with Imagination, Motion and Breath) nach I. Olbricht  


Meine Wegbegleiter


1. Woche vom 26.10.-31.10.2016

Ich bin angekommen und doch würde ich am liebsten sofort wieder nach Hause fahren. Ich vermisse Michael und mein Schneckenhaus ganz schrecklich.

Die ersten Tage, es passiert noch nicht so viel und doch ist es für mich viel zu viel. Das beginnt schon früh am Morgen. 6.45 Uhr klingelt der Wecker, raus aus dem Bett, ins Bad, anziehen, dann Kaffee kochen gehen, Medikamente abholen. Es ist die reine Quälerei für mich. Wie gern würde ich noch schlafen, mein Kopf verweigert meistens auch noch seinen Dienst und ich fühle mich wie nach einem Marathon. Dann gehe ich auf den Hof, mit meiner Tasse Kaffee um in Ruhe da zu sitzen und zu rauchen. Meistens sind aber auch schon zu dieser Zeit andere Leute auch da. Grrrr. Dann ist erste Frühstückszeit und es wird für 10 Minuten ruhiger. Das ist meine Zeit, ganz allein auf dem Hof. Nur ich, mein Kaffee und die Zigarette. Danach kommt dann meine Frühstückszeit. Ich gewöhne mich daran etwas zu essen. Das Schlimmste ist aber, das natürlich auch alle anderen Patienten da sind und sich leise unterhalten. Ich muss anstehen, Essen holen, am Tisch mit anderen sitzen, mich auf der Liste eintragen, essen obwohl ich eigentlich nichts essen möchte. Jeden Morgen das gleiche Drama und ich würde mich am liebsten einfach nur verkriechen.

 

Ich habe in dieser Woche 2 Einzeltherapien gemeistert, hatte meine Vorstellung bei der Allgemeinärztin, meine Patin hat mir die Klinik gezeigt, die erste Stunde Psychoedukation, den ersten Wochenausklang miterlebt und die erste Visite bestanden. Es sind noch nicht so viele Termine gewesen, doch war es für mich unwahrscheinlich anstrengend. Ich fühle mich bein meiner Therapeutin gut aufgehoben. Meine wackelnden Beine und mein Fingerbiegen fallen natürlich sofort auf. Es stört andere. Um das Fingerbiegen zu vermeiden, bekomme ich den Auftrag mir Akkupunkturbälle zu kaufen.

 

Ich versuche im Tagesablauf nicht aufzufallen, mich nicht Abseits zu halten. Aber es fällt mir sehr schwer, dauernd die Menschen um mich herum zu ertragen und mich auch zu unterhalten. Ich habe den Eindruck ich bin irgendwie anders. Um mich herum unterhalten sich die Leute und lachen auch mit einander. Für mich ist einfach nur anstrengend, guten Morgen, guten Morgen …. immer ein Lächeln im Gesicht …. Ach könnte ich doch einfach nur still sein. Ich sehnen mich nach Ruhe, nach allein sein, nach Stille mit mir selbst.



Meine Therapie - Motivations - Dose

In den ersten Tagen konnte ich vor dem Frühstück keinen Kaffee trinken, da die Kaffee - Theke in Lobby erst danach öffnet. Das war für mich die Hölle. Michael brachte mir eine Thermoskanne und eine Kaffeedose vorbei. Jetzt kann ich nun jeden Früh in der Teeküche meinen Kaffee kochen. Puh, das ist so toll.

Die Kaffeedose ist der Knaller, ich kann darauf schreiben. Dazu hatte ich sofort eine Idee und so bat ich meine Facebookfreunde mir ein Wort zu posten für die Dose. Es dauert gar nicht lange und ich hatte so viele Wörter, dass die schwarzen Flächen nicht ausreichten. Aus meiner Kaffeedose ist so eine wunderschöne Motivationsdose geworden. Ich bin sehr stolz darauf.


Ich bin anders

 

Ich bin hier und doch nicht hier.

Ich fühle mich leer und antriebslos, bin schlapp und müde.

Ich quäle mich am Morgen.

Ich sehne mich nach meiner Morgentasse Kaffee, in aller Ruhe.

Ich sehen mich nach Stille und langsamen Tageseinstieg.

Und doch stehe ich auf, wenn der Wecker klingelt.

Und doch gehe ich ins Bad, mich Tagfertig machen.

Ich schau mich nicht im Spiegel an, warum auch.

Ich bin so leer, ich bin so lustlos, ich bin so schlapp, ich bin so....

Ich bin anders.

 

Mein Kopf und mein Körper streiken noch und doch muss ich los.

Jeder Gedanke, jeder Schritt ist zu viel.

Ich sitze auf dem Hof mit meinem Kaffee, nicht allein, aber ganz weit weg.

Ich sitze da und versuche mich zu finden.

Frühstück, eine Qual am Morgen.

Ein Raum mit vielen Menschen, Frühstück holen …

Guten Morgen, guten Morgen, guten Appetit, ich wünsche einen schönen Tag....

Oh ja und am liebsten würde ich mich verkriechen.

Ich setze mein Lächeln auf und bring es hinter mich.

Ich möchte nicht unhöflich sein und nicht auffallen.

Ich bin nicht ich, ich funktioniere.

Ich sehne mich nach Ruhe, nach Einsamkeit am Morgen.

Ich bin anders.

 

Ich sehe die Menschen.

Sie sitzen beisammen, grüßen freundlich, lächeln,lachen fröhlich.

Sie unterhalten sich frisch und frei. So scheint es mir.

Sie haben Gefühle, sie freuen sich, sie lachen und sie weinen.

Sie nehmen mich auf, begrüßen mich, erzählen mir, fragen mich.

Sie gehen mit einander spazieren, fahren in die Altstadt....

Ich funktioniere, ich lächle und unterhalte mich.

Es strengt mich an, weil ich es nicht möchte und doch tue.

Ich möchte nicht auffallen, mich nicht ausgrenzen.

Ich wäre so gern einfach nur still.

Ich würde so gern einfach nur so vor mich hin sinnen.

Ich bin anders.

 

Ich laufe hier hin und dort hin..

Achte auf die Zeit, pünktlich sein, anwesend sein.

Überall sind Menschen. Mal weniger, mal mehr.

Überall kann ich reden, zuhören, aufnehmen, teilnehmen …

Es fällt mir so schwer. Ich wär lieber still.

Die Welt ist so laut, so bewegt, so aktiv, so …

Ich komme nicht mit.

Mein Kopf schreit nach Ruhe und Stille.

Kein hier und kein da, kein Menschengewimmel.

Ich bin anders.

 

Und doch bin ich hier, weil ich es will.

Ich möchte das Eine, dass ohne das Andere nicht geht.

Ich möchte loslassen lernen, ich möchte verarbeiten.

Ich möchte mich selbst lieben lernen, mich selbst achten.

Ich weiß, es ist eine Chance Gefühle frei zu lassen.

Ich weiß, es ist eine Chance die Vergangenheit endlich zu begraben.

Ich weiß, es ist eine Chance auch Trauer anzunehmen.

Ich weiß, es ist eine Chance besser zu leben.

 

… und doch ist mir diese Welt zu laut.

 

29.10.2016


Sonntag - Nachmittag in der Altstadt

 30.10.2016

Dann bin ich zu Hause. Mein geliebter Balkon hat mich wieder und wir unterhalten uns eine ganze Weile. Michael kocht Mittagessen und ich suche zusammen was ich noch so mitnehmen möchte. Dann fahren wir in die Altstadt bummeln. Die Sonne wirft heute ein schönes Licht. In der Münzgasse setzen wir uns beim „Kutscher“ zur Kaffeepause. Ich bin hier so gern. Wir bestellen für Heilig Abend 2 Plätze zum Abendbrot und überlegen schon mal wie wir diesen Tag verbringen. Ein schöner Nachmittag.


2. Woche vom 31.10.-06.11.2016

Wieder ist eine Woche vorbei. Der Morgenbeginn ist immer noch eine Quälerei. Hier ist einfach kein ruhiger, stiller Morgenbeginn möglich. Immer sind Leute auch schon da. Auch wenn ich morgens meist nur „Guten Morgen“ raus bekomme, ist es für mich schon anstrengend nicht allein zu sein. Ich würde mich jeden Früh am liebsten weg beamen. Ich fühle mich den ganzen Tag angestrengt, gefordert, überfordert und müde. Ich nutze jede Gelegenheit am Morgen, noch einmal zu schlafen. Ich habe große Mühe den Tag durch zu halten, ich bin so schlapp, so energielos, so … es ist so schwer. Es fällt hier, glaube ich, niemandem auf, das ich anders bin. Ich funktioniere gut, aber wie lange noch. Wie lange werde ich es aushalten. Alles in mir schreit nach Stille und Alleinsein.

 

In der Einzeltherapie haben wir diese Woche meinen Lebensweg besprochen. Das Thema Arbeit hat mich geschafft. Es hat ganz viel Angst wieder hervor geholt. Natürlich waren auch die anderen Themen nicht ohne. Ich habe es aber geschafft darüber zu sprechen. Jetzt fahren die Gedanken zu diesen Themen Karussell in meinem Kopf, alles durcheinander und die Angst bleibt in mir. Ich versuche mich dauernd im Computer zu beschäftigen, damit ich sie im Zaum halten kann.

 

In dieser Woche habe ich mit dem Sporttraining begonnen. Ich habe für mich beschlossen die komischen Geräte auszulassen und lieber das Fahrrad und das Laufband zu benutzen. Darüber hinaus habe ich die Einführung in die Imaginationstherapie und in die Ergotherapie gemacht und Informationen zum Notfallkoffer erhalten. Die erste Gruppenfreizeit war nicht der Bringer. Es waren nur vier Leute da, aber die Geschichte vom Löwenzahn und Haselbusch war sehr schön. Freitag standen dann der Wochenausklang und das Fertigkeitentraining auf dem Plan.

 

Die ganze Woche über habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie ich meine Beine still bekomme. Irgendwie liegt der Fokus im Moment darauf, dass meine Beine nicht mehr wackeln sollen. Ganze fünf Jahre wackeln sie nun schon vor sich hin und nun sollen sie es nicht mehr. Durch einen Zufall habe ich dann entdeckt, wie ich sie für eine Weile ruhig stellen kann. Ich muss mir eine voll gepackte Tasche zwischen die Füße stellen und diese dann festhalten. Es ist sehr anstrengend die Spannung dort zu halten und ich glaube auf Dauer kann ich es einfach nicht. Meine Beine wollen wackeln und ich brauche zu viel Aufmerksamkeit dies zu verhindern. Aber so lange meine Beine so wackeln, werde ich in keiner Gruppentherapie dabei sein, weil es andere stört.

 

Ja, der Kontakt zu den Rauchern klappt einigermaßen. Mit Ute und Heike verstehe ich mich sehr gut. Ich kann sie auch annehmen. Ich hoffe sehr, dass bleibt auch so und wird es mir nicht zu viel. In meinem Inneren möchte ich immer noch Stille und Alleinsein. Ich sehne mich nach meinem Schneckenhaus. Dazu sind in dieser Woche auch zwei Damen gekommen, die unmöglich sind. Laut, habe zu allem was zu erzählen, hecheln über die Klinik und ihren Therapeuten, erzählen über andere Patienten. Grrr, solche Menschen will ich einfach nicht um mich haben und doch muss ich sie ertragen, da sie leider auch Raucher sind.

 

Die schönsten Momente sind die, wenn Michael vorbei schaut und wir eine halbe Stunde spazieren gehen. Abends ist dann aller meistens nicht mehr viel mit mir los. Ich bin einfach nur völlig fertig vom Tag. Im Moment wird mein Rucksack immer schwerer, er erdrückt mich. Ich kann mich nicht wehren. Warum kann ich ihn nicht wegwerfen? Ich will das nicht mehr.


Angst, wo kommst du her?

Heute hatte ich Sporteinweisung.

Und plötzlich warst du da.

Einfach so und aus dem Nichts.

Ich fühlte mich gefangen.

Ich fühlte mich eingeengt, erdrückt, gefesselt.

Du kamst in einer Welle, einfach so.

Ich kenne dich von früher.

Du hast mir oft Todesaussicht gegeben.

Wie oft hab ich gedacht, ich überlebe es nicht.

Wie oft hab ich gedacht, ach wäre es doch vorbei.

Ein Schlag noch und dann wäre Stille, für immer.

Ich bin geflüchtet, raus aus der Situation.

Und doch habe ich weiter gemacht.

Nein, du bekommst deine Macht nicht wieder.

Und doch hast du deinen Druck auf der Brust hier gelassen.

Ich hasse dich, ich will dich nicht. Angst, warum bist du wieder da?

 

01.11.2016


Notfallkoffer – Skillstraining

  • Etwas bei sich haben (kleines Format, Gürteltasche, Kosmetiktasche …).
  • Gut aufzumachen oder kleine Gegenstände überall in Kleidung oder Taschen verteilen.
  • Zu Hause gut zu erreichen, an einem festen Platz.
  • Bonbons
  • Kieselsteine
  • raue und weiche Bürstchen
  • Duftöl
  • kleines Stofftier
  • Handgelenk-Gummi
  • Murmeln
  • Rauschmuschel (Meeresrauschen)
  • kleine Figur
  • Perlenkette
  • u. v. m.

Achtsamkeitsübungen

Hören: Welche Geräusche sind in diesem Augenblick um mich herum? (15 Sekunden bis halbe Stunde). Nur auf ein bestimmtes Geräusch achten, wenn ich mich mit allen gleichzeitig überfordert fühle (z.B. nur auf Vogelstimmen, nur auf die Autos, nur auf die Menschen …)

In einer bestimmten Situation (beim Duschen, einschlafen...) auf die Geräusche achten.

 

Sehen: Was in diesem Augenblick um mich herum geschieht (evtl. Auswählen worauf ich achten will) z. B. im Cafe´, beim Spaziergang …

 

Atem: Aufmerksames / bewusstes ein- und ausatmen im Gehen und in Ruhe, Atemzüge zählen und versuchen, das Ausatmen zu verlängern. Tiefes ein- und ausatmen und dabei auf den Bauch achten: Die Hand auf den Bauch legen und dabei prüfen, ob sich die Bauchdecke hebt bzw. senkt. Atemzüge zählen, nur bis 10, da sonst fehlerloses Zählen zu wichtig werden könnte.

 

Was -Fertigkeiten

Beschreiben: Mit vielen Adjektiven, möglichst ohne Wertung, das beschreiben, was ich außerhalb oder innerhalb von mir wahrnehme. Dabei Gefühle als Gefühle und Gedanken als Gedanken benennen.

 

Quelle: Therapieunterlagen - Klinik am Waldschlösschen (mein Auszug daraus)


Samstag - Nachmittag, bei Regen in der Neustadt


3. Woche vom 07.11.-13.11.2016

Auch in dieser Woche, ist jeder Morgen einfach nur eine Qual. Meistens sind in den ersten Hofzeiten mit meinem Kaffee schon Leute da. Sie alle versprühen Energie und unterhalten sich. Und ich, ich möchte am liebsten ganz weit weg sein. Ich bin müde, kaputt und energielos. Es gelingt mir diese Woche schon besser, den morgentlichen Trubel auszuhalten. Ein Glück gibt es aber auch Ute und Heike.

Ich bin immer froh, wenn ich bis zur ersten Therapiestunde noch Zeit für ein Schläfchen habe. Es gelingt mir manchmal am Vormittag und manchmal am Nachmittag.

 

In der Einzeltherapie waren diese Woche wieder meine „Ticks“ und dazu meine Ressourcen Thema.

Das Thema gibt mir das Gefühl nicht gerade viele positive Ereignisse in meinem Leben gehabt zu haben. Wahrscheinlich war es einfach viel zu nebensächlich, als das der Kopf es hätte speichern wollen. Aber vielleicht war er auch schon zu voll, von all den unerfüllten Sehnsüchten in mir. Die negativen Dinge waren einfach zu prägend, so hat er viele positive Erfahrungen, die es ganz bestimmt auch gab, einfach gelöscht. Das Thema Arbeit lässt mich erkennen, das meine Chefin es nicht geschafft mich zu zerstören und das ist gut so. Ja, ich darf so sein wie ich bin. Es ist immer noch etwas in mir, was mich nicht aufgeben lässt. Meine „Hausaufgabe - Ressourcen“ zeigte mir wieder einmal, dass ich mich selbst überhaupt nicht einschätzen kann. Fragen, was andere an mir mögen oder woran ich erkenne, dass ich ein wertvoller Mensch bin, kann ich nicht beantworten. Ich weiß es nicht. Bin ich denn wertvoll? Bin ich wirklich gut, wie ich bin? Bin ich gut genug? …..

 

Bei der Arbeit an meinen Ticks bin ich überfordert. Es ist einfach zu viel auf einmal: auf die Beine achten - damit sie nicht mehr wackeln, auf die Hände achten - damit ich nicht meine Finger verbiege, auf meine Stimme achten, auf meine Blick achten – den Menschen ins Gesicht schauen, darauf achten wann der Druck im Kopf zunimmt – um Dissoziationen zu vermeiden. Ich habe schon mit meinen Beinen zu tun. Es gelingt nicht wirklich sie in Zaum zu halten. Für eine Weile gelingt es, aber dann wollen sie befreit wieder wackeln. Mich stört es auch meistens nicht, aber eben doch, wenn ich in der Straßenbahn oder im Restaurant sitze.

Dann gab es in dieser Wochen noch die Einführungsveranstaltung der Klinik, die ein paar Fragen bzw. bestimmte Verhaltensregeln geklärt hat. Die Einführungsveranstaltung zur Drama-Theater-Therapie hat mir gut gefallen. Das möchte ich gern ausprobieren. Leider muss ich warten, da es für diese Therapie eine Warteliste gibt. Die erste große Visite habe ich auch hinter mich gebracht. Visite – ja meine Ziele und woran arbeite ich. Ich fühle mich wie zur Prüfung und hoffe die ganze Zeit, das es schnell vorbei geht. Bin froh, als gesagt wird: das war es schon.

 

Die erste Stunde Ergotherapie war für mich, überraschender Weise, auch anstrengend. Ich habe angefangen eine Schnecke aus Pappe/Zeitung zu modellieren. Diese wird dann mit buntem Papier, das mir hoffentlich die Dänemarkfreunde schicken beklebt. Der Beginn der Stunde war für mich sehr gewöhnungsbedürftig. Die vielen unterschiedlichen Geräusche, Nähmaschine und das schleifen und feilen von Speckstein... Nach einer Weile wurde es besser. Ich beginne mit meiner Schecke und bin erstaunt wie unruhig ich bin. Meine Finger oder die bekleisterte Zeitung wollen nicht so wie ich will. Ich glaube, ich stelle mich an wie der erste Mensch. Aber irgendwie nimmt die Schnecke Form an.

 

Dienstag und Donnerstag ist Sport. Je nach Tagesform schaffe ich mehr oder weniger Sportzeit. Ich denke es ist ok so, wie es ist – es kann nur besser werden.

 

Freitags ist Wochenausklang und Fertigkeitentraining am Vormittag. In dieser Woche ein Desaster, vor allem das Fertigkeitentraining mit der Übung „NEIN- SAGEN“. Ich habe das laute NEIN nicht ausgehalten. Fluchtartig verließ ich den Raum. Eine Weile später nahm ich an der Runde wieder teil. Zum Schluss der Stunde kam dann noch eine Dissoziation, irgendwas lies mich fürchterlich erschrecken. Meine Angst saß unter der Kopfhaut. Die Stunde war die Hölle und ich kann nicht einmal sagen warum. Es war doch nur ein Thema. Ich bin völlig von den Reifen. Vielleicht war die Woche insgesamt zu viel und mein Kopf hat gesagt, jetzt ist Schluss. Ich weiß es nicht.

 

Zum Glück ist die Woche vorbei. Ich habe keinen Plan wie ich das alles noch mehrere Wochen schaffen soll. Ich fühle mich zerschlagen und überfordert. Beine, Hände, Stimme, Augen – ich habe Angst das ich versage. Es sind zu viele Dinge auf einmal und ganz andere Dinge wie in meiner Verhaltenstherapie. Auf all diese Dinge musste ich noch nie achten. Sind das alles Dinge die meine Depression verbessern, Dinge die mich gar nicht belastet haben? Ich weiß gerade überhaupt nicht wo ich stehe.

 

Was sonst noch passierte:

Ich bin gern mit Ute und Heike zusammen. Sie sind so fröhlich und verbreiten so viel Energie, dass ich neidisch werden könnte. Ich mag die Beiden sehr. Leider wird Heike am Dienstag nächste Woche die Klinik verlassen. Aber ich bin sehr froh, dass ich sie kennen lernen durfte. 

 

Ich hatte Post. Uwe aus der Dänemarkgruppe hat mir einen tollen Dänemarkkalender geschickt und Rita einen rot/weißen Dänemarkjulestern. Es sind auch erste Briefe mit buntem Papier angekommen.

 

Freitag Abend war überraschend Michael, auf einen Spaziergang da. Das hat mir sehr gut getan und mich mit dem Tag versöhnt. Als er wieder losfahren wollte, stand Michaela vor der Klinik. Das war so schön. Wir hatten uns so lange nicht gesehen und es war als wäre es gestern gewesen. Sie brachte mir mein Geburtstagsgeschenk und mein Ostergeschenk vorbei. Nun stehen zwei Osterhasen in meinem Zimmer. Bis zum Abendbrot haben wir die Zeit gemeinsam verbracht. Einfach schön.

 

Am Wochenende gönne ich mir Ruhe. Nach dem Frühstück schlafe ich bis Mittag. Michael kommt und wir sind Samstag in der Altstadt und Sonntag im Schlosspark Pillnitz unterwegs. Ich bin froh, dass ich ihm nicht abgesagt habe. Ich war wenigstens 2 Stunden draußen, an der frischen Luft.

Ansonsten wird aber auch am Wochenende nicht viel. Ich bin fertig, müde, energielos, angestrengt, mit mir ist einfach nichts los. Ich fühle mich leer und lebensfremd.


Fertigkeitentraining

Das Fertigkeitentraining besteht aus den vier Modulen: Innere Achtsamkeit, Umgang mit Gefühlen, Stresstoleranz und Zwischenmenschliche Fertigkeiten. Das Fertigkeitentraining hat Workshop-Charakter, der Schwerpunkt liegt auf dem Lehren von Fertigkeiten.

 

Was ist ein Skill?

Jedes Verhalten, das in einer schwierigen Situation kurzfristig wirksam ist und dabei langfristig nicht schädlich ist, kann als Skill oder Fertigkeit verstanden werden. In der Therapie gehen wir davon aus, dass alle Menschen Skills verwenden, z. B. um morgens aus dem Bett zu kommen, zur Arbeit zu gehen, einzukaufen und soziale Kontakte aufrecht zu erhalten. Häufig verwenden Menschen die Skills ganz automatisch, ohne es zu wissen.

 

Alle Menschen verwenden Skills im Alltag!

Allein das Aufstehen ist meistens mit mehreren Skills verbunden:

  • Wir stellen einen Wecker, um rechtzeitig wach zu werden.
  • Statt darüber nachzugrübeln, was wir alles zu tun haben, konzentrieren wir uns ausschließlich darauf Kaffee zu machen

 

Fertigkeitentraining zum Thema: Zwischenmenschliche Fertigkeiten

Es werden die Basisfertigkeiten: Orientierung auf ein Ziel, Orientierung auf die Selbstachtung und Orientierung auf die Beziehung vermittelt.

Faktoren, die die soziale Kompetenz beeinträchtigen und solche, die sie fördern, werden identifiziert. Förderliche Selbstaussagen werden erarbeitet.

Ziel ist, dass PatientInnen auf eigenen Wünschen, Zielen und Meinungen bestehen können und dabei sowohl von anderen Menschen respektiert werden, als auch die eigene Selbstachtung aufrechterhalten.


Ich bin, ich kann … Wer bin ich? 

Ich bin Depressiv

Ja, ich bin Depressiv, also krank. Ein Mensch mit Behinderung.

Ich kann viele Dinge nur noch mit höchster Anstrengung und Überwindung erledigen.

Ich neige dazu viele Dinge negativ zu sehen, einschließlich mir selbst.

Doch wer bin ich wirklich? Was kann ich? Bin ich liebenswert?

 

Ich kann zufrieden sein, mit dem was ich habe. Hab alles was ich brauche.

Ich kann meinem Mann, jeden Tag, von ganzem Herzen sagen: ich liebe dich.

Ich kann von ganzem Herzen meinen Mann und unsere Kinder (meine und seine) lieben.

Ich kann unsere Wohnung hyggelig machen, mit Dänemarkerinnerungen dekorieren.

Ich kann mit Fotos die schönen Dinge in unserem Leben malen.

Ich kann mit Fotos Geschenke basteln und anderen eine Freude bereiten.

 

Ich kann wunderbar schlafen und den Tag mit Nichts verbringen.

Ich habe eine Meinung und steh dazu. Ich sage ehrlich was ich denke.

Ich kann mich entschuldigen, wenn ich einen Fehler gemacht habe.

Ich kann in Worte fassen, was ich lieber fühlen würde.

Ich kann gut Stimmungen und Situationen beschreiben, besser als reden.

Ich kann gut auf mein Äußeres achten, wenn die Welt mich sieht.

Ich kann gut am Strand und durch die Dünen laufen.

Ich kann gut am Meer sitzen, am besten in Dänemark.

 

Ich kann mich gut freuen, wenn du dich freust. Mich über Kleinigkeiten freuen.

Ich kann dir zuhören, weil ich weiß wie es ist nicht reden zu können, wenn man reden muss.

Ich kann auch in schwierigen Situationen mitfühlen, weil ich weiß wie es ist am Ende zu sein und den Himmel vor Angst, Wut und Trauer anzuschreien, weil keiner da ist.

Ich kann dir das Gefühl vermitteln nicht allein zu sein, weil ich weiß wie es ist allein zu sein.

Ich kann dir raten, meine Meinung sagen und dir Mut machen, wenn du es brauchst.

Ich kann dir ein Freund sein und nehme mir für dich Zeit.

Ich kann für dich da sein, wenn du mich brauchst.

 

Ich kann gut meine Facebookseite führen.

Ich kann gut meine große Facebookgruppe der Dänemarkfreunde gestalten.

Ich habe Fantasie, kann imaginäre Spaziergänge mit den Dänemarkfreunden unternehmen.

Ich habe gute Ideen, Tipps und Fotos für die Dänemarkfreunde.

 

Ich kann so vieles.

Und doch denke ich es ist nicht genug.

Es sind nur Dinge die nebensächlich sind.

Ich zweifle an mir und kann mir nur schlecht ein Freund sein.


In dieser Woche schneit es in Deutschland und Dänemark. Hier in Dresden ist es nur sehr kalt. Auf Facebook bekomme ich diese Bötchen, mit lieben Grüßen aus Dänemark geschickt. Freu.


Ressourcen - Sammlung

Was kann ich gut?

Worauf bin ich stolz?

Besonders gerne mache ich …

Die anderen mögen an mir …

Was habe ich bisher alles durchgestanden?

Bei welcher Gelegenheit bin ich Risiken eingegangen?

Meine intensivsten, angenehmsten Erfahrungen bisher waren …

Wenn ich mich erholen möchte, mache ich …

Ich kann mir vorstellen, dass ich noch Folgendes in meinem Leben erreiche …

Woran lässt sich erkennen, dass ich ein wertvoller Mensch bin?

 

Quelle: Therapieunterlage - Klinik am Waldschlösschen


Sonntag Nachmittag im Schlosspark Pillnitz


4. Woche vom 14.11. - 20.11.2016

Schon wieder ist eine Woche vorbei.

Noch immer ist der Tagesbeginn für mich eine Qual – der Wecker klingelt, raus aus dem Bett – ins Bad – dann Kaffee kochen und Medikamente holen – dann die Hofpause mit Kaffee und Zigarette, in der ich selten allein bin. Mal ist die Hofpause ruhig und mal geht es zu wie auf dem Hühnerhof, was dann für mich sehr anstrengend ist. Dann kommt das Frühstück im Frühstücksraum – voller Raum – anstehen – Stühle scharren – Besteck und Geschirr klirrt – Essen holen – Guten Morgen – Guten Morgen – Guten Appetit – Lächeln - das Gemurmel der Unterhaltungen. Das einzige was gut ist, ist das es schmeckt, ich mich auf den frischen Quark mit frischen Obstsalat (der hier ganz toll ist) freue und an meinem Tisch liebe Patientinnen sitzen. Aber ich bin immer froh, wenn ich den Raum verlassen kann. Zum Mittagessen und Abendessen ist es das selbe Spiel, aber da ist leichter für mich zu ertragen.

 

In dieser Woche habe ich, zu Wochenbeginn sehr mit mir gehadert. Immer wieder stellte ich mir die Frage warum hier vieles auf meine „Ticks“ ausgerichtet ist. Ich fühlte mich damit völlig überfordert. Anke half mir dann den Blickwinkel zu wechseln. Nicht hadern mit dem was gerade passiert, sondern dankbar sein für das, was passiert. Ja, ich bin dankbar in der Klinik sein zu dürfen und dass mein Therapieplan noch nicht so voll ist. Ich habe noch viel Zeit für mich allein und das ist gut so.

 

Obwohl diese Woche Vertretung der Einzeltherapie war, hatte ich drei Termine. Mit dem Therapeutenwechsel hatte ich kein Problem. Mein erster Termin begann unvorhergesehen etwas später, so dass ich vor dem Raum saß und wartete. Mein Haltung war zeitweise nicht die beste – ich war im glatten Plastesessel nach vor gerutscht und hatte die Beine lang ausgestreckt. Als ich es bemerkte und mich wieder ordentlich hinsetzen wollte, fiel mir etwas auf. Meine Beine waren ruhig, in dieser Position. Ja, nun sitze ich in den Gruppen - Therapien „leicht lässig“ auf dem Stuhl und muss aufpassen, dass niemand auf mich drauf fällt. In einer Einzeltherapie sprach ich darüber wie ich jetzt so lebe, wann es mir gut geht, wann ich mich belastet fühle, wie es geht im Umgang mit anderen Personen. Ich war sehr froh darüber sprechen zu können, zu sagen wie es mir ergeht und womit ich so kämpfe. In der anderen Stunde waren die Depression, Kindheitserlebnisse und der Tod von Daniele Thema. Zurück schauen um nach vorn zu gehen. Ja, das ist es was ich möchte. Nachschauen, was da an guten und schlechten Erinnerungen ist. Dabei bin ich nicht allein. Ich werde aufgefangen, durch Fragen wie: Was fühlen sie gerade in sich? Wie geht es ihnen jetzt damit? Ich kann selbst erkennen, das ich noch immer verletzt bin, mich noch immer gedemütigt fühle, noch immer auf ein liebes Wort hoffe. Wie ich den Tod meines Kindes überlebt und ertragen habe, weiß ich nicht. Das Leben ist einfach weiter gerannt und ich war irgendwie dabei. Ja, ich habe es verdrängt, wie so viele Dinge in meinem Leben. Ich bin immer davor weggelaufen. Jetzt hier in der Traumatherapie hoffe ich meinen inneren Frieden, meine Trauer und meine Gefühle wieder zu finden. Die Erinnerungen werden immer da sein, aber ich hoffe sie werden mich nicht mehr so bedrängen.

 

In der Sporttherapie schaffe ich diese Woche an beiden Tagen 40 min Laufband / Fahrrad. Ich bin es zufrieden.

 

Donnerstag war wieder Gruppenfreizeit. Ich weiß noch nicht so richtig, ob ich mich dem Streß weiter aussetze. Leider funktioniert die Gruppe nicht gut und es ist eine komische Spannung im Raum. Keiner weiß so richtig was wir machen bzw. machen wollen. Dies mal spielten wir ein Ratespiel. Es gab einen Begriff der an die Tafel gemalt und erraten werden musste. Ich habe mitgespielt, Dinge erraten und gemalt. Aber Spaß hat es mir nicht gemacht, es hat mich angestrengt. Meine Gedanken mich zurück zu ziehen, aus der Situation heraus zu gehen sind immer bei mir.

 

Schnell war wieder der Freitag da. Wochenausklang und Fertigkeitentraining standen auf dem Plan. 3 Tage habe ich, immer wieder, überlegt was ich im Wochenausklang sagen will. Aber so richtig fiel mir nichts ein. Ich bin immer sehr froh, wenn die Woche zu Ende ist, da es für mich insgesamt sehr anstrengend ist. Zum Glück ist diese Runde nur eine halbe Stunde lang und ich bin froh wenn es vorbei ist.

 

Das Fertigkeitentraining habe ich diese Woche ohne Ausfall geschafft. Wir haben das Ja -Sagen geübt. Zu Beginn der Übung war die Entscheidungsfindung zur Ausführung der Übung ein schwieriges Thema. Irgendwann war es zu viel für mich und mein Kopf ging aus dem Thema. Ich konnte dem hin und her einfach nicht mehr folgen. Die Übung an sich, mit den Haltepunkten - Wie sage ich – Ja - ? Wie kommt mein – Ja - beim Gegenüber an? Wie geht es mir mit dem – Ja -? - war dann einfacher.

Es ist erstaunlich für mich, was ich bei einem Ja wahrnehmen kann. Ein klares – Ja - darf für mich keine Unsicherheit spüren lassen. Wenn Unsicherheit im Hintergrund ist, kommt das – Ja - nicht ehrlich an. Wichtig ist mir auch, dass die Frage klar gestellt wird. Ein deutliches - Ja - zeigt Selbstbewusstsein. Wenn ich aber unsicher bin, Angst habe, dann wird aus dem – Ja - auch schnell ein – Nein -. Eine Übung zum Thema: Entscheidungsfindung wäre, glaube ich, wichtig. Denn die Schwierigkeit liegt für mich nicht im – Ja - oder – Nein - sondern in der Entscheidungsfindung dazu. Warum sage ich – Ja -? Für wen sage ich – Ja -? Tut es mir gut, wenn ich - Ja – sage? Sage ich zu schnell – Ja – und bereue es hinter her? Sage ich – Ja – weil es der andere erwartet? Darin liegen für mich die Probleme, egal ob – Ja – oder – Nein -.

Nach dieser Stunde ist Wochenende, ein Glück.

 

Ich weiß, das mein Rucksack erst einmal schwerer wird, aber damit um zu gehen ist die andere Sache. Ich kann gut schlafen. Doch in meinen Träumen tummeln sich viele Bilder und mein „Kinofilm“ läuft auch noch. Ich bin ständig auf der Flucht oder auf der Suche nach dem Weg, den ich nie zu finden scheine. Der Druck von meinem Rucksack macht mir das Leben schwer. Meine Gedanken sind oft im Irgendwo und Überall. Immer ist der Wunsch nach Rückzug da. Ich liebe meine Stille und mein Alleinsein. Hier kann ich aber nicht wirklich ICH sein. Ich versuche überall dabei zu sein und mit zu halten. Ich möchte nicht im Abseits stehen oder auffallen. Es ist so schwer dieses Leben, das so einfach scheint. Ich bin anders. Selbst recht ruhige Tage oder so ein Feiertag mit Michael sind für mich anstrengend und ich bin abends völlig platt. Ich schaue jeden Tag ein wenig Facebook, doch so richtig kommt nichts bei mir an.

 

Ich habe hier natürlich auch liebe Menschen kennen gelernt. Es wäre schlimm, wenn das nicht so wäre. So richtig gut fühlt sich das aber für mich noch nicht an. Immer noch sind die Fluchtgedanken da. Besonders mit Ute bin ich oft zusammen. Wir finden oft den gemeinsamen Faden. Wir nehmen uns wie wir gerade sind, achten uns. Ich glaube das tut mir gut. Ich bin gern mit ihr zusammen.

 

Das Wochenende brachte den Einbruch. Samstag ging überhaupt nichts. Ich konnte kaum auf den Beinen stehen und wollte einfach nur: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Ich habe fast den ganzen Tag verschlafen. Am Abend wurde es dann besser. Der Sonntag war dann wieder besser. Ich bin aber froh, dass ich auch den Sonntag den Vormittag verschlafen kann und ansonsten viel allein bin. Meine Kräfte sind am Ende. 

 

Was sonst noch passierte:

Mittwoch in dieser Woche war Feiertag. Ich war ein wenig zu Hause und habe mein Schneckenhaus besucht. Michael hat lecker gekocht. Dann sind wir im Regen durch die Altstadt gebummelt und ich habe eine Kerze, in der kath. Hofkirche, angezündet.

Sonntag Abend war ich mit Michael zu heiligen Messe in der kath. Hofkirche Dresden. Danach haben wir lecker Krautwickel im „Kutscher“ gegessen. So war Danieles Geburtstag etwas Besonderes. Das war schön.

 

Ich habe auch in dieser Woche ganz liebe Post von den Dänemarkfreunden bekommen. Ganz liebe Grüße, Karten, buntes Papier, einen Adventskalender und ein super tolles Dänemarkherz.


Bummel in der Altstadt

16.11.2016

Heute ist Feiertag in Sachsen. Heute bin ich für ein paar Stunden zu Hause. Es ist schön zu Hause zu sein. Ich genieße meine ruhige Kaffeezeit auf dem Balkönchen. Meine Geranien sind am Wochenende erfroren und lassen nun die Blüten hängen. Nach dem Mittagessen, sitzen wir zu Zweien auf dem Balkon und schwatzen über dies und das. Dann fahren wir in Altstadt. Leider fängt es ausgerechnet jetzt an zu regnen. Was solls. Wir kaufen einen großen bunten Schirm und bummeln eine Stunde lang durch die Straßen. Schön war es.


Ein Licht für dich

Ich habe heute ein Licht angezündet.

Dort unter den Engeln.

Dort wo ich mit dir reden kann.

Ich denke an dich, so oft.

Du bist in meinem Herzen.

Ich habe heute ein Licht angezündet, für dich.

 

Ich sehe dich in meinen Träumen,

wie du zu den Engeln gehst.

Du siehst so friedlich aus.

Aber du schläfst nicht, nein.

Du gehst deinen Weg zu den Sternen.

Mein Herz schreit.

 

Meine Seele schreit.

Ich habe heute ein Licht angezündet, für dich.

 

 

 

 

 

 

Dein letzer Atemzug, ich hör ihn, immer wieder.

Es sind keine Tränen mehr in mir,

die ich um dich weinen könnte.

Es sind keine Tränen mehr in mir,

die mir selbst verzeihen könnten.

Es sind keine Tränen mehr in mir,

die den Schmerz lindern würden.

Es bleibt nur die Sehnsucht nach dir.

Es bleibt nur diese Leere in mir.

Es bleibt nur die Frage: WARUM.

Es bleibt die Liebe zu dir.

Ich habe heute ein Licht angezündet, für dich.

 

Ich schaue in dein Gesicht - auf Fotos.

Ich sehe dein Lächeln - auf Fotos.

Ich sehe dich glücklich - auf Fotos.

Ich sehe dich sterben - in meinen Träumen.

Immer und immer wieder.

Ich fühle die grenzenlose Angst in mir.

Ich fühle diese Hilflosigkeit.

Ich fühle diese Machtlosigkeit.

Ich fühle die grenzenlose Leere die auf mich fällt.

 

Du bist gegangen.

Du bist mein Sternenkind.

Du bist mein Schutzengel.

Ich bin dankbar für die 2 Jahre mit dir.

Ich liebe dich mein Kind.

 

Ich habe heute ein Licht angezündet,

für dich Daniele.

 

 

16.11.2016



Und doch ...

Ich bin hier weil ich es so will und doch möchte ich nicht hier sein.

Ich habe Sehnsucht nach meinem Schneckenhaus.

Ich stehe früh am Morgen auf, will aber noch schlafen.

Ich sitze auf dem Hof mit Kaffee und Zigarette, nie allein.

Ich unterhalte mich mit dir, doch will ich lieber still sein.

Ich höre dir zu und doch schwirren meine Gedanken abseits.

Ich lächle dich an und doch ist es eine Maske.

 

Ich sitze in der Gruppe und doch will ich nicht hier sein.

Ich halte es aus und fühle mich sehr angestrengt.

Meine Aufmerksamkeit fährt Achterbahn.

Meine Anspannung steigt und die Handbälle kreisen.

Worte wandern durch den Raum. Worte und Empfindungen.

Ich bin im Raum und doch nicht da.

Ich höre die Worte, doch sie kommen nicht wirklich an.

Ich passe angestrengt auf, den Faden nicht zu verlieren.

Ich sitze da und bin leer, so gähnend leer. Es ist so schwer.

Ich funktioniere den ganz Tag, mehr oder weniger.

 

Ich verbiege mich um nicht aufzufallen.

Ich möchte nicht im Abseits stehen und doch sehne ich mich nach Ruhe und Allein sein.

Ich halte durch, es kostet mich alle Kraft.

Ich bin so anders, als die Menschen um mich herum.

Ich knüpfe Kontakte oder mit mir werden Kontakte gesucht.

Ich bin mit Menschen zusammen und doch auch wieder nicht.

Ich sehe die Menschen und möchte weg und doch gehe ich auf sie zu.

Ich kann mich mit ihnen gut unterhalten und doch strengt es mich an.

Manche von ihnen kann ich gut aushalten, andere nur sehr schwer.

Ich sehe ihr Lächeln und höre ihre lieben Worte und doch fehlt das gute Gefühl dazu.

Und doch denke ich, wenn die Zeit hier vorbei ist, gehen wir auseinander.

Ich bin froh, dass ich sie kennen lernen durfte, aber in meinem Leben ist kein Platz für sie.

Menschen sie gehen und kommen und ich habe Angst sie nah an mich heran zu lassen.

Ich kämpfe mit mir selbst jeden Tag.

 

In mir jagt die Angst durch das Blut.

In mir nagen die Zweifel an meiner Wahrnehmung.

In mir verfolgt mich der Widerstand gegen die Menschen.

In mir toben die Selbstzweifel, bin ich gut genug.

In mir rumoren die Stimmen die mir sagen, ich werde versagen.

In mir drängt mein Gehirn, komm lauf weg, ganz weit.

 

Ich möchte nicht mehr kämpfen und muss es doch tun, für mich.

Ich möchte bei mir selbst sein und bin es doch nicht.

Ich möchte mich selbst lenken und doch tun es andere.

 

Ich bin hier, um wieder ein Stück zurück in mein Leben zu finden.

Ich bin hier, um zurück zu schauen, um nach vorn gehen zu können.

Ich bin hier, um wieder ein kleines Stück Glück empfinden zu können.

 

Und doch bleibe ich, weil ich es will.

 

18.11.2016


Wenn das Leben mir zu viel wird

Der Wecker reißt, mich früh am Morgen, aus dem Schlaf.

Ich fühle mich total zerschlagen und mein Kopf will nicht.

Alles in mir schreit nach Ruhe, nach Schlaf, nach Allein sein, nach Stille.

Ich versuche, wie jeden Morgen, in den Tag zu finden.

Es gelingt mir nicht. Alles ist zu viel.

 

Ich sitze auf dem Hof, beim Kaffee und selbst der leichte Wind ist mir zu viel.

Ich sitze abseits und mein Mund schafft es irgendwie „guten Morgen“ zu sagen.

Ich sitze da und jeder Ton, jedes Geräusch schlägt mir ins Gehirn.

Ich bekommen die Augen kaum auf und richtig da bin ich nicht.

Es gelingt mir nicht. Alles ist zu viel.Menschen, sitzen neben mir, ich möchte das nicht.

Menschen unterhalten sich, ich möchte es nicht hören.

Menschen freuen sich und lachen, es schrillt in meinen Ohren.

Menschen laufen an mir vorbei, die Tür klackt, es ist mir zu hektisch.

Menschen grüßen mich und ich möchte nicht antworten, doch tue ich es.

Ich möchte hier weg, das Leben ist mir zu laut.

Alles ist zu viel.

 

Ich habe funktioniert, vier Wochen lang.

Ich habe es ausgehalten, dieses Leben.

Ich habe versucht mich anzupassen, an dieses Leben.

Ich habe die Therapien geschafft, auch die Gruppentherapien.

Ich war immer pünktlich und immer anwesend.

Ich habe mit Menschen gesprochen, ja auch gelacht.

Ich habe zwischen ihnen gesessen.

Ich habe gelächelt, gegrüßt, liebe Worte verteilt,

Menschen in den Arm genommen, mich unterhalten.

Alles ist zu viel.

 

Ich erleben die Menschen um mich herum, doch ich bin anders.

Ich kann nicht mithalten. Mich erdrückt es.

Ich erlebe Fröhlichkeit und fühle mich leer.

Ich nehme negative Spannungen war und meine Nerven surren angespannt.

Ich erlebe wie Menschen sich finden und finde selbst Menschen.

Ich fühle mich ausgebrannt, überfordert und schlapp.

Alles ist zu viel.

 

Das Leben ist laut, fröhlich, traurig.

Das Leben ist miteinander, ist reden, ist lachen.

Das Leben sind Töne, helle, dunkle, schrille, klicken, brummen, klappern und poltern.

Das Leben ist der Wind, die Wolken, die Sonne, der Himmel.

Das Leben sind Menschen, laute, leise, fröhliche, hechelnde, frustrierte...

Alles ist zu viel.

 

19.11.2016


Danniele im Krankenhaus - Weihnachten 1980

 Brief an mein Sternenkind

 

Liebe Daniele!

Heute wurdest du geboren.

Schon bei deiner Geburt schrillten die Alarmglocken.

Die Ärzte retteten dein Leben.

Dein kleines Herz war viel zu schwach.

Doch du wolltest leben.

Du hast gekämpft.

Ich durfte dich nur durch das Fenster sehen.

Du warst so unheimlich klein und dünn.

Deine Haut war bläulich gefärbt.

Ich habe dir alle meine Kraft gesendet.

Später durften wir dich besuchen.

Viele Monate lang.

Es waren Stunden voller Freude.

Dein Lächeln blieb in meinem Herzen.

Achte Monate vergingen und dann …

Dann durftest du nach Hause.

 

Endlich konntest du Tag und Nacht bei mir sein.

Endlich konnte ich dich jeden Tag sehen.

Sehen wie du lachst, wie du weinst.

Hören wie du erste Worts sprichst.

Deine ersten Schritte sehen.

Mein Sonnenschein, du wolltest leben.

Du warst ein fröhliches Kind, wie jedes andere Kind.

Du warst so gern bei Opa Tischler in der Werkstatt.

Die Hobelspäne haben dir gefallen.

Beim Wäsche auf hängen, warst du mit den Klammern im Spiel.

In der Posttasche bezirbtest du die alten Leute, die immer eine Gabe für dich hatten.

Du mochtest Gänseblümchen sehr.

Du sahst sie nur einen Sommer lang.

Mein Sonnenschein, du gabst mir die Freude im Leben.

Du gabst mir die Liebe im Leben.

Du warst alles was ich hatte. Mein Kind.

 

Ich möchte dich so gern noch einmal lachen sehen.

Ich möchte noch einmal so gern deinen Schmollmund sehen.

Ich möchte so gern noch einmal in deine blauen Augen sehen.

Ich möchte dich so gern in meine Arme nehmen, dir sagen wie sehr du mir fehlst.

Dir sagen: Ich liebe dich.

 

Mein Sonnenschein, du bist nicht mehr im Leben.

Du bist in meinem Herzen, ganz tief, ganz fest, ganz warm gehalten.

Mein Herz und meine Seele schreien vor Schmerz.

Wenn es eine Leiter in den Himmel gäbe, ich würde dich suchen.

Ich würde dich zurück holen. Doch diese Leiter gibt es nicht.

Mir bleibt die Sehnsucht nach dir, meine Liebe zu dir.

Die guten Erinnerungen werden immer blasser.

Nur der Tag, an dem du zu den Sternen gingst, ist deutlich in mir.

Ein schrecklicher Kinofilm, mit Bild und Ton, der in meinen Träumen läuft.

So oft höre ich deinen letzten Atemzug. So oft und es bleibt nur die Stille.

Es zerbrach in mir etwas. Mein Leben war nicht mehr das Gleiche.

Du warst nicht mehr da, ich wollte sterben.

Doch lebte ich weiter, irgendwie.

 

Und heute gehe ich in die heilige Messe.

Ich werde ganz nah bei dir sein.

In einer wunderschönen Kirche, die viele Engel hat.

Ich werde da sitzen und an dich denken.

Die Orgel wird spielen und die Menschen werden singen und beten.

Aber ich, ich werde ganz bei dir sein.

Ich werde bei den Engeln ein Lichtlein anzünden.

Es wird dir ganz liebe Geburtstagsgrüße senden.

 

Deine Mam

 

Dresden, 20.11.2016


20.11.2016 - Mein Sternenkind wird heute 36 Jahre alt.

Wir gehen heute Abend zur heiligen Messe in die katholische Hofkirche.

Als wir in der Altstadt ankommen, läuten alle Kirchenglocken schon zum Gebet. Wir haben noch etwas Zeit. Zeit, um in Ruhe eine Kerze an zu zünden, um Daniele zum Geburtstag zu gratulieren. Dann beginnt die Messe. Die Silbermann - Orgel beginnt dröhnend ihr Spiel. Die Töne hauen in mein Gehirn. Ich wollte es so und kann es aushalten. Die Menschen in der Kirche beten gemeinsam, für alle Menschen die um einen Lieben trauern und keinen Trost finden, für alle Menschen die gestorben sind, für alle Menschen die krank sind und leiden, für alle Menschen die Not leiden .... Und ich, ich bin bei Daniele, ganz nah. Diese riesige weiße Kirchenhalle, mit ihren Engeln, das Gebet der Menschen und die Kirchenmusik dazu sind mein Weg heute bei Daniele zu sein. Irgendwie kann ich hier ganz nah bei ihr sein. Schön war es.


5. Woche vom 21.11. - 27.11.2016

Auf meinem Wochenplan standen in dieser Woche:

3x Einzeltherapie

1x Visite

2x Sporttherapie

1x Ergotherapie

1x Qigong

1x Wochenausklang

2x Körpertherapie

1x Fertigkeitentraining

 

Schau ich mir die Therapien der Woche so einfach aufgeführt an, sieht mein Pensum nicht viel aus. Doch für mich ist es sehr viel und sehr anstrengend.

Insgesamt war es diese Woche für mich leichter. Der Morgenbeginn ist immer noch eine Herausforderung. Mir fällt es jetzt leichter mit einem Lächeln „guten Morgen“ zu wünschen. Ich kann die Begegnungen mit Menschen besser aushalten, auch wenn meine Fluchtgedanken immer da sind. Ich vermisse mein Schneckenhaus noch immer sehr. Ich bin hier den ganzen Tag irgendwie im Gespräch. Es gelingt mir, wenn gleich es mich sehr anstrengt. Mit Ute bin ich jetzt sehr oft zusammen. Ihr könnte es gelingen mir wieder Freundschaft zu erlauben, wenn ich auch immer noch, in mir zurück weiche. Ein kleines Stück der alten Heike ist, glaube ich, wieder da. Die Heike die Mut und Kraft spenden kann, schließe ich aus den Rückmeldungen von Ute und anderen Patientinnen.

Ich freu mich, wenn ich morgens genug Zeit habe, für noch eine Stunde Schlaf. Das hilft mir über den Tag, gelingt aber nicht täglich. Ich bin froh wenn ich am Tag alle Termine geschafft habe und dann den Abend am PC vor mich hinbaumle. Viel wird meistens nicht, denn ich bin einfach nicht mehr aufnahmefähig. Wenn ich meine Seele vom Tag frei geschrieben habe, bin ich fertig für den Tag und gehe zeitig schlafen.

 

Der Wochenbeginn stand ganz unter dem Zeichen meine 2. Visite. Bei dieser Visite bekommt jeder Patient einen Fragebogen mit 5 Fragen. Ohne die Hilfe der Therapeutin wusste ich keine Antworten. Aber die Einzeltherapie half mir die Antworten zu finden und nahm mir meine Selbstzweifel an den „Therapieerfolgen“. Ich bin wohl doch schon eine ganzes Stück voran gekommen. Die Angst vor der Visite blieb. Die Visite verlief dann Problemlos. Ich konnte alle Fragen hinter einander beantworten, meine Beine waren still und ich konnte die Ärztin auch ein paar mal anschauen. Sie fragt nur noch: Gibt es sonst noch irgend etwas? Meine Antwort: Nein ich habe nichts zu meckern, lässt alle lächeln. Dann war es vorbei. Ich war sehr erleichtert, da ich den Eindruck hatte, sie waren mit mir zufrieden.

 

In den Einzeltherapien waren unterschiedliche Themen im Gespräch. In der 1. Therapiestunde stand das Thema Trauer. Es hat gut getan, darüber zu sprechen ohne meinen „Kinofilm“ an sich zu besprechen. Danke für den Gedanken, dass ich eine andere Art der Trauer lebe. Danke für die Erinnerung, dass ich doch auch schöne Erinnerungen an mein Kind habe. Danke für den Gedanken, dass auch Trauer ohne Gefühle auch Trauer ist. Danke für die Idee, dass es gelingen kann, mit den positiven Erinnerungen an mein Kind, meinen Kinofilm vielleicht zu übermalen.

In der 2. Einzeltherapie – Stunde schaffe ich es 10 min zu spät zu kommen. Das wirft mich völlig aus der Bahn. Fast die gesamte Zeit verbringen wir mit Übungen, die mich wieder beruhigen sollen.

  • Übung: Ich suche nach 3 Dingen in einer Farbe im Raum.
  • Übung: Wir gehen in ein riesiges Kaufhaus, in dem es alles gibt und kaufen abwechselnd ein. Jeweils 3 Dinge nach dem Alphabet.

Im Anschluss daran, versuchen wir meine erste Imaginationsübung, die mir nicht gelingt. Ich kann nicht in der Übung bleiben.

In der 3. Einzeltherapie spreche ich meine Probleme mit dem Dasein in der Gruppe an. Es gelingt mir gut, alles aus zu sprechen, was mich derzeit aus der Gruppe treibt. Es kann so einfach nicht weiter gehen. Ich verbrauche zu viel Kraft, um die Gruppenspannungen aus zu halten. Das will ich nicht und so kann ich auch nicht in der Gruppe sein. Wir verabreden, dass ich den Wochenausklang nutze, um meine Gedanken dazu aus zu sprechen.

 

In der Ergotherapie nimmt meine Schnecke aus Papier doch Gestalt an. Am Ende der Stunde bin ich zufrieden mit meinem Ergebnis. Nun fehlt nur noch das bunte Papier. In dieser Stunde habe ich eine, für mich, unangenehme Situation gemeistert. Um das laute Hämmern zu ertragen, bin ich dieses mal in die Situation hinein gegangen. Ich habe beim Hämmern zu geschaut und den Spritzschutz gehalten. So gelang es mir, ohne Probleme, den „Krach“ aus zu halten.

 

Die Einführung in die Körpertherapie entsprach nicht meine Erwartungen. Ich bekam keine Information zu Qigong. Diese Information habe ich mir dann gegoogelt, da ich diese Woche dieses Angebot zum ersten Mal versuchen wollte. Die Körpertherapie ist ein Weg, auf dem mich der Körper wahrnehmen lässt, was gut ist. Ich lerne für meine eigene Befindlichkeit Verantwortung zu übernehmen. Die erste Gruppenkörpertherapie – Stunde war sehr anstrengend. Nach einer kleine Begrüßungsrunde begannen wir mit einfachen Übungen. Jeder bekam ein kleines Körnerkissen. Wir sollten es fühlen, riechen, werfen, fangen. Dann ging es in die Gruppenübung. Werfen, fangen und die Reihenfolge einhalten. Es wurden immer mehr Kissen, so daß ich immer schneller werfen und fangen musste. Ich hatte Mühe dem ganzen zu folgen, mit lief das Wasser den Rücken hinunter. Danach ging ich aus der Situation und schaute nur noch zu. Eine Abschlussrunde mit der Frage – wie bist du gekommen, was hat sich jetzt verändert? - beendete die Körpertherapie.

 

Auf Qigong war ich sehr gespannt. Es wurden 18 Übungen hinter einander weg durchgeführt. Ich hatte große Mühe die Konzentration zu halten und zwitsche ab und zu abseits. Damit provoziere ich dann Koordinationsschwierigkeiten. Ich mache eine kurze Pause, verfolge die Übung und steige wieder ein. Ich halte bis zum Schluss durch. Es ist eine Therapieform die mir gefällt und mir vielleicht hilft, meinen Kopf wieder in die Spur zu bringen. Ich werde wieder kommen.

 

Der Wochenausklang diese Woche war eine riesige Herausforderung für mich. Noch am Morgen hatte ich Zweifel, dass ich sagen würde, was ich denke. Doch als ich an der Reihe bin sage ich, dass ich nach 5 Wochen noch immer nicht in der Gruppe angekommen bin und dass mich die Spannungen in der Gruppe sehr belasten und einschränken. Von der Therapeutin werde ich gefragt, was die Gruppe mir denn geben könnte, damit ich mich wohl fühlen kann. Ich habe geantwortet. Meine Anspannung war so riesig, das ich mir nicht mal merken konnte, was ich gesagt habe. Doch es müssen die richtigen Worte gewesen sein, auf Grund der positiven Rückmeldungen die ich, im Anschluss, von einigen Gruppenmitgliedern bekam. Ich war sehr überrascht.

 

Das Fertigkeitstraining hat gleich zu Beginn ein NEIN in mir ausgelöst, was auch aus mir heraus geplatzt ist. Es ging um eine Zielübung. Situation: Ich sitze in einem Restaurant, auf einem Stuhl mit schönem Fensterblick. Ich muss auf die Toilette, verlasse den Platz und als ich wieder komme sitzt jemand auf diesem Platz. Aufgabe: Ich sollte diejenige auf „meinem“ Platz davon überzeugen, dass ich dort sitze und sie sich einen anderen Platz suchen sollte. Dafür hatte ich nur den Satz: Stehen sie bitte auf, das ist mein Platz. Wir sollten dies im Rollenspiel üben. Schon beim ersten Rollenspiel war ich völlig überfordert, hielt diese Diskussion nicht aus. Dieses fortwährende „Ich sitze dort, stehen sie bitte auf“, das immer nachdrücklicher werden, dieses hin und her, hat mich getriggert. Meine Sicherungen brannte einfach durch. Ich glaube ich bin sehr dünnhäutig. Ich würde mich auf so eine Situation gar nicht erst einlassen und mich einfach wo anders hinsetzen.

Danach war Wochenende. Endlich Ruhe.

 

Der Samstag verging wie im Flug. Schlafen bitte zum Mittagessen und dann den Tag laufen lassen. Facebook schauen und nur für mich sein. Es war Balsam für meine Seele, das an diesem Tag alles sehr ruhig war, ich mich nicht viel unterhalten musste und so ganz für mich sein konnte. Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Und trotzdem, am Abend geht nicht mehr viel. Meine Gedanken brechen in Trostlosikgkeit, Sinnlosigkeit und Müdigkeit zusammen. Das Leben ist so schwer zu ertragen. Jeden Tag aufs Neue diese Quälerei. Jeden Tag aufs Neue diese Überwindung. Das Leben ist zu viel für mich, zu lebhaft, zu laut und zu anstrengend. Ich bin so fertig, ich bin so müde, ich bin so leer. Überall ist Adventsstimmung. Na und. Ich bin so unsagbar schwermütig.

 

Der Sonntag ist wie der Samstag.

Irgendwann am Spätnachmittag kommt Michael. Wir fahren auf den Weihnachtsmarkt, doch eigentlich macht es keinen Sinn. Ich bin nicht in der Lage irgendwas zu sehen oder zu genießen. Nach einer Stunden fahren wir zur Klinik zurück. Wieder eine Woche geschafft.


Qigong und Ich

Qigong ist eine meditative Bewegungsform. Sie entstammt der traditionellen chinesischen Medizin und verbindet Übungen zur entspannten Konzentration mit Körper- und Atemübungen.

Grundlegend für Qigong ist das Prinzip des Yin und Yang. Es steht für die Harmonie der Gegensätze, für das In einander greifen des weiblichen und des männlichen Prinzips. Symbolhaft steht dafür der bekannte Kreis mit den zwei gleich großen ineinander verschlungenen Flächen in weiß und schwarz.

 

Qigong bedeutet: die Lebensenergie trainieren.

 

Qi oder Chi - gesprochen: "tschi" - bezeichnet in der traditionellen chinesischen Medizin die Lebensenergie. Gong bedeutet Arbeit oder ständige Übung. Nach der chinesischen Medizin ist nur dann ein Mensch gesund, wenn diese Gegenpole vereinigt sind und die Lebensenergie Chi ungehindert durch seinen Körper fließen kann. Nach dieser Lehre erhält die Arbeit am Qi das Gleichgewicht der Kräfte im Yin und Yang oder stellt sie wieder her.

 

Das Qi, so die alte chinesische Auffassung, fließt entlang bestimmter Körperlinien, der Meridiane, durch den Körper. Durch Disharmonien zum Beispiel in den Muskeln kann es blockiert werden. Die Übungen des Qigong sollen die Blockaden lösen und das Qi wieder harmonisch fließen lassen.

 

Konzentration auf Atem und Bewegung

Qigong können Sie im Stehen, Sitzen oder Liegen praktizieren. Dabei richten Sie Ihre Konzentration auf die Atmung, auf bestimmte Organe oder Körperbereiche. Sie versuchen in Ihrer Vorstellung, das Qi zu fühlen und strömen zu lassen. Mit langsamen, zielgerichteten Bewegungen unterstützen Sie Ihre Wahrnehmung.

Die Wirkung von Tai-Chi und Qigong lässt sich nicht nur diffus mit einem besser fließenden Chi beschreiben. Auch die westliche Medizin ist heute vom gesundheitlichen Nutzen der weichen und fließenden Bewegungen überzeugt:

  • Regelmäßiges Üben stärkt den Kreislauf und löst Muskelverspannungen.
  • Rückenschmerzen bessern sich, weil der Praktizierende eine gesündere Körperhaltung mit aufrechter Wirbelsäule einnimmt.
  • Durch eine tiefe Bauchatmung nimmt der Körper mehr Sauerstoff auf und gibt mehr Kohlendioxid ab.
  • Die meditativen Elemente der ruhigen Übungen stabilisieren das vegetative Nervensystem.

Quelle: https://www.tk.de

 

Heute habe ich die ersten Übungen kennen gelernt. Ich hatte Mühe den Beschreibungen zu den Bewegungen zu folgen, hatte mehrere Koordinationsschwierigkeiten und habe geschwitzt wie auf dem Laufband. Mir hat es sehr gefallen. Ich denke es wird mir weiter helfen, wieder innere Ruhe zu finden.

 

Die 18 Harmonischen Übungen:

  1. Das Qi wecken
  2. Den Brustkorb öffnen und erweitern
  3. Mit dem Regenbogen spielen
  4. Die Wolken teilen, den Himmel sehen und trüben Gedanken vertreiben
  5. Rollen die Hände, wie ein Affe
  6. Rudern auf einem ruhigen See
  7. Die Sonne mit einer Hand heben
  8. Sich drehen und den Mond anschauen
  9. Oberkörper drehen und Handfläche schieben
  10. Die Hände wie Wolken bewegen
  11. den Mond vom Meeresgrund holen
  12. Die Wellen schieben
  13. Die fliegende taube breitet ihre Flügel aus
  14. Die Fäuste stoßen
  15. Wie ein Adler fliegen
  16. Sich wie eine Windmühle drehen
  17. Wie ein Kind mit dem Ball spielen
  18. Himmlisches Qi pflücken, Irdisches Qi einsammeln

Mein erstes Ergotherapie - Projekt

Mein erstes Projekt, ist eine Schnecke. So sieht sie nach einer Stunde Ergotherapie aus. Ich bin nicht gerade begeistert. Aller Anfang ist schwer.


Mein Projekt nimmt Gestalt an. Nach meiner zweiten Stunde, kann ich erkennen, ja es wird eine Schnecke. Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis und freu mich schon darauf sie kunterbunt zu gestalten. Genug buntes Papier habe ich ja inzwischen von meinen Dänemarkfreunden erhalten.

 

 

 

 

In meiner 6. Woche ist meine Schnecke fertig. Sie hat ein maßgeschneidertes, einmaliges, buntes Kleid bekommen. Sie ist einfach toll geworden. Sie hört auf den Namen: Karlotta Kunterbunt.

 

 

 

 

 

In der 10. Therapiewoche verändert sich Karlotta Kunterbunt. Sie bekommt Fenster zum hinein und hinaus schauen. Ein Tür zum öffnen und Freunde herein bitte, zum verschließen wenn ich ganz still bei mir sein möchte.




Imagination

Imaginationsübungen (nach L. Reddemann) werden im ambulanten und klinischen Bereich therapeutisch bei traumatisierten Menschen eingesetzt. Sie werden geübt, damit sie auch zu Hause gut weitergeführt und genutzt werden können. Es gibt von Luise Reddemann auch eine Audio-CD mit einigen Imaginationsübungen für zu Hause zum selbst anwenden.

Die Imaginationsübungen dienen der Stabilisierung und Selbstberuhigung und sollen dem Grauen durch Flash-Backs, Albträumen etc. entgegensetzen, damit man sich somit etwas von den Bildern distanzieren kann.

Die Imaginationsübungen werden vor allem bei komplexen Posttraumatischen Belastungsstörungen, der Borderline-Persönlichkeitsstörung sowie bei der Dissoziativen Identitätsstörungen eingesetzt. Sie sind für traumatisierte Menschen gedacht, die nicht unvorbereitet ihre Traumatisierungen verarbeiten können.

Imaginationsübung - Der innere sichere Ort

Stelle Dir einen Ort vor, der dir gefällt und wo Du dich sicher fühlst.

Dieser Ort kann auf der Erde sein, er muss es aber durchaus nicht. Er kann auch außerhalb der Erde liegen. Du kannst ihn Dir ausdenken, oder den Ort kann es wirklich geben. 

 

Lasse Gedanken und Vorstellungen oder Bilder aufsteigen von einem Ort, an dem Du Dich ganz wohl und geborgen fühlst. Wenn unangenehme Bilder kommen empfiehlt es sich weiterzugehen, jede bzw. jeder kann einen solchen nur guten Ort für sich finden, wo man sich vollkommen wohl fühlt. Manchmal ist der Ort so weit weg, dass man nicht weiß, wie man dort hingelangen kann, dann sind Hilfsmittel wie ein Boot oder ein Flugzeug oder ein Zauberstab erlaubt.

 

Und gib diesem Ort eine Begrenzung Deiner Wahl, die so beschaffen ist, dass nur Du bestimmen kannst, welche Lebewesen an diesem Ort sein dürfen. Du kannst natürliche Lebewesen, die Du gerne an diesem Ort haben willst, einladen. Wenn möglich, solltest Du keine Menschen einladen, besser sind liebevolle Begleiter oder Helfer, Wesen, die Dir Unterstützung und Liebe geben.

 

Prüfe nun, ob Du Dich dort mit allen Sinnen wohl fühlst.

Prüfe zuerst, ob das, was Deine Augen wahrnehmen, angenehm ist. Wenn es noch etwas geben sollte, was Dir nicht gefällt, dann verändere es.

 

Nun überprüfen, ob das, was Du hören kannst, für Deine Ohren angenehm ist.Wenn nicht, verändere es bitte so, dass alles, was Deine Ohren wahrnehmen, angenehm ist.Ist die Temperatur angenehm?.Wenn nicht, so kannst Du sie jetzt verändern.

 

Kann sich Dein Körper so bewegen, dass Du Dich damit ganz wohl fühlst?

Wenn noch etwas fehlt, verändere alles so, bis es ganz stimmig für Dich ist.

 

Falls Du Gerüche wahrnimmst, sind diese angenehm?

Auch sie kannst Du verändern, so dass Du Dich ganz wohl damit fühlst.

 

Wenn Du spürst, dass Du Dich ganz und gar an diesem inneren Ort wohlfühlen kannst, dann kannst Du mit Dir eine Körpergeste vereinbaren. Und diese kleine Geste kannst Du in Zukunft ausführen und sie wird Dir helfen, dass Du diesen Ort ganz rasch wieder in der Vorstellung hast. Und wenn Du möchtest, kannst Du diese Geste jetzt ausführen.

 

Um die Übung zu beenden, kannst Du wieder Deine Körpergrenzen wahrnehmen und den Kontakt des Körpers mit dem Boden achtsam registrieren.

 

Danach kommst Du dann mit der Aufmerksamkeit zurück in den Raum.

 

Nimm nun wahr, wie es Dir geht, nachdem Du diese Übung gemacht hast.

 

Fühlst Du Dich in irgendeiner Weise leichter, angenehmer? Wenn das der Fall ist, so könnte es sich lohnen, diese Übung für eine Weile regelmäßig zu machen, so dass sie Dir in Fleisch und Blut übergeht und Du sie jederzeit einsetzen kannst, wenn Du Dich angespannt oder unwohl fühlst.

 

Du wirst dann erfahren, dass Du auf diese Art, das heißt mit Hilfe dieser Übung, Meister/in schwieriger Situationen wirst, indem Du Dir rasch helfen kannst, ruhiger zu werden und aufzutanken.

 

Dies gelingt aber in angespannten Situationen nur dann, wenn man die Übungen verinnerlicht hat. Wer die Übung nur ab und zu macht, mag sie im jeweiligen Moment als wirksam erleben, es ist aber unwahrscheinlich, dass sie in kritischen Situationen hilft, insbesondere deshalb, weil sie dann nicht rasch genug verfügbar ist.

 

Es gibt kein "Muss" bei diesen Übungen, falls Du eine bestimmte Sinneswahrnehmung nicht hast (z.B. Hören, Riechen o. ä.) ist das auch in Ordnung.


Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen …

Es ist Wochenende, wieder einmal.

Ich bin froh, dass der Trubel der Woche vorbei ist.

Auf mir lasten die Anforderungen der Woche.

Sie drücken mich nieder.

Sie nehmen mir den Antrieb.

Sie geben mir die Leere.

Sie sind eine Last die ich kaum tragen kann.

Jeder Schritt ist schwer.

Schlafen bis zum Mittag und immer noch müde.

Mein Kopf streikt und möchte seine Ruhe.

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

Ich wünsche guten Morgen und einen schönen 1.Advent.

Ich sitze am Tisch und zünde das Lichtlein an.

Ich schaue im Facebook – ja es ist 1. Advent.

Überall weihnachtliche Bilder und Grüße.

In meinem Zimmer weihnachtet es sehr.

Im Hof leuchten die Weihnachtssterne.

Viele sind auf den Weihnachtsmärkten unterwegs.

Doch in mir dröhnt das Nichts und das Müde.

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

Ich mache mich fein, für den Nachmittag.

Ich dusche, doch es stellt sich kein Wohlgefühl ein.

Das Wasser läuft den Körper entlang, einfach so.

Der Spiegel zeigt ein müdes Gesicht.

Ich sehne mich nach, ich weiß nicht was.

Ich trinke die 3. Tasse Kaffee und werde nicht wach.

Ich bin so müde vom Leben. So müde.

In mir tobt die Leere mit dem „Ist mir egal“.

Das „Ist mir egal“ ringt mit dem „Lass mich in ruh“.

Das „Lass mich in ruh“ kämpft mit dem „Ich tue es doch“.

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

Vielleicht, wenn ich erst da bin, geht es mir besser.

Vielleicht, wenn ich die Lichter sehe,

wenn ich das Glitzern sehe,

wenn ich die Düfte rieche,

wenn ich Pfefferkuchen, Mandeln und anderes sehe,

wenn ich über den Weihnachtsmarkt gehe,

wenn ich es erlebe ….

Vielleicht, ist dann auch für mich 1. Advent.

27.11.2016


Der erste Schnee ist gefallen, nach einer Stunde ist er Vergangenheit.


Ich bin Ich und doch nicht Ich

 Ich bin nicht mehr in meinem Schneckenhaus.

Ich bin in der Klinik.

Ich bin im „prallen“ Leben.

Ich selbst habe diesen Weg gewählt.

Ich treffe auf Menschen, um mich herum.

Doch möchte ich allein sein.

Ich möchte dieses Gewusel nicht.

Ich trage eine Maske, die mich selbst versteckt.

Ich möchte nicht auffallen, möchte dabei sein und auch wieder nicht.

Ich grüße jeden, am Morgen, mit einem Lächeln.

Es fällt mir schwer und doch tue ich es.

Sie brauchen ein Lächeln am Morgen, so wie auch ich.

Ich sitze bei Ihnen und doch will ich weg.

Ich nehme sie in den Arm und doch will ich Abstand.

Bei manchen von ihnen bin ich gern und doch auch wieder nicht.

Ich nehme die Menschen an und auch wieder nicht.

Ich unterhalte mich, doch wäre ich lieber still.

Ich sehe sie an, doch sehe ich sie nicht.

Ich höre sie reden, doch ich will es nicht wissen.

Ich habe für sie ein gutes Wort, doch nicht für mich.

Ich bin mitten drin und doch nicht da.

Es fällt mir so unglaublich schwer.

Es strengt mich maßlos an, all diese Menschen auszuhalten.

Und doch stehe ich nicht Abseits.

Dieses Leben ist nichts für mich.

Es ist zu laut, zu fröhlich, zu traurig.

Es ist zu viel Druck, zu viel Anstrengung, zu viel aushalten.

Und doch gehe ich weiter.

 

In der Hoffnung, dass ich wieder lerne wie schön das Leben ist.

In der Hoffnung, dass ich wieder verstehe, dass Menschen zum Leben gehören.

In der Hoffnung, dass ich wieder fühle, dass Menschen auch Wärme geben.

In der Hoffnung, dass ich wieder spüre, was gemeinsame Freude ist.

In der Hoffnung, dass ich wieder erleben kann, wie schön gemeinsame Zeit ist.

 

Ich, in der Hoffnung.

27.11.2016


6. Woche 28.11.-04.12.2016

 Auf meinem Wochenplan standen folgende Therapien: 

3x Einzeltherapie

1x Dramatherapie

2x Sporttherapie

2x Qigong

1x Einzeltherapie Kunst

1x Ergotherapie

1x Gruppenfreizeit

1x Körpertherapie

1x Wochenausklang

 

Auch in dieser Woche schlafe ich noch sehr viel, wenn ich die Zeit dafür habe. Noch immer fällt mir der Morgenbeginn besonders schwer. Der Alltag in der Klinik kostet mich sehr viel Kraft. Ich fühle mich oft sehr erschöpft, müde, kraftlos und energielos. Aber ich schaffe es alle Termine pünktlich wahrzunehmen. Die Entscheidung aus dem Fertigkeitstraining auszusteigen und die Psychoedukation doch nicht zu beginnen, empfinde ich als sehr gut. Ich gehe noch einmal einen Schritt zurück, um weiter vorwärts gehen zu können. Es fällt mir leichter mit den Menschen hier umzugehen. Es kostet mich nicht mehr so viel Kraft sie zu ertragen. Ich komme voran, es wird insgesamt leichter. Trotzdem ist die Sehnsucht nach meinem Schneckenhaus riesig groß und oft habe ich das Gefühl, meine Kraft würde nicht mehr reichen. Ich wünsche mir ganz oft: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. 

 

In der Einzeltherapie kläre ich diese Woche warum ich einfache Fertigkeitsübungen nicht aushalte, was mich dort triggert. Es ist meine Angst. Die Angst davor Fehler zu machen und die Forderung an mich selbst es auszuhalten. Gedankenmuster aus der Vergangenheit, die mich so geprägt haben, dass sie automatisiert sind und ich wohl mein ganzes Leben, damit verbracht habe. Nun sind sie an der Oberfläche und machen mir das Leben schwer. Sie verhindern, dass ich ein einfaches Rollenspiel nicht aushalten kann, erstarre, mich nicht lösen kann und am Ende nicht mehr so wirklich weiß was ich tue. Wir werden meine Gedankenmuster / Glaubenssätze finden und bearbeiten. Ich werde sie verändern lernen.

In einer anderen Stunde sind meine Therapieziele Thema. Warum bin ich hier und wo möchte ich hin. Das Thema hat lange an meinen Nerven gezerrt, Druck und Angst aufgebaut. Ich will wieder die aktive und fröhliche Frau werden, die ihr Herz auf der Zunge hat, die wieder den Haushalt schafft, die wieder die Natur genießen kann und Freude, Liebe und Glück empfinden kann. Die wieder einfach so den ihren und den Familien Alltag schafft. Die wieder gern durch die Stadt bummelt, einkaufen geht und wieder Freude daran hat in einem Gartenlokal zu sitzen, der Menschenmengen nicht die Angst in die Glieder jagt, der Musik oder laute Töne nicht die Nerven strapaziert. Ich möchte erst einmal einfach nur wieder Leben lernen. Es war ein gutes Gespräch, das mir meine Unsicherheit und Angst genommen hat. Meine Nachfrage war richtig und gut für mich.

In der letzten Sitzung dieser Woche lernte ich die 3 „W“ der Feedbackregel kennen. Es geht um das Ansprechen eines Problems mit dem Wunsch auf Veränderung. Dabei geht es darum ganz bei sich zu bleiben. Mit meiner Wahrnehmung, meiner Reaktion darauf zu beginnen und dann er erst den Wunsch der Veränderung an die Person zu stellen. Es wird sehr schwierig für mich sein, es aus zu halten – umzusetzen, da ich lieber weg laufen würde bzw. die Situation verlassen würde. Meine Haltung würde aber mein Problem nicht lösen.

 

Allgemeine Feedbackregel:

Wie ist meine Wahrnehmung?

Wie ist die Wirkung auf mich?

Wunsch nach Veränderung.

 

Mein Qigong – Problem in der Feedbackregel:

Mir fällt es schwer es aus zu halten.

Ich kann mich nicht konzentrieren.

Würdest du bitte aufhören, dazwischen zu sprechen.

 

Wichtigste Erkenntnis der Woche: mein Lächeln wieder da ist. Noch zeigt es der Kopf und nicht mein Gefühl, aber es kommt ohne dass ich mich selbst dazu auffordern muss, einfach so. Es geht voran. Das Lächeln geht voraus und das Gefühl kommt ganz bestimmt hinter her. Ich glaube ich freu mich über mein Lächeln.

 

Dramatherapie mit dem Thema: Zeit im hier und jetzt darstellen (für mich selbst übersetzt). Wir haben zu diesem Thema im Umfeld der Klinik passende „Dinge“ gesucht. Ich für mich wählte die Schneebeere/Knallbeere, aus dem Bezug zu meiner Kindheit heraus. Dann wurden diese Dinge im Raum angeordnet und besprochen, wieder angeordnet, Dinge hinzu gefügt, Dinge entfernt und wieder besprochen. Bis sie am Ende ein, für alle stimmiges, Bild im Raum ergaben und ein Abbild dessen wo die Position einer Person in der Gruppe ist. Nach der Dramatherapie hatte ich den Eindruck meine Position falsch gewählt zu haben. Aber die Therapeutin sagte dazu, dass ich mir sicherlich meine Wunschstandort gewählt hatte. Ich weiß es nicht, aber es war eben wie es war.

 

Die Einzeltherapie Kunst war der Hammer. Das Gespräch mit der Kunsttherapeutin lief einfach, ich brauchte zwar meine Bälle, doch war es als wäre ich angekommen. Wir einigten uns darauf, dass ich heute das Meer male. Zum ersten mal habe ich mit Aquarellfarben gemalt. Ich habe das Meer in seiner schönsten Stunde gemalt, wenn die Sonne den Tag beendet. Mich selbst habe ich knall rot mit im Wind wehenden Haaren gemalt, als ein Zeichen dafür, das meine Seele am Meer frei ist und es in mir nicht ganz so leer ist, als Zeichen der Wärme. Die ganze Stunden hörte ich das Meer rauschen (Computer). Das war so schön. Ich konnte gut runter fahren und war nicht mehr so angespannt. Ich freu mich schon auf die nächste Stunde.

 

In der Ergotherapie arbeite ich weiter an meiner Schnecke. Sie bekommt nun ihr buntes Kleid. Mein Ziel diese Woche fertig zu werden habe ich nicht erreicht. Es fehlen noch die ein paar Kleinigkeiten und die Fühler. Ich glaube sie wird wunderschön.

 

Sporttherapie und Qigong meistere ich je 2 mal in der Woche. Ich habe mal mehr und mal weniger Schwung dafür. Ich mag Qigong, ich kann so gut abschalten dabei. Aber das Qi habe ich noch nicht gefunden.

 

In der Gruppenfreizeit schauen wir gemeinsam den Computeranimationsfilm „Alles steht Kopf“.

Ein fröhlicher Film über das Zusammenspiel der Gefühle im Menschen. Ich bin bis zum Schluss dabei. Der Film ist sehr empfehlenswert.

 

In der Körpertherapie erlebe ich diese Woche eine Überraschung. Ich werde gebeten meine Beine still zu halten. Wie immer verändere ich dann meine Sitzhaltung, damit ich still sitze. Aber die Therapeutin erwidert sofort:„Bitten sie bitte nie wieder einen Patientin etwas abzustellen, da sie es nicht kann. Bemühen sie sich es auszuhalten. Die Patientin macht sowas ja nicht ohne Grund.“ Wow, endlich mal jemand dem meine Beine egal sind. Dann sind Kraftübungen angesagt. Unterschiedliche Übungen zu Zweit, um sich in der Kraft zu messen, die eigene Kraft und ihre Grenzen wahrzunehmen.

 

Freitag nach der Körpertherapie habe ich Kraft und Mut gesammelt und ich nehme mir vor zum Friseur zu gehen. Ich frage Ute ob sie mit kommt. Im Friseur um die Ecke ist ein Termin frei. Nach einer Stunde bin ich meine Haare los und fühle mich gut.

 

Um 17 Uhr starten wir dann zu dritt in die Altstadt. Wir laufen vom Striezelmarkt, zum Stallhof, dann zum Neumarkt und von dort aus noch auf den Weihnachtsmarkt in der Neustadt. Ich laufe mit, mache ein paar Fotos aber sonst kann ich es nicht erleben. Ich war da. In der Klinik falle ich nur noch ins Bett. Der Samstag gehört ganz meinem Bett und meiner Ruhe – nicht hören, nichts sehen, nichts sagen. Ich bin so froh, dass es diesen Tag gibt. Am Sonntag sind wir dann zu dritt auf dem Weihnachtsmarkt in Loschwitz. Sind aber zur falschen Zeit dort. Es ist unheimlich voll und eng. Da lassen wir uns lieber noch auf eine Bratwurst, einen Kesselgulasch und einen Crêpe im Schillergarten nieder. Und schon ist wieder eine Woche vergangen.

 


1. Kunsttherapie - Einzel 

Mein 1. Kunstwerk.

Ich bin am Strand in Dänemark. Der Tag geht schlafen. Im Sand liegen die Muscheln.

Der Wind weht und lässt die Wellen toben und zauselt meine Haare.

Ich stehe da und schaue in die Ferne. Sehe der Sonne zu, wie sie im Meer versinkt.

Ich bin ganz bei mir und meine Seele ist weit. Ich bin angekommen.

Ich fühle mich frei.


Gruppenfreizeit: Film: Alles steht Kopf

Alles steht Kopf (Originaltitel: Inside Out) ist ein US-amerikanischer Computeranimationsfilm von Pixar. Die Regisseure sind Pete Docter, sowie Ronaldo del Carmen als Koregisseur, der auch für die Story zuständig war.

 

Handlung

Mit Riley Andersens Geburt wird gleichzeitig ihre Emotionszentrale gestartet. Freude, ihre erste Emotion, betritt das Kontrollzentrum und Riley lächelt ihre Eltern an. Die erste Erinnerungskugel rollt in die Zentrale und wird abgespeichert. Kurz darauf taucht jedoch Kummer auf, woraufhin Riley anfängt zu schreien.

Rileys Kindheit prägen fortan fünf Basisemotionen: Freude (gelb), Kummer (blau), Angst (lila), Wut (rot) und Ekel (grün). Unter Freudes Leitung führen sie Riley durch den Alltag. Freude sorgt dafür, dass Riley glücklich ist, Angst bewahrt sie vor Schäden und Verletzungen. Wut sorgt für Gerechtigkeit und Ekel dafür, dass Riley nicht krank wird. Nur Kummer scheint anfänglich keine echte Aufgabe zu haben und wird daher weitestgehend unterdrückt. Jede Erinnerungskugel leuchtet in der Farbe, die der zugrundeliegenden Emotion entspricht. Am Ende des Tages befördern sie die Kugeln über eine Rohrpost in das Langzeitgedächtnis. Fünf zentrale, gelbe Erinnerungskugeln werden im Kontrollraum aufbewahrt. Jedes dieser Kernerlebnisse erzeugt eine Erinnerungsinsel, aus denen sich Rileys Persönlichkeit zusammensetzt: „Familie“, „Ehrlichkeit“, „Eishockey“, „Quatsch machen“ und „Freundschaft“.

 

Als Riley elf Jahre alt ist, zieht sie mit ihren Eltern nach San Francisco. Da der Umzugswagen nicht rechtzeitig eintrifft, muss sich die Familie provisorisch einrichten. Freude versucht, die angespannte Situation ins Positive zu retten, jedoch gerät die Lage an Rileys erstem Tag in der neuen Schule außer Kontrolle. Während sich Riley vorstellen soll, berührt Kummer die aktuelle Erinnerung, woraufhin sich diese blau färbt, sodass Riley in Tränen ausbricht. Als Freude verhindert, dass Kummer auch noch die Kernerinnerungen berührt, kommt es zu einem Unfall, bei dem die Rohrpost beide mitsamt den zentralen Erinnerungen in das Labyrinth des Langzeitgedächtnisses befördert.

 

Freude und Kummer müssen so schnell wie möglich in die Zentrale zurück, da ohne die Kernerinnerungen die Persönlichkeitsinseln stillstehen. Auf ihrer Reise treffen sie auf Bing Bong, Rileys Fantasiefreund aus Kleinkindtagen. Er schlägt vor, den Gedankenzug zu nehmen. Als Riley am Abend einschläft, bleibt der Zug auf halber Strecke stehen. Um Riley zum Aufwachen zu bewegen, begeben sie sich in die Traumstudios, die gerade Rileys katastrophalen ersten Schultag drehen. Sie platzen in die Aufnahme und verursachen ein Chaos. Sicherheitskräfte verhaften Bing Bong und bringen ihn in das Unterbewusstsein. Bei seiner Befreiung locken Freude und Kummer den überlebensgroßen Kindergeburtstags-Clown Jangles in das Filmstudio, wodurch Riley schließlich erwacht.

 

In der Kommandozentrale beraten die verbleibenden Emotionen, wie es weitergehen soll. Drei der fünf Persönlichkeitsinseln sind bereits abgestürzt. Wut schlägt vor, wegzulaufen und in Minnesota neue positive Erlebnisse zu sammeln. Er lässt Riley den Plan umsetzen und bringt damit die letzten verbleibenden Persönlichkeitsinseln, die Familien- und die Ehrlichkeitsinsel, ins Wanken. Als letztere abstürzt, reißt sie die Gleise des Gedankenzugs mit sich, wodurch Freude, Kummer und Bing Bong wieder im Langzeitgedächtnis landen. Freude versucht, über die Rohrpost zurückzukehren, allerdings wird diese zerstört, als Teile der Familieninsel abstürzen. Freude und Bing Bong fallen in den Abgrund, in dem Erinnerungen entsorgt werden, und es gibt keinen Weg nach oben.

 

Freude erinnert sich jedoch, dass zuvor Bing Bongs Raketenwagen entsorgt wurde. Es gelingt ihr, mithilfe des Wagens aus dem Abgrund zu entkommen, wobei Bing Bong sich opfert und aus Rileys Erinnerung verschwindet. Freude findet Kummer und kann schließlich mit dem Trampolin der Familieninsel wieder in die Kommandozentrale zurückkehren. Während der Reise ist ihr klar geworden, dass Kummers Aufgabe unter anderem darin besteht, Bindungen zu stärken, darum überlässt sie ihr das Schaltpult. So gelangt Riley, die inzwischen im Bus nach Minnesota sitzt, im letzten Moment zur Einsicht. Sie läuft nach Hause, wo sie ihren Eltern von ihrem Heimweh erzählt und daraufhin getröstet wird. Durch das Zusammenspiel von Kummer und Freude entsteht eine neue Kernerinnerung, die halb gelb und halb blau ist.

Nach der überstandenen Krise erhält die Zentrale ein erweitertes Schaltpult. Es sind komplexere Persönlichkeitsinseln entstanden, die von mehrfarbigen Kernerinnerungen angetrieben werden.


02.12.2016 - Weihnachtsmarktmarathon


04.12.2016 - Weihnachtsmarkt in Loschwitz


Die schönsten Geschenke kann man nicht kaufen.


7. Woche 05.12.-11.12.2016

In meinem Wochenplan standen folgende Therapien:

3x Einzeltherapie

1x Visite

1x Dramatherapie

2x Sporttherapie

2x Qigong

1x Einzeltherapie Kunst

1x Ergotherapie

1x Wochenausklang

1x Körpertherapie

 

In dieser Woche ist der Wurm drin. Ich habe stetig das Gefühl mir geht die Kraft aus. Ich bin jeden Tag froh, dass ich über den Tag komme und das Wochenende wieder ein Stück näher rutscht. Ich komme Menschen näher und damit kommen auch die einen oder anderen Dinge an mich heran. Das widerrum stresst mich. Ich möchte es nicht. Andererseits bekomme ich auch wunderbare Rückmeldungen, die mir zeigen, das ich gut bin wie ich bin.

Ich möchte in den Boden versinken und doch bin ich hier, damit es anders wird. Ich möchte es schaffen, nach der Klinik wieder etwas Struktur im Leben zu haben, schaffen alltägliche Aufgaben selbst zu erledigen und auch regelmäßig wenigstens einen Spaziergang am Tag zu machen. Das hört sich für mich schon an, wie eine Meisterprüfung. Ich schaffe hier den Tag, aber nur mit aller Kraft die ich habe und irgendwann ist die Kraft aufgebraucht. Ich weiß nicht wohin der Zug fährt und ob ich ihn nicht verpasse. Das Leben ist so unsagbar schwer.

Der Einbruch zum Wochenende kommt diese Woche schon Freitag Nachmittag. Nach der Körpertherapie schlafe ich bis zum Mittagessen und komme nicht mehr zu mir. Ich habe keine Kraft, keine Energie und mein Lächeln ist verschwunden. Ich möchte nach Hause. Ich möchte aufgeben. Ich kann nicht mehr. Es ist so unsagbar schwer. Eigentlich wollten wir noch auf den Weihnachtsmarkt, aber das ist heute einfach nicht drin. Bevor ist verrückt werde, gehe ich in die Pflege und hole mir Hilfe. Der Samstag besteht aus Schlafen und irgendwie die Zeit vertreiben, doch nicht kommt wirklich bei mir an. Ich bin fix und fertig. Ich sehne mich so sehr nach Ruhe, nach Alleinsein. Das wirkliche Leben ist einfach zu schwer für mich. Es sieht so einfach aus, so fröhlich und leicht, so schön und doch kann ich es nicht ertragen. Vielleicht bin ich für diese Welt nicht mehr gemacht.

Doch am Sonntag ist meine Welt wieder bunter. Den Nachmittag verbringen Michael und ich mit Ute und ihrem Mann auf der Festung Königstein. Da das Wetter nicht so schön ist, ist es heute nicht so voll und wir können gemütlich bummeln. Alles ist heute so leicht. Es wird ein wunderschöner Nachmittag, den wir mit einem gemeinsamen Essen beenden. Danke für diesen Tag. Danke Ute und Torsten, dass ihr dabei wart.

 

In der Einzeltherapie bearbeite ich auch diese Woche alltägliche Dinge. Ich nehme allen Mut zusammen, um noch einmal zum Thema Arbeit zu sprechen. Es ist noch ein langer Weg bis dahin und derzeit meine Horrorvision, an sich, für mich. Um weiter voran zu kommen, bekomme ich diese Woche eine neue Aufgabe: Aktivitätenprotokoll. Meine zurückhaltende Antwort auf die Nachfrage zur Aktivitätenliste, bringt mir ein altes und bekanntes Thema wieder ins Bewusstsein. Aktivitäten – die Kleinigkeiten des Tages, die mir gut tuen, die ich für mich tue, aber nicht bemerke und daher auch nicht achte. Genau darauf aber soll ich nun achten und sie aufschreiben.

Mir fällt es immer noch schwer, Menschen ins Gesicht zu schauen. Es ist immer wieder Thema in der Therapie. Ich nehme mir vor es im Alltag zu üben: 2x einkaufen gehen und dabei die Verkäuferin anschauen.

Die 3. Einzeltherapie – Stunde war, in dieser Woche, die wichtigste und beste Stunde. Ich spreche darüber welche Probleme ich mit den positiven wie negativen Aussagen von Patientinnen habe. Meine Therapeutin hat plausible Erklärungen und Erkenntnisse für mich. Überrascht bin ich dennoch, denn auch von ihr höre ich sehr positive Aussagen über mich. „mit ihrerer Ehrlichkeit bringen sie es einfach auf den Punkt, sie haben manchen Patientinnen im Verständnis zur Therapie und der eigenen Verantwortung für Veränderung etwas voraus“. Irgendwie macht mich das stolz. Ich bin also auf dem richtigen Weg.

Ich spreche an, aus welchem Grund mein Urvertrauen in die Therapeuten und die Klinik wackelt und wir führen dazu eine sehr gute Unterhaltung, die mich selbst bestärkt. Dann besprechen wir noch das Thema „eigene Grenzen achten“ und damit verbunden, mir auch mal eine Pause zu gönnen, wenn ich kaputt bin (nicht antriebslos). Ich muss lernen noch besser auf mich selbst zu achten, um mich weiter zu stabilisieren, um stark genug für die Gruppentherapien zu werden, denn dort will ich ja hin.

Ich spreche diese Woche auch darüber was in mir passiert bzw. nicht passiert, wenn ich andere umarme oder in Bezug auf die Freundschaft zu Ute. Ich kann wieder lächeln, ich kann andere in den Arm nehmen, aber in mir selbst passiert einfach nichts. Die Therapeutin gibt mir Zuversicht, erst ist das aufgesetzte Lächeln, jetzt kommt das Lächeln von allein und dann kommen irgendwann auch die Gefühle wieder. Mir bleibt nur, ihr zu vertrauen. Ich werde auch wieder fühlen, ganz bestimmt. Wie sage ich immer? Der Therapeut kann nur das therapieren oder besprechen, was er auch weiß. Es ist in dir selbst die Verantwortung auszusprechen, was dich bewegt, irritiert, befremdet oder belastet. Ich bin auf dem richtigen Weg und in guten Händen.

 

In der Visite achte ich darauf, dass mein Stuhl in der richtigen Position steht, um der Ärztin, ohne Mühe, in die Augen schauen zu können. Neue Ärztin – hohe Anspannung – kommt die Frage was ich gelernt habe und ich weiß keine Antwort. Sendepause. Aber es scheint trotzdem soweit alles gut gewesen zu sein. ICH KANN HIER NICHTS FALSCH MACHEN sind ihre Abschiedsworte, die mir sehr gut tun und mir Sicherheit geben.

 

Die Dramatherapie war wieder toll. Wir haben Visitenkarten erstellt. Jeder von uns hat ein Wort für jeden anderen aufgeschrieben. Dann haben wir zu diesen Wörter – Gegenstände/Sinnbilder gesucht. Diese Sinnbilder wurden dann der jeweiligen Person zu geordnet, ohne das diese die Bedeutung wusste. Jede Person hatte dann 5 Gegenstände. Diese wurden dann nach ihrer Bedeutung erfragt. Jeder sagte sein gewähltes Wort, mit entsprechenden Erläuterungen. Ich hatte eine Schildkröte, einen Rettungsring, eine großen und einen kleinen Teddy und gelbe Wolle. Meine Visitenkarte: mutig, liebenswürdig, ehrlich, Herzlichkeit, bodenständig. Überraschend für mich war: mutig. Die Rückmeldungen zu den einzelnen gewählten Worten waren toll. Ich war überrascht, was die anderen für einen Blick auf mich haben, obwohl ich ja nur in den nonverbalen Gruppen dabei bin.

 

Die Sporttherapie ist diese Woche nicht mein Fall. In der ersten Stunde quäle ich mich 20 min auf dem Laufband und die zweite Stunde verschlafe ich. In den beiden Qigong – Stunden bringen mich die 18 Taichi-Qigong – Übungen ins schwitzen und lassen mich ruhiger werden.

 

Die Kunsttherapie ist wieder Balsam für meine kranke Seele. Meeresrauschen und das Meer malen. Heute hat mein Bild eine große warme Sonne. Sie trägt in ihren Strahlen, die Worte die ich gestern in der Dramatherapie von den anderen Patientinnen bekommen habe. Und gemeinsam mit der Therapeutin finde ich noch einen sehr guten Spruch dazu: Wo Sonne ist, ist auch Schatten. Wo Schatten ist, ist auch Sonne. Ja, ich möchte wieder lernen immer die Sonne, das Licht, zu sehen.

 

Die Ergotherapie verläuft diese Woche anders. Der Beginn und Verlauf der Stunde ist fröhlich und gelöst. Das erste mal, seit ich da bin, unterhalten wir uns gemeinsam und lachen miteinander. Ich glaube die Gruppe hat es geschafft zusammen zu finden. Meine Schnecke wird heute fertig. Sie bekommt den Namen Karlotta Kunterbunt. Ich finde sie toll.

 

Im Wochenausklang spreche ich noch einmal meine positive Wahrnehmung zur Ergotherapie aus und lese das Gedicht von Karlotta Kunterbunt vor. Es soll der Gruppe zeigen, dass ich gerne möchte, aber in mir noch so viel tobt, dass es noch immer sehr schwer ist die Gruppe auszuhalten.

 

In der Körpertherapie spielen wir Stock – Hockey. Ich bin nur bei den Vorübungen dabei. Das Spiel selbst wird mir dann zu viel. Schon die Vorstellung davon, gegeneinander um den Ring zu kämpfen, lässt mich aussteigen. Ich kann aber das Spiel selbst und auch die Lautstärke gut aushalten. Es macht mir „Freude“ zu sehen wie die anderen miteinander spielen, Spaß haben und voll dabei sind. Das ist Gruppenleben. Für mich ist nicht vorstellbar mitten drin zu sein.


Visitenkarte aus der Dramatherapie
Visitenkarte aus der Dramatherapie

Karlotta Kunterbunt

Karlotta Kunterbunt, du bist so wunderschön bunt.

Bunt wie die Natur, bunt wie das Leben, bunt wie die Menschen.

Zeig mir diese Welt, lass sie mich wieder fühlen.

Zeig mir das Leben, lass mich wieder hinein gehen.

Zeig mir die Menschen, lass mich wieder vertrauen.

 

Gib mir die Kraft für die lauten und leisen Töne.

Gib mir Mut meinen Weg zu gehen, mich nicht mehr zu verbiegen.

Gib mir die Zuversicht, dass ich mein Leben wieder finde.

Gib mir den Glauben an mein eigenes ICH.

Gib mir die Kühnheit zu sagen was ich denke und fühle.

Gib mir Vertrauen in meine Taten, zu mir selbst zu stehen.

 

Nimm mir die Angst vor den Menschen um mich herum.

Nimm mir die Angst zu versagen.

Nimm mir die Angst das Falsche zu tun.

Nimm mir die Angst verletzt zu werden.

Nimm mir die Angst Freundschaft zu geben.

Nimm mir die Angst ich selbst zu sein.

Nimm mir die Angst vor dem Leben.

 

Karlotta, du wurdest heute geboren.

Es war ein fröhliches Beisammensein.

Du trägst ein ein maßgeschneidertes, kunterbuntes Kleid.

Ein Kleid der Freundschaft, des Miteinanders.

Schön, dass es euch gibt.

 

07.12.2016 


2. Kunsttherapie - Einzel

 

Wieder rauscht im Hintergrund das Meer und wieder male ich das Meer.

Heute liegen am Strand die schönen großen Steine und auch ein Steinmännchen ist zu sehen. Die Sonne hat ihre warmen Strahlen ausgebreitet und trägt die Worte: mutig, liebevoll, ehrlich, herzlich und bodenständig.

 

"Wo Schatten ist, da ist auch Sonne. Wo Sonne ist, da ist auch Schatten."


Bilderbogen - Festung Königstein am 3. Advent


8. Woche vom 12.12. - 18.12.2016

Diese Woche auf meinem Therapieplan:

3x Einzeltherapie

1x Dramatherapie

1x Kunsttherapie

1x Ergotherapie

2x Qigong

2x Sporttherapie

1x Körpertherapie

1x Gruppenfreizeit

1x Wochenausklang

 

Diese Woche war sehr schwer. Es gab eine Entscheidung, die mich aus der Spur gebracht hat. Die Entscheidung, dass keine weitere Verlängerung beantragt wird. Das heißt für mich ist am 03.01.2017 erst einmal Schluss. Ich kann nicht mehr leisten, ich bin noch nicht stark genug. Jeden Tag dieser Woche kämpfe ich mit negativen, schwermütigen Gedanken. Jeden Tag kämpfe ich mit aller Kraft die noch da ist, den Tag gut zu überstehen. Ich glaube ich stehe mir gerade selbst im Weg. Ich könnte alles hinwerfen – Nein, ich will weiter machen. Ich will aufgeben – Nein, ich möchte die Therapien machen. Ich möchte schlafen – Nein, ich stehe auf. Ich will mit den Menschen hier sein – Nein, ich will meine Ruhe. Ich will wieder hinaus ins Leben – Nein, ich möchte in mein Schneckenhaus. Es ist zum verrückt werden und es raubt mir Kraft, die ich für die wichtigen Dinge hier brauche. Ich bin nicht gut genug. Ich schaffe es wieder einmal nicht.

Diese Stimme, die mir sagt, du wirst nie wieder fröhlich sein. Die mir sagt, das Leben ist zu laut, zu bunt, zu fröhlich. Es sind zu viele Menschen und Menschen kannst du nicht vertrauen. Zu viele Menschen sind in dieser Welt, die dich entwerten, die dich verurteilen, die dich benutzen, die dich erdrücken, die dich überrennen. Das wirkliche Leben ist anders. Das wirkliche Leben ist hart und ich bin zu weich.

 

Die Einzeltherapien in dieser Woche beschäftigen sich dem Ende des Klinikaufenthaltes, dem Danach zu Hause und mit meiner Depression und ihren Auswirkungen, meinem Wollen und meinem Können (Grenzen), meinen Zusammenbrüchen am Wochenende.

Meine Therapeutin hat nicht gegen mich, sondern für mich entschieden. Es wird keine Traumakonfrontation geben. Dafür ist es noch zu früh. Ich bin nicht stabil genug. Ich kann die Therapieziele nicht erfüllen. Ich habe derzeit, immer noch, nur die nonverbalen Therapien und bin trotzdem an meiner Leistungsgrenze bzw. überschreite diese. Ich bin in keiner verbalen Gruppentherapie dabei, weil ich die Gruppe und die Themen noch nicht aushalten kann. Das wird bis zum Ende meines Aufenthaltes auch so bleiben. Es ist eine gute Entscheidung für mich, sagt der Kopf und doch ist da die Stimme die flüstert: du bist nicht gut genug, du hast versagt.

Was kommt danach? Was werde ich tun um die Therapieerfolge zu stabilisieren, damit ich in einem Jahr wieder in die Klinik kommen kann? Suchen sie sich eine Ergotherapie, damit sie weiterhin unter Menschen sind. Im ersten Anlauf bin ich damit völlig überfordert. Ich schaffe es nicht die Dissoziation zu vermeiden. Ja, die Menschen hier haben mir gezeigt, dass es auch schön sein kann, mit ihnen zusammen zu sein. Aber, dass ist Klinikalltag, nicht das wirkliche Leben. Die Klinik ist der sichere Ort für mich. Ich bin nicht sicher genug den sicheren Ort bzw. mein Schneckenhaus zu verlassen. Ich habe Angst, große Angst. Danach brechen wir die Sitzung ab. Ich habe Zeit mich zu fangen. Am nächsten Tag setzen wir dann die Sitzung fort. Thematisiert wird nun was mich hier im Alltag so anstrengt. Es wird sehr klar, dass ich mich selbst überfordere, durch meine eigenen Ansprüche an mich. Ich bin wieder im alten Raster – perfekt sein – alles aushalten – alles mitmachen – funktionieren – Maske auf …. Niemand kann perfekt sein. Ich auch nicht. Ich muss auch nicht perfekt sein. Ich kann nicht alles leisten. Punkt. Das anzunehmen kostet mir die Nerven.

Ich muss/will lernen meine Grenzen anzuerkennen, mich selbst wahrzunehmen und mir die Zeit zu gönnen, die ich brauche. Ich selbst muss mich selbst besser behandeln. Ich suche mir eine Ergotherapie und die Sozialarbeiterin der Klinik sucht einen ambulanten Traumatherapeuten. So wird es weiter gehen.

Die letzte Sitzung der Woche leidet darunter, dass es mir sehr schlecht geht. Mein Kopf ist wie gelähmt. Auch mit Kopfflickflackübungen wird es nicht besser. Es ist einfach nicht mein Tag. Die Therapiestunde ist schnell zu Ende und ich kann nicht mehr sagen was wir genau besprochen haben. Meine Depression, mein Befinden, meine Maske, mein Verstellen und meine Grenzen...

Meine Therapeutin sagt: DIE LIEBEVOLLE HEIKE VON DAMALS IST NOCH DA! MANCHMAL TRAUT SIE SICH HERVOR!

 

In der Dramatherapie steht das Thema Farbe. Ich wähle einen knallorgangen Sitzball – für „das Leben ist bunt“. Reihum werden nun von den anderen Patientinnen Gegenstände zu meinem Bild hinzugefügt. Ein Gegenstand der die selbe Farbe hat. Ein Gegenstand der gut dazu passt. Dann wird das Bild verändert. Dann wird etwas hinzugefügt was fehlt. Ergebnis – Ein „Bühnenbild“. Ich schaue mir das Bild an und sehe meine Angst – Angst, das Leben ist zu laut. Um das Bild für mich stimmig zu machen, kann ich das Bild verändern. Ich nehme die Trommel heraus und nehme eine Schildkröte herein. Zu meinem „Bühnenbild“ kommt nun ein Darsteller (ein Tier) hinzu. Ich kann es ablehnen oder annehmen. Ich bekomme von Jenny Bär Balu „versuchs mal mit Gemütlichkeit“ dazu, was mir sehr gefällt. Zum Abschluss wird eine kleine Szene zum Bild gespielt. In der Abschlussrunde sage ich: Ich möchte gern wieder so fröhlich sein können, wie mein Bild ist.

Es war eine wohltuende Runde. Es sind wunderbare Bilder entstanden und am Ende wunderbare Wünsche geäußert worden. Es kann so einfach sein.

 

Die Ergotherapie ist wieder toll. Die Stimmung ist wunderbar und gelöst in der Gruppe. Alle basteln und werkeln und erzählen und lachen. Ich bastel an meiner Möwe weiter, die heute Flügel und Farbe erhalten soll. Die Flügel fest zu bekommen ist nicht so einfach, aber mit etwas Geduld klappt auch das. Die Stunde vergeht wie im Flug.

 

Qigong und Sporttherapie laufen diese Woche sehr unterschiedlich. Ich bin am Mittwoch so fertig, dass selbst Qigong nicht wirklich bei mir ankommt. Die erste Stunde Sporttherapie blockiere ich, ich frustriert einfach nicht hin und schlafe. Zur zweiten Stunde gehe ich und quäle mich 25 min auf dem Laufrad. Mehr war nicht drin.

 

Die Gruppenfreizeit habe ich versucht, aber sehr zeitig abgebrochen. Ich konnte das Gewusel nicht ertragen.

 

In der Körpertherapie stand diese Woche das Thema: Achtsamer Spaziergang. Wir liefen eine kleine Runde zum Brauhauspark. Dabei standen die Aufgaben für jeden Einzelnen: achten sie bitte nur auf sich selbst, achten sie darauf wie sie gehen, was sie fühlen, was sie sehen. Im Park machten wir dann noch eine Blickwinkelübung. Wir verkleinerten unser Sichtfeld und schauten uns durch das begrenzte Handfenster um. Im Anschluss kam eine Paarübung. Einer schaute durch das Sichtfenster und beschrieb, der andere versuchte, das Gesehene, sich vorzustellen. Leider war ich an diesem Tag so neben der Spur, dass diese Übungen völlig an mir vorbei rasten. Ich war dabei und doch nicht dort.

 

Der Wochenausklang bedarf diese Woche nicht vieler Worte. Er war so, wie die ganze Woche für mich war. Ich war nicht in der Lage etwas Vernünftiges zu sagen. 


3. Kunsttherapie - Einzel

 Frau Flache schafft es mich einzufangen. Als ich heute sage, dass es mir nicht gut geht, das ich Angst habe, vor dem danach, lächelt sie mich an und kocht in aller Seelenruhe erst einmal einen Kaffee. Dann erklärt sie mir meine Gedankenwelt. Ich habe so viele negative Dinge und Glaubenssätze in mir, das die positiven Dinge nicht in mein Inneres dringen können. Ich soll lernen mir zu verzeihen und den Menschen, die mir weh getan haben. (Aber wie mache ich das?) Erst wenn ich loslasse kann ich wieder gut für mich selbst sorgen (Ja, das glaube ich und weiß ich, aber ich habe noch nicht heraus gefunden, wie ich loslassen kann.).

 

Dann machen wir eine Übung, sie schreibt einen Satz auf und ich antworte darauf (bitte nicht das sagen, was sie denken, das ich hören möchte).

Ich bin liebenswert – Bin ich das?

Ich bin liebenswert – Nein

Ich bin liebenswert – Vielleicht doch?

Ich bin liebenswert – Nein

Ich bin liebenswert – Ich glaube das nicht.

Ich bin liebenswert – Ich möchte gerade weglaufen.

Sie lacht.

Schauen sie was dieser positive Satz mit ihnen macht. Sie lassen es nicht zu.

Wie ist es damit?

Ich bin in Ordnung – Ja.

Ich bin gut – Ich weiß nicht.

Dann belassen wir es bei „Ich bin in Ordnung" und malen das jetzt. Machen sie die Augen zu und stellen sie sich vor „Ich bin in Ordnung“. Ich sehe mich hinter einem riesigen Berg, dort bin ich für mich in Ordnung.

 

Heute bekomme ich Kreide zum malen. Der Berg und ich sind schnell gemalt. Der Berg ist sehr hoch und ich stehe gelb (für: in Ordnung) dahinter. Dann kommt aber noch das grün der Wiese, das blau des Himmels und eine große strahlende Sonne hinzu. Ihre Strahlen erreichen mich auch hinter dem Berg. Auf dem Berg, wächst ein Baum und an seinen Ästen hängt ein einzelner vergessener roter Apfel (überall gibt es Leben). Vor dem Berg, auf der Wiese, wachsen wunderschönes Blumen. Ich kann sie nicht sehen, weiß aber, dass es so ist und ich sehe den Weg, der um den Berg herum verläuft. Ich muss ihn nur gehen.

 

Als ich fertig bin, bin ich erstaunt über mich selbst. Alles was ich gemalt habe, war in mir. Es ging von ganz allein. Trotz meiner Angst in diese Welt zu gehen, habe ich sie bunt und warm gemalt. Ich bin wesentlich ruhiger und mein Kopf ist klar. Ich bin raus aus dem Gedankenkarussell.


Ausstellung "3 Haselnüsse für Aschenputtel"

Das Wochenende war sehr schön, aber anstrengend. Am Samstag Nachmittag bin ich mit Michael in der Altstadt unterwegs. Es ist tolles Wetter, dass zum spazieren gehen einlädt.

 

Der Sonntag ist Überraschungstag für Ute. Unser letztes gemeinsames Wochenende in der Klinik. Sie hatte zu Beginn unserer Zeit mal den Wunsch geäußert, nach Schloss Moritzburg in die Ausstellung „Drei Haselnüsse für Aschenputtel“ zu wollen. Das machen wir heute. Leider regnet es, so dass das Schloss nicht in seinem schönsten Glanz zu sehen ist. Aber wir haben in der Ausstellung viel Spaß. Danach verbringen wir noch Zeit zu Hause. Wir beenden unseren gemeinsamen Tag mit dem „Wunschessen“, das Michael für uns gekocht hat. Es war eine schöne gemeinsame Zeit.


9. Woche vom 19.12 - 26.12.2016

Diese Woche auf meinem Therapieplan:

3x Einzeltherapie

1x Dramatherapie

1x Dramatherapie Einzel

1x Ergotherapie

1x Qigong

2x Sporttherapie

1x Körpertherapie

1x Wochenausklang

 

Diese Woche stand ganz unter dem Eindruck von Abschied, negativen Gruppenschwingungen und meiner Grenzbelastung . Ich habe, mit Sonderausnahmeregelung, noch einmal einen Nachmittag mit Ute in der Altstadt verbringen können. Am Mittwoch, dem Tag ihrer Abreise bin ich nicht schlafen gegangen, sondern schenkte ihr die Zeit. Es war eine gute Entscheidung. Ich konnte die Überraschung und Freude in Utes Augen sehen. Wir verabschiedeten noch ein Gruppenmitglied am Donnerstag, in einer schönen Gruppenrunde.

In dieser Woche habe ich jeden Tag gekämpft, mit meinen letzten Kräften. Die Luft ist raus. Ich fühle mich schon am Morgen, wie vom Zug überfahren. Aber irgendwie komme ich dann über den Tag. Jetzt merke ich in allen Gliedern und im Kopf, dass es richtig war, nicht noch einmal zu verlängern. Ich bin einfach am Ende. Eine Woche noch und ich sehne mich schon danach eine Woche lang mal gar nichts zu tun, nichts, einfach nur sein. Ich bin zu schwach für diese Welt. Ich schaffe es nicht. Ich bin so müde. Ich hin so müde vom kämpfen. Ich bin so müde von den Menschen.

Dazu kommen diese Gruppenschwingungen, die mich kirre machen. Ich fühle mich nicht sicher, nicht sicher in der Gruppe. Ich möchte vor den Spannungen weglaufen, sie vermeiden. Ich möchte das nicht. Ich will keinen Menschen, die Masken tragen und mit gespaltener Zunge reden, mehr begegnen und schon gar nicht mit ihnen zusammen sein. Doch muss ich es aushalten, hier. Jetzt bin ich wieder froh, nicht den Schritt in die Gruppe gemacht zu haben. Ich musste mich mit alle dem nicht auseinander setzen. Es ist genau das, wovor ich weglaufe, was ich nicht aushalten kann. Ich weiß nicht was stärker in mir wütet, die Angst oder wirklich Wut. Ich bin für die Welt der vielen Menschen nicht gemacht. Aber so ist die Welt! Vertrauen kannst du nur selten und es gibt immer wieder Menschen, die dich auf die eine oder andere Weise mißbrauchen. Warum können die Menschen nicht bei sich bleiben? Warum projektieren sie auf andere Menschen, was sie selbst tun und denken? Ich sehne mich nach meinem Schneckenhaus. Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

Aber wäre ich in meinem Schneckenhaus geblieben, hätte ich nicht Ute getroffen und andere gute Menschen, hätte nicht so viele schöne Momente erleben können. Trotzdem bin ich derzeit dabei mein Schneckenhaus vorzuziehen und mit dem zufrieden zu sein, was ich habe. 

 

Einzeltherapie zu Wochenbeginn, heißt immer Wochenendrückblick. Er fällt positiv aus, da ich aktiv war. Mein Nachmittag mit Ute wird mehrfach hinterfragt und mir wird wieder bewusst wie sehr ich meine Grenzen strapaziert habe, aber auch das ich auf mich aufgepasst habe, in dem ich mir eine Auszeit auf dem Balkon genommen habe. Noch immer gehe ich über meine Grenzen, wenn ich etwas Gutes für andere (ja, auch mich) tue. Mein „Sonnentagebuch“ wird ebenfalls hinterfragt. Ich habe die Aufgabe erfüllt und doch könnte darin noch viel mehr stehen. Es gibt so viele viele Kleinigkeiten im Alltag. Ich will noch aufmerksamer werden.

Dann beginnen wir mit dem Thema der Woche, das mich zwingt meine Regulationsübungen und den Notfallkoffer einzusetzen. Ich hatte übers Wochenende eine Hausaufgabe zu bewältigen, die ich nur sehr schwer fassen konnte und die mich auch sehr mitgenommen hat. Ich hatte die Aufgabe einen Bericht über die Auswirkungen und Ursachen des Traumas, aus meiner Sicht, zu schreiben. Ohne auf die eigentlichen Vorfälle einzugehen, schaffte ich es nicht. Aber ich konnte es aufschreiben, brauchte aber meinen Eispack um den Kopf zu kühlen (verhindert dass ich Dissoziationen bekomme oder meine Gedanken nicht mehr im Griff habe). Ich lese in der ersten Sitzung den „richtigen und falschen“ Bericht vor. Das gelingt auch gut. Ich kann es von mir weglesen. In der zweiten Sitzung liest meine Therapeutin vor. Das ist für mich etwas ganz anderes. Ich kann ihn nicht weglesen. Das Vorlesen trifft mich und erzeugt Bilder im Kopf und die Worte fallen über mich her. Heute aber schaffe ich es Skills anzuwenden. Zum einen hatte ich vorgesorgt und einen Eispack mitgebracht. Zum anderen merkte ich wie die Dissoziation angeschlichen kam und sagte STOP. Ich schaffte es im hier und jetzt zu bleiben. Es folgten verschiedene Gehirnflickflackübungen, die mich wieder ruhiger werden ließen. Diese werde ich noch weiter festigen müssen, um sie immer dann, wenn es nötig wird, automatisch anzuwenden. Das wird nötig sein, da ich weiterhin in der Traumatherapie bleiben werde, aber ambulant. Freu. Wir haben die ambulante Betreuung und meinen notwendigen Notfallkoffer besprochen. Ich werde ihn noch ergänzen müssen, durch einen „Reizduft“, für den Akutfall. Denn es soll nicht noch einmal geschehen, dass ich in einer Dissoziation über die Straße gehe o. ä. Da die ambulante Betreuung auch hier in der Klinik durchgeführt, habe ich die Möglichkeit nach der Therapie erst einmal eine Auszeit in der Lobby oder im kleinen Café zu nehmen. Erst wenn ich mich reguliert habe und sicher bin mit mir selbst bin, fahre ich dann zurück. Das gibt mir schon jetzt ein Gefühl von Sicherheit. Ich hoffe nur meine Krankenkasse spielt auch mit. Ich könnte meinen Weg fortsetzen und mich weiter stabilisieren für einen weiteren Aufenthalt in der Klinik.

Leider muss ich meine Therapiezeit auch wieder für die Gruppenschwingungen aufwenden, da sie mich fertig machen, es mir sehr schlecht geht und ich einiges nicht verstehe. Für mich sehr wichtig ist die Erkenntnis, dass meine Reaktion, mich aus der Gruppe heraus ziehen zu wollen, wegzulaufen in Ordnung ist. Es ist Selbstschutz, der in Ordnung geht. Die Situation in der Gruppe betrifft mich nicht. Es ist gut, dass ich bei mir selbst bleibe und meine Gedanken ehrlich sage. Ich kann nicht anders, es muss raus. Ich denke hier ist es auch an der richtigen Stelle. Ein Blick von Außen ist immer realistischer und emotional freier. Es war meine richtige Entscheidung. Meine Therapeutin hinterfragt, sie hört zu, lehnt nichts ab, sie öffnet meinen Blick, sie bestätigt mich und lässt mich meine Gedanken sortieren. Da ich nicht in den verbalen Gruppentherapien dabei bin, habe ich eine sehr eingeschränkte Sicht auf die Gruppe. Ich muss es aushalten, dass Menschen ihre Maske zur Schau tragen und diese auch noch wechseln. Ich muss aber nicht mit ihnen in Kontakt treten. Ich darf mich zurück ziehen. Ich darf auch einen Schritt zurück, aus der Gruppe, gehen. Es ist nicht meine Jacke. Auch Therapeuten haben es sicherlich nicht einfach. Jeder Patient ist anders, jeder öffnet sich oder eben auch nicht und dazu spielen noch einige ein falsches Spiel. Leider. Ich habe von Beginn an, ein ehrliches Verhältnis, das mir Sicherheit gibt. Ich habe gefragt, auch vielleicht unangenehm, aber ich wollte Antworten und habe sie bekommen. So auch heute.

 

Dramatherapie hat heute die Gruppe im Blick. Wieder gibt es Spannungen in der Gruppe. Sie treiben mich heraus aus der Gruppe. Doch ich kann beim Thema bleiben und setze mein Gruppenbild aus vielen wunderbar schönen großen und kleinen Steinen zusammen. Jeder Stein ist anders. Jeder Stein ist schön. Jeder kann sein wie er ist und sich in der Gruppe finden. Nur ich stehe noch immer etwas außerhalb der Gruppe. Ich schaffe den letzten Schritt noch nicht. Wenn die Steine im Meer liegen und die Wellen sie hin und her bewegen singen sie wunderschöne Lieder. Ja sie reiben sich, aber sie erhalten auch eine Form und glänzen nass in der Sonne. Am Ende der Stunde fühle ich mich gut.

 

Visite, die letzte. Heute ist Tag des Rückblicks. Was habe ich gelernt, was ist mir gelungen, wie ist es mir ergangen. In meinem positiven Rausch (noch aus der Einzel - Dramatherapie) gelingt es mir heute viele Dinge aufzuzählen: ich habe gelernt Gruppe auszuhalten, bin nie aus dem Essenraum geflohen, ich kann mit Menschen zusammen sein und mich unterhalten, ich kann wieder lachen, ich habe zu einem Menschen hier, vertrauen – Freundschaft gefasst, ich bin nicht mehr ganz leer – es ist wieder ein leichtes Gefühl da, ich habe gutes Handwerkszeug – Skills – erhalten, ich kann meine Dissoziation wahrnehmen und verhindern, ich übe Gehirnflickflack, ich möchte wieder kommen. Ich hatte das Glück! die richtigen Therapeuten zu haben. „Ja, da haben sie aber ganz schön viel geschafft,“ ist die Antwort, „alles Gute auf ihrem Weg“.

 

Zur Ergotherapie kamen nur 5 aus der Gruppe und sie waren sehr aufgewühlt und mitgenommen, hatte ich den Eindruck. Ich erinnerte sie an unsere zwei letzten Ergotherapien, in denen wir fröhlich miteinander gebastelt und gewerkelt hatten und bat sie um so eine fröhliche Runde. Es gelang, es war eine schöne Stunde. Ich habe meine Möwe weiter bearbeitet. Die Servietten für die Flügel raubten mir die Nerven, aber ich habe es hinbekommen. Sie wird in meiner letzten Stunde fertig werden. Ich habe mich bei allen für die schöne Bastelzeit mit ihnen bedankt.

 

In dieser Woche gehe ich einmal zu Qigong und einmal zur Sporttherapie. Mehr ist nicht drin.

 

Wochenausklang: Die Woche war für mich sehr turbulent. Ich habe in dieser Woche zwei emotionale Gruppenverabschiedungen erleben dürfen. Ich habe in der Dramatherapie-Einzel etwas Wunderbares annehmen können. Ich habe eine fröhliche Ergotherapie erlebt, mit Menschen die einfach einander gut getan haben. Ich wünsche allen ein frohes Weihnachtsfest mit vielen kleinen und großen Glücksmomenten. Weiter wollte ich nichts sagen. Doch es kam anders. Die Frage nach dem Wochenende kam natürlichh noch. Wochenende – Ich werde einen schönen Nachmittag zu Heilig Abend haben und dann freue ich mich auf zwei Tage Schneckenhaus. Das war natürlich nicht die richtige Antwort. Grr. Die Nachfrage zum Schneckenhaus kommt prompt. Sie ärgert mich. Hat sich nichts geändert? Doch hat es. Es gibt Karlotta Kunterbunt, ich gehe auch heraus aus meinem Schneckenhaus, ich bin auch Schritte in die Gruppe gegangen, brauche nicht mehr so viel Kraft sie auszuhalten und ich habe Freundschaften geschlossen. Wäre ich nur in meinem Schneckenhaus geblieben, wäre das nicht möglich gewesen, antworte ich. Aber meine Gedanken fahren Achterbahn. Warum darf ich nicht in mein Schneckenhaus? Ich brauche es noch und ich sehne mich danach. Die Welt ist immer noch schwer zu ertragen und ich brauche meine Insel noch.

 

Diese Woche schleppe ich mich in die Körpertherapie und hoffe, dass wir eine ruhige Stunde haben werden. Zum Glück geht es einigen in der Gruppe so. Die Therapeutin hat eine Geschichte von Michael Ende vorbereitet. Schildkröte Trampeltreu geht ihren Weg und lässt sich von anderen Tieren nicht vom Ziel abbringen. Die Geschichte ist wunderbar. Aber ich bin froh, als diese Stunde beendet ist und mein Wochenende da ist.


Körpertherapie

 

Tranquilla Trampeltreu, eine Schildkröte.

Eine Schildkröte als Held? Wie kann das sein?

Die Schildkröte Tranquilla Trampeltreu erfährt von der Taube Sulaika Silberkropf und dem Täuberich Salomon Silberkropf, dass der Große Sultan aller Tiere, Leo der Achtundzwanzigste, Hochzeit feiern und ein riesiges Fest geben will. Es soll das schönste Fest werden, das es je gegeben hat. Nach langem und gründlichem Nachdenken beschließt Tranquilla Trampeltreu, sich ebenfalls auf den Weg zu diesem Fest zu begeben, auch wenn der Weg bis dahin sehr weit sein soll. Langsam zwar, aber Schritt für Schritt, setzt sie sich in Bewegung. Unterwegs begegnet sie vielen Tieren. Zuerst trifft sie auf die Spinne Fatima Fadenkreuz, die sich über Tranquilla Trampeltreu lustig macht und ihr abrät, den Weg fortzusetzen, weil sie ja doch nicht rechtzeitig ankommen würde. Als nächstes kriecht ihr die Schnecke Scheherasade Schleimig über den Weg. Die bringt das unglaubliche Vorhaben der Schildkröte ganz durcheinander. Nicht nur, dass Tranquilla Trampeltreu in die falsche Richtung gelaufen ist, nein, sie findet das ganze Unterfangen ganz „schnecklich“ und komplett aussichtslos. Auch die Eidechse Zacharias Zierfuß, der weise Rabe Hatschi Halef Habakuk, alle raten der Schildkröte vehement ab, ihren Weg weiter zu gehen, weil sie es ja doch niemals bis zur Hochzeit von Leo dem Achtundzwanzigsten schaffen werde. Selbst, als Tranquilla Trampeltreu erfährt, dass dieser Leo bei einem Kampf mit dem Tiger Sebulon Säbelzahn ums Leben kam, lässt sie sich nicht beirren und verfolgt weiter ihr Ziel. Allen Skeptikern zum Trotz wiederholt sie stets: „Mein Entschluss steht fest.“ Ihre Ausdauer und Beharrlichkeit werden mit einem wunderschönen Fest belohnt. Es ist nicht das Fest von Leo dem Achtundzwanzigsten, sondern die Hochzeit von Leo dem Neunundzwanzigsten! Am Ende ihrer langen Reise ist sie zwar ein bisschen müde, aber vor allem sehr glücklich.

 

Eine wunderbare Botschaft

Die Botschaft der Geschichte ist zeitlos, aktuell und wunderbar: Mit Beharrlichkeit und Vertrauen in die eigene Kraft kann man sein Ziel, sei es auch noch so fern, erreichen. Schon der Name Tranquilla Trampeltreu versinnbildlicht, worum es geht, denn das lateinische Wort „tranquillus“ bedeutet nichts anderes als „ruhig“ oder „gelassen“. Und genauso, sich selbst treu bleibend, geht die Schildkröte ihren Weg und verfolgt ihr Ziel. Auch bei anderen Tieren spielt Michael Ende mit den Lauten und erfindet klangvolle Namen wie Fatima Fadenkreuz für die Spinne, Jussuf Juckfinger für das Äffchen oder Scheherasade Schleimig für die Schnecke. Kinder lieben solche lustigen und phantasievollen Lautmalereien.

 

Ein Mutmach-Buch

Dieser Kinderbuchklassiker für kleine und große Leute macht allen Mut, ein gestecktes Ziel mit Geduld, Gelassenheit und unbeirrt zu verfolgen. Nicht immer ist der Schnellste, Größte, Lauteste auch am Ende der Erfolgreichste, Zufriedenste und Glücklichste. Der Weg ist das Ziel.

In einem Interview wurde Michael Ende gefragt, weshalb in seinen Geschichten so oft Schildkröten vorkommen. Ihn hat vieles an diesen Tieren fasziniert: Ihre Bedürfnislosigkeit, ihre anscheinende Nutzlosigkeit, ihr Alter, ihr Gesicht, ihre Form. Und er findet, ihre Form betrachtet und (philosophisch) interpretiert: „Sie trägt ihre eigene kleine Zeit in sich.“ Wie wunderbar poetisch.

Erschienen ist das Buch 2009 im Thienemann Verlag


Dramatherapie - Einzel

Heute habe ich meine erste Einzel - Dramatherapie und bin schon sehr gespannt. Da ich nur 2 Stunden insgesamt habe, suchen wir ein „kurzes“ Thema. Ich schlage das vor, was mir am nächsten steht: Mein ramponiertes Selbstbild. Ich glaube Frau Rothe fand es gut.

 

Erste Aufgabe für mich ist, Gegenstände im Raum zu finden und damit ein Bühnenbild zu gestalten. Ich wähle eine sehr rundliche Holzfigur, einen bunten Stein, ein Wirrwar aus Fäden, eine weiß-bunte Perle und etwas später füge ich noch eine Schachtel hinzu.

Rundliche Holzfigur: Ich bin rundlich, möchte so warm und weich sein wie das Holz,

Stein: Ich bin hart zu mir selbst.

Wirrwar an Fäden: Mein Gehirn mit seinen wirren Gedanken

Perle: Manchmal sehe ich die Farben des Lebens, erlebe Glücksmomente

Schachtel: Ich bin eine leere Schachtel die denken kann. Ich kann nicht fühlen.

 

Gemeinsam gehen wir dann durch den Raum und schauen durch die Fenster auf den Himmel. Dann kehren wir zum Bühnenbild zurück. Ich nehme sofort die Schachtel aus dem Bild. Sie passt überhaupt nicht dazu. Ich lege sie nicht außerhalb der Bühne ab, nein ich lege sie ganz weg. Sie geht einfach gar nicht. Frau Rothe lächelt mich an. Erinnern Sie sich bitte an unsere Gruppen - Dramatherapie, in der sie Rückmeldungen von den anderen bekommen haben. Welche waren es? Bodenständig, ehrlich, liebevoll, herzlich. „Sehen Sie, die leere Schachtel passt nicht zu Ihnen“. Es ist so viel in Ihnen. Sie wissen was sie tun möchten, Ihr Kopf weiß noch alles. Es ist nur so, das er die Gefühle verlegt hat. Wie ein wertvolles Schmuckstück, dass wir dann suchen, weil wir ganz genau wissen es ist da. Oder ein Buch. Ja, ein Buch, das gefällt mir gut. Ein Buch hat auch Gefühle. Ein wertvolles Buch, in dem alle meine Gefühle aufgeschrieben sind.

Ich bin kein leerer Karton. Es ist alles noch da, nur weiß ich noch nicht wo.

 

Ich bin ein gefühlvoller Mensch, der sein wertvolles Buch verlegt hat und ich werde es wiederfinden.

 

Ich völlig überrascht von mir selbst. Ich bin total geplättet. Ich bin … Ich kann es gar nicht fassen. Es ist gerade wie eine positive Dusche, warm und wohlig. Frau Rothe lächelt und beendet die Therapie an dieser Stelle, weil sie diesen Augenblick und meine Worte nicht zerstören möchte. Und ich, ich bin gerade Alice im Wunderland.


20.12.2016 - Abschiedsabend mit Ute


Weihnachten in der Klinik

24.12.2016

Hilfe wie kann ich nur an Weihnachten so früh aufstehen. Pünktlich um 6.45 Uhr klingelt der Wecker. Aufsteeeeeeeeeeeehhhhhen!

Mühsam finde ich aus dem Bett und ins Bad. Medikamente holen und meine erste Schokokugel mit guten Wünschen abgeben. Ich bekomme ein Lächeln zurück. Kaffee kochen und ab auf den Hof, der heute ganz ruhig da liegt. Ich habe eine halbe Stunde allein mit mir, meinem Kaffee und meinen Zigaretten. Ein Wohltat für meine Seele.

Aber auch heute muss ich in den Essensaal. Für jedes Gruppenmitglied, dass noch hier ist, das Küchenpersonal, die Rezeption und für das Reinigungspersonal habe ich eine Schokokugel dabei. Frohe Weihnachten. Ein warmes Lächeln geht hin und her. Es weihnachtet sehr. Schön.

Bis 12.00 Uhr schlafe ich noch einmal. Auch jetzt klingelt mich der Wecker aus dem Bett. Ich hübsche mich auf für den Weihnachtsnachmittag mit Michael.

Den frühen Nachmittag verbringen wir zu Hause. Die letzten Geschenke werden verpackt. Dann packe ich mein Päckchen aus. Ich habe wirklich ein paar sehr verrückte liebe Facebookfreunde. Der Inhalt ist einfach nur geil. Ich bin völlig von den Socken. Mein großer Dänemark-Hoptimist darf heute auch in die Küche einziehen. Freu. Dann machen wir Kaffeezeit mit lecker Torte, aus der besten Konditorei in Dresden. Im Anschluss verstauen wir alle notwendigen Dinge und die Geschenke im Auto. Wir fahren in die Altstadt. Leider sind die Lichter auf dem Striezelmarkt, in diesem Jahr, schon fast alle aus. Aber wir bummeln trotzdem noch zwischen den Buden umher. Es ist schon zu spät für das Krippenspiel in der kath. Hofkirche, so dass wir Zeit haben.

Wir bummeln hinüber zum Schloss und im Schlossdurchgang singt eine Gruppe Frauen, mit tollen Stimmen, schöne Weihnachtslieder. Wir verweilen eine Weile – ja es ist Weihnachten. Wir bummeln an Stallhofmauer entlang zur Frauenkirche und drehen eine Runde um sie herum. Auch dort erklingt Weihnachtsmusik – Klavier und Trompete. Es weihnachtet sehr. Dann schlendern wir durch die Münzgasse, die noch ihre Lichter hat, zu unserem Lieblingsrestaurant „Zum Kutscher“. Ein Tisch für Zwei ist bereit und wir genießen die Zeit und das Essen.

Danach geht es für mich in die Klinik zurück. Den Restabend verbringe ich vor dem Laptop und stelle endlich Weihnachtsgrüße ein und bedanke mich endlich bei meinen Admins in den Gruppen dafür, dass sie mir so gut helfen. Es war ein schöner Tag. Michael fährt nach Guben, zum Weihnachtstreffen der Kinder und Enkelkinder.

 

25./26.12.2016

Auch an den beiden Weihnachtstagen muss ich früh aufstehen. Aber der Morgen beginnt sehr ruhig und ich habe die Hofpause am Morgen für mich allein. Frühstück. Jeden Tag verteile ich meine Schokokugeln – Pflegepersonal, Gruppenmitglieder, Küchen- und Reinigungspersonal, Rezeption – Frohe Weihnachten und ein warmes Lächeln geht hin und her. Schön.

Den Vormittag der beiden Tage verschlafe ich. Die Nachmittage verbringe ich vor dem Laptop und wurschtel so vor mich hin. Ich bin froh, das es so ruhig ist und ich ganz viel Zeit für mich habe. Ich merke wie sehr ich solche Tage brauche, wie sehr ich sie vermisse. Einfach nur vor mich hin, einfach nur da sein, einfach nur Ruhe, keiner stört. Ich schaue mir meine gesamte Weihnachtspost noch einmal an, lese noch einmal jede Karte und schreibe mir die schönsten Zeilen heraus. Ich habe so tolle Facebookfreunde, von denen ich die meisten noch nie gesehen habe. Aber sie denken an mich und machen mir Mut, geben mir Kraft und senden mir ein Lächeln.

Es ist Weihnachten und ich bin froh, diese zwei ruhigen Tage gehabt zu haben. Ich konnte Kraft für meine letzte Woche sammeln. Ich kann das Ende sehen und sehne mich danach. Ich weiß nicht was kommen wird, aber ich weiß, ich kann dann ausspannen, mich erholen. Ich hoffe nur, ich falle nicht in ein Loch. Im Moment zählt: Ich habe 10 Wochen durch gehalten. 10 Wochen, die mir alles abverlangt haben was da war und die mir vieles gegeben haben. Ich habe es geschafft. Darauf bin ich stolz.

 

Ich habe eine schöne Weihnachten verbracht! Ich habe mir die Zeit selbst schön gemacht! Ich habe für mich gesorgt! Ich habe mir Ruhe und Allein sein gegönnt!

Frohe Weihnachten!


Ein wundervolles Weihnachtsgeschenk von Anna L.

24. - 26.12.2016 - Weihnachten

Heilig Abend

Das erste mal seit sehr langer Zeit stehe ich Heilig Abend um 7 Uhr in der Früh auf. Hofpause allein und ruhig, Frühstück. Ich lege Schokokugeln, zu den Gruppenmitgliedern, in die Küche, in die Pflege, der Reinigungskraft und in der Lobby aus, frohe Weihnachten. Ich kann mich daran erfreuen und unser Lächeln wandert hin und her. Das ist Weihnachten.

Schlafen bis 12 Uhr. Aufstehen, duschen und warten auf Michael. Wir fahren nach Hause. Die letzten Geschenke werden verpackt. Dann packe ich mein Päckchen von Britta auf. Ich habe wirklich ein paar sehr verrückte liebe Facebookfreunde. Der Inhalt ist einfach nur geil. Es folgt unsere Kaffeezeit mit lecker Torte. Danach verstauen wir alle notwendigen Dinge für das Weihnachtstreffen im Auto und fahren in die Altstadt. Wir haben leider zu lange gebummelt, das Krippenspiel in der kath. Hofkirche ist schon fast vorbei und es lohnt sich nicht mehr hinein zu gehen. Wir bummeln in der Altstadt, hören 5 Frauen zu, die mit tollen Stimmen, Weihnachtslieder singen – ja es ist Weihnachten. In der Münzgasse, unserem Lieblingsrestaurant „Zum Kutscher“ essen wir in aller Ruhe lecker Abendbrot. Danach geht es für mich in die Klinik zurück. Den Restabend verbringe ich vor dem Laptop und stelle endlich Weihnachtsgrüße ein und bedanke mich bei meinen Admins in den Gruppen dafür, dass sie mir so gut helfen. Es war ein schöner Tag.

 

1. Weihnachtstag

Hilfe, wie kann ich an so einem Tag, nur so früh aufstehen. Ich bin total fertig und die Angst surrt wieder in mir. Dieser blöde Anruf. Hofpause fast allein und in aller Ruhe. Frühstück, Schokokugelnverteilung, dann ist wieder schlafen angesagt. Halb 12 Uhr holt mich der Wecker aus dem Schlaf. Mittagessen, ein richtiges Festessen, ober lecker. Ich bedanke mich für das leckere Essen beim Küchenpersonal. Danach sitze ich irgendwie sinnlos vor dem Laptop, bin auf Facebook unterwegs aber so richtig kommt nichts an. Die Zeit vergeht trotzdem. Es ist schön so einen ruhigen Tag zu haben. Ich merke wie sehr ich ihn brauche und bin froh, dass morgen noch so ein Tag ist.

Ich sehne mich so nach Nichts, nach Ruhe, allein sein und einfach nur da sein. Ich habe keine Kraft mehr, aber die eine Woche schaffe ich noch. Mehr ist nicht drin. Leider.

Nach dem ich mit Spielen abgelenkt habe, greife ich zu meinen vielen Weihnachtskarten. Ich lese sie noch einmal, eine nach der anderen und schreibe mir die „wichtigsten“ Worte heraus. Es ist Wahnsinn, so viele Menschen, die ich noch nie im Leben gesehen habe, haben hier an mich gedacht, mit Karten und Päckchen. Ja, auch Facebook kann verbinden.

Noch immer ist der Anruf meiner Schwägerin in meinem Kopf. Warum wird wieder von mir erwartet das ich anrufen. Seit März rufe ich nicht mehr an und niemand aus der Familie hat es gekümmert. Warum also sollte ich nun anrufen? Warum habe ich trotzdem diese Gedanken im Kopf? Warum können sie mich nicht einfach in Ruhe lassen. Warum habe ich wieder das Gefühl die Dumme zu sein? Ich will das nicht mehr, immer und immer wieder diese Erwartungshaltung, immer und immer wieder dieses Gefühl ich wäre der schlechteste Mensch auf der Welt. Wenn sie mich vermisst, warum ruft sie dann nicht selbst an? Ich dreh mich im Kreis und komme nicht weiter.

Ich bastel an meiner Homepage und es klappt, ich habe jetzt andere Gedanken im Kopf.

 

2. Weihnachtstag

Auch am 2. Weihnachtstag ist zeitiges Aufstehen meine Pflicht, die ich absolviere. Die Hofpause ist so schön ruhig, keiner stört. Frühstück und Schokokugeln verteilen, dann wieder schlafen. Heute bin ich schon um 11 Uhr wach. Ich freue mich auf diesen ruhigen Schneckenhaustag. Ich bastel an der Homepage, ab und zu ne Hofpause in aller Ruhe und so vergeht der Tag. Es ist Weihnachten und ich bin froh, dass ich diese zwei ruhigen Tage hatte. Ich konnte Kraft tanken, für meine letzte Woche. Ich kann das Ende sehen und sehne mich danach. Ich weiß nicht was kommen wird, aber ich weiß, ich kann dann ausspannen, mich erholen. Ich hoffe nur, ich falle nicht in ein Loch. Wenn es so sein sollte, muss ich damit leben. Ich hoffe sehr, es zeigen sich die Erfolge der Therapie und das ich kann sie weiter stabilisieren. Ich habe 9 Wochen durch gehalten. 9 Wochen, die mir alles abverlangt haben, was da war. Ich habe es geschafft. Darauf bin ich stolz. Die letzte Woche schaffe ich auch noch. Frohe Weihnachten!


10. Woche vom 27.12.2016 - 01.01.2017

In dieser Woche auf meinem Therapieplan:

2x Einzeltherapie

1x Ergotherapie

2x Sporttherapie

1x Qigong

1x Gruppenfreizeit

1x Dramatherapie – Einzel

1x Wochenausklang

1x Körpertherapie – Gruppe

 

Auch in dieser Woche habe ich zu kämpfen, aber das Ende ist in Sicht. Die letzten Kraftreserven, wo auch immer sie herkommen, werden mobilisiert.

Die Hofpausen, am frühen Morgen, sind mal leise und mal lauter. Es sind viele Neue in der Runde. Aber wie es bei Rauchern so ist, Kontakt ist schnell da. Durch mein „Guten Morgen ...“ bringe ich meinen Kopf etwas in Schwung. Ich bekomme langsam eine Ahnung davon, dass den meisten hier mein „Guten Morgen ...“ gut getan hat, denn ich höre jetzt öfter, dass sie es vermissen werden.

Leider höre ich hier auch von Dingen, die ich nicht hören möchte, aber ich höre sie und verstehe sie nicht. Ich schiebe sie weg, es gibt einfach Dinge die muss ich nicht verstehen. Wichtig, es betrifft mich selbst nicht.

Die neuen Schwingungen in der Gruppe nehmen mich auch sehr in Anspruch. Ich möchte Kontakt zu Menschen, ja, aber nur soweit es einen losen Kontakt und kurze Gespräche sind. Ich will alles was Konflikte und Spannungen sind von mir weg halten. Das will ich nicht. Ich kann es körperlich spüren und kann es nicht aushalten. Die Gruppe macht es mir da nicht leicht. Ich bin sehr froh, nicht dabei zu sein. Aber es passieren auch positive Dinge durch Gruppenmitglieder. Ich wurde in dieser Woche, an einem Morgen, überrascht. Im Essenraum, an meinem Platz, fand ich eine „goldene Kugel“. Heike hat sie hingelegt. Es hat mich sehr gefreut. Ich umarmte sie und sagte DANKE. Tanja und Kristina wollten dann auch eine Umarmung, die ich ihnen gab. Leider waren es wieder diese, für mich, leeren Umarmungen. Doch beim Rauchen auf dem Hof, fühlte ich dann Wärme in mir, Wärme für die Menschen die mir gerade gut tun. Ich bin gerade sehr froh, hier gewesen zu sein und es erleben und wahrnehmen zu können. Ich hoffe ich kann es sehr lange in meinem Gedächtnis bunkern, für Zeiten wo ich wieder an nichts glauben kann.

Ich habe, gemeinsam mit Michael, einen sehr ruhigen, traditionellen Jahreswechsel erlebt.

Neujahr, habe ich an alle Gruppenmitglieder und das Personal Glückskekse verteilt. Wie sollte es auch anders sein. Es war einfach nur schön, die Freude in den Augen der anderen zu sehen. Ich selbst war sehr müde und kraftlos. Ich hatte so viel Druck in mir – Koffer packen, Fazit und Wochenbericht noch schreiben. So verging der Neujahrstag.

 

Diese Woche bestand für mich nur darin, die positiven Gedanken fest zu halten. Ich wollte meine Zufriedenheit mitnehmen. Das positive in mir. Ich wollte keinerlei Auseinandersetzungen, Spannungen oder anderes mehr. Ich wollte bist zum Tag der Entlassung einfach noch etwas Schönes erleben und mitnehmen.

 

In der ersten Einzeltherapie in dieser Woche geht es um das Leben in meinem Schneckenhaus.

Das Schneckenhaus ist nicht gut für mich, ist der Eindruck der Therapeutin. Wenn ich darin sitze ergebe ich mich der Depression. Auch an „schlechten“ Tagen, sollte ich darum kämpfen einige Dinge zu erledigen und hinaus zu gehen. Es wird nicht jeden Tag gelingen, doch ich sollte es jeden Tag probieren. Sonst wäre meine Therapie hier umsonst gewesen. Hier habe ich gekämpft und mich gequält, doch ich habe die Tage überstanden und gelernt. Es sollte also auch zu Hause möglich sein, Alltagsaufgaben zu erledigen, täglich und sie nicht wegzuschieben. Wir tauschen Gedanken aus hin und her, so lange bis ich verstanden habe und es auch wirklich annehmen kann. Es tut mir gut. Mein Schneckenhaus darf nicht zum verkriechen sein. Ich kann es nutzen Ruhe zu finden und bei mir selbst zu sein! Da ist der Unterschied. In der Zeit hier, hat sich mein Schneckenhaus verändert. Es ist sehr bunt geworden, hat eine Tür und auch viele Fenster zum hinaus und hinein sehen. Jetzt habe ich die Tür offen und lade auch mal Menschen ein, herein zu kommen. Ich bekomme den Auftrag einen Wochenplan für mich zu erstellen, mit Alltagsaufgaben, Übungen und schönen Dingen.

Dann sprechen wir doch noch über Weihnachten. Ich erzähle von meinen Schokokugeln und davon, dass es mir gut getan hat, an alle Menschen zu denken, die für „mich“ arbeiten müssen bzw. die Gruppenmitglieder die Weihnachten in der Klinik verbringen. Ja, ich wollte ihnen eine kleine Freude machen. Ja, ich habe das wertschätzen nicht verlernt. Ich habe mich getraut es wieder zu tun, ohne schlechtes Gewissen. Es hat mir und den „Beschenkten“ gut getan. Es ging immer ein warmes Lächeln hin und her - das ist Weihnachten für mich. Ich hatte ein schönes Weihnachten. Ich selbst, habe es mir schön gemacht und für mich selbst gesorgt. Diese Stunde verlasse ich mit etwas Neuem in mir, mit dem Kopfgefühl zufrieden mit mir selbst zu sein. Ich glaube ich bin wirklich gut, so wie ich bin.

Die nächste Therapiestunde beginnt genau mit diesem Thema. Die Therapeutin fragt noch einmal nach. Ja, ich war und bin zufrieden! Mit mir zufrieden. Ich möchte diesen Eindruck mit nach Hause nehmen, auch wenn das „ABER“ der Negativgedanken da ist. Ich habe viele kleine Schritte gemacht, ich habe viel geschafft!

Danach sortiere ich meine Gedanken zur Gruppenfreizeit. Ich möchte nicht teilnehmen, weil die Stimmung in der Gruppe wieder so angespannt ist. Die Therapeutin bestätigt meine Meinungsäußerungen zur Gruppe. Ich erzähle ihr, wie ich meinen Kontakt zu Menschen derzeit gestalte. Ich schaffe es mit Menschen zusammen zu sein, wie in den Rauchpausen auf dem Hof, ich rauche mit ihnen, tausche auch ein paar Worte aus, aber dann geht man wieder auseinander. So richtig nah kommt man sich nicht. Das ist für mich auch gut so. Ich fühle mich noch immer sehr getriggert, wenn viele Menschen zusammen sind, Themen besprochen werden und es „Auseinandersetzungen“ gibt. Das will ich nicht, nie mehr. Bis sie solche Dinge aushalten, haben sie noch ein ganzes Stück Weg vor sich. Diese Aussage beruhigt mich, tut mir gut und bestärkt mich.

Des Weiteren besprechen wir meine Wochenplanung für zu Hause. Ich habe schon eine gute Vorbereitung dazu gemacht. Jeden Tag kleine Tagesaufgaben, die regelmäßig erfolgen. Dazu Dinge die mir gut tun. Dazu noch Dinge die ich üben muss z. B. Belohnungskaffee beim Bäcker trinken, beginnen wieder zu lesen (Seitenweise), kleine Einkäufe selbst erledigen. Um das ganze für mich liebevoll und ordentlich aufzunehmen, ergänzen zu können und auch Glücksmomente zu erfassen, kommt der gute Vorschlag, mir doch einen Kalender zu kaufen. Den Gedanken finde ich sehr gut.

Es ist eine enspannte Therapiestunde, ganz mit dem Weg in die Zukunft gefüllt. Ich werde es schaffen weiter zu gehen. Langsam, aber immer vorwärts.

 

Die Ergotherapie ist in dieser Woche, eine Stunde ohne Emotionen und Lachen. Alle werkeln vor sich hin. Ich gebe heute Karlotta Kunterbunt die Augen und Fenster und stelle meine Möwe Emma Regenbogen fertig. Dann ist die Stunde auch schon zu Ende.

 

Sporttherapie eine Stunde laufe ich wieder 6 Runden in 35 min. In der anderen Stunde bin ich unterwegs. Ich fahre zum Albertplatz zu „Art und Form“. Der Laden ist irre und böse für die Geldbörse. Ich wollte mir den „besagten“ Kalender kaufen. Einen Besonderen. Obwohl ich von Beginn an, einen in der Hand hatte. Aber er hatte nicht genau die Tageseinteilung, die ich wollte. Leider hatten all die schönen bunten Kalender noch weniger Tageseinteilung und nur „Arbeitskalender“ hatten die gesuchte Einteilung. Dann schaute ich mir die Einteilung in meinem Kalender noch einmal an und entschied, dass diese doch gar nicht schlecht ist. Es gibt Zeilen für die Alltagsaufgaben und Zeilen für die Glücksmomente. Gekauft.

Qigong war in dieser Woche auch nichts für mich, ich war da, konnte mich aber nur wenig darauf konzentrieren. Ich hatte zu viele Gedanken im Kopf.

 

Gruppenfreizeit, ich war da. Mein Streßpegel war sehr hoch und doch habe ich mein Herz in die Hand genommen und in der Gruppe gesagt, was ich denke. Ich habe klar gesagt, was ich davon halte, wie diese „alte“ Gruppe mit der Gruppenfreizeit umgeht. Ich habe deutlich gesagt, dass ich heute nicht bleibe, weil ich meine positiven Gedanken bewahren möchte und diese negativen Gruppenschwingungen nicht mit nach Hause nehmen möchte. Ich habe der „neuen“ Gruppe gewünscht, dass sie es besser machen wird und ihnen eine schöne gemeinsame Zeit heute gewünscht. Ich habe geschafft vor der Gruppe zu sagen was ich denke. Bin stolz!

 

Wochenausklang, ist für mich schwierig, wie so oft. Aber ich beginne in der Morgenrunde als Erste, dann habe ich es hinter mir und es ist nicht mehr schlimm, wenn ich in der Runde mit dem Kopf nicht immer dabei bin. Mein Wochenausklang ist „Karlotta Kunterbunt auf dem Weg“. Danach ist absolute Ruhe im Raum.

 

Körperthearpie auch in dieser Woche eher Kopftraining / Sinnesübung. Es liegen ganz viele, in der Natur gesammelte, „Schätze“ auf einem weißen Blatt. Jeder darf sich einen Gegenstand aussuchen. Ich nehme mir, sehr bestimmt, ein Stück Strandholz. Dann schauen wir diesen Gegenstand genau an, fühlen und riechen ihn. Danach geben wir unseren Gegenstand, mit geschlossenen Augen, weiter – bekommen einen neuen Gegenstand, den wir nur fühlen. Zum Schluss hat jeder von uns wieder seinen eigenen Gegenstand. Die Abschlussrunde besteht aus Geschichten/Erinnerungen von uns selbst, die wir mit dem gewählten Gegenstand verbinden. Meine Geschichte: Holz – Dramatherapie – Holz – Holz ist wie Menschen sein können. Es ist hat viele Maserungen, Risse, Rillen sogar Löcher und Brüche – wie ein vom Leben gezeichneter Mensch. Trotzdem ist es leicht, weich und warm. Ich mag solche Menschen und möchte sie wieder in mein Leben lassen.


Karlotta Kunterbunt ist auf dem Weg

Karlotta, heute hast du Augen bekommen.

Augen, die sich öffnen, um den schönen Tag zu begrüßen.

Augen, die sich schließen, um bei dir selbst zu sein.

Augen, damit du nicht vom Weg abkommst.

Augen, die offen in die Gesichter der Menschen schauen.

Augen, die das Lächeln der Menschen sehen.

Augen, die selbst, in die Welt lächeln können.

 

Karlotta, dein Schneckenhaus hat Tür und Fenster.

Fenster, ganz hell und sauber, zum hinaus sehen.

Fenster ohne Gardinen, die zum herein schauen einladen.

Fenster zum öffnen, um den frischen Wind herein zu lassen.

Eine Tür, die du schließen kannst, wenn du Ruhe brauchst,

um ganz bei dir zu sein.

Eine Tür, die du öffnen kannst, um Menschen herein zu bitten.

Karlotta, dein Schneckenhaus ist hell und freundlich.

 

Karlotta, du zeigst der Welt, auch langsam ist vorwärts gehen.

Karlotta, du hast mich auf meinem Weg begleitet.

Gemeinsam sind wir Schritt für Schritt gegangen.

Ich kann wieder lächeln, auch mal laut lachen.

Ich habe den Mut Fragen zu stellen, um Antworten zu erhalten.

Ganz leise, sind da Gefühle, Freude, Ärger und sogar Wut.

Manchmal, da kann ich die Wärme in mir spüren.

Auch schon mal die lauten Töne ertragen.

Ich habe Menschen gefunden, die mir Kraft und Freude gaben.

Ja, auch Menschen die mit falscher Zunge sprachen

und mir die Sicherheit nahmen.

Das Leben ist laut und leise, fröhlich und traurig,

freudig und ärgerlich, ehrlich und falsch.

Noch ist es schwer, dies alles zu ertragen, zu leben.

Doch ich bin auf dem Weg! Zurück in das Leben!

 

Karlotta, du wirst mich erinnern.

Erinnern an eine Zeit, die all meine Kraft brauchte,

an eine Zeit, des täglichen Kampfes um jedes Tun,

an eine Zeit, der Ein- und Ausblicke,

an eine Zeit, der Besinnung und Erkenntnis,

an eine Zeit, des Lächelns und des Lachens,

an eine Zeit mit vielen schönen Glücksmomenten.

Du wirst mich erinnern, an eine Zeit mit Menschen.

Mit Menschen, die wie ich, auf dem Weg sind.

Auf dem Weg zu sich selbst.

Auf dem Weg zurück in das LEBEN!

Heike Pfennig

27.12.2016


Dramatherapie - Einzel

Frau Rohte hat es wieder geschafft.

Erste Aufgabe: Suchen sie Dinge im Raum, die für Eigenschaften von Menschen stehen, die sie gut wertschätzen können.

Eine Kastanie: Empfindsam und weich, wenn ihre Schale aufbricht zeigt sie ihre andere Farbe. Sie ist verletzbar, denn wenn sie vom Baum fällt oder getreten wird, ist sie kaputt.

Muschel = Schneckenhaus: Sie kann sich zurück ziehen, kommt aber immer wieder heraus. Nur wenn sie heraus kommt, kann sie ihren Weg fortsetzen. Sie zieht sich zurück, kann es auch kommunizieren.

Speckstein, glänzend: Ehrlichkeit – Menschen die ehrlich sind. Sie haben einen besonderen Glanz. Auch Menschen die sich stets bemühen ehrlich zu sein, wenn sie es vielleicht auch manchmal nicht können (keine Kraft, zu wenig Selbstwertgefühl). Ehrlichkeit tut manchmal weh, ist mir aber lieber als Lügen. Es sind Menschen die ihren Mantel nicht in den Wind hängen.

Halbkugel aus Holz: Empathie für andere Menschen, Holz ist fest und doch weich, Holz ist warm, Holz/Baum hat eine Rinde/Maserung die, die Zeichen des Lebens verrät und doch ist er auch für andere Menschen da, respektvoller Umgang mit Menschen im Geben und Nehmen

 

Zweite Aufgabe: Stellen sie ihre Wertschätzung dar. Blumentopf und gelbe Kugel (Lächeln, Sonne)

Wertschätzung muss man nicht immer kaufen. Es sind die kleinen Dinge, die wichtig und wertvoll sind. Kommunizieren: das hast du gut gemacht, du hast mir gut getan, DANKE, ein Lächel und Guten Morgen. Es darf aber auch ein kleines Geschenk sein, eine Blume, ein Buch, eine Schokoladenkugel, einfach mal so und nicht nur zum Geburtstag oder zu Weihnachten.

 

Dritte Aufgabe: Sehen sie sich die einzelnen Eigenschaften an. Finden sie diese in sich selbst.

Kastanie – ja – bekommt ein gelbes Podest

Schneckenhaus – Rückzug, aber wieder heraus kommen– janein – ich übe mich noch im wieder herauskommen – bekommt ein Nest

Grüner Speckstein – Ehrlichkeit - Ja – bekommt einen wunderschönen bunten Stein als Podest

Halbkugel Holz – Empathie – Ja – bekommt einen gelben hübschen Schal

 

Schauen sie sich nun das Bild an. Wie geht es ihnen damit?

 

Ich fühle mich gerade warm!

Ich bin wohl doch ein guter Mensch.

Die Menschen, die mich krank gemacht haben, habe es nicht geschafft, mir die wichtigen und menschlich wertschätzenden Eigenschaften zu nehmen!

 

Können sie sich selbst wertschätzen?

Ja, heute kann ich es. Ich bin ein wertvoller Mensch! Frau Rothe sie haben es wieder geschafft. DANKE


2. Ergotherapieprojekt - Möwe Emma Regenbogen


Mein Jahreswechsel 2016/17

 

31.12.2016 - Ein schöner Jahreabschluss!

Heute habe ich bis zum Mittagessen geschlafen. Danach hat mich Michael abgeholt. Wir sind nach Hause gefahren und haben eine schöne lange Kaffeezeit gemacht. Wie immer, an Silvester, sind wir in die Altstadt gefahren. 3 Stunden sind wir gebummelt, hier hin und dort hin – wie wir es immer tun. Wie immer haben wir dann im Restaurant an der Frauenkirche draußen gesessen (Heizsonne war an) und haben unser Silvestermenü geschleckert: Warmer Nussapfelstrudel, mit Eis, Vanillesoße und Sahne, dazu Kaffee. Gemütlich saßen wir beisammen und schauten uns das Leben auf dem Platz an. Es war ein wenig wie in alten Zeiten, ich habe mich wohl dabei gefühlt (nicht angestrengt). Ein Panikattacke, auf Grund eines sehr lauten Kanonenkrachers in unmittelbarer Nähe, konnte ich regulieren.

Besonders schön war, das die kath. Kirche noch auf hatte, wir uns die Krippe anschauen konnten und wir Kerzen anzünden konnten.

Auf dem Rückweg, an der Elbe entlang, haben wir unsere Riesenwunderkerzen angezündet. Das war unser Silvester, so wie es immer ist, ruhig und schön.

Den Abend verbrachte ich auf dem Zimmer, im Internet. Den Jahreswechsel habe ich verschlafen.

 

01.01.2017 - Neujahr

Zum Frühstück habe ich Glückskekse, auch an die Küche und die Pflege verteilt. Dann habe ich bis Mittag geschlafen. Ich war immer noch sehr müde und kraftlos. Ich hatte so viel Druck in mir – Koffer packen, Fazit und Wochenbericht noch schreiben. Ich vereinbarte mit Michael den Tag heute in Ruhe für mich zu verbringen. Das war gut so. Ich konnte in Ruhe alle Dinge erledigen und dem letzten Therapietag gelassen entgegen gehen. Prost Neujahr.


02.01.2017 - Mein letzter Therapietag

Heute auf meinem Therapieplan:

Themenzentrierte Gruppe

Psychotherapie – Einzel

Kunsttherapie – Einzel

Dramatherapie – Gruppe

 

Ich bin zum ersten Mal in der Themenzentrierten Gruppentherapie. 1,5 Stunden Zeit zum Abschiednehmen. Vier Mitglieder der Gruppe haben ihre Therapiezeit geschafft. Das Ritual der Gruppe: Jedes Mitglied der Gruppe wünscht sich oder zeichnet selbst ein Abschiedsbild. Alle anderen Mitglieder verabschieden sich nacheinander und geben ihre Wünsche mit auf den Weg und malen etwas zu dem Bild hinzu. So entsteht ein schönes Abschiedsbild, für jeden der nun geht.

Ich habe die gesamte Therapiestunde durchgehalten, mit mal mehr und mal weniger Anspannung. Es war eine schöne, warmherzige, anstrengende, für mich angespannte und überraschende Zeit. Ich hatte mich vorbereitet, meine Abschiedsworte für die anderen 3 Mitglieder aufgeschrieben, damit ich ganz bestimmt auch alles sage, was für mich wichtig war. Ich habe einen guten Weg mit Blumen, bunte Kieselsteine und einen Regenbogen verschenkt.

 

Für meine Verabschiedung fehlen mir, noch heute, jetzt wo ich diese Zeilen schreibe, die Worte. Sie war für mich unfassbar, wahnsinnig, warmherzig und emotional hoch geladen. Alle haben erwartet, dass ich meine Schnecke Karlotta Kunterbunt male. Doch ich, habe Ida Trampeltreu, als meine neue Wegbegleiterin vorgestellt und gemalt.

Noch nie, in meinem Leben habe ich solche Rückmeldungen zu meinem Verhalten und Tun bekommen. Obwohl ich nur sehr begrenzt in der Gruppe aktiv war, haben mich die anderen wahrgenommen. Ich war völlig überrascht, wie mich trotzdem die anderen erlebt haben. Mich, obwohl ich doch einfach nur Ich war.

Es sind Tränen geflossen und die Worte waren nicht da, wurden die Tränen auch auf mein Bild gemalt – mein Wunsch. Sie stehen dafür, dass ich meine Tränen/Gefühle wiederfinden werde. Ich! Ich habe Menschen zu Tränen gerührt, zu Tränen der Wertschätzung, zu Tränen der Achtung. Ich habe Worte gehört wie, „du bist für mich einer der wertvollsten Menschen, die ich kennengelernt habe“, „dein Herz strahlt super viel Wärme aus“, „du hast mir Kraft gegeben“, „dein Talent Gefühle aufzuschreiben ist wunderbar“, „deine Umarmung hat mir gut getan, eine Umarmung sagt so viel mehr als Worte“, „als es mir in der Ergo richtig schlecht ging, du hast es gespürt und hast mir einfach ganz leicht die Schulter massiert“, „du bist immer bei dir geblieben und hast gesagt was du denkst“...

 

Es waren so viele, so wunderbare, so positive, so stärkende, so warmherzige Worte und ich hätte sie gern auch gespürt. Doch nur mein Kopf sang Trallalla und das ist auch neu und gut. Ich glaube ich habe jetzt den Mut oder den Glauben an mich, so zu sein wie ich bin, weil ich gut bin wie ich bin. Ich glaube ich habe den Menschen in mir gefunden, der immer da war, aber nie aus sich rauskommen konnte, der sich immer versteckt hat, in der harten Welt.

 

Einzeltherapie - die letzte Therapiestunde für diesen Klinikaufenthalt fällt sehr kurz aus, da ich eine gute Vorarbeit geleistet habe. Mein Fazit ist so ausführlich und meine Aufzählung der Fortschritte so gut, dass es nicht mehr vieler Worte brauchte. Darüber hinaus bin ich aus der Gruppenverabschiedung mit so einem Kopffreudentaumel herausgekommen, dass nichts aus der Therapiestunde hängen geblieben ist, bist auf einen Satz. Ein Satz bzw. eine Satzwiederholung: Die liebevolle Heike von damals ist noch da und manchmal traut sie sich hervor.

Ich gebe meiner Therapeutin eine DANKE-Karte und einen Glückskeks. DANKE für die offene und ehrliche Begleitung in meiner Therapie.

 

Kunsttherapie – Einzel

Heute wusste ich genau was ich wollte. Ich glaube damit habe ich Frau Flache überrascht. Ich wollte die bunte Kreide, das Meer rauschen hören und mein Abschlussbild malen: Ida Trampeltreu die Schildkröte und Karlotta Kunterbunt auf dem gemeinsamen Weg – am Strand entlang und der Regenbogen der Hoffnung und Zuversicht, der Brücken baut, über ihnen. Es ist toll geworden. Es ist das einzige Bild, dass ich mitnehme.

 

Dramatherapie – Gruppe

Heute stand natürlich das Thema Abschied – Trennung – Weg im Fokus. Es war das Thema, das wir ja alle gemeinsam hatten. Wir haben uns an einen Strand begeben, der ganz viele Steine hatte. Jeder nahm sich den Stein, der ihm als erstes ins Auge fiel. Dann besprachen wir in einer Partnerübung, wie der Stein aussah, sich anfühlte … Es folgte die Aufgabe dem Stein eine Bühne zu geben, für den Weg den wir jetzt gehen. Ich habe dem Stein, einen Regenbogen gegeben und bunte Perlen (Menschen) darunter. Nicht nah bei mir, doch nah genug. Einen Regenbogen der Hoffnung und der Brücken baut auf meinen Weg, den ich gehe. Ich bin den Menschen etwas näher gekommen.

Am Ende der Stunde, als alle Steine wieder beisammen sind, zeigt uns Frau Rothe noch ihren Lieblingsstein. Alle Steine scheinen gleich auszusehen und nichts besonderes zu haben. Doch ein Stein birgt eine Überraschung. Er hat auf einer Seite eine „Zeichnung“, die wie ein Baum aussieht. Ja, so ist das Leben, es birgt so manche Überraschung für uns. DANKE

 

Danke für diesen vollen Tag, der so viele Glücksmomente hatte.

Danke für diesen vollen Tag, der mir so viel Selbstbestätigung gegeben hat.

 


 

Mein Abschiedsbild

 

Ich habe mich getraut ich selbst zu sein. Einfach nur ich selbst. Ich habe mein ICH gefunden, das ICH was schon immer da war. Das ICH was sich nie hervor getraut hat, in dieser harten Welt. Doch jetzt ist es da und es bleibt weil ich es so möchte.

 

Merksätze, für meinen weiteren Weg, die mir am Ende meiner Therapiezeit sehr bewusst gemacht wurden, in Worten, Schrift, Abschiedsbild oder Abschiedskarte. DANKE!

 

Ich bin besonders.

Ich bin wertvoll.

Ich bin gefühlvoll.

Ich bin gut, wie ich bin.


Fazit - MEINES - Therapieaufenthaltes

 10 Wochen habe ich in der „Klinik am Waldschlößchen“ verbracht. 10 Wochen die mich gefordert und bestärkt haben und meine Grundsätze zum Therapieaufenthalt bestätigt haben.

 

Ich bin in eine KLINIK zur stationären Traumabehandlung gegangen. Nicht in ein Hotel, nicht in eine Rehaeinrichtung. In der Klinik muss ich bestimmte Regeln und Normen einhalten, ich muss diese nicht verstehen oder als sinnvoll erachten. Sie sollen mich nicht einsperren, entmündigen oder behindern. Sie sollen mir und allen anderen Patienten Halt und Sicherheit geben. Sie sollen ein entspanntes Miteinander fördern und möglichst eine guten Therapieaufenthalt absichern. Wenn ich diesen Schritt gehe, sollte ich mir dessen bewusst sein. Das hier ist kein Erholungsheim. Das hier ist schwerste Arbeit, die mich auf allen Ebenen fordert. Es liegt in meiner eigenen Verantwortung was ich daraus mache. Es liegt auch in meiner eigenen Verantwortung mich selbst wahrzunehmen, meine Grenzen zu erkennen und STOP zu sagen. Es liegt in meiner Verantwortung ehrlich zu sagen, was ich denke, wenn ich Antworten brauche. Es liegt in meiner Verantwortung mich den unterschiedlichen Themen und Problemzonen zu öffnen und zu nähern. Nur wenn ich dazu bereit bin, kann der Therapeut seine Arbeit machen, kann ich meinen Blickwinkel öffnen und weiten, kann ich Lösungsansätze finden, kann ich Regulationen üben und langsam voran gehen.

 

Meine Leitsätze, die mir für den Aufenthalt in der Klinik wichtig waren, haben mich unterstützt:

Behandle Menschen so, wie du selbst gern behandelt werden möchtest. Zieh dir nur die Jacke an, die die deine ist. Wenn du Antworten suchst, frage die richtigen Personen, am besten deinen Therapeuten.

 

Der Weg in der Klinik war für mich sehr hart, angstvoll und oftmals auch eine Quälerei. Aber ich habe immer gewusst wofür es tue und ich würde es wieder tun. Ich wollte vorwärts gehen, mich den Problemen stellen, mich verändern, Neues aufnehmen und üben. Ich wollte einfach nur ein Stück zurück in mein Leben, den Alltag wieder meistern, wieder aktiver sein, meine Gefühle finden, mein Trauma öffnen, um es zu verarbeiten und schön verpackt wieder zu verstauen. Endlich besser leben können mit der Depression. Ich habe nicht alles geschafft. Ich habe schafft was mir möglich war.

 

Ich habe so manchen Tag aufgeben wollen. Ich habe so oft an mir gezweifelt. Ich war so müde, so kraftlos, so energielos und doch meisterte ich den Tag, nahm jede Therapie, auf meinem Plan, in Anspruch. Ich konnte die vielen Menschen so schwer ertragen, doch war es hier unausweichlich.

 

Am schlimmsten war der Morgenbeginn. Das war zu Beginn der Horror. 6.30 Uhr riss der Wecker mich aus dem Bett. Raus, aufstehen, ins Bad gehen, anziehen, Medikamente holen, Kaffee in der Gemeinschaftsküche kochen und dann auf den Hof. Selten war ich allein, wenn ich Glück hatte, waren nur 3 Patienten auch schon da und unterhielten sich miteinander. Oh mein Gott, zum frühen Morgen! Mein Kopf wollte noch nicht denken, meine Beine noch nicht laufen, mein Körper noch nicht agieren. Ich wollte einfach nur Ruhe und Allein sein und das gab es nur selten. Ich saß da und kämpfte mit allem was ich hatte. Ich wollte es schaffen! Ich wollte nicht Abseits sein. Ich wollte es lernen. Meine Maske funktionierte – Lächeln aufsetzen und „Guten Morgen“. Danach war ich immer froh, dass mich niemand ansprach. Mit der Zeit änderte es sich. Das Lächeln funktioniert leichter und das „Guten Morgen“ kam allein aus mir heraus. Dann veränderte ich die Übung, ich begrüßte jeden mit dem Namen. Ich konnte sie mir merken! Es hat mir immer mehr gut getan und so manchen Tag habe ich damit meinen Kopf in den Tag gebracht. Die Hofpausen konnte ich immer mehr annehmen. Leute gingen und kamen, ein paar Worte wechseln und dann ging wieder jeder seinen Weg. Es brauchte keine Auseinandersetzung oder Nähe und doch war es ein gutes Miteinander.

 

Ich saß im Essenraum zum Frühstück, Mittag und Abendbrot, mit vielen Patienten zusammen. Besteck fällt runter, Teller klirren, ein stetes Gesprächsmurmeln mal lauter mal leiser im Raum, anstehen zum Essen holen und am Tisch noch 3 andere Patienten. Ich bin immer da gewesen, nie weg gelaufen. Ich habe es ertragen, habe es ausgehalten und dafür viel Kraft verbraucht. Doch mit jeder Woche wurde es besser, wenn es auch dabei blieb, dass ich ungern dort war.

 

Zu Beginn habe ich mich in verbalen und nonverbalen Therapiegruppen versucht. Leider waren für mich die Themen und die Gruppe in den verbalen Therapien nicht machbar. Mich triggerten sofort die Themen, ich hatte Dissoziationen und die Gruppe machte mir Angst. Ich hatte Angst vor jedem Wort, vor jeder „Auseinandersetzung“ und dazu noch das Problem meine Hände und Beine still zu halten. Auch die Fülle der Therapien trug dazu bei, dass ich meine Grenzen überschritt. Nach einigen Versuchen, fiel die Entscheidung, mich aus den verbalen Therapien herauszunehmen bzw. einige nicht erst zu beginnen. Auch wenn ich alles wollte, ich schaffte es nicht. Ich war nicht stabil genug. Ich war völlig überfordert. Das musste ich annehmen. Ich bekam nonverbale Einzeltherapien dazu. Für mich eine gute Entscheidung.

 

Meine Psychotherapie war von Beginn an sehr gut. Therapeutin und Patientin hatten einen guten Draht. Von Beginn an, war ein ehrliches und offenes Miteinander. Ich hatte die Sicherheit und das Vertrauen an der richtigen Stelle zu sein. Ich konnte mich öffnen und auch mein Trauma beschreiben. Ich habe es erzählt! Ich konnte Aussagen hinterfragen, konnte meine Eindrücke und Zweifel äußern, auch mal unangenehme Fragen stellen. Ich bekam immer Antworten. Für mich war es ein gutes hin und her der Gedanken, die meine Erkenntnisse, mein Bewusstsein, meinen Blickwinkel bestärkten, veränderten und achtsamer werden ließen. Sie gaben Entlastung, sortierte Gedanken und am Ende sogar innere Zufriedenheit.

 

Die Ergotherapie war zu Beginn sehr belastend. Gemeinsam in der Gruppe kreativ sein. Das heißt, die Gruppe und ihre positiven wie negativen Schwingungen aushalten, ein durcheinander von Geräuschen ertragen und wieder in die Kreativität finden. Ich hatte Stunden, die ich kaum aushalten konnte, auf Grund der Gruppenschwingungen und einige fröhliche und entspannende Stunden. Ich habe aus Pappmachee die Schnecke Karlotta Kunterbunt und die Möwe Emma Regenbogen, mit Freude gestaltet.

 

Die Dramatherapie – Gruppe/Einzel hat mir sehr gut getan. Bühnenbilder zu gestalten, um zu Erkenntnissen, Einsichten und Aussichten zu kommen, ist eine wunderbare Form der Therapie. Sie hilft Wege zu finden, sich selbst kennenzulernen und zu finden. Sie hat mir sehr viel gegeben. Sie hat mir auch gezeigt, dass ich, obwohl ich wenig in der Gruppe bin, doch sehr gut und positiv wahrgenommen werde. Sie hat mir in der Einzeltherapie einen wunderbaren riesengroßen Glücksmoment gegeben: Ich bin ein gefühlvoller Mensch, der sein wertvolles Buch der Gefühle verlegt hat. Da war es, das leise Gefühl der Freude. Ein anderes Mal konnte ich mir sehr deutlich bewusst machen, dass ich selbst ein wertvoller Mensch bin, dass meine negativen Erlebnisse nicht den guten Menschen in mir zerstört haben. Frau Rothe konnte mich und die Gruppe immer verzaubern, uns immer ganz nah erreichen.

Ich würde eine Dramatherapie jedem empfehlen.

 

Die Kunsttherapie – Einzel

Frau Flache hat es geschafft mir wirkliche Seelenstunden zu geben. Sie hat mich angenommen, mich angeschaut und mich gefragt wie es mir gerade geht. Egal wie es mir ging, sie hat es immer geschafft mich zu aktivieren und mir Glücksmomente zu geben. Ich liebe das Meer und in ihren Stunden rauschte das Meer im Hintergrund. Seelenbalsam. Ich war immer über mich selbst erstaunt, was ich so auf das Papier bringen konnte. Jeder kann malen, jeder kann seine Gefühle auf Papier bringen. Sie selbst ist mit einer Begeisterung und Freude dabei, die einfach nur ansteckt.

 

Die Sporttherapie und Qigong

Sport ist nicht meine Lieblingsbeschäftigung. Ich bin im Fitnessraum nie Freundin der vielen Geräte geworden. Das Fahrrad und das Laufband haben mich dafür regelmäßig gesehen.

Qigong hätte ich schon eher entdecken sollen. Es ist eine ruhige, aber anstrengende Form des Sports. Sie hat mich körperlich gefordert und mental beruhigt.

 

Die Körpertherapie - Gruppe ist wieder eine andere Form, sich mit sich selbst und anderen auseinanderzusetzen. Hier hatte ich meine Grenzen. Ich habe es immer geschafft im Raum zu bleiben, aber nicht immer aktiv. Einzelne Übungen habe ich gut gemeistert, auch wenn es Partnerübungen waren. Aber sobald schnelle Reaktionen, schnelle Handlungen verbunden mit unterschiedlichen Anforderungen oder gemeinsames aktives Spielmiteinander gefragt waren, war ich draußen. Zum einen war ich mit den schnellen Reaktionen überfordert, konnte die unterschiedlichen Anforderungen nicht zusammen bekommen und andererseits war ich mit dem aktiven Spiel – Miteinander, dem spielerischen mit einander ringen, völlig überfordert. Ich lernte die Aktivität (Lautstärke, das Spielen, Lachen) der Gruppe auszuhalten, bei Kraftübungen die Sicherheit zu spüren das niemand verliert, niemand aggressiv wird und auf mich geachtet wird.

Die Körpertherapie löste Spannungen, brachte Freude oder zeigte der Gruppe ihre Gemeinsamkeiten. Ich war mehrfach überrascht, wie Frau Klose die richtigen Themen für die Gruppe gefunden und eingesetzt hat. Das hat mich sehr beeindruckt.

 

Die Gruppenfreizeiten waren leider kein Angebot, das mich gefördert hat. Die Gruppe hat dafür zu wenig funktioniert. Die Gruppenschwingungen waren für mich körperlich zu spüren. Wie sollte ich mit Menschen meine Freizeit verbringen, die nicht miteinander wollen bzw. können. Die Vorbereitung und der allgemeine Umgang mit der Gruppenfreizeit waren einfach unmöglich. Es hätte eine so schöne Zeit sein können. Ich habe an 2 Gruppenfreizeiten teilgenommen, eine frühzeitig verlassen und die letzte Gruppenfreizeit, nach klaren Worten verlassen. Ich habe in der Gruppe viele wertvolle Menschen getroffen, aber als Gruppe hat es leider nicht funktioniert.

 

Pflege/Rezeption

Mein Aufenthalt wurde unterstützt vom Personal in der Pflegestation wie auch an der Rezeption.

Meine Fragen, Bitten und Hilfeersuchen wurden immer sehr gut erfüllt. Immer freundlich, immer auf dem Punkt und immer mit dem notwendigen Verständnis bzw. auch mal einem Fingerzeig.

 

Küche / Reinigungsservice

Für einen guten Therapieaufenthalt sorgen natürlich auch Küche und Reinigung.

Das Küchenpersonal war immer freundlich und aufmerksam. Das Essen zu meiner vollsten Zufriedenheit. In 10 Wochen keine Wiederholung, das macht so schnell keine andere Klinik nach. Manchmal hätte ich gern, im Essenplan, eine Erklärung für das exotische Gericht gehabt. Lach. Das Mittagessen war stets lecker und ab und zu mal etwas unbekanntes essen, war eine gute Erfahrung. Frühstück und Abendbrot hat keine Wünsche offen gelassen. Ich würde gern den Fruchtquark mit Sonnenblumenkernen, Kürbiskernen und Obstsalat jeden Tag geliefert bekommen. Toll waren auch die vielfältigen Salate.

Der Reinigungsservice war stets freundlich und rücksichtsvoll. Meine Handtuch- und Wäschewechsel waren stets pünktlich. Die Reinigung des Zimmers war ebenfalls sehr gut. So konnte ich mich immer wohl fühlen.

 

Ich habe es geschafft! Ich habe viel geschafft!

Ich habe den Schritt in die Klinik gewagt.

Ich habe 10 Wochen gekämpft, nicht aufgeben und durchgehalten.

Ich habe 10 Wochen die vorgegebene Tagesstruktur vollständig eingehalten.

Ich bin jeden Morgen aufgestanden, habe mich gewaschen, mich ordentlich gekleidet.

Ich bin zu jeder Therapie pünktlich erschienen.

Ich bin immer im Essenraum gewesen, nie weggelaufen.

Ich habe alle nonverbalen Therapieangebote für mich annehmen und nutzen können.

Ich habe gelernt in nonverbalen Therapien die Gruppe auszuhalten.

Ich es geschafft, in der Therapie offen zu sein, nachzufragen und habe mich nicht verbogen.

Ich habe gutes Handwerkszeug (Skills) erhalten, um Angstzustände, Dissoziationen o. ä. zu regulieren bzw. zu verhindern.

Ich habe gelernt und kann es wieder aushalten Menschen in die Augen zu schauen.

Ich kann wieder mit Menschen zusammen sein.

Ich kann mich wieder mit Menschen unterhalten.

Ich kann anderen Menschen Glücksmomente geben.

Ich habe gelernt einem Menschen zu vertrauen, Freundschaft zu schließen.

Ich kann wieder aus mir selbst lächeln, auch lachen.

Ich habe erfahren, dass ein lächelndes „Guten Morgen...“ dem Menschen gefällt und freut und mich selbst besser in den Tag bringt.

Ich habe es geschafft im Wochenausklang Positives aus der Woche, aber auch Kritik (Pünktlichkeit), in der Gruppe auszusprechen.

Ich lernte die Aktivität (Lautstärke, das Spielen, Lachen) der Gruppe auszuhalten,

Ich habe wieder ein leichtes Gefühl (außer meiner ständigen Angst) – Freude, Ärger, Wut.

Ich habe besser gelernt, mich selbst, achtsam wahrzunehmen und STOP zu sagen.

Ich habe gelernt auch Hilfe (Pflege) anzunehmen.

Ich habe gelernt meine Grenzen zu erkennen, anzunehmen und zu setzen.

 

Ich wurde mir bewusst, dass meine, für mich normalen, kleinen Dinge (Danke zu sagen für die Zimmerreinigung, für das tolle Weihnachtsessen, Schokokugeln zu Weihnachten...) wertschätzender Umgang mit Menschen ist, der mir und anderen gut tut, das es RICHTIG ist.

Ich wurde mir bewusst, das ich keine leere Schachtel bin, die denken kann – sondern ein gefühlvoller Mensch, der sein wertvolles Buch der Gefühle verlegt hat.

Ich wurde mir bewusst, dass ich ein wertvoller Mensch bin, so wie ich bin. Das ich ein guter Mensch bin!

Ich glaube hoffnungsvoll an die Aussage: Die liebevolle Heike von damals ist noch da. Manchmal traut sie sich heraus.

 

Ich habe für mich und mein Handeln Verantwortung übernommen.

 

Ich bin zufrieden, mit dem was ich erreicht habe, zufrieden mit mir selbst.

Ich bin immer ganz bei mir geblieben, war einfach nur ICH, habe mich nicht verbogen, gesagt was ich denke und das war gut und richtig so.

 

DANKE an alle Menschen die mich, auf meinem Weg, begleitet haben!


Danke - Schön, dass es euch gab (gibt).

Danke an die Menschen, die ich in der Gruppe kennen lernen durfte. Menschen die für mich wertvoll sind und die ihren Weg gehen werden, so wie ich. Es war schön, mit euch zusammen zu sein, mit euch zu sprechen, euch in den Arm zu nehmen, euch Mut zu machen. Glaubt an euch. Danke Heike H., Ute, Jenni, Tanja, Kristina, Hans aus Bayern, Marlen, Kristin, Heike und Andrea. Passt auf euch auf!

 

Danke für die schönen Rauch-Hofpausen: Heike – Pinklady, Ute, Jürgen, Franzy, Christin, Geli, Dani, Andrea, Brigitte, Katja, Helga, Simone, Martina, Janine, Kirstin, Anna L., Gabi, Svenja, Andreas, Ronny und Bernd. Danke für die schönen Momente, die wir uns gemeinsam gaben. Passt auf euch auf!


Trarira die Post war da

In 10 Wochen sind 48 Karten und einige Päckchen hier angekommen. Sie haben viele Grüße, gute Wünsche und Überraschungen gebracht und jedes Mal ein Lächeln in mein Gesicht gezaubert. Ich habe die besten Freunde und Facebookfreunde der Welt. Ihr habt mir so viel Freude und Kraft geschenkt, so viel Wärme und Licht gesendet und so viele Glücksmomente in den Klinikalltag gebracht.

Ich danke euch allen von ganzem Herzen.

Ich sende euch mein Lächeln, das bis über beide Ohren geht. Passt auf euch auf!

 

Eure Wünsche für mich:

  • Fröhliche, frohe, schöne, ruhige, hyggelige, friedvolle, gesegnete, traumhaft schöne, erholsame, entspannte, besinnliche Weihnachten.
  • Für das neue Jahr viel Gesundheit, Kraft, Erfolg, Zufriedenheit, Zuversicht, inneren Frieden, Hoffnung, Geduld, Liebe, eine sanften aber fröhlichen Start und dass sich meine Wünsche erfüllen mögen.
  •  … ein paar Bötchen, in der Hoffnung, dass es dir bald besser geht...
  • „Hab Sterne für dich gefangen, sollen noch bis zum Fest zu dir gelangen. Alle Sterne wünschen dir, von mir ganz fest, ein wunderschönes Weihnachtsfest“...
  • Pass gut auf dich auf!...
  • Ich sah das Buch („Den Schmerz der Welt in Hoffnung verwandeln“ Pablo Neruda) und dann sah ich dich. ...
  • … Momentan ist wenigsten Sonne für dich unterwegs ….
  • Es gibt Tage ohne Licht, aber die Sonne ist immer in unserer Nähe ...
  • Nicht dänisch rot – weiß … ich umarme dich mit lieben Grüßen …
  • Ich wünsche dir weiterhin Kraft und Stärke für deinen schwierigen Weg …
  • „Nur Mut – Liebe, Mut und Freundschaft sind die Schlüssel, die so manche verschlossene Tür öffnen können.“ Viel Spaß beim Basteln. Drück dich. …
  • Ein kleiner Gruß und eine liebe Umarmung … ich wünsche dir ganz viel Kraft …
  • … eine kleine selbstgemachte Überraschung … Fühl dich gedrückt und pass gut auf dich auf. …
  • Menschen zu finden, die mit uns fühlen und empfinden, ist wohl das schönste Glück auf Erden. Schön, dass es dich gibt! …
  • ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass deine gesundheitliche Situation weiter Berg auf geht …
  • „Vertraut sind diese Sterne, gehen nie zur Ruh. Sie lächeln aus der Ferne einen lieben Weihnachtsgruß dir zu.“ (Monika Minder) Schön, dass es dich gibt und sei nicht immer so streng mir dir! …
  • Ich wünsche mir für dich, dass Alles so wird, wie du es dir erdenkst … toll, dass du das so gut überstehst … All deine Träume sollten in Erfüllung gehen im Jahr 2017 …
  • … Gesundheit und viele schöne Begegnungen …
  • … trotzdem oder gerade deswegen, ein besinnliches Fest und für das neue Jahr nur das Allerbeste! …
  • … ein behütetes, friedvolles Jahr … Ich bin mir sicher, dass du gestärkt aus der Klinik gehst... bitte verzage nicht, vertrau dir …
  • Habt ein paar schöne Stunden … So hoffe ich auf ein baldiges Wiedersehen, beim genüsslichen Kaffee in der Stadt. Drück dich von ganzem Herzen lieb. …
  • … ruhige und gemütliche Tage. Komm zu Kräften und geh deinen Weg weiter – du kommst zum Ziel! … so viel rot – weiß, perfekt für Dänemarkfreunde!
  • … besinnliche Momente … in neuen Jahr viele Glitzersterne im manchmal trüben Alltag …
  • Nun ist es wieder mall so weit, es kommt die schöne Weihnachtszeit. In der Küche riecht es lecker, dort hantiert der Zuckerbäcker. Stollen, Plätzchen, Entenbraten sollen doch auch gut geraten. Baum und Kerzen werden aufgestellt, damit das Licht die Dunkelheit erhellt. Geschenke werden ausgetauscht, Liebe erfüllt das ganze Haus. …
  • … das du trotz deiner Krankheit möglichst positiv nach vorne schauen kannst …
  • Ich drücke dir ganz fest die Daumen, aber ganz dolle drück ich dich, in Gedanken. …
  • … ein zufriedenes Nachdenken über Vergangenes, ein wenig Glaube an das Morgen und Hoffnung für die Zukunft wünsche ich dir von ganzem Herzen …
  • … mögen alle deine Wünsche in Erfüllung gehen …
  • … ich wünsche dir weitere Fortschritte und dass es dir besser geht, Fühl dich gedrückt …
  • … da du in diesem Jahr, beim Wichteln, nicht dabei bist und wir dir die Tage in der Klinik ein wenig versüßen möchten, haben wir für dich einen, selbstgemachten, selbstbestickten Adventskalender fertig gemacht … Ich drücke dich dolle …
  • … in der Ruhe liegt die Kraft …
  • „Ganz still und leise macht sich ein Engel auf die Reise. Es ist dein Schutzengel – er gehört zu dir, und wenn du ihn brauchst, dann ist er gleich hier ...“ Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass deine Therapie ein voller Erfolg wird und das Leben wieder richtig schön bunt wird für dich! Du bist ein wundervoller, liebenswerter Mensch, der es verdient hat, dass es ihm gut geht. …
  • … ein kleiner Gruß und viel Spaß beim öffnen der Türchen …
  • … Ich hoffe, dass sich ein paar deiner Wünsche erfüllen, drücke dir die Daumen für Fortschritte in der Klinik …
  • … Einfach mal so … Zeit für ein Lächeln! …
  • „Weihnachtshamster: futtert alles auf, woran du in diesem Jahr zu knabbern hattest, damit du entspannt das neue Jahr beginnen kannst.“
  • Ich wünsche dir einen Regenbogen der Hoffnung gibt und Brücken schlägt. Der dich mit seinen sanften Farben durch jeden grauen Alltag trägt.
  • … es ist so schön zu sehen, wie du dich freust … Viele Facebookfreunde denken an dich, das finde ich toll. Diese Karte soll / kann dir ein bisschen Licht schenken, wenn du wiedermal traurig bist, aber natürlich auch sonst! …

Abschied aus der Klinik


Mein Begleiter durch das Jahr 2017

Mein neuer Kalender - Mein Jahresbegleiter! In ihm werden alle Alltags- bzw. Strukturaufgaben und meine Glücksmomente festgehalten. Meine Dauertherapieaufgabe für dieses Jahr. Damit es mir leichter fällt, diese Dinge auch wirklich aufzuschreiben, habe ich mir einen besonders schönen Kalender ausgesucht. Viele wertvolle Menschen haben darin ihre Wünsche für mich aufgeschrieben. So ist aus einem schönen Kalender, jetzt schon, ein wertvolles Buch geworden. Freu.


Bin auf dem Weg.

Mein Abschlussbild aus der Kunsttherapie - Einzel
Mein Abschlussbild aus der Kunsttherapie - Einzel